Das Kettensägen-Moussaka

Im Fall Griechenland gilt jede Steuererhöhung als prima Idee und jede Sozialleistung als kürzenswert. Die Rezession blüht, die Armut greift um sich, die Schulden steigen ­weiter. Alles bestens also, konstatieren Gunther Müller und Robert Treichler.

Wenn die Arbeitslosigkeit den Rekordwert von 19,2 Prozent erreicht hat; wenn staatliche Spitäler Operationssäle sperren, weil sie kein neues Personal einstellen dürfen; wenn die Selbstmordrate sprunghaft ansteigt; wenn das Bildungsministerium Lebensmittelgutscheine an Schüler verteilen muss, weil immer mehr Kinder und Jugend­liche an Mangelernährung leiden; und wenn gleichzeitig die nationale Wirtschaft im internationalen Ranking der Wettbewerbsfähigkeit um sieben Plätze auf den 90. Rang abgestürzt ist: Dann ist eigentlich alles so weit okay.

So funktioniert die Griechenland-Hilfe. Die griechische Bevölkerung hat dabei einen bedeutenden Part zu spielen, und sie erfüllt ihn ohne Tadel: Sie muss der Armut anheimfallen, und zwar möglichst anschaulich. Das übrige Europa verfolgt mit wohligem Grusel die Meldungen von Not und Elend und von Eltern, die ihre Kinder aussetzen, weil sie sich außerstande sehen, die Kleinen ordentlich zu versorgen.

Europa hat versprochen, es den Griechen zu zeigen, und hat damit nicht zu viel versprochen. Im Sinne der europäischen Solidarität ist das Aushungern der griechischen Bevölkerung durchaus sinnvoll, denn der europäische Steuerzahler soll davon überzeugt werden, ein Volk zu unterstützen, das pleitegegangen ist, weil es – so die gängige Diktion – über seine Verhältnisse gelebt hat. Dass sogar die Kältewelle vergangene Woche Athen erreicht hat, ist als Fall von höherer Gerechtigkeit zu begrüßen.

Im Übrigen verlassen sich die Retter des bankrotten Eurostaats auf Maßnahmen irdischer Weisheit – seltsamerweise allerdings vor allem auf solche, die überall sonst als wirtschaftspolitischer Voodoo verworfen würden, nämlich: radikales Sparen mitten in der Rezession; Erhöhung bestehender Massensteuern; Einführen neuer Belastungen; Lohnkürzungen.
Eine wirtschaftspolitische Richtung sucht man in diesem Programm vergeblich. Es ist nicht schlüssig neoliberal – dagegen sprechen die maßlosen Steuererhöhungen; es ist nicht sozialdemokratisch – die Steuern treffen die breite Masse; und es ist ganz bestimmt nicht keynesianisch – durch Stellen- und Gehaltsabbau wird der Wirtschaft das Geld ent­zogen. Das Austeritätsprogramm vereint vielmehr das Schlimmste aus allen Welten – nennen wir es doch Sado-Ökonomie.

Seltsamerweise regt sich nirgendwo außerhalb Griechenlands Widerstand, ganz egal, welche drakonischen Maßnahmen verordnet werden. Konservative Regierungen wie die schwarz-gelbe in Berlin haben in Athen plötzlich kein Problem mit Solidaritätsabgaben, Erhöhungen der Einkommensteuer oder einer neuen Immobiliensteuer. Sozialdemokraten wie Österreichs Kanzler Werner Faymann schreien nicht auf, wenn die Mehrwertsteuersätze schwungvoll angehoben und die Budgets für Soziales und Gesundheit mit der Kettensäge reformiert werden.
Wenn es Griechenland trifft, ist alles erlaubt, zumal die europäischen Staats- und Regierungschefs das Sparprogramm nicht selbst präsentieren müssen. Es ist nicht einmal klar, ob sie es im Detail absegnen. Ein gesichtsloses Triumvirat aus Abgesandten des Internationalen Währungsfonds (IWF), der EU-Kommission und der Europäischen Zentralbank (EZB) nutzt Stippvisiten in Athen, um darzulegen, was getan werden muss. Die Griechen demonstrieren deshalb notgedrungen mit Transparenten, auf denen „Troika raus“ steht, und ein solcher Slogan ist ziemlich abstrakt und geht letztlich ins Leere.

Unterstützt werden sie nun zumindest vom deutschen Wirtschaftsweisen Peter Bofinger. „Durch die Sparmaßnahmen wurde die Wirtschaft abgewürgt, das ließ die Defizite steigen, woraufhin die Troika noch schärfere Sparanstrengungen forderte“, kritisiert der Ökonom.
Würden europäische Regierungen die Sinnhaftigkeit dessen, was in Griechenland passiert, auch dann behaupten, wenn ihr eigenes Land betroffen wäre?

Zurzeit stöhnen viele EU-Mitgliedsländer – darunter Österreich – angesichts des selbst auferlegten Zwangs, eine „Schuldenbremse“ gesetzlich zu verankern und vor allem einzuhalten. Die Spar- und Belastungspakete, die zu diesem Zweck diskutiert werden, würden in Griechenland Jubelstürme auslösen, so harmlos sind sie im Vergleich. Gustav Horn vom deutschen Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung bezeichnete gegenüber dem Sender ARD das heiß umstrittene Reformvorhaben „Agenda 2010“ der früheren rot-grünen Regierung unter Kanzler Gerhard Schröder als „Micky-Maus-Programm gegen das, was in Griechenland gerade passiert“.

Auch in Österreich wäre ein Sparpaket griechischen Ausmaßes das Ende der Republik, wie wir sie kennen.

Im Gesundheitsbereich hat Griechenland binnen eines Jahres bereits 3,6 Milliarden Euro eingespart. Umgelegt auf Österreich – dessen Bruttoinlandsprodukt 1,6-mal so hoch ist wie das griechische –, entspräche das einer Reduktion von mehr als 5,7 Milliarden Euro. Das gesamte Sparvolumen, um das derzeit in Österreich gestritten wird, soll in den kommenden fünf Jahren etwa zehn Milliarden Euro betragen.
Die Ausgaben der Sozialversicherung in Griechenland werden jedes Jahr um mehr als eine Milliarde gekürzt, obwohl die Ansprüche aufgrund sozialer Notlagen laufend steigen.

Auch die Bildung wird nicht verschont. 1976 Schulen werden entweder geschlossen oder zusammengelegt, 2000 Stellen in diesem Bereich eingespart.

Die Liste der Belastungen ist lang, und dennoch lautet der ewig gleiche Satz am Ende jeder Aufzählung so: Griechenland hat seine Sparziele verfehlt. Das wird auch weiterhin so bleiben, und der Grund dafür ist ganz einfach: Als die Europäische Union den Griechen im Juni des vergangenen Jahres ein weiteres Sparpaket abverlangte, sollte dieses einen möglichst hohen Betrag versprechen, um weitere Hilfsgelder zu rechtfertigen. Also wurden neben 28 Milliarden Euro Einsparungen auch 50 Milliarden Euro an ­Privatisierungserlösen in den kommenden Jahren veranschlagt.
Wieder umgerechnet auf Österreich, wäre das ein Privatisierungsvolumen von 63 Milliarden Euro. Das würde konkret bedeuten, die Republik müsste sich von Besitz trennen, der den derzeitigen Marktwert aller Unternehmen, die den ATX-Index bilden, bei Weitem übersteigt.

Weil nun die hellenische Republik wenig überraschend kaum hochprofitable Konzerne in ihrem Portefeuille hält, um die sich die Investoren reißen würden, bleiben die Privatisierungserlöse auf bescheidenem Niveau. Das aber musste jeder wissen, der die griechischen Staatsbetriebe kennt. Der frühere Wirtschaftsminister Stefanos Manos etwa urteilte kurz nach Veröffentlichung des Plansolls in der ARD: „Das ist lächerlich. Sie wollen die Eisenbahngesellschaft verkaufen. Aber wer mit klarem Verstand soll das kaufen? Man müsste komplett verrückt sein, um das zu tun!“
Eine gewisse Verrücktheit begleitet den gesamten vermeintlichen Rettungsvorgang Griechenlands von Anfang an. Die bisherigen drei Sparpakete bescherten dem Land eine Rezession, die jedes Jahr schlimmer wurde – 2009 schrumpfte die Wirtschaft um 3,2 Prozent, im Jahr darauf waren es bereits 3,5 Prozent und im vergangenen Jahr 5,5 Prozent. Logische Folge: Die Schulden steigen weiter.

Noch ist die Troika nicht am Ende ihrer Weisheit angelangt. Als Nächstes soll der Mindestlohn in der Privatwirtschaft fallen, der in Griechenland bei 750 Euro liegt. Davon verspricht man sich eine Dynamisierung des Arbeitsmarkts. Allerdings sprechen sich selbst die Unternehmerverbände gegen eine solche Maßnahme aus, weil sie wissen, dass dadurch der private Konsum weiter zurückgehen würde.

Poul Thomsen, Delegationsleiter des IWF, forderte Athen vergangene Woche zu einer Beschleunigung der Strukturreformen auf. Er gab zu, dass bisher zu viel Gewicht auf neue Steuern gelegt worden sei. Das nächste Sparpaket sollte demnach besser die Löhne senken. Beides ist freilich längst geschehen. Munter wird an allen Schrauben weitergedreht.
Griechenland ist ein Feldversuch für Schizo-Wirtschaftsexperten geworden, wo ausgaben- und einnahmenseitig alle Ideen gleichzeitig ausprobiert werden dürfen. Sollten Armut und Defizit dennoch weiterhin steigen, steht einer weiteren Dosis an gesamteuropäischem Mitleid inklusive noch exaltierterer Sparvorschläge nichts im Wege. Und falls Griechenland am Ende kollabiert, gibt es noch eine Alternative: Vielleicht klappt dasselbe Experiment ja in Portugal.

4.2.2012 14:37
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NIKOSVIENNA, 18. 02. '12 11:44
ENDLICH DIE WHARHEIT GESCHRIEBEN TEIL 2
Jetzt die Gleiche OLIGARCHIE testet die LEUTE in EUROPA und VERSUCHKANNINCHEN ist das GRIECHISCHE VOLK
weil die den Fehler gemacht haben mehrere KORRUPTEN Regierungen zu haben die 2 mal im Jahr bei der EU Treffen
HOCHGEJUBELN wurden von D + F+ EN weil die
Milliarden € an WAFFEN VETRÄGEN unterschieben haben !!
HURRA !!! Wie Verdienen in GR sehr GUT ! Deshalb lassen wir Sie so leben wie Sie wollen! Die Rechnung kommt eh Spätter!!
Weniger Leute Wissen daß GR über 11 Milliarden im Jahr für Ihre Millitär ausgibt !! Warum ?
Weil wir unsere Östliche Grenzen Schutzen müssen !
GR ist das einzige Land in der EU die Ihre Grenzen nicht von der EU als EU Grenzen nicht geltet ! WARUM ??
Weil wir Waffen kauffen sollen !!
Es tut mir Leid wenn ich Hörre das alle GRIECHEN schuld sind !
NIKOSVIENNA, 18. 02. '12 11:36
ENDLICH DIE WAHRHEIT GESCHRIEBEN! TEIL 1
Vielen Dank für Ihre Artikel und die Beschreibung der Lage in Gr.!!

Seit 2 Jahre Hören und Lesen in Österreich nur über die PLEITEN Griechen und Ihre Korrupten Denken !!!!

Das Problem ist daß die OLIGARCHIE mit der Geschichte der Vergagenheit nicht gelernt hat !

Das gleiche Drama hat in Frankreich und Russland in den 18 JH gespielt mit der folge der Revolution in diese 2 Länder und deren folgen !!!

Die Wirtschaft OLIGARCHIE hat hoch Spekuliert und HOCH Verloren auch im Jahr 1929 mit der Folgen des Zweites Weltkrieges!!
Ravenbird, 15. 02. '12 17:47
Vergleich
Tatsache ist, daß es wirtschaftlich starke und wirtschaftlich schwache Länder in der EU gibt.
Tatsache ist, daß die EU nicht (nur) gegründet worden ist, um allen ein Leben in Saus und Braus zu ermöglichen, sondern hauptsächlich um den immerwährenden Frieden auf dem Kontinent zu sichern.
Heute lästern wir über Griechenland - noch schaffen es unsere Politiker gemeinsam mit einem völlig verdummten Volk, die österreichischen Finanzen schön zu reden. In Wahrheit stehen wir nicht besser da als Griechenland. Wenn wir die Bahn und die ASFINAG hineinrechnen, wären wir HINTER Griechenland. Auch der Beitritt damals wäre so nicht möglich gewesen. Wer hat jetzt mehr getrickst, frage ich?
Haben wir Großfirmen, Bodenschätze, Meeresküsten mit Häfen? Nichts haben wir außer gut getarnten Schulden...
Ravenbird, 15. 02. '12 17:48
Re: Vergleich
...und Schuldinnen...
HSpieler, 07. 02. '12 19:36
Natürlich
ist der kleine Mann wie überall der Leidtragende. Allerdings war er es auch der Jahrzehnte lang korrupte Regierungen gewählt hat und beim lustigen Steuerhinterziehen im kleinen Rahmen mitgespielt hat.
Dazu kommt, dass ein Land das kaum etwas Exportfähiges erzeugt (ausser Feta und Oliven) im internationalen Wettbewerb nicht überlebensfähig ist. Deshalb hat man tief in die Kreditkiste gegriffen und Subventionen veruntreut. Jetzt kommt die Rechnung und die trifft Alle.
nskop, 07. 02. '12 23:03
Da sondert sich vom Korn die Spreu?
Man kann viel darüber streiten, warum Griechenland und andere PIGS "kaum etwas Exportfähiges" im Rahmen dieser Farce-Union haben erzeugen dürfen, und wie die griechische Landwirtschaft durch die Exportsause der "Grossen" an Wettbewerbfähigkeit verloren hat. Aber, leider, mein Freund, kommt die Rechnung nicht an alle, sondern immer noch an diejenigen, die SCHON mehr oder weniger belastet waren. Auch die Isländer haben korrupte Regierungen wählen lassen, und nachdem ihre Banken pleite gingen, zahlten sie keine einzige Jahresrate an die Interessenvertreter. Aber natürlich machen das Geschimpfe auf die Griechen und das merkelpolitische Experiment am lebenden Griechen mehr Spaß, oder?!
HSpieler, 08. 02. '12 18:24
@nskop
Es lag wohl in der Hand der Griechen Exportfähiges auf die Beine zu stellen so wie es die meisten EU MItgliedsländer geschafft haben, - die EU hat sehr grosszügig subventioniert. Die griechische Landwirtschaft war mangels geeigneter Bodenverhältnisse nie für Gross-Exporte geeignet. Das heutige politische Gezerre is nicht schön, hat aber mit den Ursachen des griechischen Sumpfes wenig bis gar nichts zu tun.
Es handelt sich auch nicht um ein "Geschimpfe" sondern um die Darstellung nüchterner Tatsachen.
nskop, 07. 02. '12 19:09
Das euro-orientierte Moussaka
Daß wir Griechen dem schaukelnden Traum der Euro, der instrumentalisierten Ahnungslosigkeit einen so hohen Wert beigelegen haben, ist eben das Unglück unseres Volkes. Die Weise, auf welche die neoliberalen Parteien Griechenland in die Euro-Zone führten, verursachte das Auseinanderdriften der Einkommen, die Überbewertung der Finanzbranche und Reformen, die nur den obersten Einkommen zugutekamen. Aber, vor allem, bahnte sie den Weg für Schlimmeres: Was wir heute als großes Desaster und Dauerstagnation erleben. Wenn das Maso-Verständnis von Wirtschaft sich in der Euro-Zone fortsetzt, könnte dann die Euro auch für andere Mitgliedsländer sehr teuer werden-und nicht nur im Süden Europas.
NickGR, 07. 02. '12 10:52
VIELEN DANK
Ein grosses Dankeschoen aus GR. Nach all den kurzsichtigen Artikel der letzten Zeit, endlich mal einer, der das Problem beim Namen nennt.
Dionysios, 07. 02. '12 01:20
Danke aus Griechenland.
Bin ein Lehrer in Griechenland, der 790 Euro im Monat verdiene. Muss leider mit 42 Jahren wieder bei Mama essen gehen, damit ich über die Runde komme.
Wir Griechen haben für lange Zeit unsere Geschichte verpfändet und müssen jetzt die Rechnung bezahlen.
Ich und alle meine Freunde haben keine Jacht, und es tut uns Leid, dass die anderen Europaer für uns zahlen müssen.
felk, 07. 02. '12 15:04
Re: Danke aus Griechenland.
Ich kann's nicht mehr hören, denn es ist einfach nicht wahr:
"Wir müssen den Gürtel enger schnallen, weil die Griechen über ihre Verhältnisse gelebt haben!"
nein! Wir müssen sparen, weil sich unsere Regierungen zusätzlich verschulden mussten, um die Bankenkrise von 2008 zu überleben.
Diese Krise wurde aber nicht von Hellás, sondern v.a. von Banken aus den USA verursacht.
Die durchschnittliche Grieche hat nichts Anderes getan als der durchschnittliche Amerikaner: seiner Hausbank geglaubt, die da sagt: "die Zinsen sind niedrig sind und du hast einen sicheren Arbeitsplatz, also leiste dir, was immer du willst: ein Eigenheim, ein elegantes Auto, Markenartikel,..."
warum sollte der durchschnittliche Grieche schlauer sein als seine Finanzberater, wenn's der Durchschnitts-Ami auch nicht war?
lemont, 06. 02. '12 07:17
natürlich die banken!
und schon wieder kommen querschläge, dass doch die blöden banken die zeche zahlen sollen. es ist schon merkwürdig, wie viele jachtbesitzer es in griechenland gibt, die kein vermögen aufweisen. besser gesagt: die keine steuern für ihr vermögen gezahlt haben. österreich oder deutschland hier mit den griechen zu vergleichen ist unzulässig, da wir eine völlig andere steuerkultur haben. aber auf die banken hinzuhauen wird vermutlich alle probleme der welt lösen, oder?
dogneva, 06. 02. '12 17:20
Re: natürlich die banken!
Sie wissen nicht wovon Sie reden. Erstens wohnen die meisten Jachtbesitzer nicht in Griechenland, auch, wenn Sie Griechen sind. Es gibt 10 Mio. solche in Griechenland und nochmals 10 sonst wo auf der Welt.
Und über welche Steuerkultur reden Sie? Etwa die Steuerkultur der Stiftungen und der Staatlichen Beihilfe zur Steuerflucht und Einbunkerung von Schwarzgeldern auf Kosten anderer Staaten? Oder von jener Steuerkultur der Pfuscher und Handwerker hierzulande? Mir hat ein Handwerker nie eine Quittung ausgestellt. Es kam immer der Hinweis, dass es X Euro macht und wenn ich eine Quittung möchte dann kommt die Steuer dazu.
Als seien Sie doch sachlich bitte und sehen Sie den Tatsachen ins Auge.
nskop, 07. 02. '12 18:01
Wahrheiten oder Plaudergeschichten?
Es sind keine zehn Jahre her, da schwärmten die etablierten Ökonomen, Griechenland sei dank struktureller Reformen robuster geworden und verfüge über eine beneidenswerte Performance, weil die Staatsquote niedriger, und alles teilweise oder vollständig privatisiert wurde. Völliger Quatsch! Viele, die ihr Gift auf uns Griechen speien, scheinen vergessen zu haben, daß sie jahrelang eine "kompetitive" Wirtschaftsstruktur befürworteten, wobei das Wachstumsprodukt in die Taschen der Oligarchen verschwand, die Staatseinnahmen sanken und die mittlerweile schlechtbezahlten Arbeitskräfte hohe Steuern auf sich nahmen. Das von den Merkelomics empfohlene brutale Herumkürzen greift nicht in die Taschen der "Jachtbesitzer", sondern in die Taschen der Beschäftigten und der Rentner...!
pluslucis, 05. 02. '12 11:43
Wozu neue Steuern?
Warum hat die EU nicht zu Beginn der Griechenlandkrise Steuerprüfer ins Land geschickt?
felk, 07. 02. '12 15:08
Re: Wozu neue Steuern?
warum hat die Welt so getan, als würde sie G.W. Bush glauben, als der da behauptete, im Irak gäbe es Massenvernichtungswaffen?

"Achtung der staatlichen Souveränität" nennt man das.
hellipirelli, 04. 02. '12 17:33
brillanter Artikel
Wie ich von griechischen Freunden schon seit 2010 höre, verlassen mehr und mehr - vor allem gutausgebildete - junge Menschen das Land (Onkeln und Tanten haben sie aus der Zeit der großen Auswanderungswelle durch die Militärjunta überall auf der Welt).
Mich wundert die Leidensfähigkeit der Griechen schon lange. Aber es dürfte wohl doch in nicht allzu ferner Zukunft zu Aufständen bzw. einer Revolution kommen. Vielleicht auch tritt dadurch das ein, was spätestens im Frühling 2010 schon geschehen hätte sollen: Griechenland verlässt den Euro, alle Gläubiger verlieren große Teile ihrer Vermögen, ausländische Banken und Versicherungen, die Credit Default Swaps (CDS) auf griech. Staatsanleihen begeben haben, fallen um Milliardenbeträge um - davor zittern alle. Auch einige in Österreich.
felk, 07. 02. '12 15:15
Re: brillanter Artikel
eine bewundernswerte Eigenart der griechischen Mentalität ist es, aus dem Gemeinschaftsgefühl Kraft zu ziehen. die Gegenwart der Freunde (der Parea, der "Clique") betäubt die Angst vor der Zukunft. auch wenn es immer wieder Ausreißer gibt, die sich gegen diesen gesellschaftlichen Konsens stellen, tröstet sich der einzelne Grieche damit, dass sie alle gemeinsam "mitgefangen, mitgehangen" sind.

...und "Dilemma" (Wahlmöglichkeit zwischen zwei Optionen, die aber beide negative Konsequenzen nach sich ziehen) ist ein griechisches Wort.
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