Strassers Rücktritt: „Ein Lobbyist riecht“

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Wie Ernst Strasser mit angeblichen britischen Lobbyisten ins Geschäft kommen wollte.

Von Otmar Lahodynsky

Die Bombe platzte an diesem Sonntag. Die „Sunday Times“ veröffentlichte einen Artikel, in dem nachgewiesen wird, wie leicht Abgeordnete des Europa-Parlaments für Geldangebote auf Wünsche von Lobbyisten bei neuen EU-Regelungen eingehen. Monatelang hatten als Lobbysten getarnte Journalisten Abgeordnete umworben. Einer von ihnen war Ernst Strasser, der ÖVP-Delegationschef im Europaparlament und ehemalige Innenminister.

Und er tappte den Reportern in eine Falle: Mit versteckter Kamera zeichneten die als Lobbyisten getarnten Reporter der „Sunday Times“ das Gespräch mit Strasser in einem Brüsseler Restaurant auf.

Freimütig erzählt der ÖVP-Politiker über seine guten Geschäfte als Lobbyist. Er arbeite bereits für fünf Firmen, „die mir jährlich 100.000 Euro bezahlen“, so Strasser. Ob im „Wettbewerb, Sport, Gesundheit, Bildung, was auch immer“ – seit einem Jahr hätten ihn eine Menge Leute angesprochen. „Wenn man da als Mitglied des Europaparlaments auftritt, öffnet das Türen in anderer Weise als als Lobbyist“, verrät der ehemalige Innenminister auf Englisch „mit einem weichen österreichischen Akzent“, wie die Reporter festhalten.

„Sie haben also zwei Rollen, Sie sind Lobbyist und EU-Abgeordneter?“ wollen die angeblichen Lobbyisten, die ihm für seine Dienste, im Auftrag ihrer Klienten die EU-Gesetzgebung zu beeinflussen, hunderttausend Euro pro Jahr und einen Sitz im „advisory board“ einer britischen Finanzfirma versprechen, wissen?

„Ja“, meint Strasser. Auf die Nachfrage, ob dies keine Probleme bereite, wird er erstmals vorsichtig. Er habe „nur einmal im Leben die Chance zu lügen, sonst ist man tot“. Und das wolle er nicht sein, sondern in fünf Jahren „ein Büro in Brüssel mit einem eigenen Netzwerk“ besitzen, „das ich auch für meine eigenen Firmen nützen will.“

Dann fragen ihn die Reporter, ob er auch für ihre Klienten tätig werden wolle. Ja, meint der ÖVP-Politiker und verweist auf einen Vertrag und Geheimhaltung, „um meine Kunden zu schützen“.

Ob er diese Nebentätigkeit dem EU-Parlament melden werde, wird er gefragt. „Nein, nein“, so Strasser. „Ein Lobbyist hat einen speziellen Geruch. Da müssen wir sehr vorsichtig sein.“ Und er erklärt, dass die britische Firma die siebente, für die er arbeite, sein werde, falls sie ins Geschäft kommen. Vereinbart wurde - laut Artikel der Sunday Times“ -, dass Strasser bereits im März die erste Quartalszahlung über 25.000 Euro erhalten sollte.

Auf dem Video ist kein Wort von Strassers angeblicher Detektivarbeit, um die Hintermänner aufzudecken, zu hören. Bis zuletzt hatte Strasser behauptet, er sei nur zum Schein auf die Angebote der Briten eingegangen, um die Hintermänner, die er in „Geheimdienstkreisen vermutete, zu enttarnen. Von diesen Ermittlungen hat er aber seinen EU-Kollegen Hella Ranner und Othmar Karas, die er im vergangenen Februar mehrfach und nachdrücklich um Einbringung des Änderungsantrags gedrängt hatte, nie etwas erzählt.

Neben Strasser gingen zwei weitere EU-Abgeordnete den als Lobbyisten getarnten Reportern in die Falle: Adrian Severin, ehemaliger Vizepremier Rumäniens, schickte sogar schon eine Rechnung über 12.000 Euro für seine Dienste. Zoran Thaler, ehemaliger Außenminister Sloweniens, forderte, dass sein Honorar über eine Londoner Firma fließen solle, um es geheim zu halten.

Alle drei sollten eine EU-Richtlinie über den Anlegerschutz von Investmentfirmen im Auftrag einer britischen Finanzfirma abändern. Es ging dabei um eine zweite Warnfrist, die diese Firmen vor Entschädigungszahlungen erhalten sollten.

Am Sonntag handelte ÖVP-Chef Josef Pröll vom Krankenbett aus. Er forderte Strasser zum Rücktritt auf. Strassers Verhalten sei „inakzeptabel“, so Pröll. Der frühere Innenminister habe dem Prinzip, dass Politik den Menschen dienen solle, „ganz offensichtlich auf unentschuldbare Weise zuwidergehandelt.“

Strasser selbst wollte kein Fehlverhalten zugeben. Auch am Sonntag erklärte er, er habe sich zum Rücktritt nur „entschlossen, weil es in Österreich eine Kampagne gegen mich gegeben hat“. Diese habe eine „Optik erzeugt, die der Volkspartei schadet“. Strasser, der sich künftig ganz seinen Geschäften widmen will, sieht Karas als Schuldigen. Eine politische „Kampagne“ gegen ihn sei gezielt geführt worden, so Strasser. Der politische Druck geht von einer Person aus - Othmar Karas.“

Strasser war bei den Europawahlen 2009 von Pröll zuerst zum Spitzenkandidaten und dann zum ÖVP-Delegationschef im EU-Parlament ernannt worden. Karas, der 112.000 Vorzugsstimmen erhalten hatte, wurde übergangen.

Am Montag will der Bundesvorstand der ÖVP Othmar Karas bitten, wieder als Delegationsleiter im Europaparlament zu fungieren.

23.3.2011 15:40
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Rekorder, 01. 04. '11 16:27
Oje ...
Jetzt hat es nach Ernst Strasser schon wieder einen erwischt - das Beweisvideo ist schon online ...

http://www.youtube.com/watch?v=1KbTiRAF1u4
cuchullain, 25. 03. '11 16:45
Und wer kassiert für die Kaliumjodidtabletten ...
... für einen radiologischen Ernstfall?
Erraten: Die Fa. LANNACHER des smarten Schüssel-ÖVP-Ex-Ministers Bartenstein!

http://www.apotheke-andritz.at/f_gesund.htm
Mumie57, 24. 03. '11 17:28
Wen wunderts ??
Da hat sich der 3. zum bundeskanzler gemacht..oder machen lassen. Personal hat er nicht viel gehabt...aber da war der Strasser, die Lisl Gerer und noch ein paar.
Da gabs den Karl-Heinz ( bester Finanzminister aller zeiten ) den Westi und die Susi......
Ziel war doch nur: möglichst viel abzu cashen....
Hat es schon mal einen ehemaligen Bundeskanzler gegeben der nach Wahlniederlage im Parlament " sitzen bleibt " ? Nebenbei macht dert Wolfi noch ein Bissi cash bei den Atomwerkverantwortlichen....
Also um was geht es? Seit der Schüsselpartie nur mehr ums Kassieren. Politikverdrossenheit, Strache Erfolge etc. haben wir unserem Wolfi zu verdanken. Leider schaut die SPÖ nur zu. Die Grünen plaudern...aber sind eigentlich nicht mehr präsent...
catercarlo1, 22. 03. '11 14:06
Korruption
ist leider wahrscheinlich in jeder Partei zu finden wenn man nur lange genug sucht! Jedenfalls sollte man auch die Dissertation des Herrn Strasser prüfen!
puru991, 22. 03. '11 10:12
Strasser und konsorten
Eigentlich sollte man Strasser wegen Dummheit juristisch nicht belangen, aber sojemand war Innenminister, einer aus der Schüssel-Bande, und gehört sofort in U-Haft . solche Leute sollen enteignet werden, aus der Partei ausgeschlossen, und sollten keine Möglichkeiten mehr haben zu vertuschen.Und von all diesen Vorgängen (KHG,
Strasser, Meindl,Jagdtgesellschaft (Rauch-Kalat) u.s.w) will
Schüssel nichts gewusst haben? Da ist noch lange nicht Alles ans Tageslicht gekommen, da werden wir noch unser BLAUES/SCHWARZES Wunder erleben. Mir liegt immer noch der Euro-Fighter Kauf im Magen, und wie rasch der Untersuchungs-Ausschuss abgewürgt wurde, auch bei KHG geht nichts weiter. Österreich ist wirklich eine (faule) Bananenrepublick - Der Wähler hat mangels Alternatven
keine Wahl, als die Strasse.
muttutgut, 21. 03. '11 23:07
In der ungeheuern Weite reget eine Welle sich.
Was sich in der Politik so unter der Oberfläche tut, kann manchmal erahnt oder ansatzweise erkannt werden, aber so eine anschauliche Einführung in das Einmaleins des Abcashens bekommt man nicht oft.
Glatte Fläche ringsumher wird jetzt wohl einige politische Schockwellen ankündigen.
Und niemand in der ÖVP hat etwas geahnt? Der Fall beschädigt die ganze Parteiführung, und das könnte tatsächlich ungerecht vom Schicksal sein. Wer weiß?
macjazz, 21. 03. '11 01:02
Nicht mehr lustig
Allein schon wegen seiner Unverfrorenheit und Unverschämtheit angesicht erdrückender Indizien und Beweise alle, einschließlich der eigenen "Parteifreunde", für komplett blöd verkaufeb zu wollen müsste man ihn aus allen Ämtern jagen und unverzüglich einlochen.
Aber sein Unrechtsbewusstsein dürfte wohl noch viel bescheidener sein als seine Englischkenntnisse....
blackula63, 20. 03. '11 23:02
witzig
es ist schrecklich zu sagen, vor dem "Schlüsseljahr", unter einer Rot-Schwarzen Regierung, haben die Roten, obwohl für mich mittlerweile nur mehr zähneknirschend wählbar sind, den schwarzen Wirtschaftgesindel auf die Fingern geschaut und ab und zu geklopft, wenn die zu unanständig waren. Mit der Schwarz-Blau-Orangen Regierung ist dieses Kontrollmechanismus weggefallen und alle, ob schwarz, blau oder orange, bedienten sich am futtertrog "Privatisierung" nach belieben, sei es durch direkte einwirkung, sei es durch das Hinzuziehen von diversen "Beratern" aus den eigenen Kartell-oder Burschenschaftverbindungen. BRÖ (Bananerepublik Österreich).
Das schlimme daran: die Leute sind so blind und werden immer wieder dieses blaue und schwarze Gesindel wählen...
hchris, 20. 03. '11 15:37
ein weiterer puzzlestein...
im sittenbild schwarz-blau. mein gott, was wird da noch alles rauskommen, bezueglich der glorreichen schuesseljahre. ja ja, "mehr privat weniger staat". die haben das sehr ERNST genommen! und es erzaehle mir niemand der schweigekanzler wusste von nichts.
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