Hypo Alpe-Adria: Hochstapelnde Vorstände, planlose Gremien, zerstrittene Eigentümer

Hochstapelnde Vorstände, planlose Gremien, zerstrittene Eigentümer: Ein geheimes Dossier des langjährigen Großaktionärs Grazer Wechselseitige offenbart, wie chaotisch es in der Kärntner Landesbank vor der Verstaatlichung zuging.

Von Michael Nikbakhsh

Am Ende hatten sich die Verantwortlichen nichts mehr zu sagen. Aber da war es ohnehin längst zu spät. Vor nunmehr drei Wochen musste die Klagenfurter Hypo Alpe-Adria mittels Verstaatlichung vor dem Aus bewahrt werden. Die früheren Eigentümer Bayerische Landesbank (67,08 Prozent), Grazer Wechselseitige Versicherung (20,48 Prozent), Land Kärnten (12,42 Prozent) sowie die Mitarbeiterstiftung (0,02 Prozent) haben jetzt ein Problem weniger, die Steuerzahler eines mehr.

Die Republik Österreich hat unvermittelt eine Bank am Hals, die in nur drei Jahren 2,45 Milliarden Euro Kapital verballert hat – und jetzt noch einmal 1,5 Milliarden Euro beansprucht, um 2009 überhaupt bilanzieren zu können. All das unter den Augen einer Nationalbank, welche die Finanzen der Hypo Alpe-Adria noch Ende 2008 mehr als wohlwollend beurteilt hatte. Und noch immer ist unklar, wie es überhaupt so weit kommen konnte.

Wie ausführlich berichtet, deutet vieles darauf hin, dass das frühere Management um den Vorstandsvorsitzenden Tilo Berlin (Juni 2007 bis April 2009) die Bankenaufsicht fortgesetzt mit überzogenen Zahlen narrte. So konnte Berlin die OeNB noch im Dezember 2008 glauben machen, die Hypo Alpe-Adria werde „auf Grundlage eines weitgehend bereinigten Kreditportfolios“ 2009 einen Gewinn von 225 Millionen Euro erwirtschaften – tatsächlich dürften im Vorjahr infolge massiver Vorsorgen und Abschreibungen im Kredit- und Leasinggeschäft am Balkan insgesamt 1,6 Milliarden Euro verraucht sein.

Und nicht nur die Nationalbank fiel darauf herein.
profil liegt nun ein fünfseitiges Dossier der Grazer Wechselseitigen Versicherung (GraWe) vor, das am 9. Dezember 2009 im Büro von Generaldirektor Othmar Ederer aufgesetzt und dem 13-köpfigen Aufsichtsrat der Hypo Alpe-Adria tags darauf vorgelegt wurde. Darin heißt es unter anderem: „In den letzten drei Jahren musste die Aktionärin BVG (Anm.: das Hypo-Beteiligungsvehikel der GraWe) leidvoll feststellen, dass weder die vom Konzernvorstand vorbereiteten Businesspläne noch die im Geschäftsjahr 2008 getätigten Aussagen des damaligen Konzernvorstandes (Anm: Tilo Berlin), wonach im Geschäftsjahr 2008 letztmalig ein Einzelwertberichtigungsbedarf idHv 0,5 Mrd. besteht und in weiterer Folge sämtliche Risiken abgebaut sind, mit der wirtschaftlichen Realität übereinstimmten.“

Das sensible Schriftstück untermauert nicht nur den Verdacht der kreativen Buchführung auf Vorstandsebene. Es ist gleichsam das Manifest eines Scheiterns auf allen Ebenen. Statt den Hypo-Managern auf die Finger zu schauen oder gar die Sanierung der Bank anzugehen, waren die Vertreter der Großaktionäre BayernLB, Grazer Wechselseitige und Land Kärnten im Jahresverlauf 2009 zunehmend mit sich selbst beschäftigt – und trauten einander irgendwann nicht mehr über den Weg. Daran änderte auch Tilo Berlins Abgang nichts – er wurde am 1. Juni durch den früheren Volksbank-Chef Franz Pinkl ersetzt (unter dessen Aufsichtsratsvorsitz Ende 2008 übrigens auch die Kommunalkredit Austria notverstaatlicht werden musste).

Wie sich jetzt erst herausstellt, war das Ausmaß des Hypo-Desasters intern spätestens Anfang November bekannt – und sollte zunächst vertuscht werden. In dem GraWe-Papier steht zu lesen: „Auf Anregung der Minderheitsaktionäre BVG und KLH (Anm: Kärntner Landesholding) hat wegen der erwarteten Verluste bereits am 05.11.2009 in Klagenfurt in Anwesenheit des Konzernvorstandes VDir. Pinkl und des Finanzlandesrates Mag. Dobernig ein Gespräch stattgefunden, bei dem seitens der BVG auch gegenüber der BayernLB klar zum Ausdruck gebracht worden ist, dass a) die Informationspolitik generell verbesserungsfähig und b) ein Mitziehen bei einer allfälligen Kapitalerhöhung seitens der Minderheitsaktionärin (Anm: BVG) grundsätzlich nicht möglich ist. Zwischen allen Beteiligten wurde im Interesse der Hypo Alpe-Adria-Bank International bis auf Weiteres Stillschweigen vereinbart.“

Der Pakt hielt keine Woche.
Am 10. November informierte die Bayerische Landesbank die deutsche Öffentlichkeit erstmals über einen „deutlichen Jahresfehlbetrag“ bei der Kärntner Tochter. „Nachdem die BayernLB ohne zeitgerechte Vorwarnung der Mitaktionäre eine Ad-hoc-Meldung tätigte, ist auch die Hypo Alpe-Adria … gezwungen gewesen, eine sinngleiche Meldung abzugeben“, so die Grazer Wechselseitige an die Adresse der damaligen Miteigentümer.

Ab da ging anscheinend nichts mehr. Am 16. November traten die Hypo-Eigentümervertreter zwar erneut zusammen, diesmal in München. Anstelle konkreter Beschlüsse wurde jedoch einmal mehr vertagt. „Seitens des Hauptaktionärs BayernLB wurde … zugesagt, bis zum 25.11.2009 den übrigen Aktionären zwecks rechtzeitiger Prüfung … eine Unterlage mit folgenden Inhalten zu übermitteln: konkrete Vorschläge zur Struktur einer möglichen Rekapitalisierung, inklusive möglicher Beiträge der Minderheitsgesellschafter.“

Funkstille.
Und wieder verstrich kostbare Zeit. „Am 25.11.2009 wurde die Minderheitsaktionärin telefonisch informiert, dass man mit der Herstellung der zugesagten Unterlagen seitens der BayernLB noch nicht fertig wäre … In weiterer Folge ist es bis zum 07.12.2009 zu keiner Kontaktaufnahme zwischen dem Hauptaktionär und der Minderheitsaktionärin gekommen.“

Am 7. Dezember war das Schicksal der Klagenfurter Bank dann offenbar besiegelt. Aus dem Dossier der GraWe geht hervor, dass Hypo-Vorstandschef Franz Pinkl die Aktionäre an diesem Tag unvermittelt mit einem Konzept zur Vollverstaatlichung der Bank bedrängte: „Nach Darlegung ihrer bisherigen Positionen wurden die Aktionärsvertreter erstmals mit einem – laut Aussage des Vorstandes – im eigenen Verantwortungsbereich erarbeiteten ‚Lösungsansatz‘ konfrontiert. Schriftliche Unterlagen zu dieser Strukturüberlegung wurden nicht ausgehändigt … Auf Nachfrage wurde vom Vorstandsvorsitzenden mitgeteilt, dass die Strukturüberlegungen mit keinem Aktionär vorbesprochen worden sind und andere Handlungsalternativen nicht geprüft wurden bzw. mangels Aktivitäten der Aktionäre auch nicht geprüft werden konnten.“

Könnte auch heißen:
Nachdem BayernLB, Grazer Wechselseitige und Land Kärnten zunächst über Wochen aneinander vorbei und schließlich gar nicht mehr redeten, blieb dem Management nichts anderes übrig, als die Republik Österreich ins Spiel zu bringen, um den bevorstehenden Konkurs abzuwenden. Was schließlich auch in der Nacht vom 13. auf den 14. Dezember geschah – oder richtiger: geschehen musste.

2.1.2010 17:35
Seite bookmarken bei: ? Hilfe
dmos, 03. 01. '10 12:13
Spiegel
Der Spiegel schreibt morgen: "...Verdacht, Kärntner Politiker könnten sich womöglich persönlich am Kauf der Alpe-Adria-Mehrheit durch die BayernLB bereichert haben. Der Kaufpreis, den die Bayern für die Bank zahlten, habe den tatsächlichen Wert um mindestens 125 Millionen Euro überschritten. Auch prüfe er Verdachtsmomente, wonach Parteispenden von Deutschland nach Kärnten geflossen sein könnten."
upton, 03. 01. '10 07:53
Kärtner Hypo
Es scheint so zu sein, dass die ÖVP wieder an einer schwarz/blauen/orangen Koalition arbeitet (nur naive Menschen meinen, dass die ÖVP bei den letzten Rochaden blau/orangenicht die Finger im Spiel hatten) und daher den Verursachern der Hypo-Pleite jedwede Hilfestelung bietet - und die SPÖ schaut halt wieder einmal zu!
Und so haltet Pröll einen Herrn Martinz, der längst rücktrittsreif ist.
Und wieso werden die "Profiteure" der 150 Millionen Euro Gewinner veröffentlicht??? Weil viele der rechts-rechten Reichshälfte angehören?? Und die Justiz schweigt dazu - na ja, Elsner wurde verurteilt, die Richterin zur Justizministerin gemacht undd aher kann man das Schweigen verstehen!
Laleidama, 03. 01. '10 15:15
Re: Kärtner Hypo
nicht nur die Rolle des Campingplatzbesitzers von Ossiach ist dubios und delinquent...den Vorsitz im UA im Kärntner Landtag hatte ein Herr Tauschitz inne und die Opposition durfte nur bedingt Akteneinsicht nehmen......weiters wurden die Anzeigen des grünen Holub von der STA Klagenfurt stets zurückgewiesen...????? gäbe es ohne die bayerische Justiz jemals eine Aufklärung..???
TwitterFACEBOOKNewsletter Anmeldung
Service


ImmobilienFINDEN
statt suchen.

 

Profil . ·.


TOP-Stellenangebote





» Job-Detailsuche
» Top-Unternehmen
» Jobs per E-Mail
» Firmen finden Sie
Finden Sie hier ab sofort die besten Jobs.
Präsentiert von www.karriere.at