Missbrauch: Generalvikar Helmut Schüller kritisiert Kardinal Schönborn
Der ehemalige Caritas-Präsident und Generalvikar Helmut Schüller kritisiert Kardinal Schönborn und andere Bischöfe. Sie hätten seit Langem von Missbrauchsfällen gewusst, aber nicht ausreichend reagiert.
Während man sich bei der Opferschutzkommission unter der früheren steirischen Landeshauptfrau Waltraud Klasnic langsam Gedanken über ein Ende der Meldefrist für Missbrauchsopfer macht, schlägt die Plattform für Betroffene kirchlicher Gewalt, die Gegenveranstaltung zur Klasnic-Kommission, immer härtere Töne an: Man habe mittlerweile 400 Täter identifiziert, 300 davon lebten noch. Um den Druck auf Kardinal Christoph Schönborn zu erhöhen, will die Plattform demnächst alle 300 beschuldigten Kirchenleute auffordern, innerhalb einer gesetzten Frist Selbstanzeige zu erstatten. Und die Plattform droht, nach Verstreichen des Ultimatums alle persönlichen Daten zu veröffentlichen.
Das könnte auch ins Auge gehen: Viele der als Täter beschuldigten Personen wurden von der Plattform noch nicht einmal kontaktiert, um deren Stellungnahmen einzuholen. Mit der namentlichen Veröffentlichung würden zahlreiche Personen weitgehend ungeprüft einer vielleicht sogar strafrechtlich relevanten Tat beschuldigt.
Die Plattform plant freilich auch, eine Strafanzeige gegen den Wiener Erzbischof Christoph Schönborn einzubringen. Der Vorwurf: Duldung einer kriminellen Tat. Schönborn habe nach dem Auffliegen von Missbrauchsfällen die betroffenen Täter nicht aus dem Verkehr gezogen, sondern nur an andere Dienstorte versetzt, wo manche wieder tätlich geworden seien.
Um das zu untermauern, verweist man auf Holger Eich, einen früheren Mitarbeiter der Ombudsstelle für sexuellen Missbrauch der Erzdiözese Wien. Eich hatte im Oktober vergangenen Jahres in mehreren Medien behauptet, Schönborn habe immer schon von den Missbrauchsfällen gewusst. Die Tageszeitung Der Standard zitierte Eich am 24. November: Er war stets informiert und hatte immer alle Fälle auf dem Schreibtisch. Auch über die vielen erst jüngst bekannt gewordenen Fälle sei der Kardinal mit Sicherheit informiert gewesen. Eich weiter: Natürlich ist man nicht ganz untätig gewesen und hat in verschiedenen Fällen Therapien bezahlt. Aber in zahlreichen Fällen ist halt gar nichts passiert. Schönborn ist immer informiert, aber letztlich eben entscheidungsschwach gewesen. Ex-Caritas-Direktor Helmut Schüller leitete die Ombudsstelle für sexuellen Missbrauch in Wien, bevor er 2005 nach zehnjähriger Tätigkeit ausschied.
Schüller relativiert im Gespräch mit profil die Aussagen Eichs, mit dem er damals zusammenarbeitete. Schüller: Die öffentlichen Aussagen von Holger Eich sind im Grunde richtig, doch schienen sie mir etwas undifferenziert. Es ist richtig, dass wir Kardinal Schönborn in vielen Fällen in Kenntnis gesetzt haben. Wegen der Langsamkeit, mit der oft reagiert wurde, haben wir immer wieder darauf gedrängt, etwas zu tun. Nicht richtig ist, dass nie etwas passiert ist. Es ist immer wieder etwas geschehen, und es wurde meines Wissens auch nie jemandem geraten, auf eine Anzeige zu verzichten.
Doch nicht nur Schönborn habe von Übergriffen gewusst. Schüller: Wir haben auch anderen Bischöfen Fälle bekannt gemacht, die in deren Diözesen vorgefallen waren.
System ungeeignet. Schüller beklagt, dass unsere Arbeit nicht in wünschenswerter Weise funktioniert hat, weil auf Strukturebene wenig weitergegangen ist. Sein Fazit: Das System war nicht geeignet, richtig zu reagieren.
Ihm persönlich sei es nicht nur um die Fälle im Einzelnen gegangen, sondern auch um strukturelle Änderungen im Umgang damit. Wichtig sei ihm gewesen, eine höhere Sorgfalt bei der Auswahl des Personals an den Tag zu legen, bis hin zu den ehrenamtlichen Mitarbeitern. Aber die Österreichische Bischofskonferenz, der richtige Adressat für Schüllers Anliegen, habe nicht reagiert. Schüller: Ich habe bei der Bischofskonferenz angeregt, dass sich die Bischöfe gegenseitig über Problempersonen informieren. Etwa über Mitglieder der Ordensgemeinschaften, die in die Diözesen übertreten. Oder über Priester, die aus dem Ausland nach Österreich kommen. Doch manche in der Bischofskonferenz fanden das nicht so dringlich, manche nicht nötig, andere fanden das auch gut.
Seit der zweiten Welle der Missbrauchsskandale aus dem Vorjahr sei man in der Kirche aber auf dem richtigen Weg. Was dabei tatsächlich umgesetzt wird, wird man sehen. Nach der ersten Welle vor einigen Jahren dachten die meisten in der Kirche noch an Verleumdung durch die Medien, an falsche Anschuldigungen. Viele wollten es gar nicht wissen. Jetzt gibt es doch einen Schub in Richtung Realitätserkennung.
Seine Arbeit innerhalb des nicht geeigneten Systems der Ombudsstelle und seine nicht wirklich vorhandene Unabhängigkeit hätten ihn letztlich aufgerieben und zum Ausstieg bewogen. Schüller: Ich war der Meinung, dass der Posten als Leiter der Ombudsstelle von einer unabhängigen Person bekleidet werden sollte, die keine Vorgesetzten hat. Ich war zehn Jahre im Amt und seelisch-psychisch ausgelaugt. Man wird zum Feigenblatt, wenn Grundsätzliches nicht stimmt.
Erich Leitenberger, Sprecher von Kardinal Schönborn, erklärt zu den Aussagen Schüllers, man habe in Wien auch unter Mitwirkung von Helmut Schüller an Richtlinien für den Umgang mit sexuellem Missbrauch intensiv gearbeitet. Diese seien dann 2004/2005 verabschiedet worden und hätten die Basis der österreichweiten Richtlinen gebildet, die im Vorjahr in Kraft traten. Leitenberger: Dass es schwierig war, mit einem Thema richtig umzugehen, mit dem davor nicht richtig umgegangen wurde, ist klar. Und dass es manchmal länger gedauert hat, kann sein. Was Monsignore Schüller sagt, ist richtig, denn es gab in den Diözesen unterschiedliche Geschwindigkeiten. Doch Wien hat eine Vorreiterrolle gespielt, und Kardinal Schönborn war immer für ganz klares Handeln."
22.1.2011 13:04
edmundw, 01. 09. '11 22:45
Kommentare verschwunden
ich habe hier zwei Kommentare über das Thema Kindertaufe, Kindesmißbrauch geschrieben und finde sie nicht. Bin ich(84) Datenungeschickt, oder zensuriert?
edmundw, 01. 09. '11 22:11
Taufe
Ich wurde als Bebi getauft, was mein Leben verwüstet hat. Ich bezeichne das als Kindesmißbrauch. Vatikanum II beendet die konstantinische Ära. Ein christliches Land gibt es nicht mehr. Jesus wendet sich an Personen: "folge mir!"
Es ist leicht mit der Kindestaufe Mitglieder Zahlen aufzu blähen.
Lofasz, 02. 02. '11 19:00
Ausreichend vertuscht!
Was redet Schüller da, natürlich hat Schönborn ausreichend reagiert, er hat viele Jahre die Kinderschändereien der Paffen ausreichend vertuscht, insbesondere bei der größten klerikalen Eiterbeule bei den Schulbrüdern, anfangs die Opfer tüchtig verleumdet, oder verharmlost, wenn ein perverser Paffe Patienten ans Gemächt gegangen ist: "Mein Gott das kann doch mal passieren" dann die clevere Vertuschung in den Ombudsstellen, und jetzt die Vertuschung und das erkaufen des Schweigens der Opfer durch Klasnic!
Wer will da noch sagen Schönborn habe nicht ausreichend reagiert??
Countdawn1, 25. 01. '11 14:12
Schande, Schande, Schande 1
Es ist bezeichnend für die Gemeinschaft der Katholiken, dass mein posting auf Kathnet http://www.kath.net/detail.php?id=29828), wo dieser obige Profil Artikel diskutiert wird, nicht veröffentlicht wurde. Ich erlaube mir daher dies hier in 2 posting zu zeigen:
Ich bin ein Betroffener und im Stichgelassener nach Kinderschändung durch einen Eurer hochlobten Priester, an die Ihr glaubt, aber mir graut vor den Postings hier. Pfui, was für Menschen sind das, die nur glauben, was sie hören wollen und die Wirklichkeit negieren. es folgt posting 2
Countdawn1, 25. 01. '11 14:12
Re: Schande, Schande, Schande 2
Pfui, ihr Katholiken, die nichts in ihrer Kirche tun, damit die Kinderschändungen aufhören, und die Geschändeten rehabilitiert werden, sondern die Betroffenen auch noch verleumden. Voltaires Satz bewahrheitet sich: Wer an Absurditäten glaubt, wird Abscheulichkeiten begehen. Schämt Ihr Euch nicht, noch immer gläubige Katholiken zu sein? Wer nichts weiß, muss alles glauben. Es dauert nicht mehr lange und Euer 666 kommt. Er wird sich in Eure schlimmsten Alpträume schleichen und in den Wahnsinn treiben ...
Fürsorgezögling, 26. 01. '11 13:41
Re: Schande, Schande, Schande 1
Aber aber...Ihnen graust vor den postings. Zu wenig Hass und Verallgemeinerung dabei ? Wie wäre es mit ein wenig Selbstreflexion? In Stich gelassen fühlen Sie sich, was tun Sie dagegen?
Fürsorgezögling, 28. 01. '11 13:25
Re: Schande, Schande, Schande 1
Danke für Deine mail. Freilich weiß ich wer Du bist. Wo ortest Du "Aggression" ? In den postings von mir uns Hugoport ?
Es nützt nichts, nur zu klagen und zu jammern - Pauschalierungen bringen uns Opfer auch nicht weiter - und- nicht jeder "Kompromiss" muss ein "fauler" sein. In dieser Sache ohnehin nicht. Ich spreche mit meinen "Feinden", so kann ich sie vielleicht als "Freunde" gewinnen, abe jeder geht seinen Weg wie er vermag und kann.
bosposrus, 28. 08. '11 03:57
Hoffen auf Hilfe von den Tätern und Wiedergutmachung???
Du kannst von den Tätern keine Wiedergutmachung erwarten - sie sind selber krank in ihrem Gotteswahn!
Du kannst nur für dich selber Heilung finden in einer Traumatherapie, bei einem Therapeuten, der selbst nichts mehr verdrängt. Schau nach bei www.franz-ruppert.de. Da gibt es eine Therapeutenliste. Hilf dir selbst, sonst hilft dir keiner. Dann erst kannst du dich um die Täter und Vertuscher kümmern, wenn du dir geholfen hast.
Auch Schönborn hat keinen freien Willen. Er weiss nicht was er tut. Im hohen Alter sind die Hirnstrukturen oft zu verkalkt,
um was Neues dazuzulernen.
Lies das Buch SEELISCHE SPALTUNG UND INNERE HEILUNG von Franz Ruppert. Und lies MSS: JENSEITS VON GUT UND BÖSE - WIE WIR OHNE MORAL DIE BESSEREN MENSCHEN SIND. Das ist heilsam!
Hugoport, 23. 01. '11 10:20
Schönborn und die Wahrheit ?
Das Buch " Der Wahrheit die Ehre " zeigt deutlich auf, was in der Amtskirche wirklichlos ist ! Machtgeilheit und Geldgier sind in diesem feudalistischen System, das bis dato die Menschenrechte nicht unterzeichnet hat, an der Tagesordnung. Priester werden wie Sklaven gehalten ! Der Priester, der der Obrigkeit sprich Bischof mißfällt, wird vernichtet, ein hündischer Gehorsam dagegen belohnt. So ein brutales Machtsystem hat in einer Demokratie nichts verloren ! Daher kein Wunder, daß die mündigen Menschen aus dieser Angst und Schreckensherrschaft nun in Scharen austreten. Schade um die Jugend, die damit keine Vorbilder mehr hat ?
Countdawn1, 23. 01. '11 12:34
Re: Schönborn und die Wahrheit ?
Schade um die Jugend, die damit keine Vorbilder mehr hat ????
Was soll dieser in meinen Augen unpassende Satz?
Die Jugend braucht keine Vorbilder von einer verlogenen Organisation mit einem irrealen Weltbild. Realität und Wissen ist das Wichtigste, was der Jugend angeboten werden muss, und was sie dann auch annimmt. In der Kirche, wo Wunder, Hölle, Engel und Teufel zu Hause sind, gibt es das nicht, sondern nur Glauben und Aberglauben.
Fürsorgezögling, 23. 01. '11 15:24
Re: Schönborn und die Wahrheit ?
Geistliche Würdenträger wie Franz Kardinal König, Leonard Boff, Erwin Kräutler...sie sind leider in der Minderheit, sie sind, oder waren, kritisch, das passt dem jeweiligen Alleinherrscher des Geriatriekleinstaates Vatikan nicht. Demokratie, demokratischer Staat, Garantie der freien Religionsausübung, hier kollidiert es. Vor allem zu hinterfragen wäre das das Konkordat zwischen der Republik Österreich und dem Vatikan. Grundsätzlich jedoch möchte ich festhalten, dass es keiner Seite würdig ist, sich im allgemeinen Hin-und Her hetzerisch zu betätigen. mfg Franz Josef Stangl, heimkind@chello.at
bosposrus, 28. 08. '11 03:41
Re: Schönborn und die Wahrheit ?
Ketzer kann es nicht genug geben!
Schon was von Verdrängung gehört!
Sowohl Opfer als auch Täter wissen nicht was sie tun!
Schönborn auch nicht, er ist auch nur ein kleines Menschlein!
Der Gotteswahn ist heilbar!
edmundw, 01. 09. '11 22:26
Re: Schönborn und die Wahrheit ?
"in Scharen austreten", Hugoport. Dazu frage ich, wie sind sie eigentlich eingetreten? Die meisten ungefragt als Bebis!!! Man bräuchte nur das Konzil ernst zu nehmen, um zu warten, bis die Person den Ruf Jesu, "folge mir!" vernimmt und sich von selbst taufen läßt. Doch dieser subtile Kindesmißbrauch ist wirksamer für die Statistik. Also bleibt man im Reiche Konstantins und pfeift aud das Konzil.