Peter Hocheggers geheime Telekom-Konzepte

Wie in der dieswöchigen Printausgabe (Nr. 6/11) berichtet, hat der PR-Fachmann und Lobbyist Peter Hochegger in der Vergangenheit PR-Exposés für eine Reihe von Personen mit Verbindungen in die Telekom Austria entworfen, die zumindest teilweise vom Unternehmen bezahlt wurden. profil stellt die zentralen Passagen dieser „Ideenkonzepte“, „PR-Positionierungen“ und „Strategien“ ab sofort online.

Von Michael Nikbakhsh und Ulla Schmid

Die Dossiers sind zwischen 2002 und 2007 entstanden und betreffen fünf Personen: Die ehemaligen Vorstände des Telekom-Festnetzgeschäfts Rudolf Fischer und Gernot Schieszler, Telekom-Regulator Georg Serentschy sowie die beiden früheren FPÖ-Infrastrukturminister Mathias Reichhold und Hubert Gorbach.

* Allein Schieszlers PR-Konzept aus dem Jahr 2007 wurde von Hochegger mit 465.000 Euro veranschlagt, welche die Telekom nach eigenen Angaben auch zum Großteil bezahlte – obwohl es nie umgesetzt wurde. Auf 29 Seiten wird der beabsichtigte Imagewandel vom Angestellten aus der zweiten Reihe hin zu einem Top-Manager skizziert. Sündhaft teure „Business Lunches“ mit Entscheidungsträgern, regelmäßige „Gastkommentare“ und „Exklusiv-Stories“ in ausgesuchten Medien inklusive.

* Ähnlich überschwänglich auch die elfseitige „PR-Positionierung“ für den früheren Telekom-Festnetzchef Rudolf Fischer aus dem Jahr 2003. Auch dieses Konzept wurde von der Telekom Austria bezahlt, die Kosten sind nicht bekannt. Fischer wird darin zum „Vordenker“ und „dynamischen Macher“ hochstilisiert.

* Telekom-Regulator Georg Serentschy hat auf die jüngste Veröffentlichung in profil zwischenzeitlich scharf reagiert. In einer Aussendung am Wochenende betonte er einmal mehr, dass er Hocheggers „Ideenkonzept zur Positionierung des neuen Regulators Dr. Georg Serentschy“ aus 2002/2003 weder beauftragt noch bezahlt hätte. Tatsächlich dürfte der Auftrag dazu von der Telekom Austria gekommen sein. Wer tatsächlich dahinter steckte, und wie viel der Konzern dafür bezahlen musste, ist noch Gegenstand von Untersuchungen. Die Existenz des Papiers erklärt Serentschy jetzt so: „Im Übrigen versteht es sich von selbst, dass die RTR-GmbH oder Dr. Georg Serentschy keinen Einfluss darauf haben, ob und gegebenenfalls wie externe Berater irgendwelche Konzepte erstellen und diese von sich aus oder im Auftrag Dritter verbreiten.“

Könnte auch heißen: Man kann sich ja nicht dagegen wehren, wenn einer sich für einen engagiert. Denn Engagement hat Hochegger auch hier gezeigt. In dem Konzept avanciert Serentschy zum „dialogorientierten“ und „wirtschaftspolitisch ganzheitlich“ agierenden Regulator, dazu werden ihm „get-togethers“ mit „Marktteilnehmern“, Bürgern, Politikern und natürlich Medien anempfohlen.

* Bemerkenswert auch die Strategien für die früheren FPÖ-Infrastrukturminister Mathias Reichhold und Hubert Gorbach, die nach vorliegenden Informationen beide vom Ministerium beauftragt und bezahlt wurden. Die Umsetzung des Reichhold-Konzepts aus 2002 kostete laut Reichhold „irgendwo bei 150.000 Euro“ – Hochegger hatte ursprünglich 197.760 Euro veranschlagt. Der Preis der Gorbach-Strategie ist nicht angeführt. In beiden Fällen lässt sich auch nicht mit Gewissheit sagen, wie viel davon tatsächlich umgesetzt wurde.
Dennoch werden beide Minister ihre Freude mit Hocheggers Evaluierungen gehabt haben. Zu Reichhold heißt es etwa: „Kreativer, lösungsorientierter, entscheidungsstarker Gestalter der österreichischen Politik.“ Oder: „Robin Hood in der Regierung, der Kontakt mit Bürger sucht und pflegt.“ Oder auch: „Ein Minister, der zu seinen Entscheidungen steht. Er ist konfliktbereit und vertritt seine Meinung auch, wenn es unangenehm ist.“

Auffallend: Im Gorbach-Papier tauchen teilweise die gleichen Formulierungen auf wie bei Reichhold: „Kreativer, lösungsorientierter, entscheidungsstarker und wirtschaftskompetenter Gestalter der österreichischen Politik“; Oder: „Stabilitätsgarant in der Regierung, der Kontakt mit Bürgern sucht und pflegt““; Oder auch: „Ein Minister, der zu seinen Entscheidungen steht. Er ist konfliktbereit und vertritt seine Meinung auch, wenn es unangenehm ist.“

Das ganze Dokument finden Sie hier [PDF]

7.2.2011 13:54
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Almi66, 13. 02. '11 08:03
39 Seiten für 5 Konzepte?!
Da haben sich die Praktikanten beim Hochegger mit der Textierung nicht sehr viel Mühe gegeben.

Ich würde das als Auflockerungs-Einleitungs Blabla bezeichnen, ohne Substanz und jegliches Detail.

Was fürs Auge eines Unbedarften eben.
esgiltdievermutung, 09. 02. '11 08:08
schon vergessen??
http://www.salzburg.com/sn/06/09/22/artikel/2447799.html
alexander1962, 08. 02. '11 18:56
Rudolf Fischers Frau
Interessant wäre im Zusammenhang mit Herrn Fischer auch was damasl dessen Frau Birgit Drapela gemacht hat. Die immer besonders umtriebige PR-Dame, mit guten Kontakten zur IV wird ja von all dem etwas mitbekommen haben.
IvanErtlov, 08. 02. '11 10:59
Sittenbild? Vielleicht...
Armutszeugnis?

Ganz sicher. Und zwar für den Herrn Hochegger selbst. Von den vielen, vielen PR- und MRKT Konzepten, die ich beruflich durchackern musste oder aus privat-beruflichem Interesse gelesen habe, sind diese mit ABSTAND die Schlechtesten und hätten eigentlich verdient, dass Profil die Bezeichnung PR-Fachmann in der Einleitung unter Anführungszeichen setzt. Hätte sich Hochegger darauf konzentriert, den Volksverbundenheitscharakter mehr herauszuarbeiten und mit internen(!) Schlagworten wie "urig", "kernig", "gemütlich" eine Brücke in Richtung "Sympathieträger" geschlagen, bevor dem Gorbach "The world in Austria too small" geworden ist, hätte man was machen können.
So aber wirkt es wie der Versuch, eine Zuckerlimonade als "Fitnessgetränk für Gesundheitsbewusste" zu positionieren.
ulysses007, 08. 02. '11 08:49
§148 StGb/Höchststrafen sind längst fällig - anbei Frau Minister
meine Empfehlung für allseits bekannten Namen :§ 148 Gewerbsmäßiger Betrug:
Wer einen Betrug gewerbsmäßig begeht, ist mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren, wer jedoch einen schweren Betrug in der Absicht begeht, sich durch dessen wiederkehrende Begehung eine fortlaufende Einnahme zu verschaffen, ist mit Freiheitsstrafe von einem bis zu zehn Jahren zu bestrafen. Na dann - was warten ?
sino67, 08. 02. '11 05:58
Ein Sittenbild
Die Lektüre dieser dankenswerterweise einsehbaren Positionierungspapiere verdeutlicht einmal mehr auf eindrucksvolle Weise, dass es eine moral- und anstandslose Clique geschafft hat, für bestenfalls unterdurchschnittliche - manchmal auch gar nicht erkennbare - Leistungen gewaltige Summen an Geld zu erhalten. Es bleibt naiv darauf zu hoffen, dass die Veröffentlichung dieser Micky Maus-Beraterpapiere dazu führt, dass Spott, Hohn und Erklärungsnot für die Involvierten schwerer wiegen als die erhaltenen bzw. dafür bezahlten Beträge. Hochegger dafür alleine an den Pranger zu stellen wäre allerdings ein schwerer Fehler. Abkassierer wie er wurden erst von ebenso scham- und gewissenlosen Politikern, von denen sich einige gerade ungewollter Medienpräsenz erfreuen, institutionalisiert.
norbi69, 07. 02. '11 18:08
Ist doch ganz klar
Staatsbetrieb beauftragt Mittelsmann. Mittelsmann schreibt fingierte Rechnung und leitet die Kohle an die gerade aktuelle Regierungspartei weiter, abzüglich einer Provision natürlich. Das ist meiner Ansicht nach überall der Hintergrund, egal ob Buwog, Eurofighter oder was auch immer.
Solange die Parteifinanzenzierung dem Wahlvieh nichts angeht, wird das auch nicht aufhören.
ErikaRothen, 08. 02. '11 08:57
Re: So wünschenswert eine vollständige Offenlegung und Transparenz
von Parteifinanzen auch wäre, so naiv ist es andererseits anzunehmen, dass "Schmiergelder" damit aufgedeckt werden könnten.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass die bei diversen "großen Geschäften" (Privatisierungen, Bundesbeschaffungen, Infrastrukturprojekten etc.) verschwundenen Beträge im Milliarden- oder zumindest 3stelligen Millionenbereich einfach nur an Parteikassen gewandert sind. Das wäre selbst im gegenwärtigen System zu auffällig.

Nein, nicht die Parteikassen dürften die wesentlichen Nutznießer sein, sondern vielmehr einige "hochverdiente und ehrenwerte" Bonzen der Parteienoligarchie persönlich. Und das ist mit Offenlegung der Parteifinanzen leider auch nicht durchschaubar.
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