Georg Hoffmann-Ostenhof
Globale Wellen

Warum die kleine Occupy-Bewegung Weltpolitik machen wird.

Massenbewegungen sehen anders aus. „Occupy Wall Street“ – jene Protestler, die seit Mitte September im nahe der New Yorker Börse gelegenen Zuccotti Park kampieren – hat bis jetzt nicht mehr als 40.000 oder 50.000 Menschen auf die Straße gebracht. Und wenn man die Nachahmer in anderen US-Städten dazurechnet, machten bis jetzt, alles zusammengerechnet, noch nicht einmal hunderttausend Menschen mit. Dennoch: Diese Bewegung hat es seit ihrem Beginn Mitte September bereits auf die Covers der wichtigsten Magazine wie „Time“, „New Yorker“ und „Economist“ geschafft. Hunderte Leitartikel in den USA und anderswo auf der Welt beschäftigen sich mit ihr. Legion sind die Talkshows, in denen hitzig über die Zeltler in Manhattan diskutiert wird.

Die US-Republikaner schimpfen lautstark über die „ungewaschenen Hippies“, die sich da zusammenrotten, über die Anarchisten und Kommunisten, die so weit entfernt von der Mitte der amerikanischen Gesellschaft agieren. So Unrecht haben die rechten Kritiker ja nicht.

Den Anfang nahm die Bewegung, als wenige hundert Menschen dem Aufruf einer kleinen konsumkritischen kanadischen Zeitschrift mit dem Namen „Adbusters“ folgten, sich dort zu versammeln, wo die Banker und Börsianer, die Manager und Mogulen vermeintlich ihr Unwesen ­treiben. Die Demonstranten tragen Plakate mit so netten Slogans wie „The people are too big to fail“, „Apathie ist für Arschlöcher“, „Der Beginn ist nahe“ und „Ich liebe dieses gottverdammte Land, wir werden es uns zurückholen“. Für den oft beschworenen „hart arbeitenden, die Gesetze befolgenden“ US-Durchschnittsbürger muss dieses linke Gelichter aber geradezu das Feindbild schlechthin sein. Ist es aber offenbar nicht.

Da drängen sich nicht nur die für den Radical Chic empfänglichen Hollywood-Promis, um sich mit der Besetzerszene zu solidarisieren, nicht nur liberale Politiker (inklusive Barack Obama) und Ökonomen erweisen der Bewegung ihre Reverenz – fast die Hälfte der Amerikaner sympathisiert mit Occupy Wall Street.

Warum also hat dieses kleine rebellische Häufchen solch eine Resonanz?
Offenbar hat es einen Nerv der amerikanischen Gesellschaft getroffen. Vor allem die auf den ersten Blick absurde Hauptparole der kleinen Demonstrantenschar – „Wir sind die 99 Prozent“ – ist extrem wirksam. In dieser Behauptung wird ausgesprochen, was viele bereits längst denken: Während wir, die Mehrheit, nicht wissen, wie wir unsere Hypotheken zahlen, unseren Kindern eine anständige Ausbildung finanzieren sollen, während wir um unseren Job bangen müssen oder ihn bereits verloren haben, hat das obere ein Prozent Reichtümer angehäuft und sein Einkommen in den vergangenen Jahrzehnten vervielfacht. Und es ist wieder dieses eine Prozent, das uns die Krise eingebrockt hat, unter der wir 99 Prozent leiden.

Dieses Gefühl wird bestärkt durch Daten und Fakten, die allesamt eindeutig die immer krasser werdende Ungleichheit im Land dokumentieren. Occupy Wall Street spiegelt den allgemeinen Frust der Bürger angesichts dieser Verhältnisse wider. Und drückt die weit verbreitete Ahnung aus, dass am ganzen System etwas grundlegend faul ist.

Aber noch etwas macht die widerspenstigen „Hippies“ in New York und den anderen US-Städten um so vieles effizienter, als ihre Anzahl annehmen ließe. Sie sind Teil einer globalen Bewegung. „Seid ihr bereit für einen Tahrir-Moment?“, titelte „Adbusters“ den ursprünglichen Aufruf zur Aktion. Die Rebellen von Manhattan fühlen sich mit den jungen ägyptischen Freiheitskämpfern verwandt. Die Ägypter und die Tunesier begannen mit der friedlichen Besetzung eines öffentlichen Raums als Form des Protests. Die Revolte begann aber dann zu reisen: von Kairo und Tunis nach Athen, Barcelona, Madrid, Tel Aviv, dann nach Santiago de Chile, bis sie schließlich New York erreichte. Überall wurden Zeltstädte gebaut. Und Occupy Wall Street findet wieder neue Nachahmer in Europa, etwa in London und Berlin.

Das Seltsame dabei: So unterschiedlich die Verhältnisse in den Ländern und Weltgegenden sind, gegen die sich die Rebellen auflehnen – es scheint trotzdem eine Bewegung zu sein. Man bezieht sich aufeinander, ermutigt sich gegenseitig und gleicht sich letztlich auch im Habitus. Man teilt offenbar auch ein gemeinsames Lebensgefühl.

Ein wenig erinnert das an die späten sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts, als von Paris bis Tokio, von Mexiko bis Berlin und von Hanoi bis Los Angeles und Rio sich die revoltierende Jugend als Teil einer einzigen großen, weltweiten Bewegung empfand.

Die 68er waren damals gleichfalls eine kleine Minderheit, die sich aber in den darauf folgenden Jahrzehnten als erstaunlich stil- und kulturbildend herausstellen sollte. Und wie damals die antikapitalistische Rhetorik letztlich zu einer Modernisierung des Kapitalismus führte, wird wohl die globale Protestbewegung von heute auch „das System“ nicht stürzen: Aber einen Beitrag dazu, die globale Marktwirtschaft etwas gerechter und humaner werden zu lassen, könnte sie schon leisten.

georg.ostenhof@profil.at

29.10.2011 10:55
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Sichrovsky, 11. 11. '11 03:53
Reality Journalismus
Es gibt ja noch Die Welt und einen H. Broder, der Reportagen schreiben kann und auch eine Meinung hat, so sind wir als Leser nicht nur von alpenlaendischen Meinungen abhaengig.
bpallmann@hotmail.com, 01. 11. '11 10:11
Globale Wellen und lokale "Tsunamis" - eine Folge des Internets
Als auch ich einmal glaubte, das Internet fuehre vor allem bei Kindern/Jugendlichen zur "Vereinsamung" - und kein Rentner ueber 70 wurde sich an so einen "Computer" setzen, hatten schon die ersten "email". Was sich inzwischen auf dem Sektor der Datenuebermittlung getan hat, ist atemberaubend und sicherlich ein wesentlicher Helfer der Verbreitung "Globaler Wellen". In den 60ern wars auch, Herr Ostenhof, die Rock-Blues- und Protest-Musik, die neue Botschaften verbreitete. Ohne das wordlwideweb waere vor allem niemals die Riesen-Lokal- Skandal-Tsunami von "BayernLB bis"Kriminelle Faktenmacher in Muenchens csu-Mordkommission" +"Moderne Mengeles von Haar bis Straubing" (s.Internet) der rest-csu ans Tageslicht und in die Medien gekommen. "Alexander Zouras Medienpreis"-Sprecher B. Pallmann
ewoewo, 01. 11. '11 03:27
Uebersetzung
Aktien sind ein grosser Teil der Pensionsversicherung in den USA.
TristeViajero, 31. 10. '11 20:35
Systemwechsel jetzt oder spätestens in ein paar Jahren ...
... ich versteh die Ansichten nicht die die derzeitigen Proteste ... ins Lächerliche ziehen wollen.

Ihr scheint nicht verstehen zu wollen, schnell zu vergessen ..

am 28. März 2010 fand bereits "Wir zahlen nicht für Eure Krise!" - ausgehend von ATTAC europaweit statt.

Immer mehr Einzelpersonen, Gruppen, Organisationen mit wirtschaftlichem, sozialen oder ökologischen Hintergrund, aber auch Autoren (von VWL bis Philosophie) kommen zu ähnlichen Schlüssen, dem selben Ergebnis:

SO mit diesem Raubtierkapitalismus kann es weitergehen - die masslose Gier weniger ist in keiner Weise zukunftsfähig.

ATTAC - aber viele andere mehr - denken nach, immer mehr gute im Detail natürlich zu optimierende Vorschläge entstehen - ein SYSTEMWECHSEL ist alternativlos und der kommt in jedem Fall!
Sequoiatrail, 01. 11. '11 10:13
...das Kind mit dem Bade
Wenn ich mir so die Leute anschaue, die da vor der Wallstreet rumhocken und auch diejenigen, die da in Wien rumdemonstriert haben, dann hege ich echte Zweifel daran, ob das wirklich ZAHLER sind. Außerdem ist es im Großen, genauso wie im Kleinen. Wenn in meinem Haus Leute sind, die das Kloo nicht putzen, die immer nur aus dem Kühlschrank Dinge rausnehmen und nie was rein tun und die anderen den Laptop klauen, dann zünde ich nicht das Haus an, sondern beharre auf Einhaltung der Spielregeln. Über einen Systemwechsel fange ich dann an nachzudenken, wenn eine Alternative da ist und Sie werden mir doch nicht im Ernst erzählen wollen, dass die kruden Kollektivtheorien vom geläuterten Kommunismus eine solche darstellen.
Sequoiatrail, 30. 10. '11 09:55
Circulus vitiosus
Herr Ostenhof begeht den grundsätzlichen Fehler aus der Tatsache, dass die Leute auf ein paar Covers gekommen sind, zu schließen, dass sie auch wichtig seien. Das mag vielleicht etwas damit zu tun haben, dass sich bei manchen Journalisten die Einstellung eingeschlichen hat, die besagt, dass sie diejenigen sind, die bestimmen, was wichtig ist und was nicht. Würde sich Herr Ostenhof nämlich vor Ort begeben und mit ganz normalen Leuten in NY über die Demonstranten diskutieren, dann würde er feststellen, dass 90 % der Leute sagen: Die gehen mir bloss noch auf den Wecker." Journalismus macht sich unglaubwürdig, wenn er, wie vor ein paar Monaten, Plünderer zu Sozialrevolutionären hochstilisiert und wenn er Ewiggestrige zu Zukunftshoffnungen idealisiert.
RandolphZ, 31. 10. '11 10:07
Sie haben recht,
Herr Ostenhof ist Sozialist und sympathisiert daher oft mit Verbrecherbanden. Zuletzt mit den "GUTEN Islamisten (sic!)". Dazu soviel: Libyen wird ein knallharter Scharia-Staat (pi-news.net)

"Dschalil gab einen Vorgeschmack, was Libyen erwartet: Polygamie sei mit bis zu vier Frauen erlaubt. Ehescheidung solle für die Frau nur noch möglich sein, wenn der Partner sie nicht versorgen kann. Der Mann dagegen soll sich nach Gutdünken scheiden lassen können."

DAS ist Ostenhofs Droge. In einem Artikle forderte er die Einführung eines Regimes in Deutschland, das gegen den Willen von 3/4 der Bevölkerung handeln solle. Der Verfassungsschutz nannte das "ärgerlich", aber keinen Grund für eine Anklage.
RandolphZ, 31. 10. '11 10:14
Noch eines ...
Warum ist dies kein Grund für eine Anklage? Weil Ostenhof ein Linksextremist ist. Wäre er ein "Rechts"extremist, würde er für solche Aussagen vermutlich schon einsitzen.
RandolphZ, 31. 10. '11 10:49
Und jetzt noch eines ...
Genau aus diesem Grund sympathisiert Ostenhof auch mit dem Völkermordleugner Erdogan. Er sei ein Vorbild für die Entwicklung in Tunesien.

Übrigens: Tunesien wird ebenfalls ein knallharter Sharia-Staat: http://www.pi-news.net/2011/10/tunesien-bald-ein-islamischer-gottesstaat/#more-218320

Hier der Link zu Libyen: http://www.pi-news.net/2011/10/scharia-in-libyen-und-in-europa/

Eine Entwicklung, die im übrigen schon im Frühling so glasklar auf der Hand lag, dass also nur die Dummen und die Bösen an einen "demokratischen Frühling" (in unserem Sinne)glauben konnten.

Demokratie führt hier zu Handabhacken. Und Ostenhof und die ganze Meinungsmaschine entenquaken dazu (Orwell: duckspeak).
bpallmann@hotmail.com, 01. 11. '11 10:34
Re: Circulus vitiosus - hier eher ridiculosus
Es ist schon recht frech, was hier unterthalb "Circulus vitiosus" ueber den Ostenhof-Artikel an Kommetaren in einer Demokratie - des Jahres 2011 . zumal auftaucht:
1) Ostenhof begeht grundsaetzliche "Fehler"....und daraus folgt: "Journalisten bestimmen, was wichtig ist und was nicht." Das wusste ich zwar "so" noch nicht, aber motiviert mich, auch u.a. Journalist, sehr!
2) Klar, er ist sowieso ein "Ewig-Gestriger". Na, beim heutigen Finanz-und Politzustand in USA/Europa koennte man da fast nostalgisch werden..! (z.B. JFK: "Ik bin ein Berliner!")
3) Ostenhof ist Sozialist und "folglich Verbrecherbanden-
Sympatisant." - gehoert eigentlich "eingesperrt". Sowas kenne ich. Also grins ich mir eins ueber die Laecherlichen aus der "guten alten" AD-Zeit und hoffe, Ostenhof auch. B.Pallmann
Sequoiatrail, 01. 11. '11 10:52
Spätestens dann,
wenn bpallman seine Rosinante zwecks Verteidigung von jemand sattelt, muss sich der Verteidigte anfangen zu fragen, ob er nicht doch etwas verkehrt gemacht hat.
bpallmann@hotmail.com, 01. 11. '11 14:21
Re: Circulus vitiosus
@sequoiatrail, danke fuer Ihre Steilvorlage, die nun nach hinten ausschlaegt: eine der "Neuen Wellen" ist auch, dass man Bayr. csu-Polizeispitzel, die schwerste Verbrechen begehen, wie etwa die Polizisten Thies R., Hobelsberger A., Eder Markus und den Wilfling J. im Internet anprangern, sich umfassend ueber mich und unsere Klienten, etwa den unschuldigen Zouras Alexander informiert und so zur Skandalaufklaerung ("Kriminelle Faktenmacher in der Muenchner csu-Mordskommission" + "Moderne Mengeles von Haar bis Straubing") beitraegt. Das "nervt" Sie vielleicht, Anonymus, aber gehort zum Rechtsstaat. Auch, dass man Journalisten wie Herrn Ostenhof hier nicht als Verbrechens-Sympathisant hinstellt. Ja, Reiten kann ich auch etwas. Doch meine "Rosinanten" haben mehr Demokratie im... als Sie.B.Pall
TristeViajero, 01. 11. '11 17:39
ad ...das Kind mit dem Bade
lesen sie bitte

"gemeinwohlökonomie. das wirtschaftsmodell der zukunft", attac österreich - das konzept haben bisher 350 unternehmen in aut, brd und sui unterfertigt, dabei ist es außer interessierten noch wenig bekannt.

die "demokratische bank" ist (www.demokratische-bank.at) gegründet und wird beginnen als alternative zu bisherigen banken zu arbeiten, und

- der deutsche philosoph richard david precht kommt in der "kunst kein egoist zu sein" zu den selben schlüssen wie felber - wobei sich selber keiner der beiden je zitiert.

es ist alternativlos das system zu ändern - die einzigen fragen bleiben wie genau und wann in welchem ausmass und welcher geschwindigkeit.

wenn man noch 20 jahren warten würde käme es halt zu entsprechend größeren "reaktionen" - so long,
c
Sequoiatrail, 01. 11. '11 18:17
Alles schön und gut
Alternative Banken gab es schon vor 25 Jahren. Die sind allesamt den Weg alles Irdischen in die Pleite marschiert, genauso wie das von der Stadt Wien mit € 500.000 subventionierte Nichtrauchercafe. Und die Gemeinwohlökonomie war auch vor 30 Jahren schon eine nette Umschreibung des Begriffs Kollektivismus, vulgo Kommunismus. Tut mir leid, aber damit hab ich einfach nix am Hut. Kommt vielleicht davon dass ich zuviel Zeit meines Lebens im alten (vor 1989) Osten verbracht habe.
Bergdolm, 29. 10. '11 22:33
Die 68er Hippies haben sich weggekifft und teilweise gute Musik gemacht
Wenn damals wer vom Protestieren für die Weltfrieden genug hatte, sich gewaschen und sich als Mann die Haare hat schneiden lassen (nicht einmal das war nötig), konnte er / sie problemlos ins Berufsleben einsteigen.

Heute geht das nicht so einfach, weil es an Jobs mangelt.
Außerdem packt man diese "Protestierer" viel härter an, weil sie doch "das System" gefährden könnten.

Ich habe daher vor den heutigen "Wutbürgern" mindestens die gleiche Achtung wie vor den alten 68ern, selbst wenn ihre Aktionen - wie auch damals - lächerlich wirken mögen.
RandolphZ, 31. 10. '11 10:09
Wutbürger
"Ich habe daher vor den heutigen "Wutbürgern" mindestens die gleiche Achtung wie vor den alten 68ern"

Danke!