„Zehn Prozent der Lehrer sind völlig ungeeignet“

ÖVP-Politiker und Bildungsexperte Andreas Salcher über so genannte Auspufflehrer, Standesdünkel in der ÖVP und die drohende Klassengesellschaft im Schulwesen.

Interview: Eva Linsinger, Ulla Schmid

profil: Wer sitzt jetzt vor uns: ein ÖVP-Politiker oder ein Lobbyist?
Salcher: Als Politiker habe ich stets gegen die Regel Nummer eins verstoßen: Wenn’s hart wird, halt den Mund. Deshalb bin ich jetzt Buchautor und will wenig beachteten Themen Aufmerksamkeit verleihen – und zwar als Unabhängiger.

profil: Sind alle anderen Bildungsexperten abhängig?
Salcher: In diesem Land ist fast jeder abhängig. Dennoch sind alle Bildungsexperten, welcher Couleur auch immer, einig darüber, was in der Bildungspolitik passieren muss.

profil: Warum passiert dann nichts?
Salcher: In Wirklichkeit blockiert nur eine ganz kleine Minderheit: die ÖVP-dominierte AHS-Lehrergewerkschaft.

profil: Und Vizekanzler Josef Pröll, ÖVP-Politiker und Landeshauptleute.
Salcher: Die Landeshauptleute wollen mehr Macht. Dabei ist in keinem anderen demokratischen Land das Schulsystem so im Würgegriff der Parteien wie in Österreich. Wenn ein junger Lehrer in eine Schule kommt, stehen der rote und der schwarze Personalvertreter vor ihm, bevor er sein Zeug ausgeräumt hat. Jede der 4200 Schulen ist entweder Rot oder Schwarz zuzurechnen. Und die AHS-Lehrergewerkschaft vertritt vor allem die schwachen, nicht leistungsorientierten Lehrer, die mein Freund Bernd Schilcher treffend Auspufflehrer nennt: Ab Mittag ist von denen in der Schule nur mehr der Auspuff ihres Autos zu sehen, weil sie so schnell wie möglich verschwinden.

profil: Wenn die VP-dominierte AHS-Lehrergewerkschaft vor allem leistungsunwillige Lehrer vertritt: Warum hat sie dann in der ÖVP so viel Macht?
Salcher: In der SPÖ werden wider besseres Wissen die Privilegien der ÖBB-Mitarbeiter verteidigt, in der ÖVP jene der Lehrer. Das führt zu verstockten Ideologien. Ich sage den Bürgerlichen immer eines: Freunde, ihr seid vehemente Gegner der Gesamtschule. Dabei ist sie bisher nur in Wiens bürgerlichen Bezirken im Flächenversuch verwirklicht: In Wien-Hietzing und im 1. Bezirk gehen 90 Prozent der Kinder in die AHS – das ist die schlimmste Form der Gesamtschule, nämlich die nicht leistungsorientierte.

profil: Und was antworten Ihnen Ihre ÖVP-Freunde auf dieses Beispiel?
Salcher: Ich muss jetzt aufpassen, dass ich nicht die ÖVP oder Teile der ÖVP verteidige. Nichts liegt mir ferner. Aber der ÖVP-Wirtschaftsbund oder die Industriellenvereinigung haben verstanden, dass ein Land mit acht Millionen Einwohnern es sich nicht leisten kann, nachweisbar ein Drittel unseres Bildungspotenzials zu vernichten. Der ÖVP-Wirtschaftsflügel agiert in der Bildungspolitik sehr vernünftig.

profil: Aber er setzt sich offenbar nicht durch.
Salcher: Durch die Standesdünkel weiter Teile der ÖVP in der Bildungspolitik verlieren wir zu viele Talente. Die Lehrergewerkschaft soll ruhig die Interessen ihrer Klientel vertreten, auch wenn sie sich gegen die Allgemeinheit richten. Aber die Pflicht einer Regierung ist es zu handeln. Bildungsministerin Claudia Schmied kann allein keine Bildungsreform machen. Dazu braucht es einen nationalen Konsens. Die Politik darf die Lehrergewerkschaft, die immer Nein sagt, nicht so ernst nehmen. Die ist nur ein Papiertiger.

profil: Dafür macht sie der Bildungsministerin große Probleme.
Salcher: Schmied kann nur die Öffentlichkeit mobilisieren, damit Kanzler und Vizekanzler endlich die Bildungsreform angehen. Leider steht Schmied noch unter dem Schock der Niederlage, die sie beim Versuch der Verlängerung der Lehrerarbeitszeit erlitt, und traut sich wenig. So läuft sie Gefahr, abgeschafft zu werden: Wenn das Bildungssystem verländert wird, brauchen wir kein Bildungsministerium. Diese Diskussionen über die Verländerung des Bildungswesens sind doch nur Scheindebatten. Die Eltern werden sich nicht mehr länger gefallen lassen, dass über Bildung, das größte Zukunftsthema, nicht geredet wird.

profil: Wir bremsen Sie ungern in Ihrem Optimismus – aber die große Bildungsdiskussion und den Druck zur Reform können wir nicht erkennen.
Salcher: In einem Jahr ist die erste Hälfte der Legislaturperiode vorbei. Wenn bis dorthin nicht eine umfassende Bildungsreform beginnt, passiert bis zu den Nationalratswahlen nichts mehr. Dabei wären alle Konzepte fix und fertig, die Expertisen liegen meterweise auf dem Tisch, Kanzler und Vizekanzler müssten sich nur zu einer Entscheidung durchringen. Wenn das nicht gelingt, wird es einen Boom des privaten Schulsystems geben. Jeder, der es sich irgendwie leisten kann, wird sein Kind in eine Privatschule geben. Im öffentlichen Schulsystem werden die schlechten Lehrer und die Kinder der Migranten und der unteren Bildungsschicht übrig bleiben. Das ist ein Schreckensszenario. Dann gibt es eine echte Schul-Klassengesellschaft wie in Amerika oder England.

profil: Offenbar stört das die Regierungsspitze nicht.
Salcher: In Wirklichkeit sprechen beide Parteien mit gespaltener Zunge. Die ÖVP predigt immer von den Kindern, die in die Hauptschule gehen und glückliche Handwerker werden. Die SPÖ stellt immer die Gesamtschule als Paradies individueller Chancenförderung dar. Und Spitzenpolitiker beider Parteien geben ihre eigenen Kinder in internationale Privatschulen. Eine sehr brutale Maßnahme gegen diese Verlogenheit wäre ein Gesetz, wonach alle Politiker ihre Kinder in die nächste öffentliche Schule geben müssen. Dann würde es ganz schnell eine umfassende Reform des Schulsystems geben.

profil: Dieses Gesetz ist ein Traum von Ihnen. In der Realität steht bald die Entscheidung an, wie es mit dem Schulversuch Neue Mittelschule weitergeht. Was prognostizieren Sie?
Salcher: Die Neue Mittelschule war immer ein Etikettenschwindel, sie ist ja nur ein Upgrade der Hauptschule und hat mit einer Gesamtschule überhaupt nichts zu tun. Meine Prognose ist: Es werden noch mehr Hauptschulen zu Neuen Mittelschulen. Dann wird sich die SPÖ auf die Brust klopfen und sagen: Hurra, die Neue Mittelschule setzt sich durch. Und die ÖVP wird sich auf die Brust klopfen und sagen: Hurra, wir haben das Gymnasium gerettet. Dann haben wir drei statt zwei Schultypen, die Bildungsreform gilt als abgeschlossen, und nichts hat sich verändert. Dabei wäre eine Reform -bitter nötig: Wir haben das viertteuerste Schul-system der Welt, aber bei Weitem nicht das viertbeste.

profil: Was macht das System so teuer?
Salcher: Der eine Kostentreiber sind die vielen Kleinschulen. 34 Prozent der Volksschulen haben maximal drei Klassen mit teils nur fünf Kindern, das ist wahnsinnig teuer. Aber kein Bürgermeister will seine Schule auflösen. Dabei wäre es viel klüger, größere Schulen mit mehr Lehrern zu schaffen und die Kinder gratis dorthin zu transportieren. Der zweite Kostenfaktor ist das Lehrerdienstrecht.

profil: Sind die Gehälter zu hoch?
Salcher: Erstens findet Lehrerfortbildung prinzipiell am Vormittag statt und nie in den Ferien, das bedeutet viele teure Supplierstunden. Zweitens steigen die Gehälter automatisch und zu stark. Ich bin für höhere Anfangsgehälter, dann aber starke Leistungskomponenten, bis hin zur Kündigung von Lehrern. Wie viele Bundeslehrer wurden in den letzten Jahren wegen Unterschlagung oder schweren Verfehlungen entlassen?

profil: Kein einziger.
Salcher: Gewonnen. Zehn Prozent der Lehrer sind für den Beruf völlig ungeeignet. Wenn man sie entfernt, würde die Qualität des Bildungssystems signifikant steigen. Das passiert aber nicht und schafft eine Spirale der Mittelmäßigkeit, in der engagierte Junglehrer nur gemobbt werden.

profil: Sollen Lehrer mehr Zeit an der Schule verbringen?
Salcher: Von acht Uhr bis 16 Uhr haben Lehrer an der Schule zu sein. Das ist in fast allen erfolgreichen Ländern so. Ganztagsschule und Gesamtschule sind nur so möglich. Damit erübrigen sich Hausübungen und der Unsinn, dass Eltern mit den Kindern lernen müssen. Denn weil wir eine Halbtagsschule haben, hängt der Bildungserfolg viel zu sehr von den Eltern ab. Wenn die Eltern wenig gebildet sind, bleiben das auch die Kinder.

profil: Die Lehrergewerkschaft kontert, es gebe an Schulen keine Arbeitsplätze.
Salcher: Sie will ja keine schaffen. Die Unterrichtsministerin wollte jedem Lehrer einen Computer geben, die Lehrergewerkschaft war dagegen. Jetzt kann Schmied nicht einmal jedem Lehrer eine E-Mail -schicken. Das wäre in jedem anderen Unternehmen unmöglich.

profil: Was ist für Sie das ideale Schulsystem?
Salcher: Die derzeitige Trennung mit zehn Jahren in Hauptschule und AHS ist eine soziale Diskriminierung und gehört beendet. Wir brauchen eine Gesamtschule. Dafür muss man aber vorher das Lehrerdienstrecht ändern. Meine Wunschschule schaut so aus, dass jeder Schüler ab zehn Jahren individuelle Lehrpläne bekommt. Da sitzt zum Beispiel einer in Mathematik im Spitzenkurs und in Englisch, wo er weniger talentiert ist, in einem Kurs auf niedrigerem Level. Wir müssen nach Talent, nicht nach Alter differenzieren. Das heißt, dass das zehnjährige Mathematiktalent mit Zwölfjährigen rechnet, in Englisch aber mit Jüngeren sitzt. -
Es gibt schon Schulen, die das machen.

profil: Aber die sind im Schulversuchsstadium und werden das wohl die nächsten 20 Jahre bleiben.
Salcher: Die vielen guten Projekte müssen endlich zur Norm werden. Und die Schulen benötigen mehr Autonomie und eigene Budgets. Ein Direktor in einem schwierigen sozialen Gebiet braucht etwa mehr Sozialarbeiter. Derzeit kriegt er aber teure Atlanten geliefert, weil der Landesschulrat das super findet. Wir brauchen starke Direktoren, die nicht nach Parteibuch ausgewählt werden, sondern nach Qualifikation. Der Direktor soll das Recht haben, seine Lehrer anzustellen und zu kündigen.

profil: Sollen Migrantenkinder auf Schulen und Bezirke aufgeteilt werden?
Salcher: Die Amerikaner haben einst Afroamerikaner mit Bussen quer durch Städte gefahren, um sie aufzuteilen, das ist keine Lösung. Es handelt sich eher um eine Unterschichten- als um eine Migrantenproblematik. Wir sind das einzige Land der Welt, in dem die dritte Generation Migranten schlechter Deutsch spricht als die zweite. Wenn eine Schule viele Zuwanderer hat, nehmen die Österreicher ihre Kinder heraus, und der Migrantenanteil schnellt weiter in die Höhe. Man kann die Österreicher nicht zwingen, dass sie ihre Kinder in solche Schulen geben. Wir müssen aber sicherstellen, dass diese Schulen maximale Förderung bekommen.

profil: Wann soll Bildung beginnen?
Salcher: Das verpflichtende Kindergartenjahr ist ein großer Fortschritt. Von Écoles maternelles davor halte ich wenig. Es gibt auch Overkill an Förderung, wenn schon Dreijährige mit Mandarin beschallt werden. Aber wir geben im internationalen Vergleich zu viel Geld für die Oberstufen und zu wenig für die Volksschulen aus. Dabei steht und fällt mit der Volksschule alles. Wer eine großartige Volksschullehrerin hat, geht sehr gut ins Leben.

profil: Braucht es mehr Volksschullehrer? Meist sind die einzigen Männer in Volksschulen der Schulwart und der Direktor.
Salcher: Und angesichts der steigenden Zahl der Alleinerzieherinnen sehen viele Kinder überhaupt nie einen Mann. Es müssen dringend mehr Männer an die Volksschulen, das funktioniert aber nur, wenn die Einstiegsgehälter steigen. Ein Mann macht das nicht um das Geld.

profil: Und für Lehrerinnen reicht die Bezahlung?
Salcher: Die Volksschule war ein sehr familienverträglicher Halbtagsjob. Künftig sollen auch Volksschullehrer bis 16 Uhr an der Schule sein, dann gibt es mehr Geld. Die herausragenden Bildungssysteme der Welt schaffen es, aus allen Uni-Absolventen gute Lehrer herauszusuchen. Von zehn, die in Finnland Lehrer werden wollen, schafft es einer. Oder in Singapur hat ein Lehrer 200 Stunden Fortbildung verpflichtend pro Jahr. Wir reden viel zu wenig über Lehrerauswahl.

profil: Werden die Falschen Lehrer?
Salcher: Teilweise suchen sich gerade die Schwächsten den Beruf aus. Wir müssen aber die Besten dazu kriegen, Lehrer zu werden. Das ist der entscheidende Baustein der Bildungsreform. Alles andere ist nicht spielentscheidend.

4.9.2010 15:38
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bildungadieu, 24. 09. '10 08:13
Bildungsexperte Salcher
Der selbsternannte Bildungsexperte Salcher hat ein großes Feindbild, und das ist die AHS-Gewerkschaft (bei der übrigens auch die "rote" Fraktion gegen das planlose Herumwerkeln mit der Neuen Mittelschule ist, nicht nur die ÖVP-Fraktion!).
Was mich persönlich immer wieder fasziniert, ist die Frage, wie man in Österreich zum "Experten" wird. Warum impliziert eigentlich die Tatsache, Mitbegründer einer Eliteschule zu sein, gleich auch die Legitimation, "Experte" für die Bildung per se zu sein? Eigentlich müsste da in logischer Folge auch jeder Architekt eines Schulgebäudes als "Bildungsexperte" tituliert werden.
Denn Faktum ist: In Wahrheit hat der gute Herr Salcher sehr, sehr wenig Ahnung, wie es in einer Schule bzw. im Unterricht tatsächlich zugeht.
Silversocks, 23. 09. '10 11:50
10 Prozent...
Eine Überlegung dazu: bei diversen Maturatreffen wird auch immer über die ehemaligen Lehrer diskuriert. Es fällt dabei auf, dass die Klassenkameraden, die in einem Fach schlecht bis sehr schlecht waren , den entsprechenden Lehrer auch nach Jahrzehnten sehr negativ beurteilen, andere wiederum können denselben Lehrer gar nicht hoch genug loben, wieder andere meinen:"Naja, es ging halt..".Das wird jeder schon erlebt haben! Welche Meinung über den Lehrer lassen wir nun gelten? Bei entsprechender Filterung könnte er leicht zu den ominösen 10 Prozent gezählt werden!
Silversocks, 23. 09. '10 01:47
Die böse, böse AHS-Lehrergewerkschaft...
Jetzt hat sie die öffentliche Meinung schon wieder manipuliert.
Im aktuellen Profil ist auf Seite 33 eine Umfrage veröffentlicht, nach der 51 % ihre Kinder in die AHS schicken würden, aber nur 27 % in die NMS. Was soll man gegen so unbelehrbare Eltern machen, die die Segnungen der NMS absolut nicht einsehen wollen?-frage ich Sie, lieber Herr Salcher!Diese offenbar von der AHS-Lehrergewerkschaft einer Gehirnwäsche unterzogenen bedauernswerten Eltern müssen sofort von einem Bildungsexperten Ihres Schlages aufgeklärt werden,
denn die wissen ja nicht, was gut für ihr Kind ist ! Womöglich kennen Sie noch nicht einmal den Unterschied zwischen einem Klapp-Rechner, einem Laptop und einem Notebook, ganz zu schweigen von einem Netbook.Aber Gott sei Dank, haben wir ja Sie,Sie Schulexperte !
chaneu, 14. 09. '10 10:24
ja, das glaub ich auch
überdies wäre wohl noch anzumerken:

80 % aller POLITIKER sind völlig ungeeignet
50 % aller MANAGER sind völlig ungeeignet
20 % aller BEAMTEN sind völlig ungeeignet

und was sagt uns das jetzt, werden die Lehrer jetzt entlassen, oder die Politiker oder.... ???
pestassori, 08. 09. '10 12:48
Danke liebe Redakteurinnen des Profil!
Wieder einmal haben viele Antworten auf die Profil-Fragen den selbsternannten "Experten" dazu verleitet, offenzulegen, wie wenig Ahnung er von der Situation an den österreichischen Schulen hat. Höhepunkt ist für mich seine Aussage, dass "die Unterrichtsministerin jedem Lehrer einen Computer geben wollte, die Lehrergewerkschaft aber dagegen war." Das ist natürklich nur die halbe Wahrheit. Darüberhinaus haben bereits fast alle Lehrer selbstfinanziert einen Computer zuhaus, der auch dem österreichischen Schulsystem zugute kommt, seit vor zwanzig Jahren die Arbeit mit dem Computer in unsere Schulen eingezogen ist ...
stuwe, 17. 09. '10 08:54
Re: Danke liebe Redakteurinnen des Profil!
Wenn Sie auf Wahrheitsfindung sind, sollten Sie aber vielleicht auch den Grund dafür suchen, warum die Lehrer, zum Unterschied von vielen anderen Berufsgruppen, nicht schon vor vielen Jahren zeitgemäße Arbeitsplätze mit Computerausstattung erhalten haben. Auch ich kenne engagierte Lehrer, die sich - nolens volens, weil sie sonst nicht ihrer Ambition entsprechend arbeiten können - einen Privat-PC zugelegt haben. Aber vielleicht sollten Sie einmal hinterfragen, ob jene gewerkschaftlichen Vertreter DAMALS (vor vielen Jahren) für diesen Fortschritt eingetreten sind ? Jene Vertreter, die süffisant grinsend vor die Öfentlichkleit treten und, sinngemäß, Reformpläne mit dem Satz kommentieren "Mit uns nicht !"
eviee, 07. 09. '10 10:36
Schule - Salcher - LH Pröll
Danke, lieber Salcher, danke, liebes Profil!!! Hier wird ausgesprochen, was viele denken, viele wissen, wenige so deutlich öffentlich kommentieren.
Ob jener (mittlerweile) sonderbare Herr in St. Pölten Angst hat um Macht/Einfluss/Daseinsberechtigung und in der Folge um dankbares Wählervolk?
Vorschlag: Künftige Regierung, egal welchen Coleurs, teilt die Regionen Österreichs verwaltungstechnisch anders auf. Abgeschlankt. Nächste Wahltermine bringen ohnedies meistens nur wieder andere Parteien an die Macht. Schluss mit falschen Rücksichtnahmen! Kam eben von einem Frankreichurlaub zurück: Angesichts der Monumentalbauten wird man nachdenklich. Damals wurde Unglaubliches gebaut (Versailles). Heute nichts dergleichen, und auch heute ist kein Geld da. Zuviele "Mitschmarotzer"???
muttutgut, 07. 09. '10 12:10
Re: Schule - Salcher - LH Pröll
Wer Versailles als Beispiel für eine großartige politische Leistung heranzieht, der macht mich ein wenig verzweifelt. Ihr Beispiel zeigt andererseits sehr gut auf, wie schwierig es ist, die Bildungsqualitätsdebatte mit guter Bodenhaftung zu führen. War der Geschichtelehrer so unengagiert oder waren Sie damals in der Schule gerade so müde und unaufmerksam, dass Ihnen die jahrelangen schrecklichen Tag- und Nachtschichten der Ausgebeuteten keinen Gedanken wert sind? Die abgrundtiefe Brutalität, mit der diese Anlage der absolutistischen Machtdemonstration durchgepeitscht (im wahrsten Sinn des Wortes) wurde, müsste doch zumindest ein ambivalentes Verhältnis zu diesem Gesamtkunstwerk in Ihnen hervorrufen.
Ludwig IV. bewundern Sie, aber Erwin Pröll ist Ihnen zu machtbewusst?
muttutgut, 07. 09. '10 12:26
Tippfehlerkorrektur
Ludwig XIV.
sirsir1, 07. 09. '10 07:52
Niveau
Wenn man mit Leuten spricht, die mit Schulabgängern,
egal welcher Stufe zu tun haben, so muß man leider zu der
Meinung kommen, daß auf Grund der "Unbildung" der Be-
sagten das Niveau eines ganzen Berufsstandes, nämlich das der Lehrer, in den letzten Jahrzenten so wie das keines
anderen gesunken ist!
muttutgut, 07. 09. '10 11:44
Re: Niveau
Das ist jetzt die billige Kurzschlusserklärung, für die man sich nicht mit der komplexen Schulrealität auseinanderzusetzen braucht. Dieses schlanke Denkmodell entlastet kurzfristig emotionell, wirklich weiterbringen kann es niemanden. Wenn es Ihnen genügt, soll es mir recht sein.
muttutgut, 06. 09. '10 22:40
naiv, simpel und doch undifferenziert
Wie gerne würde ich die Bildungsdebatte auch auf so einem plakativen und naiven Niveau führen! "Wer eine großartige Volksschullehrerin hat, der geht sehr gut durchs Leben." Und natürlich ist sie deshalb großartig, weil sie bis 16 Uhr in der Schule verbringt. Bitte warum kann man zum Thema Bildung nicht einmal etwas wirklich Gescheites lesen. So etwas müsste sich mit allen komplexen Einflüssen auf Schüler(innen), Lehrer(innen, Eltern, die politischen Interessen an und in der Schule, aber vor allem mit der Frage des Lernens selbst beschäftigen. Welchen Wert stellt Bildung in der Gesellschaft dar? Wie groß ist die Bibliothek in einem durchschnittlichen österr. Haushalt? Was passiert, wenn man über Lehrer(innen) ständig negative Stereotypen verbreitet und die Reform mit ihnen machen will?
hchris, 06. 09. '10 21:37
ach ja...
noch was: kann bitte irgendwer dem profil sagen, dass die ekelhafte grasservisage in der rechten bildhaelfte echt nervt. kann man die bitte ausblenden.

danke!
hchris, 06. 09. '10 21:35
ja, liebe freunde!
robert menasse brachte es ganz klar und korrekt auf den punkt: lernen's geschichte, denn die volksparteiliche bildungsideologie ist natuerlich ganz klar ein relikt des staendestaates.

die angst davor, dass die prolokinder (heute eher, migrantenkinder) an den unis und, spaeter, am arbeitsmarkt den eigenen sproesslingen zur konkurrenz werden, werden die hietzinger regimenter und andere "leistungstraeger" eben nie los!

verGELDs gott!
good_karma, 06. 09. '10 21:01
DANKE Herr Salcher, danke
Mehr als die Überschrift kann ich fast nicht hinzufügen. Alles, was Sie sagen, sind meine Gedanken, seit ich meine Töchter durchs Gymnasium begleite.

Eins möchte ich noch betonen: wie traurig es ist, dass hervorragende Lehrerinnen und Lehrer weder Lohn noch Lob für ihr Engagement bekommen, und manche im Lauf der Jahre verschleissen.
muttutgut, 06. 09. '10 23:24
Re: Ja, wie traurig!
Das Verschleißen von Lehrkräften im Schulbetrieb ist wahrlich traurig, aber das Trauern darüber kann ja wohl nicht die Lösung sein. Ein echtes, aufrichtiges Interesse an den auszehrenden Umständen im Lehrberuf fern jeder bildungspolitischen Instantlösung wäre ein guter Schritt in die richtige Richtung.
Für Eltern ist die Schule nicht einfach, für die Kinder und die Lehrkräfte auch nicht. Ein gewisses Spannungsfeld zwischen den Schulpartnern wird auch in Zukunft aufrecht bleiben, und Arbeit und Erziehungsaufgaben machen müde, so wird es immer sein.
Wie kann eine gute Bildungspolitik bewirken, dass ein gemeinsames Ziel, nämlich sinnhafter Bildungserwerb, erreicht werden kann? Die Frage, ob dieses gemeinsame Ziel in der Realität überhaupt existiert, die ist in der Debatte sowieso tabu.
kolovrat, 06. 09. '10 16:27
Und 90%
der parteipolitisch besetzten Schuldirektoren(innen) und IHRER Bürokratie der Landesschulräte ist absolut ungeeignet,Mister Salcher!
theophrastus, 06. 09. '10 09:12
Na servas- der traut sich was, der Salcher.......
Toll, dass die Wahrheit über einzigartige AHS- Lehrerpfründe in Österreich auch mal seitens des Hauptprotektors dieser Pfründe- der ÖVP- angesprochen wird.
Denn gerade sie ist, es die verhindert dass Lehrerfortbildung in den Ferien und nicht zur Unterrichtszeit stattfindet.
Sie ist es, die verhindert, dass Lehrer nicht bis 16 Uhr- so wie jeder andere Berufstätige auch- sondern nur bis maximal 14 Uhr in der Schule anwesend sind.
Sie ist es, die diesen Unsinn der sogenannten "schulautonomen Tage" eingeführt hat, der Lehrern in Wahrheit eine weitere Urlaubswoche zu den ohnehin schon 12 Wochen Jahresurlaub bescherte- und dies VOLL zu Lasten der arbeitenden Eltern, die nicht wissen, wie sie ihre Kinder während der vielen unterrichtsfreien Zeit vernünftig unterbringen sollen.
Schwarzhals, 05. 09. '10 20:30
salcher - das desinformierteste seit es bildungsexperten gibt???
salcher ist ein populist ersten ranges. er hat - wie schilcher - kaum ahnung von der schule.
auspufflehrer: die auspufflehrerInnen meiner kinder wohnen fast ausnahmslos um die ecke. wenn (jung)lehrer bei der erstanstellung 70km vom wohnort entfernt beschäftigt werden und keine chance auf versetzung in heimatliche gefilde besteht: sollen sich diese dann von ihrer familie trennen oder eine neue berufsausbildung machen? es gibt lehrerInnen die 20 jahre lang auspendeln müssen während vor ihrer haustüre junglehrerInnen angestellt werden.
nachdem korrektur-, vor- und nachbereitungsarbeit, planungen für exkursionen, wandertage, etc. in den eigenen 4 wänden gemacht werden können - was sollen die am nachmittag in einer schlecht ausgestatteten schule? die wünsche des herrn salcher befriedigen?
Schwarzhals, 05. 09. '10 20:30
salcher - das desinformierteste seit es bildungsexperten gibt???
herr salcher möge sich auf ph-online über die veranstaltungstermine und -zeiten informieren bevor er über profil (hoffentlich nicht bewusst) ein falsches bild über die lehrerfortbildung zeichnet.
er sollte sich auch über die gravierenden unterschiede zwischen ahs- und pflichtschullehrern informieren und nicht alles in einen topf werfen.
seine aussagen zum thema "gehälter" disqualifizieren ihn endgültig als ernstzunehmenden "schulexperten".
pestassori, 08. 09. '10 12:29
Re: salcher - das desinformierteste seit es bildungsexperten gibt???
Salcher ist Betriebswirt, war zwar auch Landes- und Bundesschulsprecher (möglicherweise war er damals auch schon ÖVP-lastig) sowie Bildungssprecher der ÖVP-Wien, aber ob ihn das als Bildungsexperten graduiert ...
inspektor15000, 04. 09. '10 19:17
övp politiker
kommen leider erst nach ihrer karriere drauf, wie das system geändert werden sollte..schilcher war ja jahrelang lsr präsident...
und aktuell verteidigt grade die wiener vp marak die ahs ...
wie gehabt...aufwertung der hs..das blabla hör ich von den schwarzen seit 25 jahren...
macjazz, 04. 09. '10 20:29
Re: övp politiker
Der Schilcher ist wenigstens lernfähig und lernwillig! Der Rest der VP ist beratungs- und lernresistent dafür aber umso präpotenter und ignoranter.
fritzgurgiser, 04. 09. '10 18:59
Und wie schaut's bei UNS in der Politik aus, bei meiner Ehr?
Es mag schon sein, dass die oder der Lehrer/in seine Probleme hat, seine Arbeit ordentlich auszuführen oder zu machen, die ihr oder ihm von vielen "Bildungsspezialisten" vorgegeben wird, die selbst keine Stunde in einer Schule aushalten würden. Aber wir sollten ehrlich genug sein: Wir müssten ja geradezu froh sein, wenn man von unserer eigenen Zunft behaupten könnte, das 10 % völlig ungeeignet sind. MFG, Fritz Gurgiser, Abgeordneter zum Tiroler Landtag (www.buergerklub-tirol.at).
macjazz, 04. 09. '10 20:27
Re: Und wie schaut's bei UNS in der Politik aus, bei meiner Ehr?
Darüber bin ich überhaupt nicht froh, ganz im Gegenteil, denn diese Vergleiche bzw. Aufrechnungen dienen nur der Verharmlosung und zur Rechtfertigung von Untätigkeit.
Außerdem sind die 10% ohnehin sehr optimistisch und in kaum einem anderen Bereich außer in der Medizin, richten Totalversager so viel Schaden an, wie im Schulbereich.
Man sehe sich nur an wie viele Millionen jedes Jahr für Nachhilfestunden ausgegeben werden müssen, nicht weil die Kinder zu faul sind (einige sind's wahrscheinlich auch) sondern weil Lehrer unfähig sind Wissen zu vermitteln, die einfachsten pädagogischen Dinge nicht beherrschen oder wie es Erwin Steinhauer einmal so schön formuliert hat einen anderen Beruf schwänzen.
Nur weil manche Politiker unfähig sind, müssen oder dürfen es Lehrer nicht auch noch sein!
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