Amok-Drama Annaberg: Scharfe Kritik an der Polizeiführung

Amok-Drama Annaberg: Scharfe Kritik an der Polizeiführung

Nach dem Massaker von Annaberg wird die Kritik an der Polizei­führung immer lauter. Vieles deutet darauf hin, dass drei Beamte und ein Sanitäter sterben mussten, weil die Einsatzleitung nicht für den Ernstfall geplant hatte. Das Protokoll eines Desasters.

Winchester .308: Das ist eine Munition mit verheerender Wirkung. Ihre Treibladung beschleunigt ein Projektil mit 7,62 Millimeter Durchmesser auf bis zu 860 Meter pro Sekunde, also auf gut 3100 km/h, zweieinhalbfache Schallgeschwindigkeit. Deshalb wird sie nicht nur von Jägern verwendet, um Bären, Rentiere oder Hirsche zu erlegen, sondern auch von Scharfschützen militärischer Spezialeinheiten.

Alois Huber, 55, hat Patronen vom Typ Winchester .308 im Magazin seines Gewehrs, als er am Dienstag, 17. September, um 00.04 Uhr in der Äußeren Schmelz bei Annaberg auf der Lauer liegt. Die Waffe auf Dauerfeuer stellt. Auf ein Polizeifahrzeug zielt. Abdrückt.

16 Schüsse perforieren die Windschutzscheibe des Wagens, mit dem drei Cobra-Leute Huber zuvor verfolgt hatten. Jetzt suchen die Beamten in der Dunkelheit nach Deckung und erwidern das Feuer des Heckenschützen. Roman Baumgartner trägt, wie auch seine beiden Kollegen, keine Schutzweste. Er hatte keine Zeit mehr, sie anzulegen. Plötzlich sackt der 38-Jährige mit einer Kugel in der Brust zusammen. Der Treffer ist zeitlich nicht mehr genau festzumachen. Aber er markiert den Wendepunkt, an dem eine Schießerei zum Massaker ausartet, das erst 18 Stunden später enden wird: mit vier Todesopfern und dem Selbstmord des Täters.

Wenn der Einsatz anders geplant worden wäre; wenn sich der Täter nicht „unüblich verhalten“ hätte; wenn ihn die Exekutive nicht „in die Enge“ getrieben hätte: Dann wären vier Menschen – drei Polizisten und ein Sanitäter – möglicherweise noch am Leben. Wenn.

Alles Theorie. Realität sind vier tote Einsatzkräfte.
Die Tragödie dieser Nacht kann nicht von ihrem Ende her aufgerollt werden. Um die Ereignisse einordnen und mögliche Fehler evaluieren zu können, muss früher angesetzt werden: bei der Frage, welchen Aufwand die Fahndung nach einem Wilderer rechtfertigt; bei der widersprüchlichen Einschätzung des Täters durch die Sicherheitsbehörden; letztlich auch bei der halbherzigen Planung des Einsatzes.

Es ist nur verständlich, dass eine Einheit unter Schock die Reihen schließt. Und so stellte sich die Innenministerin vergangenen Donnerstag hinter ihre Untergebenen: „Angesichts der kaltblütigen Ermordung von vier Einsatzkräften halte ich Besserwisserei für unerträglich“, sagte Johanna Mikl-Leitner: „Die Familien sehen es als respektlos und pietätlos an, wie versucht wird, die Schuld bei den Polizisten zu suchen.“

Dabei sucht die Fehler eigentlich niemand bei den Beamten vor Ort – wenn schon, dann höher oben in der Befehlskette. Aber dort wurden Fragen nach hausgemachten Fehlern erst recht abgeschmettert. Etwa von Detlev Polay, dem Sprecher des Einsatzkommandos Cobra: „Durch die Kaltblütigkeit des Täters und sein überaus brutales und rücksichtsloses Vorgehen haben die angesprochenen Themen keinerlei Relevanz“, erklärte er.

Oder von Franz Polzer, Chef des Landeskriminalamtes Niederösterreich: „Ich lasse mich doch auf keine Vernehmungen ein, nur damit Sie den Tatablauf rekonstruieren können“, beschied er profil.

Um diese Aufgabe wird Polzer nicht umhinkommen. Trotz – oder gerade aus – Betroffenheit wurde Ende vergangener Woche bereits interne Kritik am Einsatz im niederösterreichischen Annaberg laut. Die Evaluierung wird mit Sicherheit erst nach den Wahlen vorliegen. Zu unangenehm könnten die Erkenntnisse sein, zu vermint ist das Terrain.

Denn das Wilderer-Massaker spielt in einem Bundesland, in dem die Jagd nicht nur Freizeitvergnügen, sondern auch Netzwerk ist, mehr als in jedem anderen Winkel dieser Republik. Wer Karriere machen will, geht auf die Jagd; wer jagen geht, trifft unweigerlich auf einflussreiche Prominenz aus Politik, Wirtschaft und Behörden; wer seinen Erfolg nicht gefährden will, legt sich nicht mit Jägern an. Und das nicht nur in Niederösterreich.

Entsprechendes Gewicht haben auch alle Belange, die mit der Jägerei im Zusammenhang stehen.

In den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu Fällen von Wilderei, vor allem in den Bezirken Lilienfeld, Mariazell und Melk. 94.000 Hektar weit erstreckt sich das Gebiet im Traisental. Es ist die waldreichste Region Österreichs. Die weiten Forste rund um Annaberg und St. Egyd gehören zum Großteil dem Stift Lilienfeld. 2005 waren dort die ersten Kadaver gewilderter Hirsche gefunden worden. „Der Wilderer hat immer in der Hirschbrunftzeit, also in der zweiten Septemberhälfte, zugeschlagen. Er hat es nur auf Kapitalhirsche abgesehen, denen er die Köpfe abgeschnitten hat“, erzählt der zuständige Forstdirektor Franz Scheibenreif. Und das gilt als absolutes Sakrileg.

Ein Hirsch ist bis zu 10.000 Euro wert. Es geht aber nicht nur um Geld. Es geht auch nicht nur um die Buchstaben des Gesetzes, festgehalten in Paragraf 138 des Strafgesetzbuches („Schwerer Eingriff in fremdes Jagd- oder Fischereirecht“), der mit bis zu drei Jahren Haft bedroht ist. Es geht auch um Ehre und waidmännische Ethik – und darum, dass es eine nicht hinzunehmende Demütigung für einen Jagdpächter ist, wenn ihm das Wild vor der Flinte weggeschossen wird.

Das erklärt, warum in Lilienfeld schon 2005 ein privates Sonderkommando eingesetzt wurde, um dem Treiben ein Ende zu bereiten. Allerdings erfolglos. Das Wildern ging weiter. Im Spätherbst 2011 bekam die Suche nach dem Wilderer neue Dynamik. In Matzleinsdorf im Bezirk Melk wurde ein Jäger von einem Unbekannten mit einem Messer attackiert, der Angreifer flüchtete unerkannt. Nun stieg der Druck bei der Exekutive in Niederösterreich. Die Jägerschaft wollte endlich Erfolge sehen. Das Landeskriminalamt stellte eine mutmaßliche Verbindung zwischen dem Messerstecher und dem Wilderer her und will wegen „Mordversuchs“ ermitteln; die Staatsanwaltschaft St. Pölten stufte das Delikt auf schwere Körperverletzung herab. Doch der Grundstein für den Einsatz vor einer Woche war gelegt.

Der niederösterreichische Sicherheitsdirektor Franz Prucher nahm Kontakt mit der Spezialeinheit Cobra in Wiener Neustadt auf und forderte Unterstützung an. Bernhard Treibenreif, Chef der Sondereinheit und selbst Jäger, stimmte zu, wenn auch mit Vorbehalt. Denn dazu bedurfte es einer Genehmigung des Innenministeriums. In der ersten Jahreshälfte 2012 wurde Prucher deshalb bei Mikl-Leitner in Wien vorstellig. Die Ministerin soll das Ansinnen dem Vernehmen nach für weit überzogen gehalten haben. Die Cobra auf Wilderer-Pirsch? Dafür ist die Spezialeinheit tatsächlich nicht zuständig. Prucher blieb hartnäckig. Er argumentierte mit der Gefährlichkeit des Täters und verwies auf den „Mordversuch“. Die Ministerin ließ sich überreden.

September 2012: Kameras waren installiert, Beamte lagen auf der Lauer. Wie viele und wie oft, darüber hüllt sich die niederösterreichische Exekutive in Schweigen, „aus ermittlungstaktischen Gründen“. Tatsache ist: Die Fahndungsmaßnahmen floppten. Wieder wurde im Stiftsrevier ein Hirsch erlegt. Wieder entkam der Täter.

In einem Schreiben an die Austria Presse Agentur – Absender: „anonymus.cobra“ – wird nunmehr behauptet, im Herbst 2012 habe die Cobra-Fachgruppe Taktik in Wiener Neustadt ein Konzept erarbeitet, das 13 Beamte mit gepanzerten Fahrzeugen für den Wilderer-Einsatz vorsah. Dieses sei aus Spargründen verworfen worden. Treibenreif habe verfügt, „dass maximal 3 Cobra Beamte das Waldgebiet absichern und weiters keine gepanzerten Fahrzeuge verwendet werden dürfen, um die Kilometerleistung der Fahrzeuge niedrig zu halten“, heißt es in dem Schreiben. Cobra-Sprecher Polay wollte darauf nicht näher eingehen: „Es lag im vorliegenden Fall ein gemeinsam entwickeltes Einsatzkonzept vor, das allen eingesetzten Bediensteten bekannt war. Dieses basierte auf den Erfahrungen der vergangenen Jahre.“

Fest steht also: Im Herbst 2012 hatten die Jagdpächter im Bezirk Lilienfeld zehn tote Tiere und somit einen Schaden von 100.000 Euro in den Büchern.

Fest steht auch: Als heuer die Hirschbrunftzeit begann, war die Cobra jedenfalls nicht mit 13 Mann am Schauplatz, sondern lediglich mit drei Beamten.

Die Widersprüche, die sich daraus ergeben, irritieren: Einerseits wurde der gesuchte Wilderer als so gefährlich eingestuft, dass die Cobra hinzugezogen werden musste; andererseits war deren Einsatz so gering dimensioniert, dass es im Nachhinein wie ein Versuch anmutet, die aufgebrachte Jägerschaft zu beruhigen, ohne allzu hohe Kosten zu verursachen.

Auflösen will diese Widersprüche vorerst niemand, im Gegenteil. Selbst die offiziellen Begründungen widersprechen einander. Zum einen hieß es, die Eskalation in Annaberg sei absehbar gewesen; zum anderen wurde behauptet, die Gewaltbereitschaft des Täters habe alle so überrascht, dass Schusswechsel ohnehin nicht zu verhindern gewesen wären. Es bleibt Faktum, dass der Einsatz mit Risiken behaftet war. Faktum ist auch, dass die Cobra in Fällen mit weitaus weniger Risiko mit deutlich mehr Mannstärke auftritt als in diesem.

Zur Bändigung eines Asylwerbers waren in Oberösterreich schon einmal sechs Mann im Einsatz; zur Fahndung nach drei Autodieben in Tirol wurden nicht weniger als 35 Polizisten, sechs Diensthunde, zwei Hubschrauber des Innenministeriums und zwei Cobra-Fahrzeugbesatzungen in Marsch gesetzt; die Wiener Sondereinheit Wega rückt schon bei Routine-Einsätzen sechs Mann hoch aus.

Und in Niederösterreich? Drei Cobra-Spezialisten und zwei Kriminalbeamte, bei Nacht, in unübersichtlichem Gelände.

Es ist Montag, 16. September 2013, knapp vor Mitternacht. Auf der Landesstraße 101 fährt ein schwerer Toyota Hilux mit gestohlenem Kennzeichen Richtung Norden auf eine Straßensperre zu, die von diesen fünf Beamten bei Kilometer 2,9 errichtet wurde – nahe der sogenannten Hirschwiese, einem bekannten Treffpunkt für Jäger. Deren Auftrag lautet, jedes verdächtige Fahrzeug zu kontrollieren – in der Hoffnung, den Wilderer endlich zu schnappen. Der Zeitpunkt der Aktion ist mit Bedacht gewählt. Wenige Tage zuvor hat die Hirschbrunft begonnen, es geht auf Vollmond zu. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Phantom gerade jetzt zuschlägt, wird als hoch eingeschätzt.

Dennoch sind die fünf Beamten allein auf weiter Flur. Alles deutet darauf hin, dass zu diesem Zeitpunkt keine Verstärkung der Cobra in der Nähe ist. Ob weitere Checkpoints zur Absicherung existieren, darüber wollen später weder das Innenministerium noch das Landeskriminalamt konkret Auskunft geben. Nur dieses: Es seien „so viele Personen wie nötig“ präsent gewesen. Die Cobra-Leute tragen keine Schutzwesten – wohl, weil sie zu sperrig für stundenlanges Warten im Fahrzeug sind. Einschubplatten, die gegen Gewehrmunition einen gewissen Schutz bieten würden, fehlen ohnehin.

„Auf den Cobra Standorten ist nicht die entsprechende Mannschutzausrüstung vorhanden, um sich ausreichend gegen Jagdwaffen zu schützen“, heißt es in dem Schreiben von „anonymus.cobra“. Die Einsatzbeamten haben auch keine Waffen mit Nachtsichtgeräten bei sich. Offenbar rechnet ohnehin niemand damit, dass der Wilderer tatsächlich auftaucht.

Es regnet, es ist stockfinster, als Huber mit seinem Toyota-Pickup-Truck den Checkpoint an der Hirschwiese erreicht. Er hält nicht an, er gibt Gas und durchbricht die Straßensperre. Die drei Cobra-Leute springen in ihren Wagen und nehmen die Verfolgung auf. Die beiden LKA-Beamten fahren hinterher. Zeitgleich wird Alarmfahndung ausgelöst. Jetzt setzen sich alle verfügbaren Streifenwagen in der Umgebung in Bewegung, um Kontrollpunkte einzunehmen. Keine drei Kilometer von der Hirschwiese entfernt kommt Hubers Wagen im Bereich der Siedlung Äußere Schmelz von der nassen Fahrbahn ab, schlittert in einen Zaun, pflügt durch einen Garten und bleibt dann hängen.

Der 55-Jährige steigt aus und geht an der Hausecke in Stellung.
Was dann folgt, ist „ein untypischer Einsatz für die Spezialeinheit Cobra. Die Lage eskalierte von einer Sekunde auf die andere dramatisch und ist dadurch dem Team entglitten“, analysiert Judith Grohmann, Autorin des Buches über Sondereinheiten („In geheimer Mission“). Die Polizisten sehen den beschädigten Zaun, halten an, verlassen ihr Fahrzeug – und geraten sofort unter Beschuss.
Winchester .308. Dauerfeuer.

Roman Baumgartner erleidet eine Schussverletzung im Brustbereich und wird von seinen Kollegen hinter dem Einsatzfahrzeug in Sicherheit gebracht. Über Funk alarmieren sie die Leitzentralen des Landeskriminalamts und der Cobra. Beim Roten Kreuz in Annaberg wird ein Krankenwagen angefordert. Dort hat Ortsstellenleiter Johann Dorfwirth Dienst, ein altgedienter Profi. Er erkundigt sich, ob es die Sicherheitslage zulasse, direkt zum Verletzten zu fahren. Die Polizisten halten Rücksprache mit den Cobra-Leuten, die mit dem schwerstverwundeten Roman Baumgartner immer noch in Deckung liegen. Ihr dringender Rat: Die Ambulanz sei „unbedingt zu sichern“. Daraufhin steigen zwei Polizisten zu – einer nimmt auf dem Beifahrersitz Platz, der zweite bei der Sanitäterin im hinteren Teil des Fahrzeugs.

Seit den ersten Schüssen sind inzwischen nach manchen Angaben 50 Minuten vergangen, nach anderer Rechnung lediglich 20 Minuten.
Offenbar werden keine Maßnahmen getroffen, um die Umgebung des Tatorts zu sichern. Spätestens jetzt rächt sich, dass zu wenige Kräfte im Einsatz sind.

Es fehlen Einheiten, die binnen kurzer Zeit zur Stelle sind. Die Folgen: Die unter Beschuss geratenen Cobra-Leute müssen in Deckung bleiben; es stehen keine gepanzerten Fahrzeuge bereit, um den verletzen Kollegen abzutransportieren oder Sanitäter auf sicherem Weg zu ihm zu bringen. Die dringend benötigte Cobra-Verstärkung setzt sich nämlich erst jetzt nach Annaberg in Bewegung – von der über 100 Kilometer entfernten Einsatzzentrale in Wiener Neustadt aus.

Und so fährt Ortsstellenleiter Dorfwirth mit seiner Ambulanz, deren „Sicherung“ lediglich in den zwei mitfahrenden Polizisten besteht, in den Tod. Denn Huber hat den Schauplatz des Geschehens nicht verlassen, sondern lauert immer noch im Hinterhalt. Später wird es heißen, er habe ein „unübliches Verhalten“ an den Tag gelegt, weil er nicht flüchtete.

Doch was ist ein „übliches Verhalten“ in einem solchen Fall? Die Rettung ist 300 Meter vom Verletzten entfernt, als wieder ein Schuss kracht. Das Projektil durchschlägt die Windschutzscheibe und trifft Dorfwirth tödlich. Der Polizist neben dem 70-Jährigen wird an der Hand verletzt und lässt sich seitlich aus dem Fahrzeug fallen, sein Kollege und die Sanitäterin im Fonds werfen sich zu Boden.

Die Cobra erwidert das Feuer. Ein Projektil streift den Heckenschützen am Bauch. Huber ergreift die Flucht und schlägt sich in westlicher Richtung durch den Wald.

An der Abzweigung der B 28 bei Straßenkilometer 26,6 hat ein Streifenwagen Position bezogen. Die Polizeibeamten Johann Ecker und Manfred Daurer wurden per Funk informiert. Sie wissen, was sich lediglich ein paar Minuten Fahrzeit entfernt gerade abgespielt hat. Wie es Huber gelingt, die beiden zu überwältigen, ist heute nicht mehr zu klären. Um drei Uhr werden von einem Anrainer der Lassinghofsiedlung, wo Ecker und Daurer auf Posten sind, Schüsse gemeldet. Als ein Cobra-Team dort eintrifft, findet es nur noch Ecker, erschossen. Streifenwagen und Daurer sind verschwunden.

Alois Huber befindet sich auf dem Heimweg nach Großpriel bei Melk, neben sich auf dem Beifahrersitz Daurer, der zu diesem Zeitpunkt höchstwahrscheinlich schon tot ist. Inzwischen ist auch Cobra-Mann Baumgartner gestorben: Eine Notoperation im Krankenhaus konnte ihn nicht retten.

Es ist nun kurz nach drei Uhr früh. Es wird weitere zwei Stunden dauern, bis die ersten Polizeieinheiten am Gehöft Hubers im Bezirk Melk eintreffen, also ganze fünf Stunden, nachdem sein Toyota um Mitternacht in einem Garten in der Äußeren Schmelz liegen geblieben ist. Die Behörden wollen anhand des Pickerls, auf dem die korrekte Autonummer eingestanzt ist, Huber bald als Zulassungsbesitzer identifiziert haben. Aber warum wird dann niemand an seine Wohnadresse geschickt? Bis der Transportunternehmer in den frühen Morgenstunden per Handy-Peilung geortet wird – in seinem Haus in Großpriel – hat er Zeit, sich so zu verbarrikadieren, dass ein Pionierpanzer des Bundesheers eine Wand einreißen muss, um den Einsatzkräften Zutritt zu verschaffen.

Bis Dienstag, um sieben Uhr abends, werden 133 Cobra-Leute, 200 Streifenbeamte, 70 Rettungssanitäter, drei Panzerbesatzungen des Bundesheeres und eine Flotte Hubschrauber sowie eine unüberschaubare Zahl an Feuerwehrleuten Hubers Haus umstellen.

Um einen Einsatz zu beenden, für den ursprünglich fünf Leute reichen mussten.