Herbert Lackner
Die guten Deutschen

Deutschland als europäische Führungsmacht – kein Grund zur Angst.

Rückblende in den November 1989: Kein anderes Thema beherrschte nach dem Fall der Mauer die Diskussionen in den politischen Zirkeln und in den Redaktionen so sehr wie die mögliche deutsche Wiedervereinigung. Kaum jemand zweifelte daran, dass sie kommen werde, aber fast alle sahen ihr mit Sorge entgegen: Hier entstand zum dritten Mal ein großes Deutschland – und wie die ersten zwei geendet hatten, das wilhelminische und das nationalsozialistische, das weiß man.

Die Wiedervereinigung kam rascher als erwartet. Auch die europäischen Partner, allen voran Frankreich, fürchteten ein starkes Deutschland und wollten wenigstens der möglichen Dominanz der D-Mark einen Riegel vorschieben. Das war die Geburtsstunde des Euro.

Es wurde eine Weile still um Deutschland, der Aufbau im heruntergekommenen Osten war mühsam, die Kosten drückten den Lebensstandard. Erstmals lag man im Wirtschaftsranking hinter Österreich. Die Deutschen nahmen die Mühen des Zusammenwachsens ohne lautes Klagen auf sich. Der soziale Friede blieb gewahrt, das Gros der Wählerschaft versammelte sich in der politischen Mitte.

Im Osten des Landes gab es Probleme mit Neonazis, die selbst vor Morden nicht zurückschreckten, aber die radikale Rechte war in der Bevölkerung nie verankert. Bei den Bundestagswahlen 2009 kam die NDP auf 1,5 Prozent. Eine rechtspopulistische Partei vom Zuschnitt der FPÖ konnte in Deutschland nie Fuß fassen. Die Deutschen haben ihre Lektion aus der Vergangenheit gelernt.

Es ist daher ärgerlicher Unsinn, wenn Angela Merkel in griechischen und polnischen Zeitungen mit Hitler-Bärtchen dargestellt wird.

Die Prognosen aus jenem Spätherbst 1989, dass aus dem eben wieder entstehenden großen Deutschland eine europäische Führungsmacht werden könnte, haben sich bestätigt. An einem Land mit 82 Millionen Einwohnern und der größten Wirtschaftskraft des Kontinents kommt in Europa niemand vorbei. In Krisenzeiten gilt das umso mehr: Deutschland zahlt schließlich auch den größten Teil der Rechnungen, die Länder wie Griechenland und Italien hinterlassen.

Dass Angela Merkel die ihr damit zufallende Führungsrolle grottenschlecht wahrnehme, meint kurioserweise vor allem die deutsche Presse, insbesondere das deutsche Feuilleton. „Der hässliche Deutsche ist zurück. Die EU-Partner sind zu Recht empört. Etwas mehr Demut, Frau Merkel!“, hieß es vergangenen Donnerstag in einem Online-Kommentar des „Spiegel“. Am selben Donnerstag setzte Angela Merkel beim EU-Gipfel in Brüssel eine Schuldenbremse mit Sanktionsautomatik durch, brachte eine unerlässliche Vertragsänderung auf den Weg und verzichtete auf billige Tricks, die ihr die EU-Bürokratie angeraten hatte. Merkel hatte am Ende des Gipfels alle 17 Euro- und neun der zehn Nicht-Euro-Länder hinter sich. Bloß Großbritannien blieb draußen, das ohnehin schon lange eher wie ein Bundesstaat der USA denn als Teil Europas agiert. Europa kann es einigermaßen egal sein: Die Briten hatten zuerst auch gegen den Maastricht-Vertrag gestimmt, dennoch stehen bei Kufstein, Kittsee, Arnoldstein und Klingenbach heute keine Grenzhäuschen mehr.

Ein guter Teil der an Merkel in den vergangenen Monaten immer wieder geäußerten Kritik ist doppelbödig: Sie habe vor zwei Jahren zu zögerlich auf die sich abzeichnende Griechenland-Krise reagiert, weil gerade Wahlen in einigen deutschen Bundesländern angestanden seien, heißt es etwa. Aber hat sich damals ein anderer der 27 EU-Regierungschefs vorgedrängt, um Griechenland zu Hilfe zu eilen? Als Merkel im vergangenen Oktober einem weiteren Rettungsschirm erst nach einem entsprechenden Beschluss des deutschen Bundestags zustimmen wollte, wurde diese Verzögerung von wenigen Tagen ausgerechnet von jenen kritisiert, die stets mehr Demokratie in der EU fordern. Und dass die Beteiligung privater Gläubiger an der Griechenland-Sanierung vielleicht „die Märkte“ verunsichert hat, mag schon sein – aber nicht nur Angela Merkel will nicht verstehen, warum Auslandsabenteuer von Banken immer nur staatlich garantierte Win-Win-Geschäfte sein dürfen. Merkel hat in enger Kooperation mit Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy einen verbindlichen Sparplan durchgesetzt, der dazu führen muss, dass kein Land mehr in jene Todeszone gerät, in der die Anleihezinsen jenseits der 7-Prozent-Marke liegen. Aus ihr gibt es, wie das Beispiel Griechenland zeigt, ohne fremde Hilfe kein Entkommen.

Das Vorhaben kann nur gelingen, wenn dem ersten nun ein zweiter großer Plan folgt: nämlich solche Sparpakete zu schnüren, die nicht das Wachstum abwürgen und die Staaten wegen der sinkenden Steuereinnahmen und der steigenden Sozialkosten erst recht wieder in die Schuldenfalle stürzen. Das ist eine Aufgabe, die sich nun den nationalen Regierungen stellt. Sie wird schwieriger zu lösen sein als alles, was am vorwöchigen EU-Gipfel in Brüssel anstand. Nach Merkel und Sarkozy sind – jedenfalls in Österreich – Faymann und Spindelegger am Zug.


herbert.lackner@profil.at

12.12.2011 10:27
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derpradler, 11. 01. '12 10:55
man könnte
das auch fast als Wiederbetätigung auffassen. Nie wieder Deutschland, das haben wir in der Schule gelernt! Deutschland als Führungsmacht heißt Krieg! Das sollten Sie aus der Geschichte ersehen!!
bpallmann@hotmail.com, 11. 12. '11 17:33
Wir gehen raus aus diesem blog, sorry "profil"
Alexander Zouras Medienpreis Speakter John Woodroff
bosposrus, 11. 12. '11 18:48
Re: Wir gehen raus aus diesem blog, sorry
Good idea!
Congratulations!
Thetin, 12. 12. '11 15:12
Re: Wir gehen raus aus diesem blog, sorry
@bosporus: Wiederum ganz Ihrer Meinung!
bpallmann@hotmail.com, 11. 12. '11 04:40
Europa und die Bayern...
...sind offenbar in der Einschaetzung eines erfahrenen Oesterreichers anders aufgestellt - als die Deutsche Bundeskanzlerin mit Partner "Zwerg-CSU". Dass "bosborus" in Oesterreich einen "ueblichen Deutschenhass" feststellte, muss am falschen Umgang liegen - oder ihm. Interessant ist auch der Hinweis auf "1918", als muesse man wieder mal auf die "Schmach von Versailles" hinweisen. Gut, Merkel kaempft fuer Europa, doch im Land tobt gerade der "Neonazi-Streit" und die Sache mit den "Todesengeln der CSU", die Morde in Auftrag geben. Auch bei "buback bloggt zfd/3sat" sieht man, was Deutschland wirklich beschaeftigt. Dass man in der EU Sparen muss, wer haette da etwas dagegen? Ob mit kleinem oder "Grossen Plan", ganz wurscht. Tun muss man es!!! "Alexander Zouras Medienpreis"-Sprecher B. Pallmann
bosposrus, 11. 12. '11 11:38
Europa und die Bayern...
Gott mit dir du Land der Bayern.

In Österreich gab es keine Schmach von Versailles.

Wir hatten den Friedensvertrag in St. Germain unterschrieben.

Man wollte nicht Österreich mit Deutschland verwechseln,

was Sie lieber B. Pallmann pausenlos tun.

Seit 1180 gehörten Österreich und die Steiermark

auch n.i.c.h.t. mehr zu Bayern.

Zugegeben ich mag die Bayern nicht sehr gerne,

weil sie meinen, dass sie die besseren Deutschen sind.

Beim Fussball mag das stimmen:

Was ich nicht im Kopf habe, muss ich in den Beinen haben.

Mit wem ich Umgang habe, mag er noch so falsch sein,

müssen Sie lieber bpallmann wohl oder übel mir überlassen.

Gott mit dir du Land der Bayern!

"Denn sie wissen nicht, was sie glauben" von F. Buggle

Schon gelesen???

Mir scheint Sie schreiben nur.
bosposrus, 11. 12. '11 11:57
ihr Frauenbild ist unglaublich negativ lieber bpallmann
Wenn ich Sie wäre, würde ich mir meine Beziehung zu meiner Mutter einmal genauer anschauen. Das kann zu völlig neuen Erkenntnissen führen.

Bin gleich in Schockstarre verfallen, als ich die Antwort unten mit "KZlerinnen und Verbrecherinnen" gelesen habe.

Was mich wundert ist, dass 95 % der Gefängnisinsassen Männer sind!
Wahrscheinlich sind alle Richterinnen Frauen?!?
bpallmann@hotmail.com, 11. 12. '11 14:24
Re: Europa und die Bayern...
Lieber "bosborus", meine Bayernymne kenn ich. "profil" war schon 09 Gewinner vom "Alexander Zouras Medienpreis". Was Sie sonst noch von sich geben icl. meinem Mutterbild: fragen Sie meine Frau Janete, eine Brasilianerin mit 2 Buben aus ihrer frueheren Ehe! Lesen tun sie auch nicht viel: Bayern/Deutschland flog bei "Olympia 2018" wegen der "CSU Todesengel" schon raus, nun droht wegen der CSU-Neonazi-IMs Morde der "Bayr.Staatsregierung"+anderswo in D gar "Sperre" bei der Fussball WM und "ihr seid nicht erwuenscht" bei "Olympia 2016 Brasil". Der "DFB" wuergt schon am "Dementieren". Also D I E Chance fuer Austria-Kicker und Athleten den "Piefkes" was vorzumachen. Und Sie, bosborus, geben uns laufend Vorlagen fuer Was? "Alexander Zouras Medienpreis"-Sprecher Bernhard Pallmann, thanks for klicks
bosposrus, 11. 12. '11 14:53
die meerenge schreibt man mit "p" in der mitte: b.o.s.p.o.r.u.s. . . .
....ich dagegen bin bosposrus....

....und ich gebe auch nicht an, einen medienpreis bekommen zu haben...

....werde mich hüten ihre frau zu belästigen,
für meine analyse reichen ihre kommentare....
bpallmann@hotmail.com, 11. 12. '11 17:30
Re: Europa und die Deutschen...
..um zum Thema zurueckzukommen, anonymus prspropubs, sind Deutsche "am sich gegenseitig die Schuld an allem, auch den CSUIM-Neonazi-Morden" geben. Ne Sueddeutsche Zeitung:"Seehofer watscht Guttenberg ab", der G. tritt als come-backer angeblich am Monag ausgerechnet bei Nellie Kroees/EU-Kommission gegen Korruprion+"OK" (Organis. Kriminalitaet) auf", wovon niemand weiss, CSU, der er ja angehoert, sowieso nicht - nicht mal Dr. Kanzlerin. Wir raten als normale Deutsche, den "Fuehrungsstab der CSU Todesengel" gleich incl. "Gutti" vors EU-Tribunal fuer Kriegsverbrecher zu stellen, dort sind die Banditen laengst alle angezeigt. Herrn "bosposrus" wunsche wir eine weitere Schockstarre, dann stoert er unsere demokratischen Kreise nicht. "Alexander Zouras Medienpreis"-Sprecher Bernhard Pallmann
bosposrus, 11. 12. '11 03:39
toller artikel, wie immer sehr klar und weitsichtig ist H.L.s blick auf europa
Bin immer froh, wenn es einen Artikel von Ihnen gibt, Herr Lackner, weil sie mit Objektivität Ihre subjektive Meinung gut verständlich für alle erklären können.

Angenehm finde ich Ihre Freundlichkeit und Offenheit Deutschland und Europa gegenüber. Der in Österreich sonst übliche Deutschenhass hat wahrscheinlich mit dem Gefühl des Zukurzgekommensein zu tun nach 1918, das man bis heute nicht überwunden hat. Kaiser Franz Josef I. hat den Ersten Weltkrieg begonnen mit 84 Jahren, als er den Krieg an Serbien erklärte und meinte, Serbien ist in drei Wochen bis zu Kaisers Geburtstag, besiegt. Hatte er keine Ahnung vom Bündnis Serbiens mit Russland und vom Bündnis Russlands mit England? Bis 29 Länder im Krieg waren, da stand die heutige EU in Flammen. Oh du mein Österreich - schau auf dich selbst!
felk, 10. 12. '11 23:38
es ist ärgerlicher Unsinn...
... wenn Hitler stets versatzstückhaft immer nur mit rechter Ideologie gleichgesetzt wird. dafür steht er für vielerlei andere Dinge auch, wie etwa für die Besetzung Griechenlands, das sich erst rund hundert Jahre zuvor von den Türken befreien konnte. und wenn Frau Merkel - ohne Kenntnis der griechischen Befindlichkeiten (wann war sie übrigens zum letzten Mal auf Besuch?) den Griechen vorschreibt, was diese zu denken, fühlen, zu tun und wie sie die Welt zu sehen hätten (nämlich "doitsch"), kommt sie aus griechischer Perspektive einem Herrn Schickelgruber näher als man es aus österreichischer Perspektive glauben mag.
bosposrus, 11. 12. '11 03:19
Re: es ist ärgerlicher Unsinn...
Dieser kommentar ist ärgerlicher Unsinn

Klar hätte Griechenland ERP Kredite bekommen sollen wie Österreich und Deutschland: die Frage ist, wohin dieses Geld versickert wäre.

Wer jahrelang die falschen Zahlen nach Brüssel meldet, verliert seine Glaubwürdigkeit.

So ist das Leben. Und die deutsche gebildete ziemlich stabile Angela Merkel mit dem psychotischen Österreicher Hitler zu vergleichen ist eine Chupzke sondergleichen.

Sie wurde gewählt weil Deutschland eine Krise hatte und weil Frauen die besseren Krisenmanager sind. Weil Frauen Konflikte gewaltfrei mit Geduld, Hirn und Worten lösen können. Angela Merkel ist immer noch im Amt, weil die Krise inzwischen ganz Europa erfasst hat. Und sie ist die einzige, die was tut, der man/frau die richtigen schritte zutraut.
bpallmann@hotmail.com, 11. 12. '11 10:11
Re: es ist ärgerlicher Unsinn...
..."bosborus" schreibt: "Sie (Merkel) wurde gewählt weil Deutschland eine Krise hatte ... Frauen die besseren Krisenmanager ... Weil Frauen Konflikte gewaltfrei mit Geduld, Hirn und Worten lösen können. ... Merkel ist immer noch im Amt, weil die Krise inzwischen ganz Europa erfasst hat. Und sie ist die einzige, die was tut, der man/frau die richtigen schritte zutraut."

Upps?

Es mag ja sein, das Frauen...aber sie sind auch die "besseren" KZ-lerinnen und Verbrecher-Netzwerker, Krokodilstraenen-Produzierer und "huch, ich werde gestalked-Quietscher". Merkel kennt alles und noch mehr, was auf "buback blogt zdf/3sat" steht und/oder "Alexander Zouras Medienpreis" im Internet. Wers durchliest, der weiss, wie Finanzen/"Todesengel CSU"/Neonazis und "EU-Merkel" zusammenhaengen.Pallmann
felk, 12. 12. '11 11:39
Re: es ist ärgerlicher Unsinn...
die Entscheidung, GR in den Euro aufzunehmen, war damals, zu Schröders (SPD!) Zeiten, eine politische.

also soll sich die Politik auch um eine Lösung kümmern, denn dass die Zahlen nicht stimmten, wusste man schon seit immer, nur meinte man "die 3%" würde man schon irgendwie "schupfen".
tja.

aber das Thema war Merkel mit Hitlerbärtchen:
man möchte es nicht glauben, aber auch in Griechenland gibt's ein breites politisches Spektrum. für die Kommunisten im Lande (sehr "laut" und protestfreudig) war auch die Politik des Sozialisten Papandreou "rechts".
ärgerlich ist, wenn eine Situation stets anhand der "eye-catcher" und nicht aufgrund des Gesamtbilds beurteilt wird.

Chuzpe ist es aber keine, sondern Meinungsfreiheit, denn für manche politische Gruppierungen kommt Merkel in GR genau SO an.
Thetin, 12. 12. '11 15:08
Re: es ist ärgerlicher Unsinn...
@bosporus: Bravo! Ganz Ihrer Meinung!
@pballmann: Hören'S doch bitte auf mit diesem frauenfeindlichen Schwachsinn!
felk, 12. 12. '11 16:28
Nachtrag: es ist ärgerlicher Unsinn...
der "Stinkefinger" auf dem Titelblatt von Focus 08/10 hat in Athen auch niemanden zu Begeisterungsstürmen hingerissen.

http://www.focus.de/magazin/archiv/jahrgang_2010/ausgabe_8/

die grch. Bevölkerung war im Gegenteil entsetzt, dass sie in Europa so gesehen wird und machte dafür ihre Politiker verantwortlich.
aber natürlich kann man einwenden, dass wir alle jeweils die Regierung haben, die wir verdienen.