Autodrom: David Staretz
Vermischte Beobachtungen
Wenn man darüber nachdenkt, ist alles interessant.
Das Dach des Audi TT Roadster und anderer Luxusroadster lässt sich neuerdings auch während der Fahrt öffnen und schließen. Das erscheint unerheblich, führt das Offenfahren aber tatsächlich in neue Dimensionen, weil man lässiger damit umgeht, nicht mehr überlegen muss: Wer weiß, wann ich wieder stehen bleiben und zumachen kann.
Die verwundbarste Stelle am Auto wanderte von den heute fast schaumstoffartig verzeihenden Stoßfängern an die sofort, nachhaltig und erbarmungslos angerührten Leichtmetallfelgen. Wo sich ehemals praller Reifengummi schützend vorwölbte, schert jetzt die teure Legierung am Randstein. Der Polizist, der in der Busstation Wetzelsdorf sitzt, das Handy ans Ohr gedrückt, mit der anderen Hand die Radarpistole vage in den Verkehr schwenkend er ist mir fast zu lässig. Schließlich will man als präsumtiver Geschwindigkeitsübertreter ernst genommen werden. Tankdeckel sind bei japanischen Autos meist links. Das hat mit dem dortigen Linksverkehr zu tun.
Auch die Kreisverkehr-Idee stammt ursprünglich aus dem Linksverkehr und ist dort auch besser aufgehoben. Man fährt dann nämlich im Uhrzeigersinn.
Es ist verboten, ein Auto im Autoreisezug an Abholer zu verschicken.
Kaum etwas an unserem modernen Auto ist noch reparierbar. Weniges ist verständlich. Dadurch erlahmt aber auch ein gewisses tiefer greifendes Interesse am Auto, an mechanischer, verständlicher Technik. Wir gehen immer souveräner mit Dingen um, die wir immer weniger verstehen.
Juan Manuel Fangio hielt das Lenkrad in der Position zehn vor halb acht fest. Damals hatte man in Grand-Prix-Wagen umfangreiche Steuerräder vor sich, die man mit der Ärmelkraft eines Lastwagenfahrers drehen musste.
Man hat sich die amerikanische Wanderameise angesehen und ihre netzartig verzweigten Straßen, die sie mit großer Effizienz nützt. Erkenntnis: Sie überholt nicht. Wenn sie auf einen Vordermann aufläuft, übernimmt sie sein Tempo. Kinderwagen ähneln immer mehr Geländewagen, Motorrädern, scheinen zu den Sportgeräten gewechselt zu haben.
Gerne übernommene Ansage: Jeder Kleinwagen verfügt über mehr Rechenleistung, als beim ersten Mondflug zur Verfügung stand.
Autos werden unmerklich, aber deutlich fetter. Selbst ein Smart ist nach strengen Kriterien kein Kleinwagen mehr. Handys halten Autofahrer vom Blinken ab. Autofahrerinnen auch. Gefragt: Energiespar-Fahrkurse, besonders für Taxifahrer. Lektion 1: Gas wegnehmen beim Anblick roter Ampeln. Meist sind Autos geschmackvoller, funktionaler und gemütlicher eingerichtet als dazugehörige Wohnungen. Wenn der Radiosuchlauf bei absoluter Stille zum Stehen kommt, ist das sicher ein Pianissimo auf Ö1.
CD-Empfehlung: Spukhafte Fernwirkung Die Schönheit der Quantenphysik von Professor Anton Zeilinger. Zapfsäulen sind auf geheimnisvolle Weise so ausgelegt, dass man nie einen runden Preis erzielt, sondern immer mit 0,1 endet. Neues Nobelfeature: automatisch abblendende Außenspiegel. Zeigt das Autobahn-Radarfoto 150 km/h, müssen fünf Prozent, also (gerundete) 8 km/h abgezogen werden. Man bekommt also eine Anonymverfügung wegen Tempo 142. Das kostet meist 30 Euro. We have to prepare the market, sagt der slicke junge Mann auf dem Nissan-Elektro-Workshop für Journalisten.
Der belgische Konstrukteur und Rennfahrer Camille Jenatzy durchbrach 1899 mit seinem Elektro-Torpedo La jamais contente (Die niemals Zufriedene) als erster Mensch die 100-km/h-Barriere. (Sein Erfolg, der drei Jahre lang hielt, wurde übrigens von einem Serpollet-Dampfwagen gebrochen.) Damals wusste man noch nicht, wohin die Reise geht, nicht einmal, womit sie unternommen würde. Vielleicht mit der Bahn? We want to integrate EV (Electric Vehicle) into the lifestyle of people!, setzt der junge Mann fort. Überall Schautafeln mit malvenfarbigen oder lindgrünen Schriften und Symbolen. Unter einer Plexiglasvitrine ist eine weiße Modellstadt aufgebaut. Faltschachtelartige Elektro-Kabinchen schurren über weiße Straßen, halten auf Induktionsparkplätzen.
Man erkennt den japanischen Sozialansatz: der Autofahrer wird als unkompliziert lenkbares Masseteilchen betrachtet, das sich verständnisvoll in geleitete Systeme eingliedern lässt. Alle abrufbaren Fahrdaten der Elektro-User werden ins Nissan Global Data Center in Japan gesendet, verkündet der junge Mann. Dort würden selbstverständlich anonym alle Fahrgewohnheiten gespeichert und automatisch verglichen zum Wohle aller. Per Internet lässt sich dann einsehen, wie man sich im Verkehr bewährt, ob man ein asozialer Stromfresser ist oder sich auf der grünen Seite der globalen Erfordernisse bewegt. Early Adopters werden begeistert sein!, sagt der junge Mann. Er spricht von 2011. Scheibenwischer sind sympathische Hinweise darauf, dass wir eh noch nicht wirklich in der Zukunft gelandet sind.















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