Julius Meinl V. am Tiefpunkt: Rekordkaution, Untersuchungshaft und Ausreiseverbot

  • Karl-Heinz Grasser gehört zu den Verdächtigen
    Über 100.000 Geschädigte erwarten Aufklärung
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Julius Meinl V. am Tiefpunkt: Untersuchungshaft, Rekordkaution, Ausreiseverbot. Wie der Bankier den Ruf seiner Dynastie ruinierte. Wen die Staatsanwaltschaft noch auf der Liste der Verdächtigen hat (unter anderem einen Herrn Grasser).

Von Josef Redl, Ulla Schmid und Martin Staudinger
Mitarbeit: Martina Lettner


Hundert Millionen (in Zahlen: 100.000.000) Euro – das ist schon eine Stange Geld. Man kann sich zum Beispiel einen ganzen Eurofighter darum kaufen. 100 Millionen ist die Summe, die von den ÖBB in den nächsten eineinhalb Jahren eingespart werden muss. Die Linz AG errichtet um 100 Millionen gerade ein neues Heizkraftwerk. Der Sturm „Emma“ hat im Vorjahr in Österreich Schäden von 100 Millionen angerichtet. 100 Millionen Euro veranschlagt die Bundesregierung im zweiten Konjunkturpaket für thermische Sanierungsmaßnahmen im ganzen Land.

Für Julius Meinl V. sind 100 Millionen Euro (in alter Währung fast 1,4 Milliarden Schilling) ein Betrag, der problemlos binnen weniger Stunden aufzutreiben ist, wenn es darum geht, sich die Untersuchungshaft zu ersparen. Selten zuvor hat jemand bei Gericht eine höhere Kaution hinterlegt. Der US-amerikanische Milliardenbetrüger Bernard Madoff kam vor Kurzem etwa gegen läppische zehn Millionen Dollar (umgerechnet 7,5 Millionen Euro) auf freien Fuß.

Geschockt von der Tatsache, dass er tatsächlich festgenommen worden war, setzte Meinl am vergangenen Donnerstag alles ­daran, das Gefangenenhaus Josefstadt wieder verlassen zu können. Das gelang dem skandalumwitterten Banker zwar vergleichsweise schnell, aber um einen hohen Preis – nicht nur finanziell, sondern auch immateriell. Als sich nach einer Nacht in einem Verwahrungsraum und einer weiteren in einer kargen 2-Mann-Zelle am Freitag die Tore der Justizanstalt für ihn öffneten, muss Julius Meinl V. bewusst gewesen sein, dass Ruf und Ansehen seiner Dynastie irreparabel beschädigt sind – und sein auf der in Familienbesitz befindlichen Meinl Bank aufgebautes Unternehmensimperium am Ende ist.

Die börsennotierten Gesellschaften MEL (Meinl European Land), MIP (Meinl International Power) und MAI (Meinl Airport International) sind perdu. Sie heißen nunmehr Atrium European Real Estate, Power International und Airports International und befinden sich im Eigentum eines israelischen Immobilienfonds respektive rebellischer Aktionäre. Bleibt die Bank selbst – vor den abenteuerlichen Börsengeschäften ihres Vorstands ein kleines, honoriges Investmenthaus. Danach: ein kleines, übel beleumundetes, mit dem kaum jemand etwas zu tun haben will. Eine eigene Form der Bad Bank, wenn man so will.

Über dem fünften Julius selbst hängt von nun an das Damoklesschwert von Anklage, Prozess und möglicher Verurteilung wegen Untreue und Betrug vor allem im Zusammenhang mit der früheren MEL. Für ihn gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung. In seiner Bewegungsfreiheit ist Meinl trotz der Enthaftung eingeschränkt: Er musste seinen Reisepass abgeben und darf aus Österreich nicht ausreisen. Darüber hinaus muss er die Behörden jedes Mal benachrichtigen, wenn er seinen Wohnort Wien verlässt.

Das Einzige, worüber Julius Meinl noch im Überfluss verfügen kann, ist – Geld. Die 100 Millionen Kaution dürften auch nicht eben zur Steigerung seiner Sympathiewerte bei den Aktionären der Immobiliengesellschaft beitragen. Sie mussten durch mutmaßliche Kursmanipulationen in den vergangenen eineinhalb Jahren desaströse Verluste hinnehmen. Wäre Julius Meinl V. einer von ihnen und hätte im Jahr 2003 um den Gegenwert der 100 Millionen Euro Kaution Papiere der MEL gekauft, dann könnte er heute im Wiener Straflandesgericht bloß 23,4 Millionen Euro auf den Tisch blättern. profil hat den Fall Meinl von Anfang an recherchiert und durch mehrere Schlüsselreportagen wesentlich zu seiner Aufdeckung beigetragen. Die Geschichte, die zum Ende einer Dynastie führt, begann ganz unspektakulär: mit einem Nebensatz im MEL-Halbjahresbericht 2007, der auf Rückkäufe von Wertpapieren hinwies. Möglicherweise illegal.

Die Finanzmarktaufsicht musste reagieren. Nur wenige Wochen später, am 13. September 2007, veranlasste sie eine Vor-Ort-Prüfung. profil war das einzige Medium, dem dieser Bericht vorlag. Was die Ermittler darin in trockenen Worten schilderten, ist nicht nur ein Thriller erster Güte. Sie zeichnen zugleich den Abstieg eines honorigen Unternehmerclans nach: Über 150 Jahre hatten die Meinls mit solider Kaufmannsarbeit ein ansehnliches Vermögen gemacht, um schlussendlich das Oberhaupt ihrer fünften Generation als mutmaßlichen Finanzbetrüger im Kriminal landen zu sehen.

Nach profil-Informationen ist er einer von insgesamt zehn Verdächtigen in der Affäre. Zu ihnen zählen die Meinl-Bank-Vorstände Robert Kofler, Peter J. Weinzierl und Günter Weiß. Dazu die ehemaligen MEL-Manager, Georg Kucian, Karel Römer, Heinrich Schwägler und Stephan Visy. Aber auch immer noch zwei Prominente, die zwar nichts mit der MEL, dafür aber mit der MIP zu tun ­haben: Der ehemalige Finanzminister Karl-Heinz Grasser und Ex-Verbund-Generaldirektor Hans Haider.

Dass gegen sie noch immer ermittelt wird, liegt an der ursprünglichen Strafanzeige im Fall Meinl. Grasser und Haider wurden darin bald nach der Aktien-Rückkaufaktion wegen Verdachts auf Kursmanipulationen bei der MIP genannt. Das Augenmerk der Ermittler wandte sich in der Folge zwar rasch dem MEL-Komplex zu, die beiden Herren werden aber dennoch weiterhin als Verdächtige in den Akten geführt.

Rückblende. Die Ursprünge der Meinl-Affäre liegen inzwischen bereits sieben Jahre zurück, im Jahr 2002. Zu dieser Zeit ist die Meinl Bank ein feines Geldhaus mit überschaubaren Aktivitäten. Es ist aber auch die Zeit, in der der Finanzplatz Wien von der „Ostfantasie“ erfasst wird. Und nicht nur er: Aus der ganzen Welt fließt Kapital in österreichische Unternehmen, die in den ehemaligen Ostblockstaaten investiert sind. Die Aktienkurse klettern schnell und stetig nach oben. In dieser Situation gründet die Meinl Bank eine Immobiliengesellschaft, die auf Ostgeschäfte spezialisiert ist, und bringt sie an die Börse: die MEL.

Diese Emission verändert vieles. Dank Meinls Juristen und eines hochkomplexen Vertragskonstrukts schneidet das Bankhaus am Erfolg der MEL kräftig mit. Provisionen für Börsengeschäfte, Managementgebühren für die Verwaltung der MEL-Immobilien, Anteile an Kapitalerhöhungen – sogar die Verwendung des Namens Meinl lassen sich Julius V. und die Seinen von der MEL vergolden. Das System wird später bei der Gründung der Meinl International Power (MIP) und der Meinl Airport International (MAI) 2007 Schule machen.

Das Geschäft brummt. Von 2003 bis 2006 erhöht sich die Bilanzsumme der Meinl Bank von 659 Millionen auf 5600 Millionen Euro. Der Überschuss steigt von 24 auf 118 Millionen. Bis Anfang 2007 platziert die Meinl Bank 300 Millionen MEL-Papiere an der Wiener Börse. Der Clou: Es handelt sich nicht um herkömmliche Aktien, sondern konkret um Zertifikate auf Aktien. Und diese unterliegen nicht dem strengen heimischen Wertpapierrecht – zumal die MEL im Offshore-Paradies auf der britischen Kanalinsel Jersey residiert. Die MEL wird zur Cash Cow der Meinl-Gruppe. Im Jahr 2006 erwirtschaftet die Bank bereits 60 Prozent ihres gesamten Betriebsertrags aus dem MEL-Geschäft.

Hinter den Kulissen geht es freilich abenteuerlich zu. Da wird Geld um den halben Globus transferiert, auf den Verrechnungskonten herrscht Chaos, Provisionszahlungen lassen sich kaum nachvollziehen, Verträge werden ­verwirrend formuliert und wirr datiert. Die Prüfer der Nationalbank werden später festhalten: „Wesentliche Verträge“ seien „in einer mangelhaften Form gehalten“, Kontrollprozesse „nicht ausreichend“ gewesen. Ihnen bietet sich das „Bild einer wenig transparenten Struktur, die aufgrund enger personeller Verschränkungen mit potenziellen Interessenkonflikten behaftet ist“. Dann kommt das Jahr 2006 – und mit ihm der Anfang vom Ende.

Karibik-Gesellschaft. In guten Zeiten hat sich die Meinl Bank gegenüber MEL verpflichtet, bei Kapitalerhöhungen eine Art Ausfallshaftung zu übernehmen. Sollten neu aufgelegte Papiere nicht an den Mann zu bringen sein, würde die Bank diese aufgreifen. Diese Notwendigkeit tritt im Frühjahr 2006 ein. Die MEL führt eine Kapitalerhöhung durch und legt 60 Millionen Zertifikate auf. Das Interesse der Investoren hält sich aber – anders als in den Jahre zuvor – in engen ­Grenzen.

Das Problem: Die Meinl Bank kann die Ladenhüter nicht in die eigenen Bücher nehmen, weil sie damit die gesetzlichen „Großveranlagungsgrenzen“ überschreiten würde. Der Ausweg führt in die Karibik. Dort, auf der Insel Aruba, wird eine Gesellschaft namens Somal A.V.V. aktiviert. Die Prokura hat ein gewisser Karel Römer: Niederländer und praktischerweise enger Vertrauter von Julius Meinl V. mit Funktionen in zwei Dutzend verschiedenen Meinl-Gesellschaften. Auf dem Papier ist eine Verbindung zwischen Somal und Meinl oder MEL aber nicht nachzuweisen.

Und jetzt beginnt das Ringelspiel: Da die Somal nicht genug Geld auf der Kante hat, um die überschüssigen MEL-Zertifikate aufzukaufen, muss die MEL Anleihen von Somal zeichnen. Mit diesem Geld erwirbt Somal MEL-Zertifikate. Von 60 Millionen Zertifikaten gehen im Frühjahr 2006 rund 22,7 Millionen an Somal – also mehr als ein Drittel. Im November 2006 führt die MEL eine weitere Kapitalerhöhung durch und legt 45 Millionen Zertifikate auf. Wieder springt Somal ein und übernimmt 13,2 Millionen Stück. Das Spiel wird sich 2007 ein drittes und letztes Mal wiederholen.
Diese Konstruktion stellt die Familie Meinl freilich vor ein veritables Problem: Irgendwann muss sie die in der Karibik gebunkerten Papiere wieder loswerden, und wenn möglich ohne Verlust. Das aber setzt einen stabilen Börsenkurs der MEL voraus.

2006 funktioniert das Spiel: Der Wert der MEL-Papiere klettert im Jahresverlauf von rund 15 Euro auf knapp unter 20 Euro je Stück. MEL und Somal lukrieren durch den Wiederverkauf der Zertifikate fette Gewinne: die eine fast 20 Millionen Euro, die andere 26,7 Millionen. Und die Meinl Bank? Kassiert alleine für eine dritte MEL-Kapitalerhöhung 99,73 Millionen Provision.

2007 gerät alles außer Kontrolle. Die Subprime-Krise in den USA lässt die Immobilienaktien purzeln. Zwischen Frühjahr und Sommer 2007 kauft die Meinl Bank auf MEL-Rechnung heimlich 88,8 Millionen Zertifikate zu überhöhten Preisen vom Markt. Dafür werden Investorengelder in der Höhe von 1,8 Milliarden Euro herangezogen. Auch die damit gekauften Papiere landen in der Karibik – und sollen in der Folge schrittweise wieder am Markt platziert werden. Aber das klappt nicht mehr. Somal bleibt wegen des Kursverfalls auf 75 Millionen Zertifikaten sitzen. Zur Veranschaulichung: Das ist ein Viertel aller bis dahin ausgegebenen MEL-Papiere.

2007 ist auch das Jahr, in dem Meinl zwei weitere Unternehmen an die Börse bringt: MAI und MIP, Letztere prominent beworben durch den ehemaligen Finanzminister Karl-Heinz Grasser. Sowohl mit MAI als auch MIP versucht Meinl, das Geschäftsmodell MEL zu kopieren. Zeitweise erwirtschaftet die Meinl-Bank-Gruppe aus den Geschäften der drei über 80 Prozent ihrer Betriebserträge. Die Nationalbank wird in ihrem Prüfbericht später feststellen, dass mehr als hunderttausend Meinl-Investoren in Österreich und anderswo „systematisch und ohne ihr Wissen“ Risiken ausgesetzt waren, die 2007 tatsächlich schlagend wurden.

Randnotiz. Im MEL-Halbjahresbericht 2007 finden sich dazu nur ein paar lapidare Sätze: „Zum 30. Juni 2007 hat die Gesellschaft insgesamt 52.315.000 an der Wiener Börse gelistete Zertifikate, welche Aktien der Gesellschaft vertreten, zurückerworben“, heißt es dort auf Seite 11.
Jetzt platzt die Blase.

Der Aktienkurse der MEL gehen steil nach unten, Analysten stufen die MEL-Aktie als einzigen Wiener Immobilien-Titel auf „Verkaufen“, sodass die Uni-Credit Anlegern dringend einen Umstieg nahelegt. Nun verlieren die ersten Mitarbeiter der Immobiliengesellschaft die Nerven. Unter anderen verlässt Vorstand Johann Mantler fluchtartig das Unternehmen. „Die Substanz des Unternehmens stimmt. Daher braucht man sich um die Meinl-Aktie keine Sorgen machen“, beschwichtigt Grasser. Der Kurssturz sei bloß eine „irrationale Übertreibung der Märkte“.

Ganz anders schätzt der aus der MEL ausgeschiedene Unternehmenssprecher Francis Lustig die Sache ein: „Kollege Mantler und ich legen Wert auf die Feststellung, dass wir zurückgetreten sind. Wir haben dies getan, weil wir die aus unserer Sicht völlig sinnlose Rückkaufaktion nicht mittragen konnten“, sagt er bereits im September 2007 gegenüber profil. Wenig später enthüllt profil, dass die Finanzmarktaufsicht FMA wegen Marktmanipulation, Verletzung der Publizitätspflichten und möglicherweise irreführende Angaben im Kapitalmarktprospekt gegen die MEL ermittelt. Wenige Tage später kündigt die Nationalbank eine Sonderprüfung der Meinl Bank an.

Im Dezember 2007 wendet sich die FMA an die Staatsanwaltschaft. Ende des Monats sind auch bei Julius Meinl V. erste Fluchtreflexe zu bemerken: Er zieht sich aus dem Management der Meinl Bank zurück und wird Aufsichtsratsvorsitzender. Die Bilanz des Bankhauses für das Jahr 2007 muss er damit nicht mehr unterschreiben. Die Höhe seiner Gage bleibt aber, wie profil aus dem Aufsichtsratsprotokoll zitiert, unverändert – weil er künftig den Vorstand beraten soll. Als Vorstandsvorsitzender der Meinl Bank hatte Julius Meinl im Jahr 2006 knapp mehr als drei Millionen Euro verdient und war damit Österreichs bestbezahlter Bankmanager. Mitte Jänner 2008 liegt der Staatsanwaltschaft der Rohbericht der Nationalbank über die Meinl Bank und die MEL vor. Weil MEL auf Jersey domiziliert war, schaltet die FMA in Wien nun ihr lokales Pendant, die Jersey Financial Services Commission, ein. Die Erhebungen gegen Julius Meinl V. und Konsorten sind also voll im Gange.

Im Februar 2008 steigen die Anleger auf die Barrikaden. Sie drohen mit Schadenersatzklagen. Der Kurs der MEL-Zertifikate ist mit knapp acht Euro mittlerweile meilenweit von jenem entfernt, zu dem MEL die Titel vom Markt geholt hat, nämlich um 20 Euro pro Stück. Diese Gemengelage – aufgebrachte Aktionäre und der fragliche Wert der Gruppe – erschweren den bereits seit Monaten geplanten Verkauf der MEL. Kolportierte Investoren, unter ihnen große Namen wie Goldman Sachs, HSBC, Apollo oder Blackstone, sind offenbar nicht wirklich interessiert. Im März schließlich wird verlautbart, die israelische Immobiliengruppe Gazit Globe und der US-Fonds Citi Property Investors wollten sich bei MEL einkaufen.

Im Mai publiziert profil die noch unter Verschluss gehaltenen MEL-Geschäftszahlen für 2007. Sie sind eine Ohrfeige für die geprellten Anleger. Ausgerechnet in dem für sie so katastrophalen Jahr musste die Immobiliengruppe MEL „Provisionen“ und „Gebühren“ von insgesamt 160 Millionen Euro an die Meinl Bank abführen. Das war der höchste Betrag in der Geschichte von Meinl European Land – und andererseits mehr, als die Immobiliengesellschaft Gewinn nach Steuern ausweisen konnte (154,6 Millionen Euro). Es passt ins Bild, dass Karl-Heinz Grassers „Managementgesellschaft“ MPM im Jahr zuvor 3,3 Millionen Euro von Meinl International Power kassierte – für nur fünf Monate Arbeit. Nun geht der Interessenverband MEL-geschädigter Anleger in die Offensive. Sie zeigen die Organe der Immobiliengesellschaft in Wien und auf Jersey wegen mutmaßlicher Untreue an.

Währenddessen laufen die Ermittlungen auch in Österreich weiter. Ehemalige Mitarbeiter der MEL werden einvernommen, die Fahnder dringen immer weiter in das undurchsichtige Finanzdickicht vor. Gleichzeitig versucht Meinl, die Berichterstattung über seine Bank mit juristischen Mitteln massiv zu behindern. Er zeigt etwa die Finanzmarktaufsicht wegen Bruchs des Amtsgeheimnisses an, um herauszufinden, wie Informa­tionen an die Medien gelangt sein könnten. profil wird von Meinl mehrmals vor den Kadi gezerrt. Unter anderem reicht der Multimillionär Klage ein, weil durch die Publikation des Namens seiner Wohnstraße (ohne Hausnummer) seine Privatsphäre verletzt worden sei.

Klagsflut. Julius V. sieht sich gerne in der Opferrolle. Als profil im August 2008 – unter Verweis auf einen Gauakt aus dem österreichischen Staatsarchiv – über eine Papierfabrik berichtete, die der Meinl-Konzern gemeinsam mit dem NS-Blutordensträger Fritz Hamburger 1939 arisiert hatte, ließ der Bankier damals über seine Anwälte ausrichten, man sei „tief betroffen“; die Meinls gehörten doch „zu den Verfolgten des Nazi-Regimes und nicht, wie von Ihnen unterstellt, zu dessen Profiteuren“.

Wahr ist beides. Das hatte sogar sein Vater Julius IV. in einem seiner raren Interviews gegenüber profil bestätigt. Freidenker Julius III., verheiratet mit einer Jüdin, wurde nach dem Anschluss zum Volksfeind erklärt. Er emigrierte mit seiner Familie nach Großbritannien. Vater Julius II. blieb und führte das Unternehmen unter der NS-Herrschaft zu neuer Größe. Auch den Warenabsatz kurbelte die NS-Herrschaft kräftig an: Viele kleine Händler wurden gezwungen, Meinl-Waren zu beziehen. Meinl versorgte die Wehrmacht, Meinl wurde in das NS-Bewirtschaftungssystem einbezogen, Meinl stellte bei Festen der NS-Elite das Catering. Im Sommer 1940 beantragte Julius II. die Aufnahme in die NSDAP. Das Gesuch wurde zwar abgelehnt – Meinl könne „ausreichende illegale Betätigung nicht nachweisen“ –, einer späteren Aufnahme stünde aber nichts entgegen, wie ein Gauamtsleiter 1943 über Meinl festhält: „In politischer Hinsicht nicht besonders nachteilig in Erscheinung getreten.“ Julius IV., dessen Vater vor den Nazis nach England geflohen war, sagte im profil-Interview 2007: „Meinem Großvater war ja im NS-Verständnis politisch kein Vorwurf zu machen.“ So offenherzig sein mittlerweile verstorbener Vater sogar über braune Flecken in der Familie plauderte, so sehr ist Meinl V. bedacht, jegliche negative Berichterstattung abzublocken.

In allen Fällen blitzt Meinl vor Gericht ab. Drei Klagen sind letztinstanzlich abgewiesen, bei einem Begehren auf Gegendarstellung wurde profil in erster Instanz Recht gegeben, die Berufung läuft noch. Auslöser der letzten Klage war die Publikation des streng unter Verschluss gehaltenen Nationalbankberichts zur MEL, also des Schlüsseldokuments zur Affäre. Im Juli 2008 war es profil als einzigem Medium gelungen, das Papier aufzutreiben und damit der Öffentlichkeit erstmals einen Überblick über die Erkenntnisse der Fahnder zum Finanznetzwerk von Meinl Bank und MEL zu geben.

Die Conclusio des Berichts: Kleinanleger finanzierten unwissentlich die privaten Millionen-Spekulationen der Familie Meinl, und der eigene Aufsichtsrat war nur rudimentär informiert. Am 18. Februar dieses Jahres dämmerte Julius Meinl wohl erstmals, dass die Justiz Ernst macht: Auf Anweisung der Staatsanwaltschaft finden an 13 Standorten Hausdurchsuchungen statt. Drei Staatsanwälte und 60 Beamte durchkämmen neben Büroräumlichkeiten auch Wohnungen in Österreich und Pressburg, stellen Unterlagen sicher und durchforsten Datenträger. Wie der „Standard“ berichtet, werden dabei nicht weniger als 70.000 E-Mails und interne Korrespondenzen sichergestellt. Seitens Meinls wird die Razzia als „medienwirksame Aktion“ abgekanzelt.

Zuständigkeiten. Doch den Behörden geht es um den Beweis, dass die Meinl Bank jederzeit Kontrolle und Information über das Vorgehen bei MEL gehabt hat. Julius Meinl hat stets geleugnet, damit etwas zu tun gehabt zu haben. „Ich bekleide bei MEL keine Funktion. Ich führe eine Bank und kein Immobiliengeschäft. Daher konnte die Meinl Bank den Zertifikatsankauf weder anordnen noch orchestrieren“, hatte er in einem profil-Interview 2007 ­behauptet.

Dennoch: Die Einschläge kommen näher. Vergangene Woche, fast eineinhalb Jahre nach Auffliegen der Affäre, wird Julius Meinl V. zu einer ersten Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft gebeten. Zuvor sind ihm von der Anklagebehörde mehrere ­Termine angeboten worden. Meinl entscheidet sich für den 2. April, die Ladung wird kurzfristig einen Tag vorverlegt.

Vielleicht ist es das Entgegenkommen der Behörden, das dazu führt, dass er sich in Sicherheit wiegt. Zudem hat die Staatsanwaltschaft in den Tagen und Wochen zuvor mehrfach versichert, dass ihm keine Verhaftung drohe. Als Meinl am Mittwochnachmittag der vergangenen Woche von seiner Villa im Wiener Nobelbezirk Döbling zum Wiener Landesgericht für Strafsachen aufbricht, rechnet er damit, lediglich ein paar Stunden dort zu verbringen. Doch dann zieht sich das Verhör beunruhigend lange hin. Auf der einen Seite: Meinl und seine Advokaten Christian Hausmaninger, Herbert Eichenseder und Ernst Schillhammer. Auf der anderen: Staatsanwalt Markus Fussenegger und Gerichtsgutachter Thomas Havranek. Das Gespräch, da stimmen die Schilderungen beider Seiten überein, verläuft zivilisiert und äußerst höflich. Doch je länger der Tag, umso bohrender die Fragen über MEL. Während Julius V. im Grauen Haus um seine Freiheit redet, machen draußen erste Gerüchte die Runde. Der Banker werde heute wohl nicht mehr heimgehen, heißt es.

Überweisung. Gegen 21 Uhr bewahrheitet sich diese Vermutung. Staatsanwalt Fussenegger erlässt – für die Meinl-Seite völlig überraschend – Haftbefehl wegen Fluchtgefahr. Die Anwälte haben bereits die Mäntel übergezogen, als Fussenegger noch einmal das Wort ergreift: „Jetzt kommen wir zum unangenehmen Teil. Sie bleiben hier.“ Wenig später betreten Beamte der Bundespolizeidirektion Wien das Vernehmungszimmer und führen Meinl ins Gefangenenhaus Josefstadt ab. Zu diesem Zeitpunkt kennen die Anwälte des Bankiers bereits die Höhe der von der Staatsanwaltschaft geforderten Kaution.

Während sie das Geld aufzutreiben versuchen, verbringt der Milliardär die Nacht in einem kargen Verwahrungsraum. In der Früh fasst er Zahnbürste, Zahnpasta und Seife aus. Dann wird er in eine 2-Mann-Zelle verlegt. Am Donnerstag, 2. April 2008 um 15 Uhr verhängt der Haftrichter formell Untersuchungshaft über den 49-Jährigen. 54 Minuten später treffen 100 Millionen Euro von der Liechtensteiner Centrum Bank am PSK-Konto 5460.016 ein, der Bankverbindung der Verwahrungsstelle des Oberlandesgerichts Wien. Das Gericht wird wohl entscheiden, dass es bis auf Weiteres „fruchtbringend“ angelegt wird. Das heißt wahrscheinlich: täglich fällig, mit mageren 1,75 Prozent verzinst.

Der Strafprozessordnung nach hätte Meinl die Kaution auch anders erlegen können: etwa in „mündelsicheren Wertpapieren, nach dem Börsenkurs des Erlagstags berechnet“. Zertifikate der MEL wären insofern kaum infrage gekommen.

7.4.2009 10:31
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Eric1959, 18. 05. '09 19:23
na so was teil 2
Die Medien setzen auf die Sensationsgier des Publikums und in schonungsloser letztklassiger Journalistischer weise werden wage Auskünfte eingeholt, auch private Dinge nicht ordentlich recherchiert denn wieso berichtet zB. Ihre werte Redaktion nicht über die bereits erfolgte Scheidung des Herrn MeinlV und seiner Exgattin vor mittlerweile 2 Jahren? Es ist ja auch nicht gerade förderlich die Exgattin als Nochgattin zu betiteln und sie bei diversen Veranstaltungen immer wieder feiernd fotografisch darzustellen um erneut Unmut sowie negative Strömungen gegen den Herrn Meinl zu schüren. Ich bin ein treuer Leser Ihrer Zeitung und würde mir sorgfältigere Recherchen wünschen die der Wahrheit entsprechen und nicht einer Hetzkampagne gleichen
Eric1959, 18. 05. '09 19:22
na so was !!
Sehr geehrte Redaktion
Ich bin entsetzt über die Berichterstattung des Herrn Julius Meinl V.
Obwohl alle Untersuchungen und Recherchen sich bis Dato weder als stichhaltig und richtig herausstellten wird dennoch alles in dieser Causa groß gedruckt und in sämtlichen Tageszeitungen der Öffentlichkeit als gegeben präsentiert. Ich finde ich es sehr bedauernswert im so genannten demokratischen Rechtsstaat Österreich dass es immer wieder vorkommt, Menschen vorab zu verurteilen und sie öffentlich zu demontieren.
kirkfrank1, 08. 04. '09 22:23
Julius Meinl V
Ich ahbe 17 Jahre im Bereich Compliance gearbeitet. Wenn das wie beschrieben gelaufen ist dass im grossen Stil Zertifikate von der Börse zurückgekauft wurden um den Kurs zu halten so ist das Marktmanipulation und das ist strafbar. Der Fünfer wie man ihn nennt dürfte sicher davon gewusst haben ebenso unser Exportaktrel die Marke KHG
frmiwa, 05. 04. '09 21:18
Sind Medien od. Gericht für Rechtssprechung zuständig ?!?
Ich wundere mich schon, mit welcher Selbstverständlichkeit div. Medien mehr oder weniger deutlich eine strafrechtliche Verfehlung in dieser Causa unterstellen (Hinweis auf die Unschuldsverm. dient ja in Wirklichkeit nur dazu, nicht umgehend zur Verantwortung gezogen zu werden!). Dass die an den Tag gelegte Gier bei MEL, Immofinanz, Conwert ua. moralisch verwerflich ist, ist eh jedem klar. Entscheidend ist die strafrechtliche Komponente, welche ausschließlich Sache der Justiz ist. Ich erinnere mich an andere Fälle wie etwa der Imperial , wo ähnliche Vorwüfe im Vorjahr mit glattem Freispruch endeten. Das war keine Headline wert. Bin gespannt, ob die div. Medien einen allfälligen Freispruch auch derart euphorisch und mit seitenlangen Artikeln verkünden werden. Der Neid ist halt ein Hund...
indyman54, 05. 04. '09 21:50
Re: Sind Medien od. Gericht für Rechtssprechung zuständig ?!?
tatsächlich: wie weit ist das gericht noch für "recht und unrecht" - für eine "recht(s) - sprechung" zuständig!?
was geht im kopf und herz des lesers vor, wenn er all diese artikel liest? wo befind ich mich hier? is des ein jahrmarkt der beliebigkeit, . . . neid is nebensächlich. ich glaub fast, es gibt tatsächlich menschen erster und zweiter klasse. - nur die erstklässler gehn schön langsam an ihrer eigenen dekadenz zugrund - ohne äußeres zutun; das is nich mehr nötig:-))) wie geht´s jemand, der nur geld und karriere im kopf hat, und die bekommt nen sprung, nen riss, . . .??? livestyle in gefahr???
lerarin, 05. 04. '09 21:04
JULIUS DAS FÜNFERL
sollte vielleicht die buddenbrooks lesen?
alabere, 05. 04. '09 09:36
Grasser will aussteigen
No Na, Jetzt wo es brenzelig wird.
milomaki, 05. 04. '09 09:26
Was soll diese Umrechnerei in Schilling?
Wie lange werden die Journalisten noch Euro-Beträge in Schilling umrechnen? 5 Jahre, 10 Jahre? Diese Umrechnerei ist absolut entbehrlich. Willkommen im 8. (!)Eurojahr!
mherger, 04. 04. '09 19:17
Da bleibt nur mehr eines: nämlich folgenden Service zu benutzen:
Vertschüssi & Partner Escape-Dienstleitungen
http://tinyurl.com/cdzcqx
auf Rappelkopf.at
mikako, 04. 04. '09 19:17
lynchjustiz ?
die wogen des volkszorns gehen hoch . verständlich .
aber dabei das augenmass nicht zu verlieren und sachlich zu beurteilen anstatt blindwütend zu verurteilen .....
schwierige aufgabe für die zivilgesellschaft.
die reaktion von uns allen . das ist das mass am zivilisation auf die wir uns stützen können/ wollen.
indyman54, 05. 04. '09 22:01
Re: lynchjustiz ?
nein: keine lynchjustiz!! nach dem zorn kommt nur noch mitleid.
diese "leute" sind arm!!! - sie haben NUR geld! ich mein das ernst! - und das wird entwertet - unaufhaltsam! - was bleibt?
ein ferrari, eine jacht, ewig sonne, . . . was is das??? . . .
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