Elfriede Hammerl
Unser blühendes Land
In den ablehnenden Postings über Arigona Zogaj offenbart sich ein Teil der Volksseele, den man nur mehr als asozial bezeichnen kann.
Arigona: Den einen rührt sie ans Herz, die anderen provoziert sie zu Hassausbrüchen von einer Intensität, die fassungslos macht. Wer sich durch die ablehnenden Postings über sie kämpft und hofft, dass sich dabei Ansätze zu einer Konfliktlösung erkennen lassen, hofft vergeblich. Nichts als Hass und Hohn, Niedertracht und Bosheit. Das, was Schnitzler die selbstlose Gemeinheit nennt, Gehässigkeit, die sich selbst genügt. Sie verschafft dem Gehässigen keinen Vorteil, es reicht ihm, dass er verachten und im Zeitalter des Internets seine Verachtung öffentlich rausspeien darf. Die Reichweite des Cyberspace nährt seine Illusion, bedeutend zu sein, gleichzeitig darf er sich im Schutz der Anonymität verstecken.
Das Streben nach Bedeutung ist menschlich und per se weder verwerflich noch erschreckend. Erschreckend ist die Diskrepanz zwischen Anspruch und Inhalt. Da erheben welche den Anspruch auf politische Mitgestaltung mit Wortmeldungen, die nichts weiter abbilden als ein missgünstiges, widerwärtiges Gemüt.
Wer zu seiner Beruhigung nach Erklärungen sucht, seien sie rational oder wenigstens emotional nachvollziehbar, wird eines Schlechteren belehrt. Für die zutage tretende Bösartigkeit gibt es keine mildernden Interpretationen, die kann man nicht zum Missverständnis, zum Informationsdefizit, zum Ergebnis eines verantwortungslosen Medienhypes umdeuten. Missverstehen, mangelhaftes Informiertsein und auch der zeitweise Overkill an Berichten im Seitenblicke-Format spielen sicher ebenfalls eine Rolle im Diskurs um die heimische Asylpolitik und das Mädchen, das dabei zu einer Art Galionsfigur wurde. Aber abzüglich aller dieser Faktoren zeigt sich in den Reaktionen ein Teil der Volksseele, für den sich keine andere Charakterisierung finden lässt als asozial.
Menschenverachtend, paranoid, selbstmitleidig, so präsentieren sich die selbst ernannten Heimatschützer, die Österreich vor der angeblichen Gefahr Arigona bewahrt sehen möchten. Weil sie ihre Argumente aus einem Topf vorgefertigter Reizworte und abrufbarer Diffamierungen beziehen, wiederholen sich die Phrasen, die sie dreschen. Die Schlüsselworte, die etwas aufschließen, was man lieber nicht sehen möchte, lauten: Erpressung. Illegal. Wirtschaftsflüchtlinge. Fratz, freche Göre, Rotzlöffel. Sollen ihre Heimat aufbauen. Wir haben unser Land auch wieder aufbauen müssen. Uns geht es auch schlecht. Alles nur Show. Die machen sich lustig über unsere Gutmütigkeit. Wer Flüchtlinge aufnehmen will, soll sie bei sich zu Hause aufnehmen. Wer für die ist, soll gleich mit denen abgeschoben werden.
Uns geht es auch schlecht bedeutet: Wir besitzen auch nicht alles, was wir wollen. Der flehentliche Wunsch einer Jugendlichen, nicht gewaltsam entfernt zu werden aus einem mittlerweile vertrauten Umfeld (und zwar dem einzigen, das ihr trotz allem noch Geborgenheit vermittelt), wird gleichgesetzt mit materieller Gier: Wenn mein alter PC kaputt geht und ich nen neuen ausprobiere, kann ich auch net sagen: gebts ma sofort den neuen, oda ich bring mich um.
Ich kann mich ja auch nicht im Autohaus in einen Neuwagen setzen und mit selbstmord drohen wenn ich den nicht behalten darf, nur weil mir mein alter Wagen nicht mehr gefällt. Jo geh i a unsa regierung erpressen und sog wenn i ka größere wohnung bekomm de billig is bring i mi um.
Während die eigenen Konsumwünsche als gerechtfertigt empfunden werden (und die Tatsache, dass sie nicht oder nicht sofort erfüllt werden können, als unbillige Härte), dient die Vokabel Wirtschaftsflüchtlinge der Abgrenzung von jenen, die sich gefälligst damit abfinden sollen, dass ein Leben in Behaglichkeit für sie nicht vorgesehen ist. Nicht nur wird Arigonas Bemühen, in einer von ihr als heimatlich empfundenen Umgebung bleiben zu dürfen, in reines Besitzstreben umgedeutet, es wird ihr auch die Berechtigung abgesprochen, einen Lebensstandard wie unseren anpeilen beziehungsweise gar unseren Wohlstand teilen zu wollen.
Armut ist kein Aufnahmegrund, das müssen die Slumbewohner aus den Slums des Südens und Ostens endlich begreifen. Der vorauseilende Neid, der Wirtschaftsflüchtlingen nicht einmal die Utopie besserer Lebensverhältnisse zugesteht, trägt paranoide Züge. Manche sehen durch sie ganz konkret ihr persönliches Eigentum gefährdet: Stellen Sie sich vor, dass zum Beispiel während Sie auf Urlaub sind, sich Eindringlinge in
Ihrem Haus/Ihrer Wohnung häuslich niederlassen. Sie kommen nach Hause, werden freundlich begrüßt, vielleicht sogar noch bewirtet, das Haus ist sauber und gut in Schuss, aber würden Sie deshalb diesen Eindringlingen ein Bleiberecht in Ihrem Heim zugestehen???
Die wütenden Hinweise auf unseren Rechtsstaat, der nicht erpresst werden dürfe, und darauf, dass sich Arigona schließlich illegal hier aufhalte, zeugen weniger von Rechtsempfinden als vielmehr von der Genugtuung, jemand anderen an die Staatsmacht ausliefern zu können, der man sich sonst unterlegen fühlt. Dazu passt das wehleidige Klagen über die eigene, angeblich unterprivilegierte Situation:
Wir echten alten österreicher san eh nur mehr geduldet im eigenen land. Beim Sozialamt sitzen nur Ausländer und für uns Österreicher bleibt nix übrig. Ich frage mich wo uns das ganze hinführt
wirds in 50 bis 100 jahren überhaupt noch einen Österreicher geben so wie wir ihn jetzt kennen? oder haben wir dann schon alle schwarze haar?
Minderwertigkeitsgefühle: Nicht in dem Sinn, dass man selber an seinem Wert zweifelt, sondern in dem, dass man sich nicht ausreichend gewürdigt und geachtet sieht. Und das führt wiederum zu dem Verdacht, die Feinde die mehr Aufmerksamkeit bekommen ließen es nicht bloß an Respekt fehlen, sondern machten sich auch noch lustig über einen: Die lachen sich alle in die Fäuste und nuscheln: Hehe, wie dumm sind diese Österreicher, denen kann man ja alles erzählen! Mama, am besten ruf gleich noch unseren Cousin mit deinem neuem Nokia Handy an und sag ihm er soll auch so schnell wie möglich hier nach Österreich kommen, hier geht es uns allen super!
Gleichzeitig jedoch ist man stolz auf unsere Tüchtigkeit, der wir unser blühendes Land verdankten. Von unserer Aufbaugeneration wird geschrieben und davon, dass Österreich immer noch in Schutt und Asche läge, wenn unsere Ahnen so gedacht hätten wie die Zogajs, die sich weigerten, ihre Heimat aufzubauen; das Loblied unserer Trümmerfrauen wird gesungen. Offenbar sieht man sich als genetische Erben einer Generation von Wohlstandsproduzenten, deren Aufbautätigkeit abgekoppelt ist von den Ursachen der vorherigen Heimatzertrümmerung, während die Zogajs es verabsäumen, den genetischen Grundstein für eine Pionierrasse zu legen.
All das in Botschaften verpackt, die vor erstaunlichen Rechtschreibfehlern strotzen, jegliche Grammatik missachten und Satzzeichen allenfalls per Zufallsgenerator einstreuen, sodass man sich fragt, ob und warum es sich dabei um Zeugnisse einer alphabetisierten Gesellschaft handeln soll. Wer vermutet, dass gerade die erbärmlichsten Stammler am verächtlichsten über die mangelnden Deutschkenntnisse von AusländerInnen herziehen, liegt richtig. Zumindest diesen reformatorischen Appell könnte man dem Posting-Müll also entnehmen: Unser Bildungssystem ist dringend aufgerufen, die einheimische Bevölkerung mit mehr Sprach- und Schreibkompetenz auszustatten.
Am schockierendsten ist freilich die Häme, die den Unflat durchzieht. Was veranlasst Menschen, in einer schuld- und letztlich schutzlosen Jugendlichen aus einer zerstörten, zerrissenen Familie eine unverschämte Göre, einen undankbaren Fratzen zu sehen, den man nicht nur brutal abgeschoben wissen will, sondern den man auch noch mit Spott und Hohn überziehen darf, distanz- und erbarmungslos? Dein Vater könnte ja euer Haus schon aufbauen und bis du nach kommst wäre alles fertig. Wenn ma sie ehrlich san hätte man hin geh miasn zu ihr und song do host a messer duars wir haum gnuag asylanten glaubst du gehst uns oh!?!
Liebe Arigona, ich wünsche dir eine wunderschöne Heimreise und fall net. Weiters hat man am Gesichtsausdruck der 15-Jährigen erkannt, dass sie sich in Wahrheit nicht umbringt. Es besteht somit keine Gefahr, dass der Wohnort für die Ausländerin ein Begräbnis zahlen muss. Und es stellt sich die Frage, warum sich, wenn denn schon geneidet werden muss, der neidische Zorn ausgerechnet gegen eine richtet, die ohnehin nichts hat, während rampengeile Millionärstöchter oder mäßig liebenswürdige Models als Identifikationsfiguren angehimmelt werden. (Aus Heidi Klums Fanpost: Hallo Heidi ich finde das du eine klasse Frau bist unbeschreiblich schön und eine Ausstrahlung von der jeder Träumen kann. Meine liebe Heidi, eine hübsches kleines Mädchen habt ihr bekommen. Deine Leni und mein Noel sind sechs Monaten auseinander, genau wie deine Lou Sulola und meine kleine Valentina-Danielle
Respekt und große Hochachtung für die stets positiv wirkende Power-Heidi!)
Die Antwort ist einfach: Arigona wird nichts gegönnt, eben weil sie nichts hat. Die Dumpfen im Geiste sind autoritätsgläubig und stellen Hierarchien nicht infrage. Stars sind Stars und werden gegebenenfalls fürs Atemholen bewundert. Aber eine, die ein ungnädiges Schicksal bereits abgewatscht hat, soll sich ja nicht einbilden, dass sie dem Abwatschen entkommen kann. Wie groß die Zahl der renitenten Duckmäuser ist, die Schwächere brauchen, um ihren Aggressionsstau abzulassen, lässt sich schwer abschätzen. Wenn man Wahlergebnisse als Spekulationsgrundlage nimmt, wäre sie im Ansteigen. Dass dieses Potenzial an (nicht nur verbaler) Gewaltbereitschaft gefährlich ist, sehen die ganz anderen Poster, die es auch gibt. Einer versteht die Innenministerin nicht, die in einem Interview erklärt hat, ein generelles Bleiberecht für Langzeit-AsylwerberInnen würde wie ein Staubsauger wirken, die Gleichsetzung von Staub, also Schmutz, mit Flüchtlingen entsetzt ihn. Er schreibt: Wenn das die Gedankenwelt von IM Fekter ist, die sich in der Auswahl ihrer menschenverachtenden Metaphern niederschlägt, dann möchte ich ihr vorschlagen die Partei zu wechseln oder (
) ein wenig Geschichtsunterricht zu nehmen. Vielleicht wird sie begreifen, welche Konsequenzen solche Formulierungen hervorgebracht haben.
elfriede.hammerl@profil.at
4.1.2010 13:22
Raabenweib, 18. 01. '10 18:08
Zur Erinnerung / Teil 2
Artikel 2 Jeder hat Anspruch auf alle in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten, ohne irgendeinen Unterschied, etwa nach Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Anschauung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder sonstigem Stand. Des weiteren darf kein Unterschied gemacht werden auf Grund der politischen, rechtlichen oder internationalen Stellung des Landes oder Gebietes, dem eine Person angehört, gleichgültig ob dieses unabhängig ist, unter Treuhandschaft steht, keine Selbstregierung besitzt oder sonst in seiner Souveränität eingeschränkt ist.
Raabenweib, 18. 01. '10 18:08
Zur Erinnerung:
Allgemeine Erklärung der Menschenrechte
Artikel 1
Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.
alfred43, 13. 01. '10 18:17
einfach grossartig
seit dem "HERRN KARL"Anfang der 60er -dem miesen hinterfotzigen Opportunisten - dem Meisterwerk von Merz/Qualtinger - wurde den Österreichern mit Ihrem Artikel nicht annähernd so treffend ein Spiegel ihrer Seele vorgehalten. Was damals einen Sturm der Entrüstung hervorgerufen hat, war der Beweis wie richtig dieser Klassiker bis heute ist. Schade nur, dass Ihr Meisterwerk nicht die mediale Breitenwirkung erzielen wird und insbesonders diejenigen, die er erreichen sollte nicht erreichen wird !!
bischt, 11. 01. '10 22:30
Beschämend
Ich finde die Diskussionen über "Asylanten-Behandlung" in unserem so geliebten Österreich, eines der reichsten, und wie so gerne behauptet "zivilisiertesten", Ländern der Welt gelinde gesagt beschämend, physisch ausgedrückt zum Kotzen. Asylanten werden präventiv kriminalisiert, Asylbetrug von vornherein unterstellt. Meine lieben heimatverbundenen Landsleute: wer von Ihnen verläßt "freiwillig" seine Familie, Freunde, ... Nur Kriminelle? Frau Fekter: welches Gefühl verspüren sie in Ihrer Magengegend?
DI Walter Laimer
muttutgut, 09. 01. '10 15:28
Saumagen
Wenn man sich diesen großartigen Artikel wirklich eindringlich zu Gemüte führt, dann wird erst klar, von welcher Sorte Mensch unsere Regierungspolitiker(innen) Wählerstimmen einsammeln wollen. Diesen niederträchtigen und bösartigen Menschen wollen sie entsprechen und genauso niederträchtig handeln. Wer so agiert, diese unsäglichen Haltungen als Antrieb für sein politisches Tun auch nur andenken kann, braucht wirklich einen Saumagen.
Was meinen unsere Volksvertreter eigentlich zum humanen Statement unseres Bundespräsidenten? Gab es schon irgendeine Reaktion darauf?
osokovo, 09. 01. '10 11:17
Gestörtes Denkvermögen
Wenn sich Brandungsfels gekränkt fühlt tut es mir leid. In der Sache bleibe ich jedoch dabei. Wenn man nicht zwischen den Begriffen "subjektiver Einschätzung" und "Wissen" unterscheiden kann oder will, so ist etwas nicht in Ordnung. Wenn Brandungsfels schreibt: "ich WEISS.....die Anliegen von Männern kommen nicht vor" so sei ihm geraten die Artikel Häuslsteuer oder Übergewicht zu lesen - es soll auch übergewichtige Männer geben.
Brandungsfels, 10. 01. '10 00:18
Re: Gestörtes Denkvermögen
Da kann aber einer nicht mal zitieren ... aber dafür hochtrabend daherschwadronieren. Und dass ich das jetzt gesagt habe, tut mir auch nicht Leid.
osokovo, 08. 01. '10 10:01
Brandungsfels der Hellseher
Die Reaktion von Brandungsfels auf meinen Kommentar ist ein gutes Beispiel für das gestörte Denkvermögen das seinesgleichen erfaßt hat. Er stellt eine Frage, die bestenfalls Frau Hammerl selbst beantworten könnte. Brandungsfels aber weiß es trotzdem.
Brandungsfels, 08. 01. '10 18:55
Re: Brandungsfels der Hellseher
Ich wäre jedenfalls nicht auf die Idee gekommen, Ihnen gestörtes Denkvermögen zu attestieren, nur weil Sie eine andere Meinung haben als ich. Mir fällt jedoch auf, dass die Arigona-Fans offenbar ziemlich schnell jegliches Augenmaß verlieren, dass sie ziemlich schnell dazu übergehen, Leute, die in dieser Sache anders denken, zu verunglimpfen und verbal herunterzumachen. Was die Frau Hammerl betrifft, so habe ich hunderte ihrer Kolumnen gelesen, daher weiß ich zweierlei: a) Sie ist eine brillante Schreiberin, sicher die brillanteste schreibende Person im Profil. b) Bei ihr kommen Frauen so gut wie nur in nur zwei Rollen vor: in der Helden- und in der Opferrolle. Die Anliegen von Männern kommen in dieser dezidierten Frauenkolumne so gut wie nicht vor. Man muss also kein Hellseher sein ...
osokovo, 07. 01. '10 19:56
Eine traurige Wohltat
Dem hervorragenden Artikel muß ich leider in allen Punkten zustimmen - die Tatsache, daß er erschienen ist ist dennoch eine Erleichterung, und ich möchte Frau Hammerl Anerkennung und aufrichtigen Dank aussprechen.
Es tut gut zu lesen, daß die Mehrzahl der Kommentare sich wohltuend von den unsäglichen Krone-postings unter-scheiden. Dem Recken Brandungsfels sei in Erinnerung gerufen, daß die Gesetze nicht vom Himmel fallen sondern von Politikern gemacht werden, die sich vom gesunden Volksempfinden und vom Boulevard leiten lassen.
Ich wünsche mir, daß Arigona und der Rest der Familie in Österreich bleibt und ein Leben führen kann, wie es jedem jungen Menschen zukommt. Das Gleiche wünsche ich mir auch für alle Kinder und Jugendlichen, die so wie Arigona bei uns aufgewachsen und integriert sind.
Brandungsfels, 08. 01. '10 06:16
Re: Eine traurige Wohltat
Hätte Frau Hammerl auch nur einen Finger krumm gemacht, wenn es sich um einen jungen MANN gehandelt hätte?
Na eben.
schwarzweiß, 07. 01. '10 15:27
der "rechte Rand" und die Politiker
Leute wie von Fr. Hammerl beschrieben gibt es wohl in jedem Land der Welt, auch in einem ähnlichen %-Satz der Gesamtbevölkerung. Das spezielle Problems Österreichs dürfte sein, dass wie kaum in einem anderen Land dieser Erde die Politiker versuchen, es genau diesen Leuten recht zu machen. Offenbar ist es eine Erfahrung der Nachkriegszeit, dass es sich für die Parteien lohnt, um solche Leute zu kämpfen. Die Rechten entscheiden die Wahlen, unabhängig von deren Ausgang. Die ÖVP weiß das schon länger, die SPÖ (spez. im Burgenland) springt jetzt auf diesen Zug (wieder) auf.
Brandungsfels, 08. 01. '10 18:59
Re: der
Das Problem scheint mir eher zu sein, dass hierzulande die selbst ernannte Elite nach dem Motto verfährt: Wenn wir "das Volk" nur lange genug beschimpfen und heruntermachen, dann wird es, schon endlich so werden, wie wir sie gerne hätten. Wenn wir ihm nur lange genug sagen (in möglichst penetranter Weise), wie es zu denken hat, dann wird es schon irgendwann so denken.
Dass das nicht funktioniert, zeigt sich immer wieder. Die "Pädagogik" unserer "geistigen Elite" ist leider aus dem Mittelalter (ich hoffe, ich beleidige damit nicht die mittelalterliche Pädagogik).
squier, 07. 01. '10 13:09
Thomas Bernhard hat uns das alles schon vor 30 Jahren gesagt!!!
Es ist eine Schande, dass die Ungebildeten und politischen Rattenfänger in diesem Land eine derartige Stimmung schaffen können, dass "Ausländer" beschrieben werden, wie in den 30er Jahren Juden und andere Minderheiten. Und niemand von diesen stumpfsinnigen "Österreichern" erkennt die Zusammenhänge. Keiner will einsehen, dass die Demokratie gefährdet ist.
Arigona (und ähnliche MENSCHEN!!!) müssen in diesem Land bleiben dürfen. Alle, die auf diese MENSCHEN verbal einschlagen, sollten von ihrem persönlichen Versagen nicht auf andere schließen, sondern bei sich selbst damit beginnen, ihr Leben zu verbessern.
Würde Arigona abgeschoben, wäre euer Leben genauso mies. Wer wäre dann euer Opfer?
Die österr. Stumpfsinnigkeit, die Bernhard so treffend beschrieben hat, ist allgegenwärtig!!!
zu_recht, 07. 01. '10 21:08
Re: Thomas Bernhard hat uns das alles schon vor 30 Jahren gesagt!!!
aja .. so ist der grossteil der österreicher "unwissend" und "stumpfsinnig" .. hört hört .. nur weil viele menschen wollen, dass arigona endlich von der bildfläche verschwindet heisst das nicht, dass diese mit problemen zu kämpfen haben. nur wird dieser fall dermassen aufgeblasen und von gewissen medien und komischen köpfen wie euch aufgebauscht, dass es zum jammern ist .. haben wir nicht andere probleme in österreich. muss ein junges mädchen, dass null zum wohl österreichs beigetragen hat zum mensch des jahres gewählt werden? ich denke in österreich gibt es viel mehr andere missstände, die es aufzudecken gilt .. aber hauptsache österreich kümmert sich um ihre ausländer ..
Brandungsfels, 08. 01. '10 06:19
Re: Thomas Bernhard hat uns das alles schon vor 30 Jahren gesagt!!!
Das "pädagogische Konzept": Ich sage dir so lange, dass du dumm und unfähig bist, bis du klug und fähig bist, hat aber noch nie funktioniert.
Leider haben die "Intellektuellen" hierzulande durchwegs kein anderes Rezept.
Im Übrigen glaube ich nicht, dass Thomas Bernhard mit Fans wie Ihnen eine Freude gehabt hätte.
squier, 08. 01. '10 10:14
Re: Thomas Bernhard hat uns das alles schon vor 30 Jahren gesagt!!!
Nun, die "Methoden" der von Ihnen beschriebenen Intellektuellen sind allerdings immer noch wesentlich besser, als jene der Stumpfsinnigen (z.B. der Rechten).
Übrigens: Ihr Hinweis auf Bernhard und seine Fans zeigt nur, dass Sie Bernhard nicht einmal im Ansatz verstanden haben.
waaijenberg, 06. 01. '10 15:13
Danke!
Mehr kann man dazu nicht sagen.
alfred43, 04. 01. '10 23:41
von mir würde Sie für diesen Artikel den Pulitzerpreis bekommen
endlich hat jemand den Mut die Verrohung und den Niedergang der Moral in den letzten Jahrzehnten diesem Land auf den Punkt zu bringen. Begonnen hat dies mit dem Aufstieg der Krone - so wurde das Lichtermeer der Caritas mit 300.000 Teilnehmern von der Krone (Nimmerrichter) wochenlang mit Hohn und Spott niedergemacht - das Wort "Gutmensch" wurde zum Schimpfwort mutiert - andererseits trug die menschenverachtende Ausländerpolitik eines Jörg Haider und sein Erfolg damit das seinige bei um dieses wirklich unerträgliche Klima in diesem Land zu schaffen. Als trauriger Höhepunkt nun diese unfassbare Hatz auf 3 Kinder. Machen Sie bitte so weiter und ich appeliere an alle anständigen Journalisten in diesem Land so weiterzumachen, damit man sich in Zukunft als Österreicher nicht mehr schämen muss.
muttutgut, 09. 01. '10 15:49
Re: von mir würde Sie für diesen Artikel den Pulitzerpreis bekommen
Ich pflichte Ihnen im Wesentlichen bei, allerdings reicht die Verrohung der politischen Kultur bis in die Erste Republik zurück. Diese Zeit ist leider nicht besonders gut aufgearbeitet und fuhrwerkt in der österreichischen Seele weiter. Prälat ohne Milde oder Prolet ohne Mitleid (Josef Pröll), ich sehe da Parallelen.
Marius123, 04. 01. '10 18:19
Gratulation zu Ihrem Artikel
Sie haben die dunkle Seite der Volksseele bzw. der Menschen die sie repräsentieren, hervorragend beschrieben.
Bedenken sollte man auch, dass die Zogajs ja nur nach Österreich gekommen sind weil Menschen mit der genau gleichen Denkweise ihre Heimat zerstört haben.
Es war der Hass auf die Anderen, der Neid und das hören auf Hassprediger die zum Bügerkrieg am Balkan und damit zur Zerstörung der Heimat der Zogajs geführt haben. Man sieht daran das letztendliche Ergebnis dieser Denkweise.
erdbrand, 04. 01. '10 13:58
Gegen strukturelle und personale Gewalt!
Liebe Elfriede Hammerl!
Ich danke für diesen Artikel! Möge er dazu beitragen, dass Arigona Zogaj/ihre Familie sowie die vielen anderen "Zogajs", denen Würde, Schutz, Sicherheit, ein Leben mit der Familie, Gesundheit, Arbeit u.v.a.m. (also die Einhaltung der Menschenrechte ) vorenthalten wird, diese Gewalttaten gegen sie überleben. Möge er dazu beitragen, dass die schweren -täglich zugefügten- Verletzungen wieder heilen können, und das Vertrauen in die Menschen nicht gänzlich verloren gegangen ist.
ErikaRothen, 04. 01. '10 12:18
Liebe Elfriede Hammerl, vielen Dank für Ihren wunderbaren Artikel,
mit dem Sie mir aus der Seele sprechen, wennleich Sie bei der Auswahl von posts aus einschlägigen Foren große Milde walten ließen.
Was üblicherweise so alles bei entsprechenden threads (ganz besonders augenfällig bei diversen Ute Bock Foren) unter den Steinen hervorkriecht, spottet jeder Beschreibung; sowohl semantisch als auch sprachlich. Da tanzt das vielzitierte (und natürlich in GANZ Ö beheimatete) "Goldene Wienerherz" ekstatisch Tango...
Man würde zum Menschenfeind werden, gäbe es nicht andererseits immer wieder bewegende Beispiele großer Humanität. Und man tröstet sich damit, dass der schlechte Eindruck vielleicht nicht repräsentativ ist: denn Bosheiten lassen sich "netzanonym" leicht vor das größere Publikum bringen, während Güte meist lieber im Stillen waltet.
P.Galjasevic, 04. 01. '10 12:12
Blühend?
Das einzige was in unserem Land blüht ist die Dummheit. Feigheit, Ignoranz und niederträchtige Bosheit sind die Knospen, die auf Ihr sprießen.
Brandungsfels, 08. 01. '10 06:23
Re: Blühend?
Komisch, ich bin von Leuten umgeben, die Hirn haben, die Mut haben, die sich bemühen, die Welt ein wenig besser zu verlassen, als sie sie vorgefunden haben, die, sofern sie Kinder haben, diesen gute Vorbilder sein wollen, die Respekt vor der Natur und vor künstlerischen, wirtschaftlichen und sozialen Leistungen haben.
Offenbar mache ich etwas richtig, das Sie falsch machen.
Allesniedermacher und Berufsraunzer wie Sie würde ich in meinem Umfeld jedenfalls nicht dulden.