Sekretär von Martin Graf wurde von seiner Burschenschaft ausgeschlossen

Der Sekretär des FPÖ-Nationalratspräsidenten Martin Graf trieb es so bunt, dass ihn sogar seine rechte Burschenschaft „in Schande“ ausschloss.

Von Emil Bobi

So etwas war in der 150-jährigen Geschichte der „B! Silesia“ noch nie vorgekommen: Hubert Keyl, einer ihrer Recken, hatte nebst weiteren Verstößen gegen die strammen Mitgliederpflichten der schlagenden Verbindung einem „Bundesbruder“ mit einer Anzeige bei der Staatsanwaltschaft gedroht, sollte dieser vor einem internen, gegen Keyl einberufenen Schiedsgericht nicht auf eine belastende Aussage verzichten.
Die Verhandlung fand am 10. Juni dieses Jahres in den Silesia-Räumlichkeiten in der Wiener Strozzigasse 36 statt, und Hubert Keyl, angeklagt des unehrenhaften Verhaltens in mehreren Punkten, wurde für schuldig befunden. Das Schiedsgericht empfahl dem „Konvent“ (Vorstand) der Silesia, Keyl auf Lebenszeit aus der Verbindung auszuschließen. Der Konvent aber setzte noch einen drauf und verhängte die Höchststrafe: die „c.i.-Chassierung“ (siehe Kasten). Im pathetischen Gestus des späten 19. Jahrhunderts, der Gründungszeit der Verbindung, wurde die „Entlassung auf Lebenszeit und in Schande“ verkündet. Das Urteil gleicht einer Verbannung Keyls aus dem gesamten Korporiertenkreis und bedeutet, dass es auch Mitgliedern aller anderen Burschenschaften ab sofort untersagt ist, mit dem ehrlosen Aussätzigen auch nur zu verkehren. Keyl forderte „Genugtuung für die Beleidigung“ durch das Urteil (eine Art Berufung) und wurde abgewiesen.

Auch wenn Keyl selbst damit leben kann, bleibt die Frage, ob der Dritte Nationalratspräsident Martin Graf und die FPÖ damit leben können werden. Denn Hubert Keyl ist Grafs persönlicher Referent und FPÖ-Mitglied. Graf aber ist auch Mitglied der schlagenden Verbindung Olympia, und fast alle FPÖ-Mitglieder sind „Bundesbrüder“ in verschiedenen schlagenden Verbindungen. Auf die Frage von profil, was Olympia-Burschenschafter Martin Graf mit einem persönlichen Referenten anfangen kann, mit dem er nicht mehr verkehren darf, antwortete er nicht. Er ließ über seinen Pressesprecher etwas ausrichten, wonach nicht gefragt wurde: Es handle sich um eine Privatsache Keyls, und dieser befinde sich nicht im öffentlichen Interesse. Hubert Keyl bekundete zunächst Bereitschaft zu einem profil-Gespräch, war dann aber dauerhaft unerreichbar.

Pechsträhne.
Seine Pechsträhne begann am 12. März dieses Jahres bei einer Fete, die von Silesia im Rotlicht-Tempel Pour Platin am Wiener Gürtel ausgerichtet worden war (profil 17/10). Gegen drei Uhr morgens eskalierte das Gelage. Keyls Ehefrau Elisabeth, eine wasserstoffblonde Sekretärin von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, saß auf der Bar und wurde von wankenden Partytigern heftig umschwärmt. Hubert Keyl wollte das nicht mehr mitansehen und griff ein. Das dar­-auf einsetzende Handgemenge zwischen den beiden Eheleuten wurde von zahlreichen Augenzeugen beobachtet. Nun angelten sich die Hünen von der Security des Pour Platin Hubert Keyl, um für Ruhe zu sorgen. Doch Keyl machte einen schweren Fehler: Er ging auf die stämmigen Aufpasser los und wurde brutal zusammengeschlagen. Mit mehreren Gesichtsbrüchen musste er zwei Wochen lang im Wiener AKH stationär behandelt werden. Außer sich vor Wut über das Vorgehen der Aufpasser rief Gattin Elisabeth Keyl einen guten Freund zu Hilfe: den Rechtsradikalen Gottfried Küssel. Doch auch dieser konnte nichts ausrichten und zog nach kurzer Zeit wieder ab.
Nach einer Phase der Ausnüchterung nahm ein Gremium von Silesia „Ermittlungen“ auf. Keyl behauptete, seine Frau nicht geschlagen zu haben und völlig schuldlos verprügelt worden zu sein. Zahlreiche Zeugen, „Bundesbrüder“ (Silesia-Mitglieder) sowie „Korporierte“ (Mitglieder anderer Burschenschaften), aber auch „Unabhängige“ widersprachen Keyls Angaben und gaben Gegenteiliges zu Protokoll. In einer Sitzung am 19. April beschloss der Silesia-Konvent dann, ein internes Schiedsgericht einzuberufen, das aus einem Vorsitzenden und zwei beisitzenden „Richtern“ besteht. Sowohl der „Angeklagte“ Hubert Keyl wie auch die „Anklägerin“ Silesia wurde von je einem internen „Anwalt“ vertreten. Die ­Verhandlung wurde für den 10. Juni anberaumt.

Zeugen beeinflusst?
Im Vorfeld passierten merkwürdige Dinge. Der Zeuge Patrick Blackmore, Silesia-Mitglied und enger ­parlamentarischer Mitarbeiter von Ewald Stadler, hatte in seiner ersten Einvernahme Hubert Keyl belastet. Später erzählte Blackmore einem Bekannten von einem Gespräch mit Ewald Stadler, in dem Stadler zu Blackmore gesagt haben soll, er könne „doch nicht den Hubert belasten“, vorher solle er „ausspringen“, also aus der Burschenschaft austreten. Blackmore ist schließlich noch vor der Verhandlung „ausgesprungen“, indem er schriftlich seinen Austritt erklärte.

Mehrere Zeugen sagten aus, von Keyl im Vorfeld der Verhandlung dahingehend unter Druck gesetzt worden zu sein, ihre belastenden Aussagen zu ändern. Manche behaupteten gar, bedroht worden zu sein. Nach der Verhandlung am 10. Juni kam das Schiedsgericht zu der Ansicht, dass der Beschuldigte „für alle Zeiten für die Silesia untragbar geworden ist“. Zwei Wochen später, am 28. Juni, verhängte der Konvent die Höchststrafe: „Ausschluss in Unehren“. Keyl hat danach noch ein „Ehrengericht“ angerufen, dessen mögliche Sprüche aber keinerlei Auswirkung auf das ergangene Urteil haben.

Das war Keyls Ende als Burschenschafter.
Vor seiner „Silesia-Karriere“ war er Mitglied der Burschenschaft Albia gewesen, aber auch dort ausgeschlossen worden. „Dimission in perpetuum“ (Ausschluss auf Dauer, aber nicht unter Absprechung der Ehre) lautete das Urteil damals. Man hatte Keyl vorgeworfen, dauerhaft gegen eigene Bundesbrüder intrigiert und vor Gremien der Burschenschaft Unwahrheiten aufgetischt zu haben.

18.9.2010 16:41
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Mario1977, 15. 04. '11 11:01
"Nam quod in iuventus non discitur, in matura aetate nescitur"
Ich kann gar nicht verstehen was der Herr in eine Akademischen Burschenschaft verloren hat.
Ich war mit ihm in der Handelsakademie in Mistelbach, schon da war eine antisoziale Persönlichkeitsstörung festzustellen. Er wurde wegen Miserabler Noten und unglaublich aggressiven Verhalten gegenüber den Professoren nach 2 Jahren von der Schule verwiesen.
Schade dass solche Menschen in die Politik kommen oder zumindest als derer Laufbuben agieren dürfen.
Schuba77, 16. 01. '12 11:06
Re:
Bin durch Zufall auf diese Seite gekommen und überrascht, welche "Karriere" der Hubert eingeschlagen hat.
Hab ihn ja schon in der Hauptschule kennengelernt, unsere Wege trennten sich jedoch in der HAK.
Möchte nur anmerken, Hubsi, habe nichts mit dem obigen Kommentar zu tun!
Klaus003, 23. 09. '10 15:45
Burschenschafter
Ich find es prinzipiell zum kotzen, dass einerseits nur die richtige "Parteibuch-"färbung zählt und anderswo ein Burschenschafter überhaupt was werden darf.
Zwielichtige Gruppierungen die auf heikle Anfragen nicht Stellung nehmen können da...?
Ich möchte wissen wieviele Wähler sich durch sowas indentifizieren und gut vertreten fühlen?
Alles verstärkt nur die Politik- Verdrossenheit, da es Eigendynamiken erzeugt die mit dem Wählerbedürfniss nichts zu tun haben. Seinen es Lobbys oder ewiggestrige und noch schlimmer schlagende Gruppen.
sektionschef, 20. 09. '10 20:39
Viel Feind viel Ehr
Meister Keyl lebt streng nach der Maxime.
Auf der Wange Schmiss um Schmiss
Schanker T r i p p e r S y p h i l l i s
Rot und Gold am After
das sind die Burschenschafter......
E-F-V, 18. 09. '10 19:37
Wen interessiert das?
Schreibt profil nächste Woche die Enthüllungsgeschichte über die Verhaltensregeln beim Briefmarkensammlerverein Hernals?
Magda13, 18. 09. '10 21:12
Re: Wen interessiert das?
Man könnte glauben, Herr Bobi wird für den Schund den er von sich gibt von der Burschenschaft Silesia oder von Herrn Steiner bezahlt.
E-F-V, 20. 09. '10 19:15
Re: Wen interessiert das?
Die Hintergründe dieser seltsamen Geschichte:

http://www.unzensuriert.at/002033-wenn-sich-au-enstehende-ber-ehre-unterhalten
Vilma1928, 06. 10. '10 18:36
Re: Wen interessiert das?
Das interessiert alle Nichtnazis und diese werden darin bestätigt
welch ein Povel (Mist)sich unter diese Leuten befindet.
Vilma1928, 06. 10. '10 18:42
Re: Wen interessiert das?
E-F-V Tun Ihnen diese Berichte weh? Denn Ihr Vergleich
mit Briefmarkensammler hingt so als wenn sich ein Fußamputierter als Ballett Solist in der Oper bewirbt.
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