Lügen über Stalingrad

3.11.2012, 07:37
 

Geheime Protokolle aus Moskau belegen, dass es in der Schlacht um Stalingrad weder „Helden“ noch „Feiglinge“ gab. Sondern nur Menschen, die ums Überleben kämpften. Auf beiden Seiten.

„Lügen werden die und alles totschweigen! Wenn ihr heimkommt, hinausbrüllen müsst ihr die Wahrheit, damit es alle erfahren!“ Diesen Aufschrei eines Verwundeten im Schlachtkessel von Stalingrad nahm der österreichische Wehrmachtssoldat Friedrich Weiss als Auftrag. Ende der 1950er-Jahre erschien sein Roman „Hunde, wollt ihr ewig leben“. Der Untergang von Hitlers Sechster Armee war darin als „verfluchter Krieg“ mit all seinen dreckigen Seiten gezeichnet, der Autor verbarg sich unter dem Pseudonym Fritz Wöss. Er fürchtete die Rache derer, die weiter am Mythos vom deutschen Opfergang strickten.

Am „Heldenepos von Stalingrad“ war schon während der grausamen Kämpfe 1942/43 in Joseph Goebbels' Ministerium gearbeitet worden. Feldpostbriefe wurden gesammelt und gefällige Niederschriften von Stalingradkämpfern, die das Glück gehabt hatten, rechtzeitig ausgeflogen worden zu sein. Hitlers Propagandachef verbot die Veröffentlichung dennoch mit dem Vermerk „für das deutsche Volkunbrauchbar“. Zu viel Realismus und zu wenig Pathos.

Auch die Sowjetunion ließ in Stalingrad Material über den „Großen Vaterländischen Krieg“ sammeln. Historiker aus Moskau fuhren Ende Dezember 1942 in staatlichem Auftrag in die eingekesselte Stadt und protokollierten ihre Gespräche mit einfachen Rotarmisten, Offizieren, Politkommissaren, Arbeitern, Frauen wie Männern. Erstaunlich offen und ungeschminkt berichteten die Befragten von ihren Ängsten, ihrem Überlebenskampf, Stärken und Schwächen ihrer unmittelbaren Vorgesetzten, von gefeierten „Helden“ und der Erschießung von „Feiglingen“ ...

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rj042565, 08. 11. '12 15:17
kein Honigschlecken
war für fast jeden Wehrmachtsangehörigen der Einsatz fürs "Vaterland". Diese Woche habe ich einen Leserartikel studiert, wo über dass Verhalten eines Mannes in seinem Todeskampf diskutiert wurde. Der ehemalige Soldat hatte gegenüber seinen Angehörigen nie über die Zeit bei der Armee gesprochen. Vor seinem Ableben wiederholte er jedoch Befehle, sprach teilweise sehr unverständlich, sprach hauptsächlich vom Schiessen und zitterte am ganzen Körper. Wahrscheinlich hat dieser Mann seine Erlebnisse sein ganzes Leben nicht verarbeiten können und erst in seinem Todeskampf ist alles Schreckliche aus ihm herausgebrochen.
ottoludwig, 05. 11. '12 15:03
Die Wahrheit über das Totengedenken Östrreichs 1996
Als Schüler (geb. 1936) des Divisionspfarrers der 297. Inf.Div. - ausschließlich in Österreich rekrutiert, schrieb ich deren Grabgesang "Ismene" und bereitete eine kirchliche Einsegnung der Opfer in Wolgograd als offizieller Vertreter des OSK u Unterstützung der ö. Bürokratie vor- mit dem Erfolg, vom Patriarchen von Moskau - mit rk u ev Geistlichen eingeladen zu werden. Ich stiftete die Meßutensilien. Meine Förderer waren Kard. Groer, Bischof Krenn und Hochmeister Wieland. Als ich die Brg. unter Vranitzky von meinem Erfolg informierte, gingen meine weltlichen Förderer schlagartig auf Tauchstation, nicht die kirchlichen. So fand das religiöse Gedenken am 20.9.1992 statt - unbemerkt in Ö. Siehe meine Veröffentlichungen in www.amazo.de, insbesondere "STALINGRAD ..." Otto Ludwig Ortner
auer47, 04. 11. '12 13:56
Gräber
Kriegerdenkmäler sind Ersatzgräber für diejenigen, die nicht in der Heimat ihre letzte Ruhe gefunden haben. Sie haben sich sicher auch nicht als "Helden" gefühlt. Für die Hinterbliebenen sind sie sozusagen Ersatzgräber, an denen sie GTrauerarbeit für ihre Angehörigen leisten können. In diesem Sinne sind Kriegerdenkmäler sehr wohl berechtigt. Sicher nicht als Erinnerung an "Helden"
RudiAustria, 03. 11. '12 16:39
Totengedenken
Und noch immer findet man im Gedenken an die Kriegsopfer Kranzschleifen mit "Dank an die Helden"(!) Gerade jetzt zu Allerheiligen/Allerseelen. Die Kranzschleifen sind immer blau, aber nicht von der EU. Eben ewig-gestrig.
Wann denkt man daran den Platz vor der Wiener Hofburg neu zu benennen.
Tingulv, 03. 11. '12 22:57
Der Name Heldenplatz soll an die Helden Erzherzog Karl und Prinz Eugen erinnern
- Erzherzog Karl führte in der Schlacht bei Aspern die erste Niederlage Napoleons herbei.
- Prinz Eugen war einer der größten Feldherren des Hauses Österreich, der Südosteuropa von den Türken befreite.
RudiAustria, 03. 11. '12 23:50
Re: Totengedenken
Der Name "Heldenplatz"!
... und das Mahnmal für die "unbekannten Soldaten" ist nicht für den "Helden" Erzherzog Karl und auch nicht für den "Helden" Prinz Eugen. Also was soll der "Heldenplatz" in Wien und sonst wo?
Tingulv, 04. 11. '12 12:08
Re: Der Name "Heldenplatz
Ja, genau, die Namensgebung wurde 1853 in weiser Voraussicht gewählt, da man damals schon wusste, dass in gut 70 Jahren in einem angrenzenden Gebäude (der Krypta) dieses Denkmal errichtet wird.
Das glauben Sie wohl selber nicht?!
stephan49, 07. 11. '12 23:10
Re: Totengedenken
Auch ich finde es befremdlich die vielen Opfer als Helden zu bezeichnen. Mein Vater kam 1949 nicht als "Held" aus 7 jähriger Gefangenschaft nach Österreich zurück. Von seinem eigenem Vater wurde er am Bahnhof nicht erkannt. Er konnte wochenlang nur am Kellerboden seinen "gewohnten Schlaf" finden. Nur 5.000 Menschen kamen aus Stalingrad wieder zurück. Mein Papa war kein Held. Er verfügte, so denke ich, über ein hohes Maß an RESILIENZ. Dafür bin ich dankbar. Ich bin 1969 geboren. Mein Vater ist 1973 gestorben.
Mein Onkel ist 1945 verhungert. Wie sooo viele!!!

Mir fehlen weitere Worte.




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