Rainer Nikowitz
Die neue Bescheidenheit

Die Krise wird uns alle bald bescheiden machen. Manche sind es ja schon.
Nehmen wir nur einmal Werner Faymann: Der Kanzler der Herzen braucht ja nun wirklich keine teuren Fernreisen zu exotischen Destinationen wie Brüssel oder so. Nein! Seine größte Freude ist es ja praktisch schon immer gewesen, in einem pünktlichen Zug der von der Eisenbahnergewerkschaft nach allen Regeln der betriebswirtschaftlichen Kunst geführten ÖBB unter einer von der Asfinag in nicht genügend zu schätzendem Weitblick ausreichend hoch geplanten Autobahnbrücke hindurchzufahren. Kann es was Schöneres geben?
Dabei genießt er es in aller Regel ausgiebig, dass beide dieser strikt unpolitisch geführten und beim Inseratenbudget nicht unnötig knausrigen Vorzeigebetriebe praktischerweise aus dem Bundesbudget ausgegliedert sind und somit eigentlich überhaupt keine Schulden haben, die einen auf extreme Nachhaltigkeit bedachten Politiker wie ihn großartig interessieren müssten. Und als kleines Extra schlägt er nach Möglichkeit zeitgleich in den drei Zeitungen, ohne die er nicht sein könnte und ohne die er vor allem nie etwas geworden wäre , nach, ob sein Foto und der lobpreisende Leitartikel dazu heute eh schön genug sind. Ja. Mehr braucht der Werner nicht zum Glücklichsein.
Und ehrlich jetzt: Ist es nicht gerade diese grundehrliche Bodenständigkeit, die aus uns allen langsam, aber sicher glühende Verfechter des Mehrheitswahlrechts machen sollte, gegen die Laura Rudas eine Häretikerin ist?
Nachgerade haltlos bescheiden zeigt sich auch das BZÖ. Und das liegt beileibe nicht nur daran, dass von Hubert Gorbach und Herbert Scheibner jetzt schon tagelang kein einziger irgendwie dubioser Geldfluss bekannt wurde. Nein: Das BZÖ beziehungsweise die damals zwar im Parteieigentum stehende, aber ansonsten selbstverständlich völlig unabhängige Agentur Orange hat im Jahr 2006 von den Casinos Austria für eine Studie zum Thema Glücksspiel und Responsible Gaming nur 300.000 Euro bekommen. Billiger gehts nun wirklich nicht mehr.
Denn schließlich hatte das von Peter Westenthalers engstem Mitarbeiter Kurt Lukasek übers Wochenende im Internet zusammenkopierte und seither an sämtlichen Roulettetischen von Macao bis Monaco als Standardwerk geltende Papier gleich neun Seiten! Und damit immerhin um drei mehr als das die Hochfinanz ob seiner Brillanz noch heute erschütternde Gutachten von Dietrich Birni Birnbacher zum Verkauf der Hypo Alpe-Adria, das ursprünglich ja mit hochgradig angemessenen zwölf Millionen Euro abgegolten wurde. Wiewohl der Patriot, der normalerweise als Steuerberater des Kärntner ÖVP-Chefs Josef Martinz geschickt mit Restaurantrechnungen und Tankstellenquittungen hantierte, also für eine Expertise über einen milliardenschweren Bankendeal herausragend qualifiziert war, ja dann generös die Hälfte nachließ sich also auch in galoppierender Bescheidenheit übte. Die wiederum dazu führte, dass sich Martinz wie im Übrigen jeder andere Politiker in Kärnten auch aber so etwas von überhaupt nichts vorzuwerfen hat und also ebenso bescheiden per eigener und der Akklamation der Gebrüder Scheuch im Amt bestätigt werden konnte.
Wenn Sie mich fragen, sind ja die Andeutungen, Birnbachers sauer verdientes Honorar von einer mickrigen Million pro Seite ein Buchstabensatz, für den Sie und ich ja nicht einmal den Computer aufdrehen würden sei in Wirklichkeit in die Parteikassa geflossen, eine ebensolche Schande wie die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen den Kabinettschef der Innenministerin. Johanna Mikl-Leitner machte ja mit ihrem Wutausbruch vergangene Woche völlig klar, auf welcher Seite Law and Order zu stehen haben und dass man bei den Ermittlungen gegen ihren Michael Kloibmüller wegen des Verdachts des Amtsmissbrauchs gefälligst Bescheidenheit walten lassen solle. Weil
, weil
, weil sie es sagt halt! Das wird doch wohl bitte reichen! Und außerdem: Was das wieder kostet! Um das Geld ginge sich so manche hübsche Doppelgleisigkeit zwischen Bundes- und niederösterreichischer Landesverwaltung aus. Aber wir habens ja.
Karl-Heinz Grassers Schwiegermutter hingegen hats nicht. Also, ja. Schon. Natürlich ist Marina Giori-Lhota so reich, wie KHG immer schon sein wollte. Aber sooo dick hat sies dann auch wieder nicht, dass sie dem Schwiegersohn einfach so 500.000 Euro zur Veranlagung in die Hand drückt. In bar. Nein, das hat sie nicht gemacht, sagt sie. Weil dann könnte sie ja genauso gut die Grillkohle damit unterzünden. Okay, das hat sie nicht gesagt.
Dennoch lässt ihr Dementi Grassers Erklärung, dieses Geld, das er als damals amtierender Finanzminister persönlich im Koffer nach Österreich gebracht hat was ja schon per se ein völlig normaler Vorgang ist , stamme nicht aus der berüchtigten Buwog-Provision und sei auch nicht auf seine Rechnung in den ebenso berüchtigten Hypo-Deal mit Tilo Berlin investiert worden, durchaus noch ein bisschen bescheidener aussehen.
Aber was soll man sagen. So sind wir nun einmal in unserem kleinen sympathischen Land. Bescheiden halt. Und zwar in jeder Beziehung.
rainer.nikowitz@profil.at
























