Wende im Fall Elsner: Staatsanwaltschaft Leoben ermittelt gegen Justizminis­terin

  • Gegen Bandion-Ortner wegen Amtsmissbrauch

Bizarre Wendung im Fall Elsner: Die Staatsanwaltschaft Leoben ermittelt gegen Justizministerin Claudia Bandion-Ortner und deren Kabinettschef Georg Krakow wegen Amtsmissbrauchs.

Von Michael Nikbakhsh

Es kommt nicht alle Tage vor, dass eine Richterin und ein Staatsanwalt sich selbst vor dem Gesetz verantworten müssen. Dass die Richterin nunmehr Justizministerin der Republik Österreich ist und der Staatsanwalt ihr Kabinettschef, macht die Angelegenheit nur noch ungewöhnlicher.

Andererseits: Am Fall Helmut Elsner ist längst nichts mehr gewöhnlich. Seit drei Jahren sitzt der heute 74-Jährige in Untersuchungshaft – als einziger von neun bis heute nicht rechtskräftig Verurteilten im Bawag-Prozess. Vierzehnmal haben Elsners Anwälte die Enthaftung beantragt, vierzehnmal fielen sie damit durch. Die Justiz ist der festen Überzeugung, der herzkranke Rentner – er hat keinen gültigen Reisepass, keinerlei nachgewiesene Barreserven, dafür aber einen dreifachen Bypass – würde bei erstbester Gelegenheit türmen.

Der frühere Bawag-Generaldirektor wähnt sich als Opfer „politischer Interessen“ – und hat bereits vor Monaten die Flucht nach vorne angetreten, wenn auch nur im übertragenen Sinne. Mitte des Vorjahrs ließ Elsner der Wiener Korruptionsstaatsanwaltschaft und der Staatsanwaltschaft (StA) Graz Sachverhaltsdarstellungen gegen die frühere Bawag-Richterin Claudia Bandion-Ortner, Oberstaatsanwalt Georg Krakow und die für die Verhängung der U-Haft zuständige Untersuchungsrichterin Gerda Krausam unter anderem wegen „Prozessverfälschung“ und „Amtsmissbrauchs“ übermitteln. Elsner beklagte darin die Begleitumstände seiner Verhaftung, die angebliche Unterdrückung entlastender Beweismittel, die allzu pflegliche Behandlung von Investmentberater Wolfgang Flöttl vor und während des Prozesses, vor allem aber das Desinteresse von Ankläger und Richterin, den Verbleib des Bawag-Vermögens zu untersuchen – für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.

Wie sehr die Justiz sich mit der Angelegenheit plagte, verdeutlicht schon allein der Weg der Schriftsätze. Die Korruptionsstaatsanwaltschaft erklärte sich gleich einmal für nicht zuständig, weil der Bawag-Prozess vor deren Gründung am 1. Jänner 2009 spielte. Die Grazer Behörde fühlte sich zunächst ebenfalls unzuständig und wähnte die Korruptionsstaatsanwaltschaft als eigentliche Adressatin, weshalb die Entscheidung an die Generalprokuratur delegiert wurde. Die schickte den Akt an die StA Graz zurück, die sich daraufhin für „befangen“ erklärte (das war auch der Grund, warum Elsner es gar nicht erst bei der StA Wien versucht hatte), ehe schließlich die Kollegen im steirischen Leoben damit befasst wurden.

Und da passierte, womit eigentlich nicht zu rechnen war: Die Leobener Staatsanwältin Christina Jilek führte die Causa nicht nur nicht der Rundablage zu. Sie leitete vielmehr noch Ende September unter der Aktenzahl 7St224/09a Ermittlungen gegen die amtierende Justizministerin Bandion-Ortner, deren Kabinettschef Krakow und Richterin Krausam ein – und forderte die Betroffenen auf, sich noch vor Jahresende 2009 schriftlich zu den Vorwürfen zu äußern.

Die jeweils mit 30. Dezember datierten Stellungnahmen von Bandion-Ortner und Krakow liegen profil jetzt vor. Beide weisen wenig überraschend jede Verfehlung von sich – und lassen dennoch ungewollt tief blicken. Vor allem in der so wichtigen Frage nach dem tatsächlichen Verbleib der Bawag-Gelder bleiben sie plausible Antworten schuldig. So hält etwa Georg Krakow wörtlich fest: „Der Vorwurf, den Verbleib der Bawag-Gelder nicht versucht haben aufzuklären (sic!), geht … ins Leere … Den Beweisanträgen Helmut Elsners kam das Gericht teilweise nach, im Übrigen wies es sie ab. Das in der Anzeige angeführte Beispiel, ‚alle Konten von Dr. Flöttl öffnen zu lassen‘, war aus Sicht der Staatsanwaltschaft kein geeigneter Beweisantrag.“ Claudia Bandion-Ortner hält sich in ihrer Replik gar nicht erst mit Details auf: „Die Gelder wurden … von Dr. Flöttl verspekuliert, bei welchen ‚Mitspielern‘ sie letzten Endes gelandet sind, lässt sich nicht sagen.“

Das Faktum, dass der Weg der von Flöttl „veranlagten“ Gelder nie nachgezeichnet wurde, gilt unter Juristen als eine der gröberen Schwachstellen des Bawag-Prozesses – und dürfte auch bei der noch heuer zu erwartenden Entscheidung des OGH eine Rolle spielen (alle neun Verurteilten haben das erstinstanzliche Urteil angefochten). „Die Aufgabe eines Gerichts ist es, den historischen Sachverhalt zu ermitteln und Wahrheitsfindung zu betreiben“, so Elsners Anwalt Andreas Stranzinger. Und es mache nun einmal einen erheblichen Unterschied, ob das Bawag-Vermögen nur verloren oder schlicht gestohlen worden sei.

Dass die Untersuchungen der StA Leoben tatsächlich in einer Amtsmissbrauchsanklage gegen eine Justizministerin, deren Kabinettschef und eine Richterin münden, gilt indes als eher unwahrscheinlich. Die Staatsanwälte des Landes sind Bandion-Ortner gegenüber weisungsgebunden – ganz abgesehen davon, dass allzu forsche Ermittlungen gegen die eigenen Leute einer Karriere im Justizapparat noch selten förderlich waren.

18.3.2010 13:59
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kirkfrank1, 25. 03. '10 17:03
Helmut Elsner
FAkt ist nun mal das General Helmut Elsner die BAWAG wie ein Spielcasino geführt hat. Wieso Flötl der ja angeblich die Miliarden in der Karibik versenkt hat ungeschoren davon gekommen ist, ist mir schon ein Rätsel. Dass sich niemand dafür interessiertr hat wo das Geld hingekommen ist noch viel mehr. Solten diese Pukte geklärt werden können, dann bleibt Mister Elsner aber immer noch als die Treibende Kraft im Skandal übrig.
Agathus, 15. 03. '10 12:15
Was ist los mit unserer Justiz?
II.Der in der Justiz durchgängige Grundsatz, dass Unwissenheit nicht vor Strafe schütze, ist in der Staatsanwaltschaft Klagenfurt offenbar ohne jede Bedeutung. Denn die hat dem Kärntner Landeshauptmann bescheinigt, ein juristischer Dummkopf zu sein und deshalb die Tragweite seines Tuns nicht erkannt zu haben. So hat sie ihn auch zur Ausnahme von der Regel gemacht, weil er offensichtlich der einzige ist, den Dummheit vor Strafe schützt. Die Feststellung eines Missstandes durch die Volksanwaltschaft war die dürftige Antwort darauf.
Nach solchen Erfahrungen mit der Justiz kann daher nicht mehr als eine lästige Pflichtübung sein, dass Elsners Anwälte dessen Richterin und Staatsanwalt angezeigt haben. Denn der Ausgang dürfte unter Berücksichtigung meiner Ausführungen vorhersehbar sein.
Agathus, 15. 03. '10 12:12
Was ist los mit unserer Justiz?
I.Obwohl ich nie einer war, der auch nur das geringste Verständnis dafür aufbrachte, was Elsner angerichtet hat, beginnen sich allmählich Zweifel zu regen, ob das wirklich so sein muss, was die Justiz mit ihm treibt. Arge Bedenken kommen schon auf, ob es wirklich Rechtsprechung auf hohem Niveau ist, dass man ihn nun schon ein Jahr über den Ausgang seiner Berufung im Ungewissen lässt.
In dieses Bild passt dann auch der Staatsanwalt, der in einem Strafakt, der einen ehemaligen Innenminister betraf, einen dicken Aktenbund übersieht. Recht hanebüchen ist seine Erklärung dafür, die einem juristisch ungebildeten Laien nicht einmal der wohlmeinendste Richter durchgehen ließe. Übersehen hätte er ihn einfach, meinte kurz abgebunden der StA., als ob das das Selbstverständlichste auf der Welt wäre.
derpradler, 15. 03. '10 11:03
Der Elsner
sitzt an Stelle der anderen viel "größeren" Zocker. Er ist das "rote Bauernopfer" für die Pröll-Justiz. Dieser Prozess mußte so laufen, denn das war die Eintrittskarte für die "Dame" in das Ministeramt. Was sich seither in der Justiz tut ist erschreckend und blamabel zugleich.
lewilly, 18. 03. '10 18:44
Re: Der Elsner
Nur die wenigvielen die direkt mit elsner kontakt hatten, wissen das dem menschen elsner alle seine entgleisungen nun auf einmal getroffen haben - die bibel hat recht!
chaneu, 15. 03. '10 08:10
jösasna
jetzt gehts oba los. ich würd mal folgendes behaupten. der elsner ist so schuldig wie nur was. warum er den flöttl ein paar hundert millionen gegeben hat, und was der letztlich damit gemacht hat (wo ist das geld) ist eine zweite frage. daher gehört er auch eingesperrt. schluss.
aber:
das problem ist, dass er als einziger eingesperrt wurde. weder khg, noch meinl, noch flöttl, noch hypo manager, noch darin verwickelte politker, niemand sonst wurde bis jetzt eingesperrt. obwohl in österreich allein bereits hunderte milliarden wegen betrugs abgegangen sind.
das land ist bankrott, und die täter leben in saus und braus unter uns. niemanden scheints zu stören.
wohl auch deshalb, weil die gewichtung heute eine andere ist. heute sind mehrheitlich faschisten die betrüger.
bpallmann@hotmail.com, 14. 03. '10 23:28
Justizministerin "Ober-Verdacht"? Ist gar nix gegen Bayern!
Ihr expotiert zwar manche Gute nach Norden, aber auch einiges Mörderische. Nun steht in Austria eine Dame vor 'm Kadi, in Bayerns sind gleich mehrere. Frau Barbara Stamm gar, die Merk (Justiz), Haderthauer (Sozial) - und ??, alles wg. eines ehemal. Leiter der Münchner Mordkommission mit Damen-Passion, dem Wilfling Sepp. Der schreibt ein Buch "Abgründe" und fällt selber hinunter. Maustot. Sein Spezl, der Thiess Richard gar eines über "Grauen", auch ihn hats derwischt, wie man aus München hört. Allerdings nicht im Normal-Strafvollzug tummelten sich die "Mörder-Gene", die lt. Wilfling jeder hat, er besonders bei seinen Damen, die mit anderen...und da gab 's einige ausser der Gattin, sondern im "Psychiatrischen". Dahin ließen Sepp + Richard+PaulO. einweisen. Unschuldige. Pech-kam auf
strassifritz, 14. 03. '10 11:08
U - Haft vs. Strafhaft
Wenn ich nicht irre, gibt es beider U Haft keine gesundheitlichen Gründe sie nicht zu verhängen. Auch kenne ich keinen Fall, wo ein "Dahergelaufener" bei einer Verurteilung in erster Instanz zu 10 Jahren enthaftet worden wäre.
Zurecht wird bemägelt, dass das Erstgericht die Frage wo denn die Milliarden letzlich gelandet sind, eher nachlässig behandelt hat. Doch dazu gibt es ja den OGH, möglicherweise einen 2 Rechtsgang. Fehler, Fehlurteile und wird es immer geben, aber in Österreich von Bananenrepublik zu sprechen halte ich wirklich für überzogen. Was mich schon lange stört (ich bin kein Betroffener) dass man die zu unrecht in U Haft gesteckten so zögerlich und wirklich erbärmlich behandelt und entschädigt. Da muss einmal eine saubere Lösung getroffen werden.
Strassegger
sucheBaecker, 13. 03. '10 19:52
Die Anzeichen der Bananenrepublik ..
wurden laengst gesetzt. Wenn Verbrecher wie Elster hunderte Millionen veruntreuen und Ihre Unschuld beteuern, seine Anwaelte auf die Justizministerin hetzt, Gehoer beim Staatsanwalt finden, dann ist die Bananenrepublik ein bewiesenes Faktum.
Wenn BUWOG, OEBB, PLEITEGEIER Affaeren den Staatsbuergern Milliarden Kosten verursachen, dann ist es in Wirklichkeit mit Bananrepubliken besser gestellt als mit unserer Bananenalpen Variante.
Wo fehlt es bei uns im Gehirnbereich, neurotische Probleme allein verursachen keinen Gehirnausfall.
Ignoranz, Denkungsunvermoegen erlauben solchen Gaunern den Ausraub oeffentlicher Gelder.
Und wir sind uns immer noch nicht bewusst, dass wir die
Verfassung grundsaetzlich aendern muessen, um Raubaktionen der Politiker und deren Freunde zu annihilieren.
cirsium, 13. 03. '10 15:02
Bravo
Ganz schön mutig von dieser Staatsanwältin aus Leoben und Hut ab vor ihrer Courage! Ich bin zwar überzeugt, dass wir in unserem Rechtssystem noch keine amerikanischen oder "bananischen" Zustände haben; - aber wie lange noch?
ODINAE, 13. 03. '10 22:51
Re: Bravo ich ziehe den Hut vor der Staatsanwältin ausLeoben
mich fragt sicher niemand, aber mich stört genauso, dass beim Herrn Flöttl Jun.nicht das angeblich verlorene Geld wenigstens gesucht wurde.Weiter bin ich gespannt,ob unser hvHBuP Fischer,nach Rechtskraft des Urteils gegen Herrn Elsner diesen genauso begnadigt,wie er es beim ehemaligen Generaldir.Gerhard Schmidt, auch Partei-freund,tat,der im WEB III Skandalproz.zu 5-6 Jahren rechtskräftig verurteilt wurde,wenige Monate einsaß und durch die Begnadigung auf freien Fuß gesetzt wird.Herr Elsner ist nicht mein Freund,er hat die Firma Atomic zu Fall gebracht,genauso den seinerzeitigen Inh.Rohrmoserdieser nicht pleite war.DerWEB Proz. kostete uns ATS 100 Mio,die anderen Verurteilten, die auch nicht meine Freunde sind,haben ihr Fett abgesess.Herr Schmid brauchte nicht,
wo ist Gleichheitsgrundsatz ?
hchris, 14. 03. '10 03:41
Re: Bravo
hauptsache wir bringen unseren anti-amerikanismus an, gell? ist scheinbar oesterreichische buergerpflicht!

ich kenne beide rechtssystem gut, und ich weiss ganz genau in welchem system meine individuellen freiheitsrechte besser geschuetzt sind, das koennen sie mir glauben.
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