Verbrechen und Widerstand
österreichischer Wehrmachtsgeneräle

  • Teil 4: 70 Jahre Beginn des 2. Weltkrieges

Jeder zweite General des österreichischen Bundesheers wurde 1938 von der Deutschen Wehrmacht entlassen. Die Verbliebenen trieben umso eifriger ihr Unwesen, besonders am Balkan.

Von Christa Zöchling

Ein ausbildender Offizier der theresianischen Militärakademie traute seinen Ohren nicht, als in den März-Tagen des Jahres 1938 ein Akademikerbataillon im Hof seiner Kaserne antrat und alle wie aus einem Mund das Horst-Wessel-Lied sangen. Der Text war allen bekannt.
Andere Abteilungen des Bundesheers versahen an diesem Tag an der Wiener Ringstraße ihren Dienst, wo eine hysterisierte Masse die Absperrungen zu durchbrechen suchte und Schaulustige in Alleebäumen hingen, um einen Blick auf den Führer zu erhaschen. Teilweise waren die Soldaten mit Hakenkreuzschleifen geschmückt, allesamt hatten sie die rechte Hand hochgestreckt.

Die Eingliederung des Bundesheers in die Deutsche Wehrmacht war rasch und lautlos vor sich gegangen. 126 Offiziere hatten am 14. März 1938 den Eid auf Adolf Hitler verweigert, nur drei aus politischen Gründen, unter ihnen der Kommandant der Militärakademie. Die anderen 123 waren jüdischer Abstammung oder hatten eine Jüdin zur Frau, die sie nicht verlassen wollten.

Rund 290 Offiziere sowie 3500 Unteroffiziere und niedere Chargen hatten schon in den Jahren vor dem „Umschwung“, wie man das Ereignis gern nannte, geheimen nationalsozialistischen Zellen angehört. Die Rädelsführer nutzten die Gunst der Stunde und betätigten sich schon in den ersten Tagen als Denunzianten ihrer Kollegen. Sie berichteten von politischen Äußerungen und wer „jüdisch versippt“ sei. Die stets hochgehaltene Offiziers­ehre hatte sich über Nacht verflüchtigt. Der Leiter der so genannten „Säuberungskommission“, der deutsche Militärattaché Wolfgang Muff, war überrascht über die Fülle an Meldungen, die ungefragt eintrafen. Der Leiter des bis dahin illegalen Nationalsozia­listischen Soldatenrings, Oberst Maximilian de Angelis, Lehrer bei höheren Offizierskursen, im Hintergrund auch am Juli-Putsch 1934 beteiligt, wurde in die Kommission gebeten, weil er „über die besten Personenkenntnisse“ verfügte.

In den oberen militärischen Rängen hatten nur jene gute Chancen, die bis dahin „politisch nicht hervorgetreten waren“. Ende des Jahres 1938 waren jeder zweite General, rund die Hälfte aller Offiziere im Rang eines Oberst und 14 Prozent der anderen Offiziersgrade entlassen worden. General Wilhelm Zehner, Staatssekretär und ranghöchster Offizier des österreichischen Bundesheers, wurde von der Gestapo erschossen. Einige Generäle nahmen sich das Leben, andere wurden in Konzentrationslager verbracht, die Mehrheit mit gekürzten Bezügen in Pension geschickt.

Rund 50 Offiziere, die wegen entdeckter nationalsozialistischer Betätigung vor 1938 hatten gehen müssen, kehrten zurück. Unter ihnen war Lothar Rendulic, ein fanatischer Nazi, der sofort in den Generalstab der Deutschen Wehrmacht übernommen wurde. 1948 wurde Rendulic wegen Kriegsverbrechen am Balkan zu 25 Jahren Haft verurteilt, 1951 jedoch vorzeitig entlassen. Nach Recherchen des Militärhistorikers Marcel Stein soll Rendulic in den fünfziger Jahren, nach seiner Heimkehr aus der Strafanstalt Landsberg, vom damaligen SPÖ-Vizekanzler Adolf Schärf als Verteidigungsminister vorgeschlagen worden sein, was die ÖVP ablehnte. Rendulic verfasste bis in die sechziger Jahre einschlägige Schriften.

An Kriegsverbrechen am Balkan waren Österreicher auffallend häufig beteiligt. Einheiten, die mehrheitlich aus Österreichern bestanden, wurden aufgrund der geografischen Nähe und besonderer Gebirgstauglichkeit auf diesen Kriegsschauplatz geschickt. In den höheren Rängen zählte jedoch die Expertise. Offiziere, die ihre Ausbildung noch in den Zeiten der Monar­chie absolvierten, beherrschten meist mehrere Sprachen. Viele von ihnen hatten einen kosmopolitischen Familienhintergrund. Kalkuliert wurde auch mit dem traditionellen Serbenhass der Österreicher, der schon im Ersten Weltkrieg durchgebrochen war. In der Wehrmacht galten sie als Balkan-Experten wie Alexander Löhr oder Franz Böhme, die später als Kriegsverbrecher angeklagt wurden (siehe Kasten). Löhr wurde 1947 hingerichtet. Eine Gedenktafel zu seinen Ehren befindet sich bis heute in der Wiener Stiftskirche, die zur Stiftskaserne gehört. Auf der Seite des militärischen Widerstands war der österreichische Beitrag eher dürftig. Als einziger General war Erwin Lahousen maßgeblich an den Vorbereitungen zum Staatsstreich im Juli 1944 beteiligt. Beim Nürnberger Prozess sagte er als Zeuge der Anklage aus.

15.8.2009 15:17
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eulenauge, 21. 08. '09 13:31
Offiziere
Ichbin kein Freund von Militärs im Allgemeinen und Offizieren im Besonderen, da diese in den seltensten Fällen "Gentleman" sind.
Meinen Grundwehrdienst leistete ich in der Biedermann-Huth-Raschke-Kasertne ab, wobei ich vorbeugend u7m Verzeihung für eventuelle Falschschreibung bitte - es ist mehr als dreißig Jahre her. Mir wurde erzählt, diese Offiziere seien von den Nazis gehenkt worden, weil sie die kampflose Übergabe Wiens an die Rote Armee anstrebten.

Wurde ich belogen oder schämt sich Frau Zöchlin so sehr ihrer Vergangenheit als Spitzenfunktionärin des kommunistischen Studentenverbands, daß sie uns das verschweigt?
derpradler, 16. 08. '09 19:00
Generäle sind
potentielle Mörder. Die Sieger werden als Helden gefeiert und die Verlierer sind die Kriegsverbrecher. Aber es gibt Ausnahmen, den Generälen der Habsburger baut man auch noch Denkmäler.....daß Sie für eine Famlie tausende Menschen opferten.
Das Profil scheint besonders bemüht zu sein ins eigene Nest zu schei........ohne die Verbrechen der Alliierten und im besondern der Völkermorde der USA und Engländer... in der neuesten Zeit unzutasten.
schwarzweiß, 17. 08. '09 11:54
Re: Generäle sind
Zitat Helmut Qualtinger: In Österreich ist nicht derjenige der Nestbeschmutzer, der ins Nest hineinmacht, sondern derjenige, der danach kommt und sagt: "Pfui, da stinkt's".
Whitewater, 17. 08. '09 18:55
Re: Generäle sind
>> ohne die Verbrechen der Alliierten und im besondern der Völkermorde der USA und Engländer... in der neuesten Zeit unzutasten.

Sie haben recht, die Hegemoniegeschichte Nordamerikas, die Eroberung von Kalifornien, New Mexico, Arizona, Nevada, Utah in 1848, der Genozid an Indianern, die Ermordung von 100.000en Philipinos für eine Militärbasis sind alles Themen.
Der Genozid durch Kommunisten in Kambodscha, der Genozid der Armenier durch die Türkei, die europaweiten Morde an Zigeunern, die Verbrechen Stalins.
Die USA sind immer im Krieg, aktuell Afghanistan, davor Irak II 2003 und Haiti X 2004
So gesehen verstehe ich die Aufregung nicht, uns geht es mit 70 Jahre Frieden gut.
Abgesehen von verwandtschaftlichen Verstrickungen sollte einer sachlichen Aufarbeitung nichts im Wege stehen.
schwarzweiß, 18. 08. '09 14:14
whitewater
Das stimmt ja alles, nur ist es trotzdem kein Grund, sich mit der Vergangenheit Österreichs bzw. seiner Bewohner nicht mehr auseinanderzusetzen. Das müssen die Länder alle vor ihrer eigenen Tür kehren, unabhängig voneinander.
Whitewater, 19. 08. '09 01:03
Re: Generäle sind
@ schwarzweiß
>> nur ist es trotzdem kein Grund, sich mit der Vergangenheit Österreichs bzw. seiner Bewohner nicht mehr auseinanderzusetzen.

Sie sprechen mir aus der Seele. Aber sehen Sie sich doch einmal um, wieviele sich aufregen, wenn man die Vergangenheit aufarbeiten will.
chaneu, 19. 08. '09 12:39
Re: Generäle sind
auch wenn ich mich widerhole: die verbrechen anderer an ihrer eigenen bevölkerung steht hier NICHT zur diskussion. ein uralt schmä ist die aufrechnung der hitlerverbrechen mit denen stalins. dies ist unzulässig - im zusammenhang mit UNSERER geschichte.

hier wird festgehalten, dass innerhalb des generalstabs und des offizierstabes diejenigen VERPFIFFEN worden sind, die u.U. gesinnungsabweichler sind, die einer anderen religion oder rasse zuszuordnen sind. hier wird klargestellt, was für perfide arschlöcher hier am werk waren. solange sie nicht im schutze der massenmörder standen trauten sich diese wixer keinen mucks zu machen, aber sobald man ihnen den freibrief für den kollegenmord gab, haben sie diesen bedenkenlos verwendet.

das ist der unterschied, es ist UNSERE GESCHICHTE.
HSpieler, 16. 08. '09 08:32
Nichts dazugelernt
Die heutige oesterreichische Fremden- und Judenfeindlichkeit hat zwar nichts Militaerisches mehr, dafuer aber etwas Alltaegliches. Historisch Gewachsenes ist eben nicht so leicht abzuschuetteln.
dmos, 15. 08. '09 22:42
Ignoranter Artikel
Wie kann man bei der Thematik nur auf Feldmarschallleutnant Friedländer vergessen?
Schwache Leistung Zöchling, setzen, Fünf!
Whitewater, 16. 08. '09 02:12
Re: Ignoranter Artikel
Sg. dmos, Feldmarschallleutnant Friedländer war aufgrund seiner jüdischen Herkunft ein "ganz normals" Opfer einer rechtsstaatlichen Vernichtungsmaschinerie, wie es Millionen Handwerker, Arbeiter, Angestellte, Händler, Fabrikanten, Hausfrauen und Soldaten eben auch waren.
Nach Einführung der Nürnberger Rassegesetze galt der "Halbjude" Friedländer durch die Ehe mit seiner christlichen Frau mit zwei jüdischen Elternteilen plötzlich als „Volljude“.

Das hat nichts mit dem Thema "Verbrechen und Widerstand Österr. Generäle" zu tun, Friedländer war nicht im Widerstand.

Frau Zöchling ist zudem nicht eine Schülerin, der Sie nach oberflächlicher Lektüre ihres Artikels oberlehrerhaft Noten verteilen können.
dmos, 16. 08. '09 02:24
Re: Ignoranter Artikel
@Whitewater:
Ach ist das so? Und wer war im damaligen BMV maßgeblich an der Erstellung von Strategien um einen Einfall deutscher Truppen entgegenzuwirken beteiligt? Zählt das nicht als Widerstand?
Zählt auch FML Friedländer's Weigerung sich von seiner der jüdischen Glaubensgemeinschaft angehörenden Frau scheiden zu lassen nicht als Widerstand? Schon mal was von Zivilcourage gehört - oder schließen Sie diese bei einem Soldaten per se aus und begreifen Widerstand in diesem Kontext ausschließlich als einen bewaffneten?

Oberflächliches Trottelpedia lesen Ihrerseits ist wohl doch untauglich, bzw entspricht wohl doch eher dem halbgebildeten Wissensstand eines Zöchling-Groupies.
schwarzweiß, 17. 08. '09 11:50
Whitewater
Der Ausdruck "rechtsstaatliche Vernichtungsmaschinerie" ist interessant. Unter einem Rechtsstaat verstehe ich etwas anderes, nämlich eine nach genauen gesetzlichen Vorgaben arbeitende Justiz, die frei von politischem Einfluss ist - wie in einer Demokratie normalerweise üblich (offenbar nicht bei uns) und in einer Diktatur schon per definitionem unmöglich. Es ist bei weitem nicht alles, was ein Staat tut, "rechtsstaatlich". So manches ist schlicht und einfach ein Verbrechen.
Whitewater, 17. 08. '09 16:35
Re: Ignoranter Artikel
@dmos: >>Zählt auch FML Friedländer's Weigerung sich von seiner der jüdischen Glaubensgemeinschaft angehörenden Frau scheiden zu lassen nicht als Widerstand?

Das nennt man normalerweiwse "Liebe."
Whitewater, 17. 08. '09 16:39
Re: Ignoranter Artikel
nochmal @ dmos
>> Und wer war im damaligen BMV maßgeblich an der Erstellung von Strategien um einen Einfall deutscher Truppen entgegenzuwirken beteiligt?>>

Von welchem EINFALL deutscher Truppen sprechen Sie?
Etwa dem Einfall, Polen zu blitzzkriegen? Dem Einfall einer Weltherrschaft? Zu einem Einfall deutscher Truppen in Österreich fällt mir nämlich nichts ein. Bitte nehmen Sie dazu einen Volkshochschul-Geschichtekurs, Stufe eins.
Whitewater, 17. 08. '09 16:43
Re: Ignoranter Artikel
@ schwarzweiß
Der Ausdruck "rechtsstaatliche Vernichtungsmaschinerie" war doppelbödig ironisch gemeint. ;-)
dmos, 17. 08. '09 18:52
Re: Ignoranter Artikel
@Whitewater: Ich kann mich des Eindruckes nicht erwehren, dass Sie sich auf dem selben intelektuellem Niveau wie Zöchling bewegen. Strategische Planung ist keine Anlaßplanung, daher gab es sehr wohl Pläne eine allfällige deutsche Aggression zu bekämpfen - dass es dann anders gekommen ist, weil wahrscheinlich auch Ihre Vorfahren ein Kreuz beim "JA" gemacht haben steht auf einem anderen Blatt.
Whitewater, 17. 08. '09 21:39
Re: Ignoranter Artikel
@ demos
Ja, ich hatte Nazis in der Familie.
Ich habe sie als Kind erleben müssen und es war schrecklich.
Ich weiß bis heute nicht, wieviele Menschen sie getötet haben, vielleicht waren es "nur" ein paar Dutzend, vielleicht tausende.
Es waren Menschen, die über Marschmusik hinausgehende herzliche und positive Lebensäußerungen abgrundtief gehasst haben.
Darum befürworte ich jeden Versuch der Aufklärung und verurteile jene, die sich dagegen sträuben "weil es eh keinen interessiert."

Ich bin sicher es gibt derzeit in Kärnten strategische Planung gegen einen Angriff aus Slowenien. Deshalb ist noch lange niemand im Widerstand gegen Slowenien (äh... oder doch?)
Egal - Sie müssen jedenfalls zurück auf die Schulbank.

>> auf dem intellektuellen Niveau von Zöchling
Danke für das Kompliment.
dmos, 18. 08. '09 07:50
Re: Ignoranter Artikel
@Whitewater: Hat man Ihnen in der Volkshochschule nicht beigebracht, dass Landesverteidigung Bundes- und nicht Ländersache ist? Hat es sich bis unter Ihren Stein auch schon herumgesprochen, dass Slowenien ebenso wie wir EU-Mitglied ist, ergo eine kriegerische Auseinandersetzung unwahrscheinlich ist?

Ich bin es leid mit Ihnen zu spielen...
Whitewater, 19. 08. '09 01:12
Re: Ignoranter Artikel
@ demos:
Wie üblich sind Sie schlecht informiert. Zuständigkeiten der Landesverteidigung ist kein Stoff, der in der Volksschule durchgenommen wird.
Wenn Sie spielen wollen, ist die Volkshochschule für Sie selbstverständlich zu anspruchsvoll.
Deshalb heißt es für dmos jetzt: "Ab in den Kindergarten"
Da können Sie dann herumfuchteln, "Setzen" schreien und Noten verteilen.
BLACKMAIL, 15. 08. '09 16:55
Vorbilder des Traums von den starken Männern
Genauso war „der Anteil der Österreicher an den leitenden Positionen der Konzentrationslager (Quelle: DÖW, Anm.) besonders hoch. Zehn der 59 Offiziere waren Lagerärzte, elf sonstige Ärzte... Acht von ihnen waren Lagerkommmandanten. … Fünf der Offiziere waren entweder als Kommandanten oder in der Truppe der Wacheinheiten tätig. Drei waren Leiter des Bauamtes in Auschwitz und zwei Leiter der ‚politischen Abteilung’ in Auschwitz, einer in Oranienburg. Die Lager der ‚Aktion Reinhard’ waren größtenteils von Österreichern kommandiert. Treblinka war ausschließlich von Österreichern kommandiert, ebenso Sobibór. Weiters waren die Kommandanten von Theresienstadt ausschließlich Österreicher. Auch Plazsow und Sajmiste wurden von Österreichern kommandiert.“

vgl. http://elementdawnproductions.blog.de/
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