Die Parteireform wird zur finalen Chance für Bundes­geschäftsführerin Laura Rudas

Laura Rudas war bisher die Rolle zugedacht, an allem schuld zu sein. Die Parteireform wird nun zur finalen Bewährungsprobe für die SPÖ-Bundesgeschäftsführerin.

Von Eva Linsinger

Herbert Prohaska kann unterhaltsam und pointiert sein – aber nur solange keine Kamera und kein Mikrofon in seiner Nähe sind. Dann verfällt er in fade, gestelzte Sätze und drückt sich vor konkreten Aussagen. „Als Kind wollte ich sein wie Herbert Prohaska“, sagt Laura Rudas. Über ihr fußballerisches Talent ist wenig überliefert, rhetorisch kommt die SPÖ-Bundesgeschäftsführerin ihrem Kindheitsidol recht nahe: Auch sie verliert vor dem Mikro Witz und unkomplizierte Art und wechselt in einen parolenplappernden Funktionärssprech.

Das macht es ziemlich leicht, sich über die 29-jährige Bundesgeschäftsführerin der SPÖ lustig zu machen. Bei den Kabarettisten maschek tritt sie als Papagei auf, ihr Standing in der SPÖ ist nicht viel besser. Irgendjemand musste ja an der Serie der roten Niederlagen bei Landtagswahlen schuld sein, und Rudas bot sich an: Sie haderte bei ihren Erklärungsversuchen live mit Grammatik und Satzbausteinen und handelte sich die schlimmstmögliche Beurteilung durch den politischen Gegner ein: Mitleid. „Poor little girl“ nannte sie Grünen-Chefin Eva Glawischnig. Die Genossen sind weniger mitfühlend. Der Frust über den roten Niedergang entlädt sich über Rudas, niemand will darauf wetten, dass sie nach den Wahlen im Herbst in der Steiermark und in Wien noch in der Löwelstraße sitzt.

Rudas sucht ihr Heil in der Attacke auf den Außenfeind:
Das erste Jahr in der Parteizentrale hatte sie für Blabla-Aussendungen à la „Rudas erfreut darüber, dass Bundespräsident Fischer so eine Freude am Amt hat“ genutzt. Nun streut sie eine Prise Klassenkampf ein und geißelt die ÖVP beinahe täglich zu Bankenabgabe und Steuererhöhungen. Bisheriges Highlight war ihr Sager von „guten und bösen Steuern“. Auch Angriffslust ist Übungssache.

Ihre entscheidende Bewährungsprobe wird aber „Österreich 2020“, die rote Nachdenkinitiative, die Rudas leitet. „Österreich 2020“ soll eine Art „Kompass“ liefern, wie Rudas sagt – oder einfacher formuliert: deutlich machen, wofür die SPÖ steht. Dort soll Rudas „zeigen, wie gut sie wirklich ist“, gab der oberösterreichische SPÖ-Chef Josef Ackerl als Ziel vor, und das war wohl durchaus drohend gemeint. Bisher hat „Österreich 2020“ wenig Konkretes gezeitigt: Der im Februar gestartete Versuch, der SPÖ inhaltlich Gewicht zu verleihen, geht nicht gerade in rasendem Tempo voran und vorerst an der Öffentlichkeit weitgehend vorbei. Nach einer groß angelegten Auftaktveranstaltung wird eher im Stillen gearbeitet, Experten werken an Papieren, ab und an findet eine Diskussionsrunde statt. Mehr ist nicht zu sehen, aber das werde schon noch kommen, heißt es in der Partei.
Die Konkurrenz in den eigenen Reihen traut sich wesentlich mehr. Die SPÖ Oberösterreich geht mit ihrem Reformprojekt „morgen.rot“ den mühsamen Weg an die Basis und trommelte bisher in 200 Gemeinden zu Veranstaltungen zusammen. Das wirkt als gutes Ventil, um Ärger abzuladen. „Die Beteiligung ist überraschend hoch“, sagt Roland Schwandner, SPÖ-Landesgeschäftsführer in Oberösterreich. Mitte Juni soll ein Kongress Zwischenergebnisse erarbeiten. Auch die Sozialistische Jugend (SJ) hat ihren eigenen Erneuerungszirkel, die „Denkfabrik“. „Wir agieren greifbarer als ‚Österreich 2020‘“, hält SJ-Chef Wolfgang Moitzi wenig von den Nachdenkmitbewerbern in der Mutterpartei. Bis zum SPÖ-Bundesparteitag im Juni sollen aus der „Denkfabrik“ konkrete Vorschläge zu Integration, Budgetkonsolidierung und Sozialstaat kommen. Moitzi ist überzeugt, dass Rudas’ Reformgruppe einen Konstruktionsfehler aufweist: „Bei ‚Österreich 2020‘ leiten Minister die Arbeitsgruppen. Da kann ja nichts Revolutionäres herauskommen.“

Das ist auch nicht vorgesehen. Rudas will bei „Österreich 2020“ Ideen hervorbringen, die auch umsetzbar sind, und „neue Allianzen“ schmieden – etwa mit der Industriellenvereinigung. Revolution war ohnehin nie ihre Kernkompetenz.

Jubelgruppen. Ihre Politbasis liegt im 15. Wiener Bezirk, wo sie eine Gruppe der SJ gründete und deren Vorsitzende wurde, ihren Aufstieg verdankt sie der eigens geschaffenen Organisation der „Jungen Roten“. Wer dort beitrat, erhielt Ermäßigungen in der Disco, Rudas wich als Vorzeige-Partygirl der Parteispitze nicht von der Seite und übte sich darin, die Parteimeinung wiederzugeben. Als Alfred Gusenbauer Kanzler wurde und die Studiengebühren nicht abschaffte, demonstrierten SJ und Hochschülerschaft, deren Vorsitzende Barbara Blaha trat aus der SPÖ aus. Rudas wurde krank. Dafür sorgte sie bei Wahlveranstaltungen verlässlich für jubelwillige Junge.

Rudas ist es leid, sich gegen den Vorwurf der Angepasstheit zu wehren. Sie möchte „über Politik diskutieren“, nicht über ihre Person. Ihr Alter ist dennoch ständig Thema, bei Kritikern wie Unterstützern. Nikolaus Pelinka ist eindeutig im Fansektor zu finden. Der 23-Jährige verteidigt Rudas so: „Ambitionierte Junge haben es überall schwer, wenn sie Veränderungen wollen.“ Pelinka selbst ist Bestandteil der Erneuerung, er wurde mit Rudas’ Hilfe als ORF-Stiftungsrat installiert, der erfahrene Karl Krammer musste weichen. Krammer ist kein Einzelfall: Nach und nach holt Rudas alte Vertraute aus der Jugendorganisation im 15. Bezirk in die Löwelstraße. Sie findet daran nichts Anrüchiges, schließlich war ein niedriger Altersschnitt bisher wirklich nicht das Hauptproblem der SPÖ.

In der Kritik an Rudas schwingt die unausgesprochene Sehnsucht nach alten Verhältnissen mit, als in der Parteizentrale gestandene Mannsbilder wie Fritz Marsch oder Karl Blecha saßen und die ÖVP in Schrecken versetzten. Deren Aufgabe war leichter, seither hat sich die SPÖ verändert. Bis in die achtziger Jahre war sie eine zentralistische Partei, alle Macht war rund um Wien gebündelt, und die heutige Bundesgeschäftsführung hieß damals stimmigerweise Zen­tralsekretariat. Mit den roten Landeshauptleuten im Westen, die neuerdings mitreden, ist auch die Parteizentrale entmachtet. Josef Kalina, der von Gusenbauer geschasste Vorgänger von Rudas: „Die SPÖ hat mehr Machtzentren, das macht die Rolle des Bundesgeschäftsführers noch undankbarer.“ Kalina ist überzeugt, dass die Erwartungen an Rudas überhöht sind: „Man kann nicht verlangen, dass sie frischen Wind hineinbringt und gleichzeitig alles kann, was ein alter Hase beherrscht.“

Den Part des Erfahrenen sollte eigentlich Rudas Co-Geschäftsführer Günther Kräuter, 53, spielen. Selten hat ein Duo weniger harmoniert: Kräuter und Rudas sitzen auf verschiedenen Stockwerken, gestritten wird sogar über Petitessen wie die Frage, ob in der Löwelstraße nur Mineralwasser oder auch Fruchtsaft getrunken werden darf. Das bindet Energie, die Reibungsverluste werden aber vor allem Rudas angelastet.
„Mit zwei Bundesgeschäftsführern funktioniert es nicht“, bilanziert der Nationalratsabgeordnete Josef Muchitsch. Er hält Rudas zugute, dass sie die Kommunikation forciert: Die Abgeordneten erhalten nun wöchentlich E-Mails mit Positionen der SPÖ. Das letzte listet etwa auf sieben Seiten auf, warum die „Ökosteuern“ der ÖVP pfui und die Bankenabgabe der SPÖ hui ist.

Muchitsch ist als erdiger Gewerkschafter das personifizierte Gegenbild zur stylishen Rudas und weiß über sie zu sagen: „Sie ist lernfähig, das ist ihre große Stärke.“ Zusatz: „Natürlich ist die Bundesgeschäftsführung ein Schleudersitz.“

27.4.2010 15:19
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Hermes7, 13. 05. '10 19:27
Frau Rudas
Nichts Persönliches gegen Frau Rudas.
Lasst sie im Hintergrund ihre Ansichten entwickeln.
Für die Öffentlichkeit jedoch ein Fehlgriff.

Wer trägt hierfür die Verantwortung?
Außerirdischer, 06. 05. '10 13:39
Ohne jetzt die Frau Rudas groß verteidigen zu wollen,
aber wenn Sie eine Ahnung davon bekommen wollen, warum Politiker so eigenartig sind, dann setzen sie sich bitte einmal ein paar mal in Gemeinderatssitzungen auf Gemeindebene, in verschiedenen Bundesländern.

Und wenn Sie sehen, wie mehr oder weniger begabte Redner (an sich vernünftige) Vorschläge des Gegners heruntermachen (müssen), weil es nicht Parteilinie ist, oder weil sie sich vorgenommen haben, heute mindestens 20 Minuten durchzureden, wurscht was das Thema jetzt genau im Einzelnen ist, dann sehen sie, dass das nicht jeder draufhat. (oder draufhaben will)

Leute die halbwegs gut reden können, halbwegs Charisma haben und die ganzen Partei-Spielchen beherrschen, gibt´s nicht wie Sand am Meer.

Und die Frisur sollte auch noch gut sein, siehe Fayman und Hace.
derpradler, 01. 05. '10 10:21
Es gibt kein Reforminteresse in der SPÖ!
Die Inzucht-Debatten haben nur den Sinn, alles so zu lassen wie es ist. Was sollen auch Leute wie z.B. Cap, für den die POLITIK eine Lebensfirma ist, etwas ändern wollen. Er wird sich doch nicht selbst den Boden unter den Füßen wegziehen.
Mit der Aufgabe der sozialdemokratischen Geisteshaltung hat man auch die Chance auf die Zukunft aufgegeben, ganz nach dem neoliberalen Zeitgeist-Denken nach mir die Sintflut !
Vehlgast, 27. 04. '10 09:47
Bitte um Hilfe
Die vielen Skandale überfordern mein Gedächtnis. Mit dem Namen Rudas verbinde ich eine Person, die - ich glaube im Zusammenhang mit der Affäre des Arbeitermörders Udo Proksch - die belastenden Akten des Herrn Blecha zu Hause versteckt hat. Das kann natürlich nicht die arme Laura Rudas gewesen sein. Hat diese Familie des roten Erbadels noch mehrere Mitglieder? Und wer war der mit den Akten?
zappelzapp, 28. 04. '10 01:31
Das war Andreas Rudas, der Onkel
Der war später auch Generalsekretär, von den kleinen Genossen wegen seiner Schuhe gern der Genagelte genannt. Nach dem Ende seiner Karriere bei der Partei folgte er dem vorsitzenden Vranitzky zur Magna. Heute ist er bei der WAZ.
derpradler, 02. 05. '10 14:59
Re: Bitte um Hilfe
Wo haben Sie die letzten Jahrzehnte gelebt?
Die SPÖ ist ein Familienbetrieb, ähnlich der Habsburger. Da werden Posten und Pöstchen, Positionen und Ämter über Generationen weiter vererbt. Das ist doch kein Geheimnis mehr........Die Anzeichen der Inzucht sind doch überall bei den Genossen und Genossinnen deutlich sichtbar.
Übrigens diese Fr. Rudas ist nach ihren eigenen Angaben nur sehr weitschichtig mit den beiden anderen "Sargnägeln verwandt.
Flutur, 25. 04. '10 07:03
Rudas
In Abwandlung einer Polemik eines roten Parlamentariers
an BZÖ-Grosz, könnte man die Rudas als im Tierkreiszeichen (Jung)Krokodil Geborene bezeichnen:
Großes Maul, wenig Hirn!
hchris, 25. 04. '10 01:28
„Poor little girl“
na wenn das ein maennlicher fpoeler von sich gegeben haette! aber die evi darf so was!
Tom093, 24. 04. '10 19:49
SOZIHASS statt Journalismus
.
Da liefert also eine Weitere ihren Sozihass mittels Bashing-Orgie ab.
.
Alles schon einmal gelesen. Nicht einmal eigene Unwahrheiten ...
.
zappelzapp, 26. 04. '10 16:50
Re: SOZIHASS statt Journalismus
Die Sozihasser sind ja bekanntlich besonders in der Arbeiter-Zeitung zu Hause gewesen. Wie die Frau Linsinger.
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