Das Tagebuch des Generals
- Das Außenministerium wusste schon 1946 von Kurt Waldheims SA-Zugehörigkeit
Österreichs Außenministerium wusste bereits Anfang 1946 von der SA-Mitgliedschaft Kurt Waldheims. Der damalige ÖVP-Minister Karl Gruber wollte seinen devoten Sekretär jedoch vor der braunen Vergangenheit retten. Das enthüllen bisher unveröffentlichte Aufzeichnungen eines Spitzendiplomaten.
Das erste Nachkriegsjahr begann für das österreichische Außenministerium unter harten Bedingungen. Das Land werde weiter ausgeraubt, jetzt fangen auch die Ungarn mit den Wegführungen an, und er müsse sich mit einem gewissen Stalin-Brief beschäftigen, notierte Außenamts-Generalsekretär Heinrich Wildner am 1. Jänner 1946 in seinem Tagebuch.
Wildner war ein Diplomat der alten Schule. Seine erste Mission hatte ihn 1903 ins ferne St. Petersburg verschlagen, sein Handwerk lernte er über die Jahrzehnte exzellent. Die Nazis nutzten ihn als Exekutor der Zerschlagung der österreichischen Diplomatie, danach wurde er außer Dienst gestellt. Im April 1945 erschien er beflissen wieder im Amt, Staatskanzler Karl Renner legte ihm dessen Leitung als Generalsekretär in die Hände, bis ein junger hitzköpfiger Minister einzog: der 36-jährige Tiroler Karl Gruber, in den Wirren der letzten Kämpfe 1945 kometenhaft zum Politiker aufgestiegen. Den ersten US-Offizier hatte Gruber im Tiroler Landhaus selbstbewusst empfangen: I am the chief of the resistance movement! Die US-Behörden machten ihn zum Landeshauptmann. Auf dem glatten Wiener Parkett wurde der politisch und diplomatisch völlig Unerfahrene, der sich gern in Szene setzte, skeptisch beurteilt: Merkwürdig die Äußerungen über Gruber, dass er
nur ein für sich arbeitender Schaumschläger sei, vermerkte sein Generalsekretär Wildner. Mit seinem direkten Personal hatte Gruber von Beginn an Schwierigkeiten. Fritz Molden, sein Verbindungsmann zum Widerstand in Tirol und erster politischer Referent, verabschiedete sich nach Gerüchten, er habe im Ausland gepokert.
Seinen persönlichen Sekretär, einen erfahrenen Präsidialbeamten, soll der Minister körperlich unsanft angefasst haben. Er verlangte die Zuteilung eines jüngeren. Am 9. Jänner 1946 ließ Wildner den gewünschten Jungdiplomaten kommen und schrieb in sein Tagebuch, dieser übernehme die Aufgabe beim dynamischen Chef gern, weil er durch jahrelangen Adjutantendienst gegen Misslichkeiten unempfindlich geworden ist. Der Neue hieß Kurt Waldheim und war seit Ende November 1945 probeweise in der politischen Abteilung des Außenamts tätig.
Waldheim begleitete Minister Gruber drei Wochen, dann gab es auch mit ihm ein handfestes Problem. Am 1. Februar 1946, der für den Ressortchef ohnehin kein einfacher Tag war sein Auto war gestohlen worden, ÖVP und SPÖ waren hart aneinandergeraten , schrieb Wildner zwei dürre Sätze nieder: Einer unserer Zugeteilten, Dr. W., der jetzt bei Gruber als Sekretär Dienst tut die Familie hatte vor nicht zu langer Zeit ihren tschechischen auf einen rein deutschen Namen geändert* , wurde eben vom Gericht als Angehöriger der SA-Reiterstandarte bezeichnet. Gruber will ihn retten.
Im Klartext: Die SA-Zugehörigkeit des späteren UN-Generalsekretärs und Bundespräsidenten Waldheim war höchsten Kreisen von Beginn seiner Diplomatenkarriere 1946 an bekannt. Und: ÖVP-Minister Karl Gruber war nicht zum Nachforschen, sondern zum Applanieren entschlossen. Am Beginn der Rettung Waldheims vor seiner braunen Vergangenheit stand der erste Außenminister in der Zweiten Republik höchstpersönlich.
Waldheims Personalakt liegt nach wie vor im Außenministerium unter Verschluss. Spitzendiplomat Heinrich Wildner, wegen seiner Strenge im Außenamt der General gerufen, ist seit 1957 tot. Seine Tagebücher liegen im Österreichischen Staatsarchiv und sind erst seit Kurzem zugänglich.
Als profil-Recherchen im Präsidentschaftswahlkampf 1986 Stück für Stück der braunen Vergangenheit Waldheims aufdeckten und die ÖVP über eine Verleumdungskampagne gegen ihren Kandidaten tobte, kam ausgerechnet Ex-Außenminister Gruber als wutschnaubender Waldheim-Verteidiger zum Einsatz. Während die Auseinandersetzung das Land spaltete, trat er als Zeuge für Waldheims Offenheit, Auskunftsbereitschaft und Wahrhaftigkeit auf. Er präsentierte ein eigenes Weißbuch, in dem Waldheims Einsatz am Balkan und während der Juden-Deportationen in Saloniki weißgewaschen wurde. Nachdem die USA Waldheim auf die Watchlist gesetzt hatten, schickte ÖVP-Außenminister Alois Mock Gruber auf Staatskosten als Sonderemissär in die Welt.
Ich persönlich hätte das nicht gemacht, meint Grubers ehemaliger Weggefährte, der Diplomat und ÖVP-Politiker Ludwig Steiner, angesichts dessen jetzt öffentlich gewordenen Waldheim-Engagements. Oliver Rathkolb, Vorstand des Instituts für Zeitgeschichte an der Universität Wien, sagt zum Stellenwert des nun aufgetauchten Dokuments: Die Geschichte holt die ÖVP ein. Diese Aufzeichnung über Grubers Rolle dreht die Debatte um den Umgang mit Waldheims SA-Vergangenheit.
Inhaltlich sind die Sätze Wildners zur Causa Waldheim am 1. Februar 1946 vielsagend. Beim Gericht, durch welches das Außenamt von Waldheims SA-Angehörigkeit erfuhr, handelt sich um eine Sonderkommission, die gegen Waldheim ein Entnazifizierungsverfahren eingeleitet hatte.
Exakt eine Woche davor hatte Waldheim sich vor dieser Sonderkommission höchst gewunden geäußert. Im so genannten Tagebuch des Verfahrens mit der Aktenzahl Sk 235 ist vermerkt: Rechtfertigung 23.1.46;
SA-Reiterstandarte vom 18.11.38 bis Sommer 39. Nur sportliche Bestätigung (sic). Waldheim sollte später dazu seine berühmte Ausrede formulieren, er habe nur an Ausritten teilgenommen.
Nach den anfangs scharfen Entnazifizierungsbestimmungen hätte die offiziell festgestellte SA-Zugehörigkeit für die Karriere des ehrgeizigen Waldheim jedoch das vorläufige Aus bedeutet. Dieter Stiefel, Autor des Standardwerks Entnazifizierung in Österreich: Damit hätte er 1946 nicht ins Außenministerium aufgenommen werden können.
Die nunmehr bekannt gewordene Passage Gruber will ihn retten dokumentiert, warum sein Entnazifizierungsverfahren nicht durch einen Spruch der Sonderkommission beendet, sondern durch das Außenamt applaniert wurde. Der letzte Eintrag in diesem Akt stammt vom 29. Juni 1946 und lautet: Bescheid des BM für auswärtige Angelegenheiten Zo. 115-129-Pers/46, wonach der zu Beurteilende Dr. Waldheim ab 1.6.1946 in den Außendienst übernommen wird. Antrag zurückgezogen, Pers.-Akt an Präsidium zurück.
Der Historiker Michael Gehler, der sich eingehend mit dem Politiker Karl Gruber beschäftigt hat, zweifelt nicht an der Richtigkeit der Aufzeichnung Heinrich Wildners: Gruber hat sehr viele Persilscheine ausgestellt und belastete Leute sicher aber keine Kriegsverbrecher protegiert. Nicht aus Affinität zum Nationalsozialismus, sondern aus berechnender Pragmatik. Er hat Leute gebraucht, die er sich dienstbar machen konnte. Und Waldheim sei servil und devot wie kaum ein anderer gewesen.
Im Juli 1946 notierte Wildner: Figl ist wieder auf Gruber wütend, behauptet, dass seine Gewährsmänner, Amerikaner, meinten, Gruber sei an dem Gerede von der Abtretung des östlichen Österreich schuld. In seinem Furor habe der ÖVP-Bundeskanzler auch erzählt, Gruber bekomme von den Amerikanern 12.000 S im Monat Unterstützung. Der Generalsekretär: Das wird immer schöner, was man sich da zu erzählen erlaubt. Ludwig Steiner, ab 1948 Grubers persönlicher Referent, verweist Figls Anschwärzung ins Reich der Intrige: Er hätte sich nie abhängig gemacht. Dass der betont amerikafreundliche Politiker im Sold der USA stehe, sei kommunistische Propaganda gewesen.
Wie eng Gruber mit den US-Behörden in Österreich kooperierte, dürfte sowohl seinem damaligen Bundeskanzler als auch dem hellhörigen Generalsekretär entgangen sein. Historiker Rathkolb hat in den amerikanischen Archiven regierungsinterne Akten gefunden, die Gruber geheim seinen amerikanischen Gesprächspartnern übergab. So schrieb er im Juli 1947 streng vertraulich an den politischen Berater des US-Hochkommissars in Österreich, er übermittle vorab den geheimen Entwurf einer wichtigen österreichischen Note an die Sowjetunion: Ich will die Note erst abgehen lassen, wenn sie zwischen Ihnen und mir diskutiert ist.
Figl schilderte peinlich berührt, der Außenminister zitiere zu suspekten Gesellschaftsabenden junge Mädchen, auch Angestellte des Kanzleramts (Wildner am 29. Mai 1946), dieser bestätigte lockeres Beisammensein nonchalant in seinen Erinnerungsbüchern. In Grubers Worten gab es für Militärs, Diplomaten und Regierung ordentlich zu essen und trinken, und es sei auch nicht vergessen worden, unsere hübschen Wienerinnen einzuladen. Zur Waldheim-Causa merkte Gruber salopp an: Wenn einmal die Aktendeckel abgehoben sind, werden freilich so manche die Augen aufreißen, was sich alles um diese ,Affäre gerankt hat. Die Aktendeckel der Wildner-Aufzeichnungen wurden laut Archivar Roman Eccher vom Staatsarchiv auf Initiative der Dokumentationsabteilung des Außenministeriums geöffnet. Im Vorjahr gab das Außenamt das Tagebuch 1945 heraus. Derzeit wird 1946 vorbereitet. Im Handel sind die bemerkenswerten Bände freilich nicht. Sie werden nur an Bibliotheken verteilt.
26.11.2011 11:30
ewoewo, 04. 12. '11 01:47
...
ist es irgendwie falsch oder unmoralisch, wenn man persoenliche korruption mehr schaetzt als die errichtung eines diktatorischen regelbasierten systems, obzwar bei uns die kombination aus beidem derzeit vorherrscht...
kolovrat, 03. 12. '11 07:26
Und ein griechisches Mädchen
war Zeugin eines Massakers in ihrem Heimatdorf,bei dem Kurt Waldheim von einem Fenster aus nur zugeschaut hat.
3 Kinder überlebten versteckt.
Sie lebt heute in Wien als Rechtsanwältin.
Hat diese Geschichte vor einigen Jahren bei einem Heimat-Urlaub auf Zakynthos,die Zunge gelöst durch Wein, ausgeplaudert.
Ob da Schweigegeld geflossen ist?
Es gilt die Unschuldsvermutung!
aw70, 06. 12. '11 10:07
Re: Und ein griechisches Mädchen
Selbst wenn er bei dieser Sache dabei gewesen sein sollte: ein Oberleutnant ist normalerweise nicht weit oben genug in der militärischen Hierarchie, um so ein Massaker anzuordnen, oder auch nur zu leiten. Um ein Dorf im Partisanengebiet auszulöschen, ist die Wehrmacht meist mindestens in Kompaniestärke ausgerückt. Da waren zwangsläufig andere, ranghöhere Offiziere als Waldheim vor Ort, und haben angeschafft.
Stellen Sie sich das mal vor: sie sind dabei, sehen so ein Massaker aus nächster Nähe, sie haben auch die Uniform an, und wenn Sie etwas sagen... sind sie der nächste. Wehrkraftzersetzung, und so. Oder Befehlsverweigerung. Das war auch immer ein Klassiker. Mindestens hätte einem derlei ein Einweg-Ticket zur Strafkompanie an die Ostfront eingetragen.
aw70, 06. 12. '11 10:07
Re: Und ein griechisches Mädchen
Damit will ich nicht rechtfertigen, dass man da nichts tut, und einfach nur zuschaut. Es hat damals sehr wohl auch die Jägerstätters gegeben. Oder die Leute, die den 20. Juni 1944 organisiert haben. Oder Offiziere wie Wilm Hosenfeld. Das waren leider allzu wenige in einer millionenstarken Wehrmacht - und Waldheim war ganz offenbar keiner von ihnen. Er hatte offenbar nicht einmal den Mumm, später klar zu sagen, in was für einer Situation er damals war.
Nur: als jemand, der 25 Jahre nach dem Ende des Krieges im tiefsten Frieden geboren wurde, maße ich mir selber nicht an, über Leute hart zu urteilen, die so wie er damals durchgetaucht sind, um selber irgendwie zu überleben. Ich finde, man kann nur von sich selber hoffen, dass man es besser gemacht hätte.
aw70, 06. 12. '11 10:48
Re: Und ein griechisches Mädchen
Es hat natürlich auch echte Kriegsverbrecher gegeben - viel zu viele davon. Von denen auch noch genug gelebt haben, wie die "Affäre Waldheim" hochgekocht ist. Was mich an der ganzen Sache ärgert ist, wie da mit zweierlei Maß gemessen wurde: ein Dr. Gross konnte damals unter dem Schutz seiner Genossen weiter friedlich die Pension geniessen. Und ein Caspar Einem, der auf höchst verdienstvolle Weise die braunen Flecken des BSA aufarbeiten wollte, ist prompt in der politischen Versenkung entsorgt worden. Und keiner hat so genau nach der Vergangenheit von Friedrich Peter, der Kreisky 1970 immerhin als Mehrheitsbeschaffer gut genug war, gefragt.
aw70, 06. 12. '11 10:53
Re: Und ein griechisches Mädchen
Aber auf Waldheim losgehen, dazu hatten sie damals alle den Mut. Wohl auch deswegen, weil klar war, dass der farblose Diplomat, der sein Leben lang nie wirklich Rückgrat gezeigt hatte, sich nicht zu wehren imstande sein würde. Er hatte sich auch mit dem extrem dummen Ausblenden seiner Kriegsvergangenheit von Haus aus in eine Situation manövriert, aus der er praktisch nicht mehr heraus konnte, ohne sein Gesicht zu verlieren. Ein gefundenes Fressen eben, nicht zuletzt, weil es ihm scheinbar in der Nachkriegszeit kein Anliegen war, das im Krieg erlebte von sich aus aufzuarbeiten. Und z. B. zu versuchen, den Überlebenden von damals zerstören Dörfern irgendwie zu helfen. Wobei: in Österreich ging es nach dem Krieg auch ums nackte Überleben, da war sehr lange nichts für andere übrig.
onkelhans, 01. 12. '11 22:33
waldheim
kurt waldheim wurde übel mitgespielt,er hatte mit großer wahrscheinlichkeit nichts mit Deportationen am Balkan zu tun,war kein Nazi.
Wenn man aber die Szenerie in Wien/österreich nach dem Krieg näher betrachtet,stellts einem die Haare auf.
Da gingen die Folterknechte der Gestapo spazieren,die wenn verurteilt,alle 1955 frei gingen,auch wenn sie 20jahre bekommen hatten.
Teilweise wurden sie wieder in die Polizei aufgenommen.
Leute dieses Schlages konnten später auch in den Kinderheimen arbeiten.
Nicht zu vergessen wäre auch der Fall Heinrich Gross,das alles war so erbärmlich und widerlich.
Aber auf Waldheim herumhacken!!!!!
wunnderlich, 30. 11. '11 11:46
Die wöchentliche Ascheportion
muß immer dabei sein. Was sollten wir uns denn sonst oder den pösen anderen auf's Haupt streuen, um unserer Sünden zu gedenken?
Nur das läßt uns unverbrüchlich auf Seiten Israels stehen, right or wrong, my country. Das israelische Außenministerium läßt danken.
Dobratsch, 01. 12. '11 14:44
Re: Die wöchentliche Ascheportion
Ist Ihre Lieblingsfrabe braun?
wunnderlich, 01. 12. '11 21:32
Re: Die wöchentliche Ascheportion
Mein Liebligsrabe ist schwarz
kolovrat, 04. 12. '11 04:12
Re: Die wöchentliche Ascheportion
Mister Dobratsch!
Es gibt auch schwarze christliche Antisemiten, linke rote Antikapitalisten und auch grüne Bio-Bauern(z.B. Thule-Ordens-Mitglieder auf der Saualpe) sind im Herzen oft braun.
Der irrationale Judenhass zieht sich durch alle Parteien.
kolovrat, 04. 12. '11 04:20
Re: Die wöchentliche Ascheportion
Zur Ergänzung:
Die vielen roten "Punch-Krapfalan" in Kärnten/Koroska dürften Ihnen ja bekannt sein,Mister Dobratsch oder doch?
Der Übertritt z.B. von der SA in den BSA und von der HJ und NAPOLA in die SPÖ war hier gleitend.
aw70, 28. 11. '11 20:02
Waldheim, mal wieder...
Besondere Offenheit über seine persönliche Vergangenheit, oder gewinnendes Auftreten, waren nicht eben die Stärken von Kurt Waldheim. Besonders viel bewegt hat er als Politiker und Diplomat eigentlich auch nicht.
Nur: die Obsession des Mediums Profil mit seiner Vergangenheit ist eigentlich schon krankhaft. DER MANN WAR KEIN NAZI, UND KEIN KRIEGSVERBRECHER! Er war ein Opportunist und Mitläufer, dem man jetzt seine kurzfristige SA-Mitgliedschaft vorhält. Nicht, dass die so wunderbar wäre, im Gegenteil. Purer Opportunismus, eben - das passierte in seiner Karriere später auch weiter. Aber wenn wir anfangen, derlei jedem vorzuwerfen, der in der NS-Zeit am Rande mitgetan hat... dann kann man die halbe Kriegsgeneration (rot wie schwarz, und blau sowieso) postum an die Wand stellen. Leider.
aw70, 28. 11. '11 20:02
Re: Waldheim, mal wieder...
Wie komme ich darauf, dass er kein engagierter Nazi war? Man sehe sich seine militärische Laufbahn an. 1938 mit dem Dienstgrad Oberleutnant, der er noch im Bundesheer erlangt hat, zwangsweise in die Wehrmacht übernommen. 1945, nach fast 6 Jahren Krieg, mit Millionen Gefallenen in der Wehrmacht, ist er immer noch Oberleutnant. Nie befördert, nach damaligen Maßstäben praktisch nicht ausgezeichnet.
Und DAS soll ein aktiv tätiger Kriegsverbrecher und Nazi gewesen sein? Geht es euch noch gut? Jeder halbwegs aktive Offizier hat in der Zeit Ränge übersprungen, der Personalmangel war wegen der vielen Gefallenen enorm. Wer sich bei Kriegsverbrechen im Sinne der Rassenlehre "engagiert" hat, war oft noch viel flotter auf der Karriereleiter. Und Waldheim? Ist all die Jahre Oberleutnant geblieben.
aw70, 28. 11. '11 20:03
Re: Waldheim, mal wieder...
GEWUSST hat er, wie so viele andere, praktisch sicher von Kriegsverbrechen. Bloss: dagegen tun hätte er nichts können, ausser sich selber an die Wand stellen lassen. Oberleutnant ist eine kleine Nummer in einer Armee. Und die Wehrmacht war kein Verein, aus dem man austreten konnte, nur weil man grausliche Dinge mitbekommt. Das wollten damals viele, gekonnt hat keiner.
Er ist mit seiner Vergangenheit dumm umgegangen, und die mediale "Aufarbeitung" dieser Zeit, die während der "Waldheim-Affäre" erfolgt ist, war an destruktiver Blödheit kaum zu überbieten. Anstatt dass man die damals noch vorhandenen echten alten Nazis endlich vor den Kadi bringt (Dr. Gross hätte damals z.B. noch gelebt, und war prozessfähig!), hat man demonstrativ eine Null wie Waldheim aufs mediale Schafott gezerrt.
aw70, 28. 11. '11 20:07
Re: Waldheim, mal wieder...
Das alles wurde damals wohl auch in der Form getan, um von den diversen echten braunen Flecken im Land abzulenken, die es damals noch reichlich gab. Und wurde vor allem seitens der SPÖ betrieben, um sich für den Verlust der SPÖ-Präsidentschaft zu rächen. Noch dazu hatte die SPÖ wohl das Bedürfnis, auch der ÖVP ihre (durchaus auch vorhandenen) braunen Flecken in Erinnerung zu rufen, damit sie mit ihrer teilweise widerlichen Vergangenheit nicht alleine da steht.
Waldheim war halt ein ziemlich schlechtes Opfer, um das zu tun. Wieso wärmt ihr das also jetzt wieder auf? Das ist doch Unfug - lasst das ruhen, und fangt mal was neues an!
kirkfrank1, 27. 11. '11 20:50
Kurt Waldheim
Ich finde diese Art der Berichterstattung sensationsgeil und geschmacklos und was auch immer. Kurt Waldheim ist seit einigen Jahren tot und wenn bitte schön soll es noch interessieren ob der Mitglied bei der SA war ? Das ist bitte nichts Neues und ist ja im Zuge der Watch List Affäre äh aufgetaucht. Kriegsverbrechen konnte man ihm leider nicht an den Kittel flicken da es keine gab. Also bitte kann man nicht mal die Toten ruhen lassen ?
123Julia, 28. 11. '11 15:05
Re: Kurt Waldheim
wenn es um die NS-Zeit geht, sollen die Toten nicht ruhen. Es wird ohenhin bald soweit sein, dass es keine Zeitzeugen mehr geben wird.
HSpieler, 27. 11. '11 13:09
Immer wieder interessant
zu lesen wie in der österreichischen Politik gelogen wird, damals wie heute.
auer47, 27. 11. '11 11:11
Leichenschänder
Lasst doch endlich die Toten in Ruhe. Was soll dieses Waldheimgejeier. Er hat Fehler gemacht, er war kein Verbrecher, er wurde klar zum Bundespräsidenten gewählt, er wurde in seinem Amt nicht glücklich. Er war zeitlebens gestraft genug, jetzt ist er tot. Wem soll der SDcheiß aus den Archiven nützen? Lasst ihn endlich in Frieden ruhen.
bpallmann@hotmail.com, 27. 11. '11 05:22
Die Historie, das Studium "Historiker" - Tatsachen und Wahrheiten...
..hinter einzelnen Begebenheiten der Natur- und Weltgeschichte sind niemals nur in sich abgeschlossene und damit Vergangenenheits- Geschichten. Die Zeitgeschichte ist ein Kontinuum und unsterblich. Nur wir sind es. Doch unsere Verantwortung, Geschichte immer wieder aufzuarbeiten, sie gar als Historiker/Medienleute und Eltern den nachesten Generationen zu vermitteln - das ist jene "Verantwortung" die wir alle haben. Weil sie die Zukunft mitgestaltet. Sie hat die Zukunft Kurt Waldheims ebenso gepraegt, wie gerade jetzt die Rueckschau in die 70er Jahre beim RAF/Verena Becker-Prozess in Deutschland (s. unter zdf/3sat "Buback bloggt"). Beides reicht weit hinaus ueber das Jetzt. "Alexander Zouras Medienpreis" Bernhard Pallmann, Sprecher
wiesengruen, 26. 11. '11 13:32
immer zu spät
irgendwann werden auch die
Aktendeckel
über die Hintergründe und die Zusammenarbeit
mit der Neowehrmacht nato aufgehen.
Aber dann ist alles wieder nur Geschichte
und keiner trägt Verantwortung
argumenterl, 26. 11. '11 11:52
Gestern - Heute - Morgen
HiHiHiHi
Bedenkt man die heutigen Vorgänge rund um Kloibi, den feschen Markus u.v.a.m. die zur Zeit supersauber herumlaufen und allesamt der ÖVP Angehörig sind
dann sieht man wie ewig gestrig doch die Abläufe
innerhalb dieser Korrumpelpartie sind ;)
q.e.d.
Ö sterreichische
V ertuscher
P artie
lg