Christian Rainer
Die kranke Kirche

Sie glaubt an Wunder, verdrängt ihre Sexualität und baut auf Selbstheilung. Ist ihr noch zu helfen?

Nur Gott weiß, was in den Kardinal gefahren ist. Eben noch und über Jahre hatte sich Christoph Schönborn Interviews mit profil verweigert, mit der Begründung, diese Zeitung habe doch seinen Vorgänger Hans Hermann Groer auf dem Gewissen. Nun aber stellt sich der Mann, der niemals klare Worte zu Groers Taten gefunden hat, an die Spitze der Bewegung, die den Missbrauch von Kindern durch Männer der Kirche aufklären will. Hat die schiere Quantität von Fällen, die in den vergangenen Wochen aufgetaucht sind, den Kardinal endlich überzeugt, dass sehr wohl sein kann, was nicht sein darf? Oder wusste er es ohnehin immer, sieht aber kühl kalkulierend, dass weiteres Leugnen zwecklos wäre? Hat er erkannt, welch massive Gefahr der katholischen Kirche droht und dass daher öffentlichkeitswirksames Handeln das Gebot der Stunde ist? Oder ist Schönborn tatsächlich betroffen?

„Die Kirche hat die Macht zur Tabuisierung verloren“, analysiert Andreas Pfeifer, der langjährige ORF-Korrespondent in Rom, die Lage. Der Widerspruch zwischen gepredigter und gelebter Moral des Klerus ist öffentlich geworden. Kaum eine Einrichtung der Kirche zwischen Knaben- und Priesterseminar ist nicht betroffen oder nicht im Verdacht. Eine ­Institution, die geglaubt hatte, die Aufklärung aufhalten zu können, wird von der realen Welt eines Besseren belehrt.

Sind die Missbrauchsfälle Einzeltaten der Vergangenheit? Oder sind sie Spiegel einer Gesellschaft, die jeden Maßstab verloren hat?“ Das fragt die deutsche Wochenzeitung „Die Zeit“. Beides nicht. Wer das tägliche Aufeinanderprallen von vorgefügter katholischer Moral und der Wirklichkeit sieht, der kann nicht von Vergangenheit sprechen. Der Priester mit einer mehr oder weniger heimlichen Geliebten ist ein Regelfall, gemeinsame Kinder sind nicht die Ausnahme. Das Verbot von Verhütung und Kondomen schreit in Zeiten von Aids und Überbevölkerung in Afrika zum Himmel. Und wer noch nicht von zeitnahen Missbrauchsfällen gehört hat, der wollte das einfach nicht hören.

Ebenso wenig aber hat der Missbrauch von Kindern mit einer „Gesellschaft ohne Maßstab“ zu tun. In diese Richtung versuchte sich eben erst auch Kardinal Schönborn in einem kircheninternen Medium zu retten. Dort brachte er den Missbrauch mit der „Frage, was in der 68er-Generation mit der sexuellen Revolution geschehen ist“, in Verbindung. Als hätte die „sexuelle Befreiung damals und seither sich nicht unter Erwachsenen ab­gespielt“ (Hans Rauscher im „Standard“), als hätten wir uns den verkorksten Kardinal Hans Hermann Groer als einen haschischrauchenden langhaarigen Kleriker Marke Hippie vorzustellen.

Nein, nein. Die Kirche hadert weder mit ihrer Vergangenheit noch mit einem kranken Umfeld. Sie krankt an sich selbst. Der Sachverhalt: Da glaubt jemand an Wunder in Form von Marienerscheinungen, verdrängt verbissen die biologische Übermacht der Sexualität und baut darüber hinaus selbstgerecht auf Heilung von innen heraus. In der Medizin liefe so ein Fall unter der Bezeichnung Psychose, im gesellschaftlichen Gefüge heißt dieser Fall jedoch katholische Kirche.

Wird in diesen Tagen vielleicht dem einen oder anderen klar, auf welch dünnem Eis sich bewegt, wer zugleich wider die Wissenschaft Glaubenstatsachen schaffen will und wider die menschliche Natur unnatürliche biologische Zustände?

Was tun in der akuten Krise? Man könnte sagen: Soll die Kirche sich jetzt doch selber helfen, hat sie sich doch über Jahrhunderte jede Einmischung von außen verboten! Soll sie allenfalls durch Verlust ihrer Klientel auf die Bedeutung einer beliebigen Sekte schrumpfen! Die Antwort befriedigt nicht. Zu stark ist die Kirche mit der Gesamtverfasstheit der Welt verwoben, zu wichtig sind ihre Aufgaben als letzter Hort von Menschlichkeit und Caritas in Krisenzeiten. Eine Implosion würde die lokale und globale Stabilität gefährden.

Die Aufgabe ist schwierig, denn die Kirche ist nicht nur hinter den gesellschaftlichen Idealen der Aufklärung zurückgeblieben, sondern auch hinter der politischen Entwicklung zur Demokratie. In Rom regiert einer allmächtig. Es ist ein bald 83-jähriger Mann. Bevor er Papst wurde, war er als Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre der Scharfmacher des Vatikans. Der deutsche Greis soll nun die sexuelle Revolution im Klerus vorantreiben? Schwer vorstellbar.

Kardinal Schönborn ist fast 20 Jahre jünger. Er hat sich im vergangenen Jahr in manchen Angelegenheiten diskussionsbereit, tolerant, wenn nicht sogar liberal gegeben. Nun stellt er den Zölibat zur Disposition: Zu den „Fragen nach den Ursachen“ des sexuellen Missbrauchs in der Kirche „gehört auch der Zölibat“. Kann sein, muss nicht sein. Die Frage darf diskutiert werden.

Ja, der Zölibat ist Unsinn. Das sagt so gut wie jeder österreichische Priester und so mancher Kirchenfürst hinter vorgehaltener Hand. Aber wäre es nicht zu kurz gegriffen, das tausendfache Verbrechen des Kindesmissbrauchs ausgerechnet in jener Kirche, die über Jahrhunderte die Moral gepachtet hatte, mit dem Zölibat zu entschuldigen und aufzuwiegen? Das wäre es.

christian.rainer@profil.at

13.3.2010 15:23
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bpallmann@hotmail.com, 29. 03. '10 00:37
Der Papst aus Niederbayern: "J. Rattzweiler" - eine Schande!
Maria Suarez (39) kommt aus Uruguai, Süd-Amerika. In der Bar "Toni", Pollenca auf Mallorca, nimmt sie die Zeitung "Cronica" zur Hand und sagt: "Du bist kein Rottweiler! Er, der Papst von euch schon" Wir fragen, was sie meint. "Rottweiler sind bei uns scharfe Hunde, die jeden anfallen, weil sie scharf gemacht wurden. Sie sind loco, verrückt. Haben Blutrausch." Ihre Tocher (19) hat keinen Job, putzt bei Fremden hin und wieder. Maria kam vor gut sieben Jahren nach Europa. In ihrer Heimat wäre sie verhungert. In "Cronica" steht, der Joseph R. sei ein "Sünden-Verkleinerer". Die Opfer-Organisation sagt in "Cronica": "Wenn er schon was sagt, der Kerl aus Rom, dann soll er auch alle Rechnungen für die Opfer bezahlen. Alle!" Die Tochter spuckt da auf das Bild des Papstes. Alle klatschen.
hovijacky, 22. 03. '10 18:00
Kranke Kirche
Offenbar zeigt das täglich zig millionenfache Mantra"... und führe uns nicht in Versuchung...." doch keine Wirkung, so dass der Papst die Entscheidung über die nötigen Maßnamen eine Stufe höher delegiert hat. Was zumindest aus dem jüngsten Hirtenbrief herausgelesen werden kann. Vielleicht denkt jener Öberste über eine sogenannte Strafe Gottes nach und schickt eine Naturkatastrophe ganz in der Nähe von Rom.

Ing. Heribert Cuba
Kottingbrunn

PS Und falls das Problem Berlusconi gleich mitgelöst wird.....Schlecht????
Lubino, 20. 03. '10 08:27
"hat sie sich doch jede Einmischung von außen verboten[!]"
Und hier höre ich lautes Gelächter aus dem Grab von Karl Kraus. Rainer wäre kein Journalist, wüsste er den Unterschied zwischen "verbieten" und "verbitten"!
bpallmann@hotmail.com, 19. 03. '10 13:58
Die Kirche, Verbrecher in "Interessens-Gemeinschaften" und der Staat
Dass sich in jeder großen Organisation wie der Polizei und/oder Justiz + Politik manches herumtreibt, gar schwerste Straftaten bis hin zu Kapitaldelikten begeht, ist bekannt mit vielen Fakten belegt. Gerade Bayern beweist aktuell, dass wir in keiner Diktatur mehr leben, sondern uns auf dem Weg zu einer offenen Demokratie hinbewegen! "Wer in der Demokratie schläft - wacht in einer Diktatur wieder auf!" lautet ein berühmter Satz!

Heute, 19.3.2010, bestätigen wir sehr gerne, dass der neue Leiter der Münchener Mordkommission Herr Markus Kraus von z.T. schwersten Straftaten in seiner neuen Arbeitsstätte (Ermittlungen laufen!) erst kürzlich erfuhr und sich sofort um korrekte Behandlung im Rahmen seiner Möglichkeiten - oft weit darüber hinaus - einsetzt! Wir danken Kraus + Bayr. Polizei sehr!!!
Fürsorgezögling, 16. 03. '10 00:03
. Denn dort geißle ich mich selbst wie jedes ordentliche Mitglied von Opus Dei,
@riptide, dachte mir eh,dass Sie so einer sind. Bekommen'S a Leckerle vom Fast-Bischof Gerhard Maria. So,und jetzt ist Schluß mit meinen Wortspenden an Sie. Ihnen hilft nur mehr ein Exorzist.
Riptide, 16. 03. '10 00:37
Es folgen drei einfache Fragen, Meister FSZ:
Wer von uns beiden geht zum Lachen in den Keller?
Wer von uns beiden versteht keinen Spaß?
Wer von uns beiden badet gern im eigenen Frust?

Die Antwort lautet schlicht: Sie.
Falls Sie's nicht glauben, lesen Sie bitte Ihre eigenen Postings, Sie unglücklicher Grantscherben.
Gerade deshalb wünsche ich Ihnen eine gute Nacht, die Sie vor Albträumen verschonen möge.
Und Freundschaft!
Fürsorgezögling, 15. 03. '10 22:19
@muttutgut
Ich habe zu danken!
Fürsorgezögling, 15. 03. '10 21:40
@muttutgut, Ihre Antwort an riptide. Jener geht ausschließlich in den Keller
lachen. Aber es ist ein altbekanntes (und bewährtes?) Muster, d i e Schuldumkehr. Das ist *nicht* typisch "österreichisch", so wichtig sind wir wieder nicht, aber das Ei auf ein Gulasch ergibt ein Fiakergulasch, und ein bisserl beleidigt sein ergibt Verallgemeinerung. Es ist schon diese ganz spezielle Note die ich als Betroffener von den "Oberen" seit Jahrzehnten zur Genüge kenne. Da dampft es kräftig aus den Staatsärmeln, da könnt ja a jeda kumman, was i net, gibt's net, homma ne, brauch'ma net. Nur-jetzt ist es vorbei mit der Schweigerei, auch die Opfer haben ein *Recht* auf *Wahrheit*, wir lassen uns das Maul nicht verbieten. Auch wenn wir manchmal aus Eigenschutz in Zynismus flüchten, eine schlechte Satire ist doch allemal besser als den Zorn in sich hinein zu fressen.
muttutgut, 15. 03. '10 22:17
Re: @Fürsorgezögling
Ich habe die ersten 40 Seiten Ihres Buches bereits gelesen und ich meine, dass Sie einen äußerst wertvollen Beitrag zur Erhellung der Kindesmisshandlung, getarnt als Erziehungmaßnahmen, geleistet haben. Der von Ihnen angesprochene Zorn kommt aus dem gesunden Teil Ihrer Seele, der nicht umzubringen war und der angesichts Ihrer Leiden seine absolute Berechtigung hat.
Da die Täter von damals oft gar nicht mehr am Leben sind, kann es keinen Ausgleich mehr geben, aber die Wahrheit muss auf den Tisch, sonst pflanzt sich das Leid von Generation zu Generation fort. Ich danke Ihnen aus ganzem Herzen, dass Sie sich aufgerafft haben Ihr Schicksal so eindringlich zu beschreiben.
Riptide, 15. 03. '10 22:34
Re: @muttutgut, Ihre Antwort an riptide. Jener ...
"Jener", geruhen Sie über mich zu schreiben, "geht ausschließlich in den Keller lachen." Falls Sie, wie Sie sagen, Betroffener oder gar Opfer sind, sei Ihnen Ihr ärmliches Deutsch verziehen; offenbar haben Sie klerikale Traumata erlitten, die Ihr Sprachzentrum in Mitleidenschaft gezogen haben. Mein Mitleid ist Ihnen gewiss, Sie Armer!
Und jetzt geh' ich runter in meinen Keller. Aber dort wird mitnichten gelacht. Denn dort geißle ich mich selbst wie jedes ordentliche Mitglied von Opus Dei, bis das Blut spritzt. Anschließend spiel' ich a wengerl spanische Inquisition und setze mir Daumenschrauben an, die ich mit meinen Vampirzähnen bediene. (Dazu erklingt natürlich W. Ambros: "I drah zua".)
Erfrischt genieße ich sodann hohle Worthülsen wie Ihre und Rainers "Gesamtverfasstheit der Welt".
Fürsorgezögling, 15. 03. '10 19:48
Schade schade schade um die puls4-Sendezeit.
Wieder durfte der mediengeschulte Sußholzraspler Leitenberger ermattende und abgelutschte "Weisheiten" von sich geben. So, als wäre dieses Gejammer von "Die Wahrheit wird euch frei machen" der neueste in-speak einer coolen Generation. So als wären 17 magere Minuten Sendezeit, unterbrochen für Telefonwerbung (0.70.-Euro pro Anruf),das non-plus-ultra an Diskussionszeit. Kurz gesagt, die 800 Zeichen nicht nutzend, bin schwer enttäuscht von diesem so genannten "talk". Mehr fällt mir nicht ein,wer mich kennt, wird das nicht glauben.
judy123, 15. 03. '10 15:29
Zölibat - Vorraussetzung für Priesteramt
Die Kirche tut sich keinen guten Dienst, indem sie das zölibatäre Leben als Grundvorraussetzung für das Priesteramt verlangt. Die Qualität der handelnden Personen wäre eine ungleich bessere, wenn die Ehelosigkeit freiwillig wäre - keinesfalls Pflicht! Es wenden sich doch nur ganz "spezielle" Gäubige dem Priesteramt zu, jeder der eine gesunde Einstellung zu Geist und Körper hat, jeder der den Glauben im Kreise seiner eigenen Familie leben möchte, kann seit Jahrhunderten kein Priesteramt ausfüllen. Was in der anglikanischen Kirche seit dem Mittelalter erlaubt ist, schadet der katholischen keineswegs. Die Kirche braucht viel mehr gutes Personal, keine verklemmten und verbogenen Persönlichkeiten - Christus hätte das sicher auch gewollt!
Herr-Paul, 15. 03. '10 11:16
Insidereparatur unmöglich!
Um dieses gesamte Thema wirklich nachhaltig aufzuarbeiten bräuchte es besondere Fähigkeiten. Jedenfalls ist es gänzlich unmöglich, von Kirchenverantwortlichen mit ihren ganzen eigenen historischen "hineingeborenen und anerzogenen" Auswüchsen (wie Macht, Schweigen, Gehorsam, Hirarchie etc) zu erwarten, sie könnten das lösen. Da können sie auch von mir verlangen, aus dem Stand einen doppelten Rückwärtssalto zu schlagen, ich könnte mich noch so anstrengen und goodwill zeigen, es würde niemals klappen, weil ich gänzlich dafür ungeeignet bin. Und so wirds auch der Kirche gehen, keine Chance auf Aufarbeitung, da die dazu nötigen Denk- und Intelligenzmuster schlicht und einfach niemals entwickelt wurden. Ein 1. Schritt wäre, die Bischöfe würden diesen Systemfehler erkennen und zurücktreten.
chaneu, 15. 03. '10 08:28
zölibat
das zölibat ist doch nicht das thema. hier wurde jahrzehntelang kindesmissbrauch als erziehungsmittel verwendet. hier wurde das vertrauen der eltern massiv missbraucht und die emotionale zukunft der kinder für immer zerstört.
und nach all den zerstörten kindern seid ihr immer noch nicht bereit das anzusprechen um was es eigentlich geht. wir leben in einer völlig abgedrehten welt. die sexuelle befreihung wurde als die freiheit von zwangsprostitution und der medialen vermarktung von sex geworden. wir erleben eine massive propaganda die nur und ausschließlich aufs abspritzen abzielt. darin verpackt geiz ist geil mentalität und moral ist wurscht.
und ihr sprecht übers zölibat.....

die kirche ist moralisch genauso verkommen, wie die gesellschaft und die politik.
milomaki, 15. 03. '10 08:17
Homosexueller Missbrauch
Da der Missbrauch offenbar verstärkt im homosexuellen Bereich stattfindet, müsste man die Frage klären, ob unter Geistlichen die Homosexualität höher ist als unter der übrigen Bevölkerung. Und wenn ja, warum, und ob ein homosexueller Priester seine Sexualität schlechter ausleben kann als ein heterosexueller Priester. Oder hat eine homosexueller Geistlicher nur leichter Zugang zu Knaben? (Duschräume, Schlafsäle etc.)
Riptide, 15. 03. '10 03:00
Zwei nette Herren in weißen Mänteln ...
... wären hier allgemein nützlich..
Ahnungslosigkeit, gepaart mit Hass gegen das Christentum: Biertisch, Unterkante.
Laut Kriminalstatistiken finden alle Misshandlungen, Vergewaltigungen und Kindesmissbräuche zu 99% im Familienkreis statt. (Der nette Onkel, auch Papa oder Stiefvater und neuer Gespiele der Mutter; in orientalischen Familien der Papa und die Brüder der Töchter, etc.)
Auch unter Pfarrern gibt es Schweine. Aber so zu tun, als sei Missbrauch ein Monopol der Kirche, ist infam. In der Summe der Schändungen spielt die Kirche nur eine marginale Rolle. Bös genug, aber nicht zu verhindern.
Es ist modisch, auf Christen und Kirche einzudreschen — ohne deren Wirken wir noch heute Analphabeten wären.
Es ist halt "in" und modern, den Ast abzusägen, auf dem man sitzt. Viel Spaß dabei!
Fürsorgezögling, 15. 03. '10 08:56
Vorgezogener Frühjahrsputz, und was finde ich ? Eine leere alte Schuhschachtel.
...wäre der erste Teil der Geschichte gewesen. Wollen Sie mir mein Schuhschachtelerlebnis absprechen? Der eine hört Stimmen aus einem Dornbusch, dem anderen begegnet ein Engel. Wo orten Sie Hass auf das Christentum? Wenn ich etwas "hasse",dann sind es Scheinheiligkeit, Lügen, Doppelmoral, Verleumdungen. Keine andere Organisaton hat sich Moral und Sittlichkeit so sehr auf ihr Banner geheftet wie die r.k. Amtskirche, da wird Kritik sogleich zur Infamie. "Wer nicht für mich ist,der ist gegen mich"? Von mir aus soll jede/r glauben was sie/er will, damit habe ich nicht das allergeringste Problem. Lästig jedoch wird es,wenn die Gesellschaft damit gegängelt wird.
upton, 15. 03. '10 11:36
Re: Zwei nette Herren in weißen Mänteln ...
Hi Riptide,
du hast schon recht, dass Missbrauch vor allem ind er Familie stattfindet und was fordert dazu ein rechts-rechte Partei - einsperren - Kastration etc. Da werden dann erst recht die Familein zerstört!
Allerdings wenn du die Prozentzahlen des kirchlichen Missbrauches mit de Zahlen des Familienmissbrauches vergleichst, kannst du deine Behauptung nicht mehr aufrecht erhalten!
Und bezüglich Analphabeten: Schon was von der Aufklärung gehört?? Aber was solls. Solange die Kirche solche Verteidiger hat, wird sich die Welt nicht ändern - sapere aude??????
muttutgut, 15. 03. '10 21:06
Re: @Riptide
Jeder Versuch, die Verbrechen der kirchlichen Würdenträger an den ihnen anvertrauten Kindern zu relativieren, auf andere Tätergruppen abzulenken, die Wohltaten der Kirche für die Menschheit ins Spiel bringen zu wollen, ist ein weiterer Faustschlag in die Magengrube der Opfer. Sogar wenn wirklich nur 1 % der Missbrauchsopfer durch kirchliche Täter zu Schaden gekommen wären, könnte sich die Kirche nicht davonstehlen. Was da endlich ans Tageslicht kam, wird die Kirche in ihren Grundfesten erschüttern müssen. Alles Andere käme ihrer Abschaffung gleich. Es geht jetzt nicht mehr ums Mauern und Abwiegeln. Die Kirche trägt als Gesamtheit die Verantwortung für das, was einzelne ihrer Leute Kindern antaten, weil ihre inneren Strukuren und ihr Umgang mit Kindesmissbrauch u. Sexualität falsch sind.
Fürsorgezögling, 14. 03. '10 18:36
...wenn ich begänne...
mich, als Mann, ausserhalb der Faschingszeit in Frauenkleidung zu hüllen, dann wäre zwar noch keine unmittelbare Gefahr in Bezug,aber es würde Bedenklichkeit entstehen. Ich müsste das dann mit meiner Hausgemeinschaft ausmachen, und eben mit ihr, meiner Frau. Zwei nette Herren in weißen Mänteln als Begleitung wären jedoch dann angebracht, würde ich versuchen meine Ansichten unter Drohungen mit Verdammnis und ewigem Höllenfeuer den Hausbewohnern aufdrängen zu wollen. Denn, so der Notarzt, das würde schon sehr an die Grenzen unzumutbarer Belästigung gehen. Er wollte sich noch die Schuhschachtel genauer ansehen, aber, so behauptete er, er würde nichts hören. Ich nahm das zur Kenntnis, so sind sie halt, die Ungläubigen.
upton, 14. 03. '10 18:05
"kranke Kirche"
Das Zölibat wurde erst um 1140 eingeführt und hatte -richtig - wirtschaftliche Gründe - vorher waren die Priester (wie auch die Apostel) verheiratet. Für die jetzigen Vorfälle ist zwar auch das Zölibat mitverantwortlich aber die Haupt-schuld liegt in der total verunglückten Sexualmoral der Kirche - wissen Sie eigentlich meine sg. Herren, dass sie sich nur zu ihrer Frau "legen" dürfen" wenn sie ein Kind zeugen wollen??? Lustig wie!
Fürsorgezögling, 14. 03. '10 18:26
Vorgezogener Frühjahrsputz, und was finde ich ? Eine leere alte Schuhschachtel.
Das an und für sich wäre ja nichts besonderes, jedoch was höre ich aus der Schachtel? Eine Stimme! Sofort lief ich mit der Schachtel in's Bad um meinen Kopf unter das kalte Wasser zu halten. Als ich nach kurzer Bewusstlosigkeit zu mir kam schrieb ich mit wasserfestem Filzstift zehn meiner Ansichten auf die Fliesen. Das alles wäre ja noch meine Privatsache gewesen und auch niemanden gestört. Gefährlich wurde es, als ich darauf bestand,dass alle Menschen sich gefälligst an das zu halten haben was mir aus der Schuhschachtel diktiert wurde. Der von meiner werten Frau herbeigerufene Notarzt meinte, eine Zwangsunterbringung in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung wäre gar nicht mehr so einfach wie oft gewünscht. Er verließ die Wohung mit dem Hinweis meine Frau möge sich wieder melden
Fürsorgezögling, 14. 03. '10 09:46
@muttutgut
Mief und aufräumen. Ja, schon richtig, es wurde bereits viel getan, Verbrechen wie sie zu meiner Heimzeit Routine waren ,sind in dieser Form nicht mehr denkbar. "Das weiße Band" war eine präzise Studie dessen was auch ich als "ländliche Normalität" erfahren musste. Ich habe versucht in meinem Roman "Der Bastard.Der Fürsorgezögling" dieses Milieu einzufangen, die als Folklore anmutenden Prügelorgien zwischen karger Kost, langen Tagen und kurzen Nächten. Auch das routinierte Wegschauen eines Großteils der Landbevölkerung die so manches sehr praktisch als gottgegeben empfand. Die "Dorfregierung", der Herr Bürgermeister und Hochwürden, der Herr Oberlehrer und Herr Apotheker, zwei Großbauern, mein Stehplatz in der Kirche hinten links neben dem Ausgang, derartiges vergisst man nicht.
muttutgut, 14. 03. '10 15:37
Re: @Fürsorgezögling
Ich finde es toll, dass Sie die Kraft aufbrachten Ihr Schicksal in Romanform erfahrbar zu machen. Ich werde Ihr Buch demnächst lesen, auch wenn ich weiß, dass das kein entspannendes Vergnügen sein wird. Dass Gerhard Roth Ihren Text empfliehlt, überrascht angesichts seiner eigenen Kindheit nicht.
Das Wegschauen bei Kindesmisshandlung war damals absolute Normalität, und es passiert auch heute noch häufig. Dennoch gibt es Lichtblicke, die mir Mut und Hoffnung machen. Es gibt heute Menschen, die aufstehen und Einspruch erheben, wenn z.B. Ausländerkinder um 4 Uhr in der Nacht aus ihren Betten geholt werden um abgeschoben zu werden. (Woran erinnert diese Vorgangsweise der staatlichen Stellen bloß?) Alles was in der Geschichte Realität werden konnte, ist für immer als Handlungsoption vorhanden.
Richard3006, 14. 03. '10 08:49
Schade um die beinharte Analyse...
Eine beachtliche Analyse von Christian Rainer: Die Medizin würde das, was die Katholen seit Jahrhunderten in ihrer Lehre verzapfen, als Psychose bezeichnen; das Zölibat ist Unsinn. Schade, dass er seine eigenen Argumente noch im gleichen Leitartikel entschärft und die Kirche als wichtigen Hort der Menschlichkeit und eine Art Spezialisten für Krisenzeiten identifiziert. Aha. Nationalsozialismus? Wirken in Afrika, Südamerika? Menschlichkeit - oder doch seit Jahrhunderten ununterbrochenes beinhartes Machtstreben und Bereicherung? Dr. Rainer ist ein scharfer Beobachter, die Relativierung ist wenig glaubwürdig und wohl nicht seiner persönlichen Überzeugung geschuldet. Schade drum.