Streit zwischen ATV und Stadt Wien

3.11.2012, 09:28
 

Zoff zwischen Wien und ATV: Die Stadt verbietet dem Privatsender Aufnahmen in Gemeindebauten.

Von Gernot Bauer

Im Gemeindebau, heißt es auf der Website des Privatsenders ATV, „wohnt der Maurer auf einer Stiege mit dem Akademiker, der Tätowierer Tür an Tür mit dem Wienerliedsänger. Ein fruchtbarer Boden also für Geschichten, die das Leben schreibt.“ Seit Frühjahr 2011 verdichtete ATV derartige Geschichten in zwei Staffeln zur Reality Soap „Wir leben im Gemeindebau“. Protagonisten der Dokus sind Exhibitionisten, wie man sie – wenn auch journalistischer und intellektueller vorgeführt – aus den ORF-Reportagen der Filmemacherin Elizabeth T. Spira kennt: tätowierte Jüngere, xenophobe Alte, alkoholisierte Schrullos, arbeitslose Exzentriker – alle mit deftiger Sprache ausgestattet.

Am 19. November beginnt im Hauptabendprogramm die dritte Staffel mit zwölf Folgen der Gemeindebau-Doku. Die Aufnahmen stammen vom Sommer, jüngere gibt es nicht. Denn am 7. September ging bei ATV ein Schreiben von Wiener Wohnen ein. Das ­städtische Unternehmen verwaltet die ins­gesamt 220.000 Gemeindebau-Wohnungen Wiens, in denen etwa ein Drittel der Bevölkerung der Bundeshauptstadt lebt. In dem Brief teilt Wiener Wohnen ATV mit, „dass Ihrem Ansuchen um Verlängerung des Drehvertrags zu der TV-Serie ,Wir leben im Gemeindebau‘ nicht stattgegeben wird. Wiener Wohnen ist mit dem Bild, das die Serie vom Gemeindebau zeichnet, nicht einverstanden.“ Für die Filmcrews sind damit Aufnahmen auf Gehsteigen, in Höfen und Gängen der Wiener Gemeindebauten untersagt. In die Wohnungen der Mieter dürfen Reporter und Kamerateams nach wie vor hinein.

Auf den Entzug der Drehgenehmigung reagierte man bei ATV perplex. Vor Beginn der Produktionsarbeiten 2011 hatte Programmchef Martin Gastinger in einem Gespräch mit Wohnbaustadtrat Michael Ludwig, SPÖ, und bei Verhandlungen mit Wiener Wohnen die Bedingungen ausverhandelt. ATV sagte dabei zu, Themen wie Konflikte mit Zuwanderern, Drogenmissbrauch oder Gang-Unwesen auszuklammern. Gastinger: „Wir haben uns daran gehalten. Viele Gemeindebau-Bewohner haben uns sogar gefragt, warum wir nicht auch über solche Problemfelder berichten.“

Auf eine Aussprache mit Ludwig muss der ATV-Programmchef noch warten. Für heuer, so beschied ihm das Büro des Stadtrats, sei kein Termin mehr frei. Laut einem Sprecher von Wiener Wohnen hätte es massive Proteste von Gemeindebau-Mietern gegen die Doku-Serie gegeben. Man habe sämtliche Vereinbarungen mit ATV eingehalten, aber nun von der beantragten Verlängerung der Drehgenehmigung abgesehen.

morath, 12. 11. '12 13:30
Kein Hort einträchtiger Gemütlichkeit.
Das Leben im Gemeindebau 2013 mit wienerischer Sozialromantik ausleuchten zu wollen, wäre Verfälschung der Wirklichkeit. Verdeckte politische Agitation soll die Anwohner zugunsten rechtspopulistischer Vereine verstimmen. Keine persönliche Verleumdung, keine Szene Gassentheater greift zu tief, um die Balance von nachbarschaftlicher Solidarität und Distanz, den Hausfrieden, zu stören. Sozialmobbing ist an der Tagesordnung. Die Beschwörung von Zeiten, wo alle wie eine große Familie gewesen wären, ist ein Ideal von Lüge. Kommunikation mit "Wiener Wohnen" funktioniert den Umständen entsprechend gut. Wer den Schluss zieht, die SPÖ wäre schuld an seinem Unbehagen, ist den Hass Predigern bereits auf den Leim gegangen. Wer sich Angst machen lässt, zieht besser ins Joglland.
charlykappel, 04. 11. '12 06:47
Das Leben im Gemeindebau
das etwas faul ist bei wiener wohnen ist offensichtlich. davon kann ich ein lied singen. als ein ehemaliger gemeindebaubenutzer, weiß ich, von was ich hier schreibe. die geminede wien, und deshalb auch wiener wohnen kann machen und lassen was es möchte. der mieter ist nur ein - nicht einmal - notwendiges übel. der mieter ist da um betrogen zu werden. und die mieter werden betrogen, sie wissen es nur noch nicht. wer mehr darüber erfahren möchte, der kann:
http://charlykappel.blogspot.co.at/
sich das anschauen. ein sittenbild, dass ernüchtern wirkt, ist das sittenbild der wiener spö und es ist das bild, das die politik, die justiz dazu angibt. scheußlich!

Extra



TwitterFACEBOOKNewsletter Anmeldung
pixel