Schöpfung ohne Gott

Der weltbekannte britische Physiker Stephen Hawking behauptet in ­seinem neuen Buch, das Universum sei aus dem Nichts entstanden, ohne dass es eines Weltenbaumeisters bedurfte. Der Wiener Physiker Anton Zeilinger hingegen sagt, zwei Fragen könne die Wissenschaft nicht lösen und werde sie niemals lösen können: Woher kommen die Naturgesetze, und wer schuf die Anfangsbedingungen, die zur Entstehung der Welt und des irdischen Lebens geführt haben?

Von Robert Buchacher

Im Rollstuhl wirkt sein Körper zusammengefaltet. Vom Kopf über die Hände bis zu den Beinen ist alles schief, sogar Augen und Mund. Stephen Hawking leidet seit Studententagen an der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS), einer degenerativen Erkrankung des motorischen Nervensystems, die nach und nach zur völligen Lähmung führt. Vermutlich handelt es sich um eine chronisch juvenile ALS, die durch einen extrem langen Krankheitsverlauf charakterisiert ist. Seit mehr als 40 Jahren ist Hawking an den Rollstuhl gefesselt, durch einen Luftröhrenschnitt verlor er 1985 die Fähigkeit zu sprechen. Seither nutzt er für die verbale Kommunikation einen Sprachcomputer, den er anfangs durch Bewegungen seines rechten Wangenmuskels bediente. Mittlerweile werden die Bewegungen der Pupillen zur Steuerung genutzt.

Rezensenten seiner zahlreichen populärwissenschaftlichen Bücher spekulieren, die Kombination aus einem schwerstbehinderten Körper und einem genialen Geist mache einen Teil seiner Faszination aus. Den anderen Teil bildet aber zweifellos der Gegenstand, den der Astrophysiker Hawking immer wieder für ein breiteres Publikum sprachlich brillant aufbereitet – Fragen, welche die Menschheit seit Beginn der Zivilisation beschäftigen: Warum gibt es uns? Warum gibt es die Welt? Wie ist das Universum entstanden? In seinem neuesten, zusammen mit Leonard Mlodinow verfassten Buch „Der große Entwurf. Eine neue Erklärung des Universums“ schreibt Hawking, unser Universum sei nicht das einzige, sondern „eines unter einer Vielzahl von Universen, die aus dem Nichts geschaffen wurden. Ihre Schöpfung ist nicht auf die Intervention eines übernatürlichen Wesens oder Gottes angewiesen.“

So eine Aussage als atheistisch zu qualifizieren, geht an der Sache vorbei. Denn Wissenschaft ist etwas grundlegend anderes als Religion. Da geht es nicht ums Glauben, sondern um eine möglichst freie und unbeeinflusste Suche nach Erkenntnis. Weil sich Religion und Kirche in der Vergangenheit auf fatale Weise in die Arbeit der Wissenschafter eingemischt haben – was gebildete und aufgeklärte Kirchenvertreter wie Gregor Henckel-Donnersmarck, Abt des Zisterzienserstifts Heiligenkreuz im Wienerwald, heute als bedauerlichen Fehler bezeichnen –, reagieren Wissenschafter äußerst empfindlich auf jeden Versuch, Wissenschaft und Religion zu verquicken. In diesem Licht muss man auch Hawkings Aussage sehen, dass die Entstehung des Universums keines Schöpfers bedürfe.

Hawking, Mitglied der Päpstlichen Akademie, der noch vor zwei Jahrzehnten von „möglichen Hinweisen auf einen Plan Gottes“ sprach, ist deshalb noch kein Atheist, allenfalls ein Agnostiker. In ­einer Mitte November vom „Time Magazine“ gemeinsam mit dem TV-Nachrichtensender CNN veranstalteten Publikumsaktion beantwortete er zehn Fragen, darunter diese: Wenn Gott nicht existiert, warum erlangte das Konzept seiner Existenz nahezu Universalität? Hawking: „Ich behaupte nicht, dass Gott nicht existiert. Gott ist der Name, mit dem die Leute den Grund bezeichnen, warum wir hier sind. Aber ich denke, dass der Grund eher die Gesetze der Physik sind als jemand, mit dem man eine persönliche Beziehung haben kann. Ein unpersönlicher Gott.“ Aber Hawking will gar keine Fragen nach einem Gott – anders als der 2005 verstorbene österreichische Biologe und praktizierende Katholik Rupert Riedl, der einst einen Artikel über den Urknall und die biologische Evolution mit dem Satz beendete: „Man wird ja fragen dürfen, wer die Gesetze gemacht hat.“

Glühender Atheist.
Ganz anders argumentiert der britische Evolutionsbiologe Richard Dawkins in seinem neuen Buch „Die Schöpfungslüge“, das vier Wochen nach Hawkings „Der große Entwurf“ auf den Markt kam. Auf mehr als 500 Seiten beweist er darin Punkt für Punkt, warum Darwins Evolutionstheorie keine Theorie, sondern eine Tatsache ist. „Richard Dawkins ist ein beeindruckender Denker. Er widerlegt die Argumente seiner Gegner mit der Präzision eines Staranwalts“, urteilt die Londoner „Times“. Aber anders als Hawking ist der ebenfalls weltbekannte Dawkins ein glühender Atheist, der aufgrund einer „langen Kriminalgeschichte der Religionen“ zu dem Schluss kommt, dass wir ohne Religionen besser dran wären. Als deklarierter Humanist, der ethisches und moralisches Verhalten aus vernünftigen Überlegungen generiert wissen will, hält er die Verbindung von Ethik und Religion für einen Irrtum. „Unsere moralischen Werte können wir gar nicht aus der Bibel beziehen, denn der Gott der Bibel ist eine eifersüchtige, jähzornige, kindermörderische Figur.“ Und: „Wenn Sie Ihre moralischen Werte aus der Bibel bezögen, würden Sie Ehebrecherinnen steinigen.“

Weil Dawkins seinen Kreuzzug gegen die Religion mit missionarischem Eifer führt, wirft ihm der Wiener Physiker Walter Thirring vor, diese Form des Atheismus sei wieder eine Art Religion, die Dawkins zu bekämpfen vorgebe. Thirring, Doyen der österreichischen Physik, beschäftigt sich sowohl als Naturwissenschafter wie als praktizierender Protestant und Mitglied der Päpstlichen Akademie mit der Frage, wie das Universum und das irdische Leben entstanden sind. Auch wenn der Zugang des Naturwissenschafters prinzipiell atheistisch sein müsse, so dürfe er sich außerhalb seiner Arbeit durchaus die Frage stellen, ob hinter der Feinabstimmung der Naturkonstanten, die das irdische Leben erst ermögliche, nicht doch ein intelligenter Entwurf, also Gott, stehe. Auch Thirring hat seine diesbezüglichen Gedanken – zusammen mit dem Wiener Hormonforscher und Theologen Johannes Huber – zu Papier gebracht und wird sie im Jänner unter dem Titel „Das Design der Schöpfung“ in Buchform herausbringen.

Damit ist innerhalb von zwei Jahren eine ganze Reihe von Büchern zu der Frage erschienen, ob die Entstehung des Universums und des irdischen Lebens einen Schöpfergott brauchen oder nicht. Den Anfang machte im Dezember 2008 der Astronom Ronald Weinberger vom Institut für Astro- und Teilchenphysik der Universität Innsbruck mit seinem volksnahen Buch „Die Astronomie und der liebe Gott“. Weinberger: „Nach reiflicher Überlegung bin ich zu dem Schluss gekommen, dass das Universum aus sich selbst entstanden ist, ohne eine lenkende Hand. Persönlich würde ich mich als einen agnostischen Beinahe-Atheisten bezeichnen.“ Im vergangenen Jänner folgte dann der Wiener Physiker Josef Tomiska mit seinem Buch „Physik, Gott und die Materie“. Darin argumentiert der Forscher, Gott und Wissenschaft seien keine Gegensätze, und erklärt, wie sich die beiden Weltbilder voneinander entfernt haben, warum sie doch zusammenpassen oder sich ergänzen.

Über Jahrtausende hatten die Menschen in ihrer Unwissenheit auf Fragen nach dem Woher und Warum keine anderen Antworten als Gott oder die Götter, bis die kopernikanische Wende die Tür zu einer naturwissenschaftlichen Erklärungsebene ­aufstieß. Seither haben viele Forschergenerationen ganze Bibliotheken von Erkenntnissen und Wissen zusammengetragen – über Galaxien, Sternenhaufen und Planeten, die Raumzeit und über die Anfänge des sich ständig ausdehnenden Universums. Aber eines können sie noch nicht hundertprozentig erklären: Was genau in den ersten Billionstel­sekunden nach dem Urknall passiert ist, in denen sich das Universum aus einem kleinen, ungeheuer dichten und energiereichen Materiekern schlagartig zu kosmischer Dimension aufgebläht hat.

Teilchenexplosionen.
Im größten Teilchenbeschleuniger der Welt, dem Large Hadron Collider beim Kernforschungszentrum CERN in Genf, versuchen Physiker aus aller Welt, sich jener Frage zu nähern. Zu diesem Zweck werden in einem unterirdischen kreisförmigen Tunnel von 27 Kilometer Durchmesser in einem Röhrensystem Protonen auf nahezu Lichtgeschwindigkeit beschleunigt und dann gegeneinandergeschossen. Bei den dabei entstehenden Teilchenexplosionen müsste eine „neue Physik“ sichtbar werden, so hoffen die Forscher. Vor allem sollten jene Teilchen frei werden, deren Existenz das theoretische Entstehungsbild des Universums beweisen und uns zeigen könnte, wie der Kosmos wirklich entstanden ist.
Der Wiener Quantenphysiker Peter Weinberger (nicht zu verwechseln mit dem Innsbrucker Astronomen Ronald Weinberger) ist skeptisch, ob das gelingen wird: „Vielleicht, vielleicht auch nicht. Die jetzige naturwissenschaftliche Erklärung basiert auf einer Extrapolation der Zeit zurück. Bis zu einem gewissen Zeitpunkt gibt es Vorstellungen und Theorien oder auch handfeste Beweise, wie das ablaufen konnte. Aber es fehlt der Beginn.“

Seit Einstein war der „Urknall“ die letzte Grenze, hinter die kein Physiker vordringen konnte. Selbst für die Allgemeine ­Relativitätstheorie gilt dieser Zeitpunkt als so genannte „Singularität“, die sich nicht mehr mit ihren Gleichungen berechnen lässt und wo die physikalischen Gesetzmäßigkeiten nicht mehr definiert sind. Für diesen Zeitpunkt setzen wir den Beginn unseres Universums an. Doch was war davor? Martin Bojowald, ein junger deutscher ­Physiker an der Pennsylvania State University, erregte Aufsehen in der Fachwelt, nachdem es ihm und seinen Mitarbeitern gelungen war, mit einer Reihe von kombinierten Gleichungen aus Quanten- und Relativitätstheorie näher als jemals jemand zuvor an den Urknall her­anzukommen – und sogar ­darüber hinaus.

Mit mathematischen Werkzeugen stießen die Forscher plötzlich ein Fenster auf, das Einblicke in das gewährt, was vor dem Urknall war. Bojowalds Rechenoperationen lieferten verblüffende Erkenntnisse über eine aufregend unbekannte Welt mit negativer Zeit, „umgestülpen Raumverhältnissen“ und einem Universum, das sich zusammenzieht, um nach dem „Big Bang“ wieder zu expandieren. In einem im Vorjahr veröffentlichten und kürzlich auch als Taschenbuch erschienenen Werk mit dem Titel „Zurück vor den Urknall“ führt Bojowald durch die heutige Kosmologie, zurück bis zu den Anfängen und in die Zeit davor. „Wenn der Mann und sein Team Recht haben, und bisher wurden sie nicht widerlegt, dann gibt es eine Zeit, die nicht beim letzten Urknall begonnen hat“, erklärt der Innsbrucker Astronom Ronald Weinberger.

Zwar gehen die meisten Astrophysiker von einem Urknall als Start unseres Kosmos aus, wonach sich aus einem nahezu punktförmigen Zustand unendlicher Dichte und Hitze schlagartig das Universum aufgebläht hat und sich seither immer weiter ausdehnt, aber nicht alle Forscher der Zunft können diesem Bild etwas abgewinnen. Der prominente britische Mathematiker, Physiker, Philosoph und Autor Roger Penrose ist schon länger überzeugt, dass unser Universum keinen definitiven Anfang hatte und dass der so genannte Urknall vor 13,7 Milliarden Jahren nur eine Übergangsphase zwischen zwei kosmischen Zeitaltern darstelle. Laut Penrose hat es Raum und Zeit schon davor gegeben, und „urgeknallt“ hat es schon mehrfach, vielleicht sogar unendlich oft.

Diese Theorie mit der Bezeichnung Conformal Cyclic Cosmology (CCC) war bisher umstritten, doch wie ORF Science am Montag der Vorwoche meldete, legen Penrose (Oxford) und sein armenischer Kollege Vehe Gurzadyan (Jerewan) nun Daten vor, die der These neue Nahrung geben. In siebenjähriger Arbeit hatte Gurzadyan die kosmische Hintergrundstrahlung nach Signalen aus der Zeit vor dem Urknall durchforstet und wurde in den Datensätzen der 2001 gestarteten NASA-Sonde WMAP (Wilkinson Microwave Anisotropy Probe) und des 1998 gestarteten Ballon-Teleskops Boomerang ­(Balloon Observations of Millimetric Extra­galactic Radiation and Geophysics) fündig: Er fand konzentrisch angeordnete Ringe mit deutlich niedrigeren Temperaturschwankungen als in der Umgebung. Diese Ringe, so die beiden Forscher, seien Überreste von Gravitationswellen, die beim Zusammenprall von supermassiven schwarzen Löchern vor unserem kosmischen Zeitalter entstanden seien, also vor dem letzten Urknall. Die Ringe zeigten einen Blick „durch den Urknall hindurch“.

Dass Universen entstehen, sich ausdehnen, wieder zusammenziehen und neuerlich starten, ist auch für Laien vorstellbar. Nicht nachvollziehbar oder sogar verstörend ist es, wenn Wissenschafter wie Hawking behaupten, das Universum sei aus dem Nichts entstanden, ohne dass es eines Schöpfers bedurfte. Tatsächlich ist für Physiker das Nichts nicht nichts. Denn selbst im physikalischen Vakuum gebe es Quanten, Teilchen im subatomaren Bereich mit einem Eigenleben, das sich unserem Erfahrungshorizont entzieht. So genannte Quanten- oder Vakuumfluktuationen könnten immer wieder zu einer Art Urknall und zur Entstehung eines Universums führen, auch deshalb, weil Energie auch in Form ganz bestimmter Teilchen vorhanden sein kann. Es gibt eine Reihe von Theorien, die das so sehen, wie etwa die Quantengravitation, die Inflationstheorie oder die von Hawking als Erklärungsmodell für fast alles angeführte M-Theorie, ein Überbegriff von mehreren Theorien.

Anfangsbedingungen.
Der durch seine spektakulären Teleportationsexperimente weltweit bekannt gewordene Wiener Experimentalphysiker Anton Zeilinger hält von der Behauptung Hawkings, die M-Theorie mache einen Schöpfer überflüssig, nichts. „Wenn das nicht von Hawking käme, würde es kaum jemand beachten. Und über einen Schöpfer sagt das nichts aus.“ Zeilinger sieht im Hinblick auf die Entstehung des Universums zwei offene Fragen, auf die die Naturwissenschaft „keine Antwort findet und keine finden wird. Erstens: Woher kommen die Naturgesetze? Zweitens: Woher kommen die Anfangsbedingungen? Man kann sich einen Gott denken oder auch nicht. Für mich existiert Gott auf einer abs­trakten Ebene, die Evolution ist für mich eine Schöpfung Gottes.“

In der Physik gibt es laut Zeilinger Fragen „wie etwa die des quantenmechanischen Zufalls, wo wir sagen: Dafür gibt es keine Ursache, auch keine verborgene Ursache. Da ist Raum für Gott.“ Darüber hinaus geht es Zeilinger auch um philosophische und erkenntnistheoretische Fragen, wie etwa die Frage der Grenzen dessen, was wir wissen können. Er hält es für „tragisch“, dass die Kluft zwischen Naturwissenschaft und Philosophie so groß geworden ist, dass Hawking in seinem neuen Buch den Satz schreiben kann: „Die Philosophie ist tot.“ Zeilinger: „Wenn wir mit unseren Erkenntnissen sehr tief vordringen, brauchen wir die Philosophie.“

Hawking hingegen behauptet, die Philosophie habe mit den neueren Entwicklungen in der Naturwissenschaft, vor allem in der Physik, nicht Schritt gehalten. Jetzt seien es die Naturwissenschafter, die mit ihren Entdeckungen die Suche nach Erkenntnis voranbringen.

„Es ist nur die alte Philosophie tot“
, meint hingegen Quantenphysiker Peter Weinberger, „die neue Philosophie hat eine Menge zu sagen.“ Als Beispiel führt Weinberger ein im Jahr 2002 erschienenes Buch seines Freundes Simon Altmann an mit dem Titel „Is Nature Supernatural? A Philosophical Exploration of Science and Nature“. Weinberger: „Das ist eine amüsante Fragestellung und ein sinnvoller Ansatz für eine neuere Philosophie.“

Den Wiener Philosophen Konrad Paul Liessmann schreckt Hawkings Aussage ganz und gar nicht. „Die Philosophie wurde schon so oft für tot erklärt, dass das einen Philosophen nicht erschüttern kann.“ Die Vorstellung von einer Philosophie, die wie in der Antike alle Wissensbereiche beherrscht, sei spätestens seit der Ausdifferenzierung der Wissenschaften in der Renaissance passé. Diesen Anspruch habe die Philosophie auch nicht mehr gestellt, und wenn, dann in der Interpretation der naturwissenschaftlichen Ergebnisse und Erkenntnisse. Und Hawkings These von einer Entstehung des Universums ohne einen göttlichen Schöpfer sei eigentlich ein alter Hut.

Zwischen 1799 und 1823 verfasste der französische Mathematiker und Astronom Pierre-Simon Laplace sein Hauptwerk „Traité de Mécanique Céleste“ (Abhandlung über die Himmelsmechanik). Dieses fünfbändige Buch erschien auf Deutsch unter dem Namen „Himmelsmechanik“. Darin gab der Forscher einen Überblick über alle seit Newton gewonnenen Erkenntnisse sowie über seine eigenen Forschungen und lieferte mathematische Belege für die Stabilität der Planetenbahnen. Als er sein Buch Napoleon präsentierte, fragte dieser: „Warum haben Sie dieses Buch über das Weltall geschrieben, aber nicht einmal seinen Schöpfer erwähnt?“ Laplace antwortete: „Diese Hypothese habe ich nicht benötigt.“

Aufbauend auf Laplace versuchte der deutsche Philosoph Immanuel Kant, eine erste konzise, rein naturwissenschaftliche Theorie der Entwicklung des Planetensystems zu entwickeln und dabei zu zeigen, dass die Entstehung des Universums auch ohne die Schöpfer-Hypothese möglich sei. „Hier bezieht Hawking mit großem Pathos Positionen, die 200 Jahre alt sind“, kritisiert Liessmann. „Das ist eher ein Dokument einer gewissen philosophischen Unkenntnis, als dass das etwas Neues wäre.“

Aber Schöpfer oder nicht – diese Frage scheint in beiden Varianten ein Verkaufsargument für die Verlage zu sein, wie Hawkings frühere Ehefrau einmal andeutete. Seit der Aufregung um die Kreationisten in den USA vor fünf Jahren, ihre wörtliche Bibelauslegung und das Schlagwort vom „Intelligent Design“ nehmen die Buchtitel mit Vorliebe darauf Bezug. So heißt Hawkings neues Werk im Original „The Grand Design“, und das im Jänner erscheinende Buch von Thirring und Huber wird den Titel „Das Design der Schöpfung“ tragen.

„Es gab eine historische Zeit, in der Religion und Kirche inkompetent in die Wissenschaft hineinregierten“, sagt Abt Gregor Henckel-Donnersmarck, „heute ist es umgekehrt: Leute wie Dawkins überschreiten mit ihren Aussagen über das Universum und die Evolution ohne Schöpfergott ihre Kompetenz als Naturwissenschafter.“ Bei Dawkins scheint der Vorwurf gerechtfertigt, weil er die Nichtexistenz Gottes postuliert, ohne dass sich das wissenschaftlich beweisen ließe. Anders wäre das bei Hawking, solange dieser nur behauptet, das Universum ist ohne göttlichen Eingriff aus sich selbst entstanden, ohne damit zu ­sagen, es gebe keinen Gott. Der Wiener ­Astrophysiker Heinz Oberhummer sagt das um eine Nuance anders: „Man kann einen Schöpfer annehmen. Aber wer ist der Schöpfer des Schöpfers? Theologen sagen: Er erschafft sich selbst – aber das kann das Universum auch.“

Lesen Sie im profil 49/2010 ein Interview mit dem Physiker Walter Thirring und dem Hormonforscher und Theologen Johannes Huber über ihr neues Buch und die Schöpfung ohne Gott.

4.12.2010 14:47
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snugs, 08. 01. '11 07:59
Aus der Mitte gerissen
Das jetzt alles in geordneten Bahnen abläuft nehmen wir als selbstverständlich hin. Aber wir reißen da etwas aus der Mitte heraus und sagen es geht von alleine. Die wichtigste Frage ist aber: wo der Beginn des ganzen Prozesses, woher kam die Basis? Dass sich dann, nach und nach, auch für Menschen logisch erklärbar, Weiterentwicklung ergibt, ist nicht die Grundfrage. Es ist schön, wenn die Wissenschaft da irgendwo herumstochert, aber alle zusammen können nicht die Grundfrage lösen: was war am Beginn?
Beckmesser, 27. 12. '10 18:41
Ich weiß, daß ich nichts weiß!
Das wäre die richtige Schlußfolgerung, auch für die Erfinder vom Lieben Gott!
Dkern, 13. 12. '10 18:54
Kirchlicher Umkehrschluss
Der Theologe Johannes Huber verbindet die Verbrechen der Inquisition mit jenen des Stalinismus und sucht so erstere zu relativieren. Der Vergleich aber hinkt:

http://www.davidkern.at/?p=1432
hopeland, 12. 12. '10 14:42
Wer oder was ist ER?
Hawking hat Unrecht und Darwin auch. Aus Nichts wird nichts. Also muß was da gewesen sein und Ordnung entsteht auch nicht von selber. Alles muß "geordnet" werden und das muß jemand tun, bzw. wollen.
Alles entstand aus dem Willen Gottes! Später schreibe ich mehr.
http.//www.hopeland.at
HSpieler, 13. 12. '10 08:33
Re: Wer oder was ist ER?
Wenn ein 'Gott' fuer die vorhandene 'Ordnung' verantwortlich war, hat er einen verdammt schlechten Job gemacht.
Es ist deshalb auch nicht verwunderlich, dass er nach seiner 'Schoepfung' vor Millionen von Jahren spurlos verschwunden ist.
hopeland, 13. 12. '10 09:28
Re: Wer oder was ist ER?
@ HSpieler
Schade, dass du IHN nicht spürst. ER ist da, hat alles im Griff. Läßt wachsen und sterben, wie es notwendig ist. ER hat uns Freiheit gegeben und einen Willen mit dem wir bestimmen können was wir wollen.
Das göttliche Gesetz toleriert aber nicht alles und dadurch fällt böses Denken und Tun auf uns zurück. Wer jedoch den guten Weg gewählt hat, der bekommt täglich Hilfe und ist nie alleine. Ich sage das aus eigener Erfahrung.
Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt. Auf seinen Schultern ruht die Herrschaft.
ER erfüllt den Willen Gottes.
Allen ein friedliches Weihnachtsfest.
k1919, 13. 12. '10 16:18
Das göttliche Gesetz toleriert aber nicht alles
ER ist da, hat alles im Griff ..... vor allem auch die pädophilen Bestien in seiner klerikalen Bodentruppe .... und die meisten derer, die er nicht im Griff hat, kommt ungeschoen davon.
hopeland, 13. 12. '10 18:54
Re: Wer oder was ist ER?
Keiner kommt ungeschoren davon. Jeder wird - früher oder später - zur Verantwortung gezogen!
k1919, 14. 12. '10 15:55
Keiner kommt ungeschoren davon
versprochen?
HSpieler, 14. 12. '10 18:54
Und wer
zieht einen grausamen, ungerechten, unzurechungsfaehigen 'Schoepfer' zur Verantwortung?
hopeland, 14. 12. '10 19:18
Re: Wer oder was ist ER?
@ HSpieler
Nehme an du sprichst von Satan!
upton, 15. 12. '10 07:44
Re: Wer oder was ist ER?
Es ist schon tragisch wie fremdbestimmt "hopeland" ist - wo bleiben seine kleinen grauen Zellen!
Aber wenn er "glaubt" (d.h. im Klartext wer nichts weiß muss glauben) ist das seine Sache aber er soll uns nicht missionieren. Das haben schon andere mit Millionen von Toten versucht!
Er sollte sich mal die Theodizee-Fraeg stellen!
RandolphZ, 20. 12. '10 17:12
"Später schreibe ich mehr..."
Nein, lieber nicht! Denn Sie haben sich bereits in diesen wenigen Zeilen mehrfach das Bein gestellt. Wenn aus nichts nichts wird, woher ward dann Gott? Wenn die Schöpfung gemacht wurde, wer machte den Schöpfer? Kreationismus verlangt von der Wissenschaft vollständige Belege und erklärt selbst GAR NICHTS: wenn die Dinge so sind, wie sie sind, dann, weil Gott es so wollte. Aha.

"Das schmeckt gut. Sagst Du mir das Rezept?" - "Ich tat und es ward." - "Ah ... vielen Dank für die Erklärung ..."

Und Leben bzw. Ordnung entsteht nicht von selber, sondern als Folge der Zunahme der Entropie. Ordnung, Leben und Systeme sind lokale Ordnungsspitzen, durch die die globale Entropie beschleunigt zunimmt (Wasserfall, Feuer, Leben, Städte, Staaten).
Markus2001, 10. 12. '10 23:52
Hawkings Buch ...
lese ich gerade. Kommt mir aber gar nicht "brillant" geschrieben vor, wie der Artikel behauptet. Eher trivial, und wenn es nicht Hawking wäre, würde das wohl kaum jemand interessieren. Seine Behauptung, "Philosophie ist tot" steht schon ganz am Beginn, zeugt aber nur von seiner Ahnungslosigkeit, worum es in der Philosophie überhaupt geht. Und selbst wenn die Physik uns wirklich den Urknall erklärt und alles quantentheoretisch aufschlüsselt, erklärt mir das denn mein Schicksal und all das, was ich als Mensch mit anderen Menschen täglich erlebe? Jedenfalls nur zu einem geringen Teil, nur einen Aspekt davon, da haben die Naturwissenschaften eine deutliche Grenze.
Ochsenherz, 09. 12. '10 16:07
Ist da jemand?
Auf Grund der vielfältigen Projektionen des Menschen, Wer oder Was der Chef sein könnte, ist es heutzutage keine Kunst ein Atheist zu sein. Die Religionen, Philosophien und Wiisenschaften des Westens such ihren Gott im Außen und kommen sich dabei in die Quere. Wenn wir dagegen den "inneren" Weg gehen und uns die Frage "wer bin ich?" stellen, brauchen wir niemanden zu bekämpfen und können gelassen die Vorgänge im Außen beobachten. Wir sind dann unser eigener Chef und bestimmen das Tempo unserer Entwicklung. Die neue Spiritualität, Philosophie, Psychologie in allen Spielarten, Hirnforschung und Quantenphysik können uns dabei unterstützen.
Wahrheitsfinder, 08. 12. '10 20:22
Wissenschaftler - Gottesleugner - Chaos - Naturgesetze
Das Problem von Hawkins und Dawkins ist, daß Sie
die Erde und den Kosmos wissenschaftlich einseitig durch die Evolutionsbrille betrachten.
Unsere Erde alleine schon ist ein Puzzle welches aus vielen Teilen (Teildisziplinen) besteht welche wenn berücksichtigt die Urknallhypothese wie eine Seifenblase platzen lassen.
Eine Vielzahl von Naturgesetzen lassen die göttliche Handschrift mühelos erkennen. Gesetze aus dem Chaos
entstehen zu lassen ist für einen Mathematiker nicht nachvollziehbar und daher zu hinterfragen.
upton, 07. 12. '10 07:54
Gott-Suche
Wie kann man etwas suchen, was es nicht gibt, denn hat der Mensch Gott gemacht oder Gott den Menschen!
Für mich ist die Antwort klar!
k1919, 14. 12. '10 16:06
Gott-Suche
Suchen kann man schon, man wird aber nichts finden...... nur ein paar religiöse Spinner reden sich ein, etwas gefunden zu haben.
Beckmesser, 27. 12. '10 18:56
Re: Gott-Suche
Mittels Gott werden die Menschen seit Urzeiten betrogen.
Gottgewollt: Gott werden die eigenen Schandtaten in die Schuhe geschoben, denn Gott kann man nicht aufhängen.
Kirche: Nur wir können dich ins Paradies zu Gott bringen. Eine famose Geschäftsidee.
Von Gottes Gnaden: Narrenfreiheit für Menschenschinder.
Läßt sich beliebig verlängern!
mladowski, 06. 12. '10 20:59
es gibt keinen gott
wer behauptet es gibt gott muss es beweisen. niemand muss beweisen, dass es keinen gott gibt. das universum hat weder anfang noch ende. es ist.

dem profil ins stammbuch: auf den rollstuhl ist man angewiesen und nicht an ihn gefesselt, wann kapiert ihr das endlich.
Außerirdischer, 05. 12. '10 21:43
Ich bin bei Liessmann!
Wenn die ''alte'' Philosophie mit grundsätzlichen Fragestellungen wie ''gibts ein Leben vor dem Tod und wenn ja, wie lebe ich es für mich sinnvoll?'' tot ist, na aber hallo!?!

Dann sind wir nur mehr ein Planet von hirntoten Zombies! Und ''Land of the Death'' wird die einzige Schullektüre!
HSpieler, 05. 12. '10 16:56
Fragwuerdige Ueberschrift
"WER schuf die Anfangsbedingungen?" ist von der Frage her unbelegbar.
Richtiger waere "WAS schuf die Anfangsbedingungen.
bpallmann@hotmail.com, 05. 12. '10 09:44
B.Pallmann: Solang die Gottes-Vertreter keine Leute umlegen...
...oder Kinder als Lustobjekte missbrauchen, wie die CSU in ihren Bayr. Kliniken, den "Mengeles von Haar bis Straubing" oder "Kriminelle Faktenmacher in Münchens Mordskommission", das alles ziemlich unverständlich für mich Normalmensch dahergeschrieben. Nichts ist nichts. So fangen wir an. Gott ist eine Frau. Der Teufel auch. Meine Gemahlin, Brasilianerin, diese wunderbare Frau und Mutter zweier Buben, wurde von einer Teufelin mit Namen csu-Barbara Stamm, gefürchtet, in Form von 8 Polizisten aus Germering/Herrsching am 13.+14 September 2010 in Gilching/LK Starnberg in unserer Pension misshandelt. Seither Panikattacken. So, die Kath.Kirche Bayerns hilft nicht, das Brasil. Konsulat schon. Ich auch. Dr. Peter Pötzsch, ein junger Arz, vor 2 Tagen auch. Jetzt ist der verschwunden, warum, Gott?
nunja, 05. 12. '10 04:00
Moment mal
"Tatsächlich ist für Physiker das Nichts nicht nichts. Denn selbst im physikalischen Vakuum gebe es Quanten, Teilchen im subatomaren Bereich.."

Das ist definitiv falsch. Auch für den Physiker ist Nichts Nichts. Wo Quanten sind ist nicht mehr nichts. VIRTUELLE Teilchen kann es geben, also Potentiale, daß Teilchen und Antiteilchen entstehen. Aber sobald Teilchen da sind, ist kein Nichts mehr gegeben.

Es ist doch gar nicht so schwierig vorstellbar: Nichts ist Null. Und aus Null kann +1 und -1 werden

Ob man dieses +1 dann Gott nennt und das -1 Luzifer, das ist Geschmackssache. Wenn sie wieder aufeinandertreffen, die himmlischen Heerscharen, dreht sich die Zeit zurück und die Gräber gehen auf und Feuer erscheint am Firnament und kommt über alles. Paßt doch, Johannes.

Alles nix Neues :-)
bpallmann@hotmail.com, 05. 12. '10 09:48
Re: Moment mal
Kolibri angucken und nicht an "Gott oder so" mal kurz wenigstens denken, klappt meistens nicht. Weil etwas aber klappt, z.B. das Wunder Leben, ist darin und im Sein Gott versteckt. Ohne ihn gehts auch, ist aber sehr anstrengend. Manche Astronomen + Matheleute werden verrückt.
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