ÖBB: Welche Nebenstrecken verkauft oder stillgelegt werden sollen

Die ÖBB wollen in ganz Österreich weitere Nebenbahnen stilllegen. Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer leistet heftigen Widerstand.

Von Otmar Lahodynsky

Auf 16 Bahnstrecken in ganz Österreich könnte schon bald der letzte Zug abfahren. Laut profil vorliegenden internen Plänen der ÖBB-Infrastruktur AG soll in diese Nebenbahnen (im ÖBB-Jargon „Ergänzungsnetz“ genannt) künftig kein Geld mehr investiert werden. Betroffen sind Strecken wie Ried–Schärding in Oberösterreich, Spielfeld/Straß–Bad Radkersburg in der Steiermark oder Hermagor–Kötschach-Mauthen in Kärnten. In Niederösterreich ist sogar der Zubringer zur Schneeberg-Zahnradbahn bedroht. Insgesamt sollen mehr als 380 Kilometer Schienenverbindungen gestrichen werden.

Nach dem Vorbild von Niederösterreich, wo Anfang des Jahres 28 Strecken den ÖBB abgekauft wurden, aber nur zwei im Regelverkehr weiter bedient werden (profil 32/10), sollen unrentable Nebenbahnen zuvor den jeweiligen Ländern zur Übernahme angeboten werden.

Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer verweist aber auf den „Versorgungsauftrag“ der ÖBB: „Wir werden den ÖBB sicherlich weder Investitionen noch die unangenehme Aufgabe von Streckenstilllegungen abnehmen“, so Pühringer.
Besonders umkämpft ist die Mühlkreisbahn von Linz nach Aigen-Schlägl. Nach den ÖBB-Plänen soll ein großer Teil der Strecke stillgelegt werden. Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner, der aus dem Mühlviertel stammt, verweist darauf, dass der Bahnbetrieb bis zum Jahr 2017 vertraglich gesichert sei. Bis dahin bleibe „noch genügend Zeit für kluge Zukunftskonzepte“.

Doch Fahrgast-Verbände warnen vor einem Rückbau des heimischen Bahnnetzes. „Da sich niemand nachhaltig für den regionalen Zugsverkehr einsetzt, gehen die ÖBB immer nach dem gleichen Muster vor“, kritisiert „Probahn“-Chef Peter Haibach. „Zuerst werden die Fahrpläne ausgedünnt, dann gibt es wegen der mangelnden Investitionen immer mehr Langsamfahrstrecken. Bleiben dann die Fahrgäste aus, stellt man den Betrieb ein und ersetzt ihn durch Busse.“

Verkehrsministerin Doris Bures weiß nichts von einer Streichungsliste der ÖBB. „Klar ist aber auch, dass die Bahn ständig Kosten-Nutzen-Analysen über ihre Leistungen anstellen muss, wie das auch der Rechnungshof fordert.“ Derzeit würden das Verkehrsministerium, die Länder und die ÖBB über eine „Neuaufstellung der Finanzierung der Nebenstrecken“ verhandeln. Für die Hauptstrecken sollte der Bund zuständig sein, für regionale Strecken die Länder mit Unterstützung des Bunds.

„Bures und die ÖBB planen einen österreichweiten Kahlschlag, der viele Tausend Menschen in den Regionen täglich vor Probleme stellt, ihre Ziele zu erreichen“, kritisiert die grüne Verkehrssprecherin Gabriele Moser. Damit würden nur 20 Millionen Euro eingespart, „angesichts der Beraterverträge, Spekulationssummen und Vorstandsabfertigungen nur Kinkerlitzchen“.
Dass es auch anders geht, beweist die Pinzgauer Regionalbahn. Unter ÖBB-Führung wurde die Bahnstrecke immer unattraktiver. Im Jahr 2005 drohte nach Hochwasserschäden das Aus. Doch dann investierten Bund, Land und ÖBB mehr als 30 Millionen Euro in Bahnanlagen und neue Zugsgarnituren. Seit der Übernahme durch die Salzburger ­Lokalbahnen, Tochter des Landesenergiekonzerns Salzburg AG, kamen dank neuer Waggons, Stundentakt und besserem Service die Fahrgäste zurück. Die Privatbahn bedient seit Kurzem auch den Raum Berchtesgaden-Freilassing erfolgreich.

Fahrgast-Initiativen verweisen auf den beachtlichen Ausbau von Regionalbahnen in Deutschland und der Schweiz. In Österreich scheitern sinnvolle Konzepte für den regionalen Bahnverkehr oft am Kompetenzgerangel zwischen ÖBB, Bund und Ländern.

Dabei schalten die ÖBB sogar auf Hauptstrecken aufs Halte­signal. So sollen die direkten Bahnverbindungen zwischen Linz und Graz oder von Graz nach Klagenfurt demnächst ganz eingespart werden.

21.8.2010 16:22
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jj.ll., 10. 09. '10 05:37
fahrplaene
wenn man die regionalzuege, die ja sowieso nicht durch den basistunnel fahren werden, und die innertirolensischen (innsbruck-bozen) ec-zuege abzieht, bleiben als direktverbindung innsbruck verona noch vier zuege (hin und zurueck acht zuege) uebrig .
diese vier zuege sind von oebb/db und werden im internetportal von trenitalia ignoriert. daher kann man in italien auch keine auskuenfte darueber erhalten und keine fahrkarten am bahnhof kaufen.
zumindest was den personenverkehr anbelangt ist aus heutiger sicht der basistunnel nonsense.
jj.ll., 22. 08. '10 17:37
wenn schon die lokalen strecken aufgeben, dann auch die internationalen
wo bleiben eigentlich die beschwerden linker umweltpolitiker ueber die nicht mehr existierenden internationalen zugsverbindungen nach italien. von villach nach venedig faehrt man nun schon seit einigen jahren mit dem oebb bus. von innsbruck nach bologna gibt es nicht einmal mehr das. am besten man faehrt mit dem auto und laesst die eisenbahner dieseits und jenseits der grenze weiterschlafen und ihren hacklerlohn mit schwerstarbeiterzuschlag kassieren.
Fahrgast, 23. 08. '10 00:08
Re: wenn schon die lokalen strecken aufgeben, dann auch die internationalen
Innsbruck - Bologna gibt es einen Tag- und einen Nachtzug, sowie zahleiche Verbindungen mit Umsteigen.
Über den IC-Bus neben einer Mrd. Euro teuren, leer stehenden Neubau Bahnstrecke, gab es schon viele Beschwerden, hat aber alles nichts geholfen.
jj.ll., 23. 08. '10 13:43
Re: wenn schon die lokalen strecken aufgeben, dann auch die internationalen
brauchen wir denn dann ueberhaupt den basistunnel? ein luxus, einen zug schneller fahren zu lassen, der miliarden kosten wird.
Fahrgast, 25. 08. '10 23:03
Re: wenn schon die lokalen strecken aufgeben, dann auch die internationalen
Es gibt natürlich viel mehr als nur einen Zug, Bologna ist ja nicht die einzige Richtung und ein paar Güterzüge gibt es auch noch. Mit dem Basistunnel streut man den Transitgegnern Sand in die Augen. Während man mit niedriger Mineralölsteuer auf Diesel die LKWs gezielt ins Land hohlt, redet man den Leuten ein, dass man erst den Basistunnel bauen muss um den Verkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern. In Wahrheit ist die heutige Brennerbahn nicht ausgelastet und es gibt überhaupt keine ernsthaften Bemühungen zur Verlagerung des Verkehrs zur Schiene hin.
Fahrgast, 22. 08. '10 13:21
Das Netz vor lauter Strecken nicht gesehen!
Man sollte doch endlich einmal damit aufhören, jede Strecke einzeln und für sich alleine zu betrachten. Die Nebenbahnen bringen Fahrgäste und Güter zu den Hauptstrecken. Ohne Nebenbahnen funktionieren die Verkehrsketten nicht mehr und die vielen Mrd. € Investitionen in die Hauptstrecken werden keinen Sinn mehr machen. Die Schweiz zeigt es vor, wie es geht. Dort wurden die Nebenbahnen in ein bundesweites Gesamtkonzept "Bahn-2000" eingebunden. Der Erfolg ist so unübersehbar, dass man sich eigentlich die Frage stellen muss, welche Ziele hier bei uns in Wahrheit verfolgt werden?
Almi66, 22. 08. '10 07:53
Ständig Kosten-Nutzen Analysen
Würde man die Bahn als Ganzes einer solchen Analyse unterziehen, so hieße es wohl, "der letzte dreht das Licht ab".
Die OBB haben aber auch einen Versorgungsauftrag, ähnlich der Post. Wenn dann selbst Hauptstrecken immer unattraktiver werden, wenn eine Bahnkarte von Linz nach Wien 70 Euro hin und retour kostet und dann auch die Qualität nicht passt, ja dann wird die Bahn wohl einmal als Gesamtes obsolet und mit ihr viele Berater, Manager und tausende Mitarbeiter.

Die ÖBB leidet unter dem selben Syndrom wie viele Bundesbetriebe: Gut verwaltet, aber wenig innovativ oder gar zu notwendigen Risiken bereit.

Wie heißt es dann so treffend: In der Wirtschaft frisst nicht der Große den Kleinen, sondern der Schnelle den Langsamen.
eulenauge, 22. 08. '10 11:03
Fahrtkosten
Sie können bei uns jederzeit eine Fahrt von Linz nach Wien um 198,00 € zzgl. 20 % MWSt. bestellen. Um € 70,-- kommen Sie etwa bis Amstetten.

Für die Rückfahrt müssen Sie natürlich noch einmal von den selben Kosten ausgehen.
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