Ignoranten als Wahlsieger
Kürzlich in einem bekannten Wiener Biergarten. Man kommt auf die bevorstehenden Bundespräsidentenwahlen zu sprechen und auf die zu erwartende Wahlbeteiligung. Ein am Tisch sitzender Herr, etwa 60, kündigt an nicht wählen zu gehen. Warum? Ich bin noch nie wählen gegangen. Noch nie? Nein, das interessiert mich nicht, es ist mir wurscht.
Nur nuanciert anders antworteten die Nichtwähler, die der ORF am Wahltag auf der Straße befragte: Es sei ohnehin alles egal, es ändere sich sowieso nie etwa, es sei ihnen gleichgültig, wer gewinnt, das Wetter sei so schön,.sie hätten anderes zu tun.
Alles aufgeklärte, kritische Bürger, die bewusst abstinent bleiben um damit ein Zeichen zu setzen? Mitnichten. Es sind eher Ignoranten, von chronischer geistiger Trägheit Befallene bar jeden Gemeinsinns, denen die Anstrengung, zehn Minuten der Teilnahme an einem demokratischen Willensbildungsprozess zu widmen, zu groß ist.
Unterlassen wir es ihnen zu erklären, wie sich ganze Generationen im Kampf um Demokratie und Wahlrecht aufgerieben haben. Es würde sie nicht interessieren.
Ach ja das Ergebnis: Heinz Fischer hat verdient klar gewonnen. Rudolf Gehring wird sich über seine achtbaren fünf Prozent freuen. Barbara Rosenkranz, die Kandidatin der extremen Rechten und der Kronen Zeitung ist abgestürzt. Eigentlich recht erfreulich.
25.4.2010 18:11
pweber68, 05. 05. '10 22:24
Nur Ignoranten ?
Sehr geehrter Herr Lackner !
Können Sie sich nicht vorstellen, dass es auch Menschen gibt, die infolge ihrer juristischen Ausbildung und der Kenntnis unserer Verfassungslage einfach aus Protest gegen das Missverhältnis der realen Aufgaben eines Bundespräsidenten zum Aufwand einer Direktwahl der Wahl fern bleiben?
Ich bin mir dessen durchaus bewußt, dass dieser Protest nur am Rande verstanden wird.
Wenn Sie aber bedenken, dass ich in der Vergangenheit auf einer ganz anderen Bühne schon oft eine Änderung unserer Verfassung vorgeschlagen (und auch ausgearbeitet) habe, würden Sie nicht alle Nichtwähler bei einer Bundespräsidentenwahl als "Ignoranten" beschimpfen.
derpradler, 01. 05. '10 19:38
Wer die Demokratie in Frage stellt,
hat keine Ahnung was er riskiert und beweist, daß er in der Schule in Geschichte gefehlt hat!!
fred.fido, 02. 05. '10 08:15
In frage wird nicht die "demokratie" gestellt
sondern deren nutzen für "den kleinen mann". 2000 hatte die SPÖ eine mehrheit. Die FPÖ wurde (knapp) zweitstärkste partei. - und Schüssel bundeskanzler.
Wenn man weiß, dass sich das parlament in Österreich freudig zu gunsten der regierung selbst ausschaltet, dann ist das schon recht ärgerlich.
bpallmann@hotmail.com, 02. 05. '10 09:43
Re: Wer die Demokratie in Frage stellt,
Exakt,@derpradler!
Und wer Demokratien so aushebelt und sich als Polit-/Kirchen-/Verwaltungs-Verbrecher in ihr einnistet, wie wir es gerade erleben, gehört öffentlich angeprangert, besonders hart und rasch bestraft und aus demokratischen Entscheidungsprozessen für immer und ewig rausgeworfen. Da sind wir uns vollkommen einig! Danke! B.P.
bpallmann@hotmail.com, 01. 05. '10 12:01
@fred.fido - auf den Punkt! : Einer der besten Sätze, was Demokratie ist...
...den ich je gelesen und gehört habe, stammt der von Ihnen?!: "Wahlen sind nicht unbedingt geeignet, den besten in die führung zu bringen, aber sie ermöglichen, den schlechten nach hause zu schicken." Ich darf dazu ergänzen: Demokratie bedeutet für mich die große Chance, sich Repräsentanten der eigenen Interessen wählen zu können, ihnen für eine überschaubare Zeit sehr viel Macht und mein Vertrauen zu leihen incl. der Verantwortung für andere Menschen und diese Erde insgesamt. Und sie auch nach hause zu schicken, mir Leute und Mitstreiter zu suchen, sie sogar in den Knast zu bringen, wenn sie mein Vertrauen, meine Stimme, missbrauchen. "profil" sei wieder einmal gedankt für solche Gedankensplitter! Guter Tag, dieser 1. Mai 2010!
fred.fido, 02. 05. '10 08:01
Re: @fred.fido - auf den Punkt! : Einer der besten Sätze, was Demokratie ist...
Keine ahnung. Es ist aber unwahrscheinlich, dass ich der erste bin.
fred.fido, 01. 05. '10 06:06
Wenn wahlen etwas ändern könnten
gäbe es keine. Steht irgendwo. Aber das ist eine halbwahrheit. Die eigentumsverhältnisse, die ökonomischen grundlagen stehen nicht zur wahl, und wer auf das paradies warten will, ist in tempel, kirchen und moscheen besser aufgehoben.
Wahlen sind nicht unbedingt geeignet, den besten in die führung zu bringen, aber sie ermöglichen, den schlechten nach hause zu schicken. Ohne tyrannenmord oder volksaufstand. Das im regelfall ein amtierender präsident wiedergewählt wird ist kein zeichen der schwäche der demokratie.
Die korruption in den reihen der (sch)mächtigen politiker wird man durch geringe wahlbeteiligung auch nicht los. Aber die politiker sind wie wir! Das wird gerne weggeschoben.
kurtauswien, 01. 05. '10 11:30
Re: Wenn wahlen etwas ändern könnten
Die richtige Weisheit lautet: Würden Wahlen etwas ändern, dann wären sie verboten.
Beweist das nicht die Realität?
fred.fido, 02. 05. '10 08:08
@Kurt
Eigentlich nicht. Die wahl Obamas führte zu einer ausweitung der krankenversicherung. Die wahl der FPÖ 2000 führte zur pensionskürzung, zum ausbau des 3-säulen models (das dann ende 2008 seine "krisensicherheit" zeigte), zur zerstückelung der ÖBB, ...
Also beim wählen ist vorher nachdenken durchaus gefragt.
bpallmann@hotmail.com, 29. 04. '10 23:44
"Wer in Demokratien schläft, gar seelig schnarcht...
..wacht nicht nur in Diktaturen auf, sondern muss froh sein, wenn er überhaupt noch aufacht" könnte man dem "Nichtwähler" sagen. Es ist nun mal ganz einfach: wer sich zur Wahl stellt und die Stimmen bekommt, bestimmt so "banale" Sachen wie die "Gewaltenteilung", die Rechtssprechund únd und Gesetze, die Polizeiaufgaben, die Innere und Äussere Sicherheit - und auch die Steuern. Kler, so lange das andere für einen machen und es einigermaßen läuft.gut. Aber nehmen wir das Beispiel eines Mordes, z.B. an Siegfried Buback zu "RAF"-Zeiten, und halten wir das Buch seines Sohnes dagegen "Der zweite Tot meines Vaters". Oder heute die Staatsanwältin in München, Frau Stockinger, zum evtl. Killer-Mord, bestellt durch "gewisse Kreise" am jungen Dirk Poschinger von Camphausen, oder Frau Rosenkranz, oder.!
HSpieler, 29. 04. '10 16:54
Unsachlicher Artikel
Wenn die Wahl zwischen Pest und Cholera ist, dann ist Nichtwählen die einzige Alternative.
bpallmann@hotmail.com, 29. 04. '10 23:53
Re: Unsachlicher Artikel
Nicht so ganz unsachlich: denn hätten etwa die Briten und Amis damals nicht....wäre Austria heute ein deutsches Bundesland und "profil" Journalisten gar nicht erst entstanden - und wir alle könnten wohl kaum hier kommentieren. Cholera ist übrigens inzwischen relativ selten, klar, die Pest gibts noch - nur der Vergleich passt einfach nicht mehr auf 2010. Hat sich viel getan, ehrlich. Klar, noch zu wenig, deshalb engagiert euch, Bürger! Nichtwählen ist einfach out - viel mehr würden gern anders wählen, ja. Guckt nach Griechenland oder Bayern oder direkt bei Euch Österreicher, warum "wir" seit über drei Generationen in Europa keinen Krieg mehr hatten ( 1 "Generat". dauert ca. 25 Jahre, so sagt man). "Dafür" zocken uns die Banditen hier und dort ab. Wählt euch andere! Mein Credo!!!
nra4ever, 26. 04. '10 11:59
Es kommt auf jede Stimme an ...
Eine Stimme mehr als MutterkreuzIn und Mittelalterchrist sollte wohl genügen und sonst - nicht gerade aktuell - ob schwarze Regierung mit rotem Schweigekanzler oder schwarze Regierung mit schwarzem Schweigekanzler von den Rechtskonservativen und ihren Medien vor sich her getrieben werden ist ja wohl auch wurst - hauptsach de do om dan net olaweu nua streitn - wer will schon wirkliche Kontroversen in Österr.
Herr-Paul, 26. 04. '10 09:16
Ja klar, der depperte Bürger ist schuld!
Wahlslogan Fischer: "Unser Handeln braucht Werte"! - Klar, siehe Skylink, Hypoalpeadria, Bawag, HypoNÖ, ÖBB, Asfinag, AUA, Praterumbau, Nordspital, Parteiproporz, ORF,....
Und Sie beklagen ernsthaft das Desinteresse der Bürger?
Was ist ihr Beruf nochmal?
"Vierte Gewalt" im Staat? - Selten so gelacht!
Ja, der Bürger ist scho schlimm, gell.
waldquelle29, 26. 04. '10 19:56
Re: Ja klar, der depperte Bürger ist schuld!
Sehr gute Einstellung. Umso mehr Mist die Politiker bauen umso weniger muss man wählen gehen.
Ich spreche mich schon seit Jahren dafür aus, dass Nichtwähler kräftig zur Kasse gebeten werden. Solche Menschen sind für mich noch schlimmer als die Politiker die in die eigene Tasche wirtschaften!
Herr-Paul, 26. 04. '10 21:37
Re: Ja klar, der depperte Bürger ist schuld!
Es ist ganz einfach: Wahlen ändern nix an unserer Lobbykratie. Gar nix. Im Gegenteil, das Wahlvolk ist ja nur mehr lästiges Beiwerk und/oder Feigenblatt für die großartigen republikanischen Ergebnisse wie: Exorbitante Schulden, einer Million unter der Armutsgrenze, kein Auskommen mit dem Einkommen für Millionen usw.
Es geht nur mehr um eines: Wer kennt wen. Und der Rest: Pech gehabt, der kann gepflegt verrecken.
Dann geht mal brav weiter wählen, määääääääääh.