Fehlpässe

  • VIP-Pässe für österreichische Journalisten

„Absurdistan“, „Schlawiner-Republik“, „dreist“, „Missbrauch“, „Schindluder“: Die Kommentatoren von „Kurier“, „Standard“, „Wiener Zeitung“ und „Krone“ griffen lustvoll in die Tasten, als es darum ging, die Ausgabe von Diplomatenpässen an Ex-Politiker und andere Gestalten aus dem Dunstkreis der Macht zu geißeln.

Jetzt stellt sich heraus: Auch Journalisten dieser Zeitungen sowie von ORF und ATV befinden sich im Besitz von exklusiven Reisedokumenten. Das ergibt sich aus einer profil vorliegenden, rund 40 Personen umfassenden Liste mit Namen von Medienvertretern, die sich so genannte Dienstpässe verschafft haben.

„Im Namen der Republik Österreich werden alle inländischen und ausländischen Behörden ersucht, (Name des Passinhabers) frei und ungehindert passieren und ihm nötigenfalls allen Schutz und Beistand angedeihen zu lassen“: So heißt es in dem Dokument mit dem blauen Umschlag, das Journalisten einen quasiamtlichen Status verleiht. Ausgegeben werden kann es unter anderem von jedem Bundesminister – durch „Gebotheitserklärungen“ sogar über die etwas vage formulierte Rechtsgrundlage hinaus, nach der die Inhaber von Dienstpässen „zur Besorgung von Angelegenheiten des Bundes, der Länder oder sonstiger öffentlich-rechtlicher Körperschaften“ unterwegs sein müssen.

Die Vorteile, die ein Dienstpass bietet, sind von Land zu Land verschieden. In manchen Staaten (etwa in der Türkei) spart man sich damit Visagebühren, in anderen (wie den Emiraten) das lästige Anstellen am Einreiseschalter, in einigen (wie den USA) nutzt er gar nichts. Die betroffenen Medien verteidigen die Praxis: Alexandra Föderl-Schmid („Standard“) und Helmut Brandstätter („Kurier“) sprechen sich etwa für die Verwendung von Dienstpässen aus, solange sie auf berufliche Zwecke beschränkt ist.

Anzahl pro Medium:

Der Standard: 6
Kurier: 5
Wiener Zeitung: 4
Krone: 1
ATV: 1
ORF: 18

(Red)

21.1.2012 15:03
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ewoewo, 31. 01. '12 17:15
...
ich mag das profil wieder, es scheint den zahn der zeit getroffen zu haben... bitte mehr solche skandale lechzzzz
smid00, 21. 01. '12 17:39
Zuerst recherchieren, denken, dann motzen.
Es gibt einen Unterschied zw Diplomatenpässen und Dienstpässen, es gibt übrigens auch für Wirtschaftstreibende, http://portal.wko.at/wk/​startseite_dst.wk?dstid=562
In den meisten Fällen wird dieser Pass genauer beäugt als der normale. In manchen Ländern bzw. Situationen kann er hilfreich sein, ist allerdings nicht mit irgendwelchen Privilegien verbunden. Er bestätigt, dass man einer bestimmten Institution angehört und im dienstlichen Auftrag unterwegs ist. Und man steht selbstverständlich wie alle anderen in der 'normalen' Schlange beim security check am Flughafen, etc. fast lanes sind Reisenden mit Business class ticket vorbehalten. Warum man immer sofort alles in einen Topf wirft und immer alles mit Privilegien in Verbindung
koalkoal, 21. 01. '12 18:54
Re: Zuerst recherchieren, denken, dann motzen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Privileg
„zur Besorgung von Angelegenheiten des Bundes, der Länder oder sonstiger öffentlich-rechtlicher Körperschaften“
Stellt sich halt die Frage, wie das für Journalisten gelten kann.
nra4ever, 23. 01. '12 09:12
Re: Zuerst recherchieren, denken, dann motzen.
- sollte auch unser Koal!
Öffentlich-rechliches gibt's sehr viel in Österr. Solche Angelegenheiten zu besorgen, ist oft mühsam genug. Der einzige echte Unterschied zwischen Dienst- und Normalpass ist, dass man !!ACHTUNG-PRIVILEG!! dafür nicht privat bezahlen muss (außer für's Passbild), weil man den Pass ja für die Arbeit bekommt. Dass emand weniger lang auf die öde "Security" hat warten müssen, ist schon möglich, die Regel ist es nicht (und nirgens).
Schlimmer ist, dass man für jede Fahrt über Villach hinaus überhaupt einen Pass braucht! Soll das der Witz von der EU und Schengen gewesen sein?
wpkatz, 23. 01. '12 10:28
Re: Zuerst recherchieren, denken, dann motzen.
An einsameren Grenzübergängen war der Dienstpass eher Anlass für gesteigerte Neugier gelangweilter Grenzorgane, also nicht wirklich ein "Privileg".

Die Reise durch Schengenland ist mit einem Personalausweis , also ohne Pass, durchaus möglich.
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