Die große Job-Lüge

Sinnlose Kurse, Scheinaktivitäten, leere Versprechungen: wie die Statistiken geschönt und Arbeitslose mit Zwangsmaßnahmen gedemütigt werden.

Von Eva Linsinger und Christa Zöchling

In Wien-Floridsdorf wird gerade eine virtuelle Welt erschaffen. Seit vergangenem Herbst werden dort 500 registrierte Sozialhilfeempfänger in einem Jobcenter von Psychologen, Sozialarbeitern und Fachkräften betreut, die ihnen fast rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Sie dürfen mit den Helfern über private Probleme und verschüttete Lebensträume reden und müssen sich nicht dafür schämen, noch nie für längere Zeit einer geregelten Arbeit nachgegangen zu sein. Alkoholikern wurde angeboten, sich einer Nordic-Walking-Gruppe anzuschließen, um Körper und Geist wieder an Termine zu gewöhnen. Ein Sommerjob in einem städtischen Bad steht in Aussicht.

Es gibt auch das Gegenbeispiel.
Rund 30 Arbeitslose – Köche, Verkäufer, Akademiker – sitzen in einem Kursraum des gemeinnützigen Unternehmens Jobtransfair vor ihren Computern. Einige von ihnen haben noch nie einen PC eingeschaltet, andere sind Experten im Internet. „Wie die Schäfchen vor dem Schlächter sitzen wir da, zwangsverpflichtet mit der Androhung, das Arbeitslosengeld zu verlieren“, berichtet einer der Teilnehmer, ein ehemaliger Unternehmensberater, in seinem Blog.

852.000 Menschen waren im vergangenen Jahr in Österreich zumindest einmal arbeitslos – etwa jeder vierte Erwerbstätige. Eine Wende ist nicht in Sicht, auch wenn der bisherige Höchstwert von 313.000 Jobsuchenden von Ende Februar saisonbedingt etwas sinkt. Sozialminister Rudolf Hunds­torfer hält dennoch verbissen am Ziel der Vollbeschäftigung fest. Mit der bundesweiten Einführung der Mindestsicherung sollen nun auch tausende Sozialhilfeempfänger ihre Einsatzfreude beweisen und in den Arbeitsmarkt eingegliedert werden. So täuscht sich die Politik selbst und auch die Betroffenen.

Der Arbeitsmarktsoziologe Manfred Krenn spricht von einer „verlogenen Debatte“. Je weniger die Gesellschaft in der Lage sei, allen Arbeit zu geben, desto stärker werde der Einzelne für sein Unvermögen, eine Arbeit zu finden, verantwortlich gemacht. Schon die Zahlen sind geschönt. In der offiziellen Arbeitsmarktstatistik fehlen rund 85.000 Teilnehmer von Kursen und Wiedereingliederungsmaßnahmen, Arbeitslose, die krank gemeldet sind, einen Pensionsantrag gestellt haben oder deren Bezug gesperrt wurde. Schulabgänger, die noch keine Ansprüche erworben haben, und Frauen, die keine Notstandshilfe erhalten, weil ihre Partner zu viel verdienen, sind ebenfalls aus der Statistik gestrichen. Vorsichtig geschätzt, gibt es 135.000 versteckte Arbeitslose.

Auch die Anzahl der Langzeitarbeitslosen ist beunruhigend hoch. Offiziell sind nur rund 7000 Personen betroffen. Tatsächlich sind es zehnmal so viele, weil jeder, der einmal zu einem vierwöchigen Kurs verpflichtet wurde, statistisch als Neuzugang gilt. Dem gegenüber stehen rund 30.000 beim Arbeitsmarktservice (AMS) gemeldete offene Stellen. Das Angebot ist trist. itworks etwa, ein vom AMS beauftragter Jobvermittler, sucht dutzendweise Putzfrauen, Kellner, Hilfskräfte jeder Art und so genannte Call Center Agents. Meist sind es Teilzeitjobs. Das Portal für Akademiker ist verwaist.

Eine offene Stelle wird in der Regel innerhalb eines Monats besetzt. Ein Arbeitsuchender hingegen ist durchschnittlich 100 Tage arbeitslos. Zwei Drittel der Arbeitslosen werden innerhalb von drei Monaten vermittelt. Im Bürokratendeutsch heißt das „Aktivierung“. Der Arbeitslose soll möglichst rasch vermittelt werden, und sei es weit unter seiner Qualifikation, in Teilzeit und schlecht bezahlt.

„Das Prinzip Vermittlung geht vor Qualifizierung“
, erklärt AMS-Vorstand Johannes Kopf. Er gesteht, dass mit den Arbeitslosen nicht ehrlich umgegangen wird. „Man tut, als ob man jeden in den Arbeitsmarkt integrieren könnte. Das ist eine Lüge, aber eine sympathische Lüge, weil sie bedeutet: Wir geben niemanden auf, wir lassen niemanden in Ruh.“ Man schicke auch Arbeitslose ein Jahr vor der Pension noch in einen Kurs, auch wenn das „nicht einmal objektiv einen Sinn macht“. Bisweilen müsse man „den Einzelnen schlecht behandeln, um im Gesamtkollektiv ein nicht gewünschtes Verhalten zu verhindern“, erklärt Kopf.

Kurs-Schikanen.
Im Internet kursieren hunderte Erfahrungsberichte von Arbeitslosen über ihre Erlebnisse in Kursen und Wiedereingliederungsmaßnahmen. Selbst wenn man in Rechnung stellt, dass eine längere Zeit der Arbeitslosigkeit den Blick verengt und der Zorn auf AMS-Betreuer auch eine Reaktion auf die persönliche Misere darstellt, offenbart sich das Bild einer falschen und teuren Arbeitsmarktpolitik.

Besonders schikanös werden Bewerbungs- und Job­coaching-Kurse empfunden – für das AMS sind das die billigsten Kurse, die massenhaft angekauft und dann zugebucht werden müssen. Hier sitzen Arbeitslose ohne Schulabschluss neben Ex-Managern, Quasipensionisten und Akademikern, verfassen dutzende Bewerbungsschreiben unter Aufsicht und werden psychologischen Selbstfindungstechniken ausgesetzt. Es kommt sogar gelegentlich vor, dass ihr Trainer vormittags selbst einen Kurs des AMS absolviert und nachmittags die Zwangsverpflichteten motivieren soll. Der Anspruch, die Arbeitslosen einem zeitlichen Regime zu unterwerfen, um ihnen eine Struktur im Alltag zu bieten, scheint längst ins Gegenteil gekippt zu sein. Die Maßnahmen, von Arbeitslosenselbsthilfegruppen durchwegs „Deppen­kurse“ genannt, werden als demütigend und sinnlos empfunden.

Ein Quell der Frustration sind auch Zuweisungen zu so genannten sozialökonomischen Betrieben, in denen die Arbeitslosen in einem Mix aus Coaching und Beschäftigung wieder fit für den Arbeitsmarkt gemacht werden sollen. Das kann auch die Verpflichtung bedeuten, für gemeindenahe Institutionen Parks zu pflegen, zu putzen oder – wie zuletzt – für die Wiener Verkehrsbetriebe als Fahrscheinkontrolleur eingesetzt zu werden. Auch Akademiker oder Facharbeiter können nach längerer Zeit der Arbeitslosigkeit zu minderqualifizierten Tätigkeiten verpflichtet werden. Wer sich wehrt, macht sich der „Vereitelung“ schuldig. Der Arbeitslosenbezug wird dann gesperrt, das erste Mal für sechs, bei Wiederholung für acht Wochen. Im vergangenen Jahr gab es 93.552 Bezugssperren.

Arbeitsloseninitiativen äußern den Verdacht, dass es bei der „Aktivierung“ der Arbeitslosen vor allem um eines gehe: Einsparungen im Sozialbereich. Mit dem Zwang zum schlecht bezahlten Job dreht sich die Spirale nach unten. Wenig Einkommen bedeutet weniger Pension und in der nächsten Phase der Arbeitslosigkeit weniger Arbeitslosengeld. Dabei ist die so genannte „soziale Hängematte“ für Erwerbslose alles andere als gemütlich: Das durchschnittliche Arbeitslosengeld sank in den vergangenen Jahren um fast acht Prozent und beläuft sich auf dürftige 833 Euro für Männer und 690 Euro für Frauen. Spätestens nach 52 Wochen rutschen Arbeitslose in die Notstandshilfe und damit unter die statistische Armutsgrenze von 830 Euro: Männer bekommen durchschnittlich 642 und Frauen 513 Euro.

Hartz V.
Als die Arbeitslosenversicherung vor 90 Jahren eingeführt wurde, war das in Europa ein Meilenstein. Mittlerweile ist Österreich auf dem Niveau von „Hartz V“ angekommen. Denn selbst das wegen seiner sozialen Härten umstrittene deutsche Modell Hartz IV erweist sich noch als groß­zügiger: Nach einer OECD-Studie liegt die soziale Absicherung von Arbeitslosen in Österreich auf einem niedrigeren Niveau als in Deutschland, und das in allen Gruppen – für Alleinstehende, Verheiratete, Kinderlose, Ein- und Mehrkindfamilien. Geringverdiener haben nach Jobverlust sogar mit noch weniger finanzieller Unterstützung zu rechnen als in den USA, die gemeinhin als das brutalste neoliberale Land gelten. Lediglich bei der Hilfe für Langzeitarbeitslose liegt Österreich in der oberen Hälfte der OECD-Staaten. Der OECD-Experte Herwig Immervoll: „In der Summe sichert Österreich Erwerbslose weniger gut ab als viele andere Staaten, auch wenn man Familienbeihilfe und Wohnunterstützung mit einrechnet.“

„Sozialschmarotzer-Debatten“ haben hierzulande Tradition. Schon 1671 wurde in Wien die erste Textilmanufaktur errichtet, in die Arme zur Zwangsarbeit eingewiesen wurden. „Seit der Aufklärung wird der Müßiggang bekämpft“, weiß der Historiker Martin Scheutz. In den achtziger Jahren trieb der deutsche Ex-Kanzler Helmut Kohl die Debatte über den „kollektiven Freizeitpark“ in neue Höhen und fand in Österreich begeisterte Nachahmer, nicht nur beim ­damals aufstrebenden Jörg Haider und der ÖVP – auch SPÖ-Sozialminister Josef ­Hesoun glaubte schon 1991 rund vier Prozent der Arbeitslosen als „Sozialschmarotzer“ enttarnen zu können.

Der ständige Missbrauchsverdacht zeigt Wirkung.
Mehr als die Hälfte der österreichischen Haushalte, die Anspruch auf Sozialhilfe hätten, holen sich die Unterstützung nicht ab – aus Angst vor Stigmatisierung oder aus Informationsmangel. Wenig überraschend wird Sozialhilfe in Wien am häufigsten beansprucht – in kleinen Gemeinden hingegen outet sich niemand gern vor dem Bürgermeister als Sozialhilfeempfänger. „Die Nicht-Inanspruchnahme ist das viel größere Problem als der Missbrauch“, sagt Michael Fuchs vom Europäischen Zentrum für Sozialforschung. Demnächst wird die Sozialhilfe in die Mindestsicherung umgewandelt. Auch sie ist an die „Arbeitswilligkeit“ gekoppelt. Zusätzlich beschloss der niederösterreichische Landtag am vergangenen Donnerstag Strafen in der Höhe von 2500 Euro für das „Erschleichen der Mindestsicherung“.

Selbst das eingangs beschriebene Modellprojekt in Wien-Floridsdorf startete mit Druck. Die Teilnehmer bekamen einen barschen Brief vom Sozialamt, in dem mit der Streichung der Unterstützung gedroht wurde, falls sie sich nicht kooperativ verhielten. Ein Fünftel der Klienten hat hohe Schulden, manche kämpfen mit Alkohol- und Suchtproblemen, fast die Hälfte spricht nur schlecht Deutsch. Alle waren schon lange nicht oder überhaupt noch nie arbeiten. „Das kann sogar Vorteile haben“, meint Projektleiter Oliver Holub. „Unsere Kunden sind nicht so maßnahmenerfahren.“ Der x-te Kurs nervt, der erste freut noch. Die Anfangsergebnisse des Versuchs sind spektakulär: Von 500 Teilnehmern, die im Dezember begonnen haben, haben 40 mittlerweile Arbeit, weitere 16 Prozent sind in Kursen.

Das liegt auch daran, dass wir „wesentlich mehr Ressourcen haben als das AMS“, räumt Holub ein. Beim AMS dauert eine Beratung im Schnitt sieben Minuten, in Floridsdorf eineinhalb Stunden. Es wird zugehört, es gibt Geld für teure Schulungen und therapeutische Hilfen. Ideale Voraussetzungen für einen programmierten Erfolg.

Wenn die Mindestsicherung ab kommendem Winter in ganz Österreich im Normalbetrieb läuft, sind derart üppige Mittel und derartige Erfolge nicht zu erwarten. Wohl nicht zufällig finden sich die Pilotprojekte in Wien und in Bruck an der Mur in der Steiermark, in jenen Bundesländern, in denen im Herbst gewählt wird.

Das Arbeitslosenproblem ist damit nicht gelöst. Die Idee einer Grundsicherung wurde wieder zu den Akten gelegt. „Politisch nicht durchsetzbar“, sagt Sozialminister Hundstorfer.

30.3.2010 16:58
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amsaufdecker, 15. 04. '10 11:57
AMS Machenschaften
Rechtswidrige AMS Kurse die Nutzlos Sind



"Diese Kurse, in die Arbeitslose oft vermittelt werden, die sind ziemlich in Verruf gekommen, weil sie oft so sinnlos sind", meint Maria Hintersteiner von AMSand. "Da werden Leute in Branchen qualifiziert, in denen sie eigentlich schon Experten sind."

Ähnlich sieht das Gerhard Eicher, der die Webseite Anti-AMS.net betreibt. Ihm ist vor allem das Bewerbungstraining ein Dorn im Auge: "Solche Kurse hätte man vielleicht vor zwanzig Jahren gebraucht. Aber heute weiß ein jedes Schulkind, wenn ich einen Lebenslauf brauche, der professionell aussieht, dann lade ich mir die Vorlagen aus dem Internet herunter und ersetze nur die Daten."



es gibt auch eine Tolle Seite www.anti-ams.net die ich im Google Gefunden Habe
memorabilia, 10. 04. '10 18:26
Noch ein Beispiel:
Ich bin seit einigen Jahren geringfügig beschäftigt. Den Hauptjob habe ich verloren. Als geringfügig Beschäftiger gelte ich beim AMS als "arbeitlos" und kann somit Unterstützung beantragen. Nachdem ich knapp über 6 Monate arbeitslos war (ich hatte etwa 200 Bewerbungen geschrieben und habe eine Mappe mit 141 Absagen), meinte die Beraterin, dass ich nun "LANGZEITARBEITSLOS" bin und jeden Job annehmen muss. Also obwohl ich 10 Stunden/Woche arbeite (dieses geringfügige Verhältnis besteht seit Jahren), bin ich LANGZEITARBEITSLOS. Ich habe mich dann vom Bezug abgemeldet auf eigene Faust gesucht, weil ich dachte, dass ich etwas finden werde. Ich habe nichts gefunden. Sechs Wochen später war ich wieder beim AMS - aber kein Langzeitarbeitsloser mehr, weil ich mich wieder neu angemeldet hatte. Irr!!
memorabilia, 10. 04. '10 18:05
Die wirren Aktionen des AMS
Ich bin derzeit zum ersten Mal beim AMS gemeldet und habe eine Beraterin, die mir etliche Vermittlungsversuche mitgibt und mailt. Jobs, wo als Bedingung "Polnisch" als Fremdsprache angegeben wird (ich spreche kein Polnisch), Jobs. wo man Gummi für Autoreifen verarbeiten muss und spezielle Anforderungen gestellt werden (ich komme aus einer ganz anderen Brache) - natürlich hagelt es Absagen und viele Betriebe rufen mich erstaunt an und fragen, ob Sie in meinen Qualifikationen etwas überlesen haben könnten, weil NICHTS darauf hinweist, für diesen Job geeignet zu sein. Ich muss mich aber bewerben, damit mir nichts gestrichen wird. Meinen nächsten Termin habe ich am Freitag - da werden mir wieder wahllos Vermittlungen mitgegeben...
koaldesign, 02. 04. '10 17:53
Der Missbrauch liegt beim AMS ...
...das sich der Arbeitslosenversicherung bemächtigt hat und die Menschen nötigt, z.B. bei hunderten "Implacements" zu arbeiten. Diese "Firmen" heissen "addborn, attidog,addpoint und addatunes"und liefern "Kurse" mit hochtrabenden Namen, aber ohne Inhalt und kassieren pro Nase € 2000,- pro Monat vom AMS. Als "Trainer" werden '"Stiftlinge" rekrutiert, denen das AMS den Bezug sperrt, wenn sie die Wahrheit sagen :"Ich habe weder eine Ausbildung,noch Praxis in diesem Fach" Kursteilnehmer sind Akademiker und Analphabeten - 50-jährige fragen 20-jährige TrainerInnen"Darf ich kurz aufs Klo ?" und sitzen 8 Stunden täglich im "Learnigcenter" ab....und der Steuerzahler darf es finanzieren. Gruss vom Insider !
AngelikaFicenc, 01. 04. '10 14:15
Die große Job-Lüge wird leider immer größer….
So werden derzeit im Rahmen der Aktion 4000 vielen arbeitslosen Menschen Hoffnungen gemacht, wenn Ihnen z.B. vom AMS Stelleangebote von der MA40 zugesendet werden. Gesucht werden Referenten für 10 Monate für die Bearbeitung der Erstanträge auf Geldleistung nach dem Wiener Mindestsicherungsgesetz (WMG). Die Anstellungen erfolgen nicht bei der MA 40 sondern bei einer Leasingfirma.
Mit dieser Aktion werden Betroffene wieder in die Armut gedrängt!!

Hierbei stelle ich mir die Frage, ob es die MA 40 nötig hat Arbeitskräfte über eine Leasingfirma einzustellen? Verursacht dies keine Mehrkosten? Werden wieder einmal Steuergelder durch Subventionierung einer Leasingfirma verschwendet?

Angelika Ficenc, Akademikerin, LZBL, sehr kritisch und eigeninitiativ
AndreaHoller, 30. 03. '10 11:24
Guter und wichtiger Artikel!
So läuft das ab - Arbeitsamt brutal: http://www.youtube.com/watch?v=Jt05emZYXBo
MariaWölflingseder, 29. 03. '10 21:27
Nach 10 Jahren...
Oh, welch Wunder! Nach über 10 Jahren derartiger Verhältnisse am AMS dringt schön langsam darüber etwas via etablierter Medien in die Öffentlichkeit.
Tiefere Hintergründe über die Maßnahmen des AMS und die Behandlung von Arbeitslosen als "Nicht-Subjekte" sowie über Arbeit und Arbeitslosigkeit im Buch "DEAD MEN WORKING" und auf www.streifzuege.org

Maria Wölflingseder, Publizistin, "überqualifiziert", brotjoblos
klimsamgin, 30. 03. '10 19:54
Re: Nach 10 Jahren...
Danke auf diesem Weg für die Artikel die ich von Ihnen lesen konnte, lesen durfte. Eine der seltenen Stimmen aus diesem Land die mich erreicht hat in früheren Jahren, die Augen aufmachend in diesem Land, in dieser Gesellschaft.
brotjoblos sagt einiges über dieses Land aus.
koaldesign, 02. 04. '10 18:04
Re: Nach 10 Jahren...
Stimmt leider - in Österreich gibt es ( Ausnahme: dieser Artikel) keine freien Medien mehr. Auch ich habe Missbrauch hoher öffentlicher Umschulungsgelder samt Beweisen an 200 Medienadressen verschickt,samt Zeugenlisten. Echo ? Null,ausser halbseitiger AMS-Inserate...
Maximilia, 29. 03. '10 16:45
danke für diesen hervorragenden, wahrheitsliebenden artikel!
kopf irrt mit seiner schwarzen pädagogik. nein, lügen sind nie sympathisch, lügen sind das schlimmste. jede wahrheit ist besser, als dieses ständige belogen-gedemütigt-schikaniert-ausgetrickst-und abgeschoben-werden. damit unterstellt man arbeitslosen nicht nur das übliche, sondern auch dummheit. man signalisiert: wir tun etwas, die arbeitslosen sind selbst schuld an ihrer misere. jeder der eingestehen würde, dass es gar keine jobangebote und kein geld für sinnbringende maßnahmen gibt, dass man politik&gesellschaft nichts wert ist und allen nur zur last fällt, wäre eine wohltat. 93.552 sperren! das geschieht unangekündigt, auch ohne eigene versäumnisse, zb weil man in krankenstand gehen muss. wenn kinder von kranken dadurch obdachlos werden, sollten sie ein recht haben zu erfahren warum.
Herr-Paul, 29. 03. '10 16:53
Re: danke für diesen hervorragenden, wahrheitsliebenden artikel!
Alles richtig erkannt, und nun? Wie kann man das WIRKLICH ändern? Durch Wahlen? Durch Demos? Durch Gewalt? Durch Aktionismus? ---- Durch die österreichische Form der sogenannten Demokratie jedenfalls nicht.
Maximilia, 29. 03. '10 19:37
danke, hr. paul, ich fürchte niemand weiß wie man das ändern kann
wir bräuchten eben politiker und menschen. alle diese "einzelfälle", die von ähnlichen katastrophen berichten, konnten auch nichts ändern. was kann ein entrechteter tun der dieser willkür ausgesetzt ist? was soll eine kranke, alleinstehende alleinerzieherin tun, die sich ins burnout gearbeitet hat? verzweifeln? sterben? geht nicht und dauert länger. würde sie sich aus protest am sozialministerium anketten, käme die polizei oder die grüne minna. dann wären aber die kinder allein und kämen zu schaden. wer in frühpension gehen will, muss schon verrückt geworden sein oder einen selbstmord hinter sich haben, andere gesundheitliche probleme werden kaum anerkannt. jugendliche könnten neonazis werden und sich vom orf filmen lassen- soziale ursachen würde trotzdem keinen interessieren.
koaldesign, 02. 04. '10 18:00
Re: danke für diesen hervorragenden, wahrheitsliebenden artikel!
So ist es, bei meiner Ehr !
chaneu, 29. 03. '10 13:04
blitzgneiser
jessas, da kommt ihr jetzt schon drauf, dass vor 30 jahren i.d. schulen die prügelstrafe normal war ??

blitzgneiser - würd der toni sagen.
Aktive_Arbeitslose, 28. 03. '10 17:40
Weiter denken 2
Als zweiter Schritt wurde der Verein "Aktive Arbeitslose" gegründet, der konkrete politische Aktionen entwickelt und den Mitgliedern hilft, sich selbst gegen allfällige Zumutungen des AMS zu wehren. Auch nicht Erwerbsarbeitslose sind gerne als unterstützende Mitglieder willkommen.

http://www.aktive-arbeitslose.at
Aktive_Arbeitslose, 28. 03. '10 17:39
Weiter denken
Eigentlich sollte es ja schon allgemein bekannt sein, dass in einer vorwiegend kapitalistischen Wirtschaft dank technischer Rationalisierung und Globalisierung (massive Auslagerung der Produktion in Billiglohnländer) es nie nie wieder zur Vollbeschäftigung kommen wird und alle paar Jahre eine neue Krise auf uns alle zukommt.

Daher wird es notwendig sein, neue Formen der Organisierung und Solidarisierung der Erwerbsarbeit suchenden und noch Erwerbsarbeit habenden Menschen aufzubauen.

Als erster Schitt dazu versteht sich das Arbeitslosennetz.org, das einen Überblick über die Rechtslage bietet sowie einen Überblick über die Arbeitsloseninitiativen in Österreich und eine Sammlung relevanter Informationen bietet.

http://www.arbeitslosennetz.org
rubberduck111, 28. 03. '10 15:45
und die SPÖ wundert der Wählerschwund -?????!!!!
Die sogen.Sozialpolitik wurde in den vergangenen zumeist von der SPÖ wahrgenommen (was immer das heute bedeuten mag) getragen - in der Printausgabe gabe der SM (in des wortes dopplter Bedeutung) ein Interview. Resumee ein Gewerkschaftsbonze der Null Ahnung von der Wirklichkeit hat- Schön reden wileange noch? Der Wähler präsentiert die Rechnung.Die in der Löwelstrasse sind wie immer AHNUNGS- U: hoffnunglos.Soziale bzw.sozialistische Politik das war einmal - lang lang ists her. Es Geht nur mehr um den Machterhalt.
Nachsatz für Herrn Hundsdorfer : Mehr Arbeitslose = weniger Gerwerschaftsmitglieder Herr Oberbonze !!!!!!!
WE-al.mafia, 28. 03. '10 10:13
traurig, traurig, traurig
... und wer zeigt in Ösireich Rückgrad? In ganz Österreich gibt es vielleicht 50 Personen, die sich gegen AMS Ungerechtigkeiten wehren. Auch wenn hin und wieder ein Medienbericht aufscheint, Lust sich wirklich zu wehren inkl. der Inkaufnahme von Repressalien, hat keiner.

... und die wahren Schuldigen sind nicht nur das AMS bzw. seine ausführenden Mitarbeiter. Es sind auch jene schuldig, die schweigend zusehen und nichts dagegen unternehmen !!!


... und nun frage ich euch: wie sollen 50 Leute ohne Geld und ohne Unterstützung dagegen ankämpfen. Und doch tun sie's. Sie riskieren täglich, massive Klagedrohungen und allzuoft sogar den AMS Versuch, mittels Terrorklagen Ihre materielle Existenz zu vernichten.

Wer sich nicht wehrt - ist Hilfe nicht wert
Arbeitslosenmafia
Zeitzug, 28. 03. '10 06:51
Sozialpolitik
Eine Generation, deren Eltern damit gross geworden ist, dass Erfolg nur in Leistung besteht, ist jetzt damit konfrontiert, dass Leistung immer schlechter, wenn überhaupt bezahlt wird.
Noch immer wird Erfolg in der Wirtschaft in Wachstum gemessen, die Saurier gingen einst daran zugrunde, dass sie immer grösser wurden und dann nicht mehr genug Nahrungsmittel fanden.
Das für das Überleben erforderliche Umdenken in Politik, Wirtschaft hat noch nicht stattgefunden. Solange jedem den anderen Schuld zuweist, bleibt es bei kosmetischen Ausbesserungen, die an der Lage selbst nichts ändern. Die Unvernunft wächst mit der Zunahme der Geschwindigkeit, mit der Verbesserungsmassnahmen verordnet werden.
http://www.zeitzug.com/index.php?option=com_content&view=article&id=521&Itemid=168
Almi66, 28. 03. '10 06:38
Nie wieder Vollbeschaeftigung
Ich hatte auch das Vergnuegen nach ueber 20 Jahren in einem namhaften Unternehmen-ich hatte mich dort mit Facharbeiterausbildung ins mittlere Management hochgearbeitet-meinen Job zu verlieren.

Als ich arbeitslos wurde habe ich zwei Ausbildungen, meines beruflichen Umfeldes,auf universitaerem Niveau abgeschlossen. Ich habe mich duzendfach beworben.

Kann ja nicht so schwer sein dachte ich mir: Viel Erfahrung, zwei neue Diplome in der Tasche, bereit finanzielle Abstriche zu machen und auch im weiteren Umfeld meines frueheren Jobs zu arbeiten.

Kurz gesprochen war ich vermutlich vielen mit ueber 40 Jahren zu alt, manchen zu wenig akademisch gebildet, und manchen (fuer niedere Taetigkeiten) bereits in zu guter Position. Heute arbeite ich Teilzeit, verdiene 50 Prozent von frueher.
derpradler, 27. 03. '10 19:01
Sozialpolitik
im Neoliberalismus gibt es nicht. 1/4 Arbeitslose einer Volkswirtschaft sind Garant für niedrige Löhne. Weiterbildung schafft keine Posten. Alle Partei kleben an diesem System fest. Man kann also über Wahlen nichts ändern. Und wenn man die verluderte Sozialdemokratie wählt schon gar nicht. Die Geisteshaltung der Sozialdemokratie wurde und wird von der SPÖ mit Füßen getreten. Die moderne Versklavung wird von den Politikern und den angepaßten Medien permanent vorangetrieben!
Und die Betroffen klatschen Beifall, weil sie zwar Lesen können aber dazu zu träge sind!
ewoewo, 27. 03. '10 23:44
Re: Sozialpolitik
hallo! liberalismus trifft fuer die unternhmen die das ams beauftragt nicht zu. dort sehen sie den naechsten schritt bei dem opfer zu taetern gemacht werden wann immer das system es will und sich dabei als gutmenschen gerieren und kaum die familie ernaehren koennen. dementsprechend qualifiziert ist die leistung auch.
derpradler, 27. 03. '10 18:52
Im Neoliberalismus
ist kein Platz für Soziales. Nur wer in Arbeit steht, erhält so viel an sozialer Leistung ,wie er braucht um arbeitsfähig zu bleiben.
In jedem Schulbuch, das sich mit Wirtschaft beschäftigt, kann man die Regeln des "Freien Marktes" nachlesen. "Das habe ich nicht gewußt", gilt also nicht.
Ein 1/4 der Arbeitskräfte einer Volkswirtschaft muß arbeitslos sein, damit man die Löhne nieder halten kann. Nichts fürchtet das System, des "Freien Marktes"mehr, als die Vollbeschäftigung.
Daher sind diese sogenannten Aktionen, wie Schulungen......usw völlig für die Katz, weil sie zwar besser ausgebildete Arbeitskräfte aber keine Posten für die Leute schaffen.
Da alle Parteien in diesem System festkleben, kann man durch Wahlen nichts ändern. Schon gar nicht, wenn man die verluderte Sozialdemok wählt
ewoewo, 27. 03. '10 23:42
Re: Im Neoliberalismus
sie irren sich, denn sie haben vergessen, dass das ams ihr geld ausgibt und sie dazu zwingt zuzustimmen, das ist nicht mehr freie marktwirtschaft, sondern es geht darum die opfer auszuschalten.
workforcetrust, 27. 03. '10 16:58
Sozialpolitik am Sand
Wer Rückgrat zeigen will, muss sich gegen das System wenden, gegen das AMS, gegen die Sozialpartnerschaft, die in Wahrheit unsozial ist, über den Rechtsweg den Instanzenzug ausschöpfen und sich bis zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte durchkämpfen. Dann wird sich nachhaltig etwas verändern. Gewerkschaften und Parteien, die nur halbherzig gegen den Kapitalismus bzw. für eine gerechte Verteilung von Erwerbsarbeit kämpfen, dienen nur als Systemverfestiger. Nur wir geknechteten Entrechteten selbst, eventuell auch gemeinsam mit marxistisch orientierten Gruppierungen, Syndikalisten, Anarchos usw. werden etwas ändern. Es gibt nur eine politische Richtung: ganz links, sodass links davon nur mehr der Messias persönlich Platz findet!
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