Grünspäne: Zu seinem 50. Jubiläum wird der WWF als intriganter Elite-Club demaskiert

Im September feiert der WWF 50 Jahre Bestand. Ein Enthüllungsbuch demaskiert die „Panda-Cashmaschine“ auch als intriganten Elite-Club, in dem wirtschaftliche ­Interessen ökologische bisweilen dominieren.

Tadel ereilte den WWF auch schon durch Sir Paul McCartney. Der durch seine verstorbene Frau Linda zum glühenden Tierschützer gewandelte McCartney verfasste einen offenen Brief an die Organisation – mit der unmissverständlichen Urgenz, nicht länger Tierversuche mit Chemikalien zu billigen.

Der World Wide Fund For Nature, 1961 als Word Wildlife Fund in der Schweiz gegründet und die zweit­älteste Naturschutzorganisation der Welt, hatte der US-Umweltschutzbehörde EPA zuvor den Segen erteilt, den Einfluss chemischer Substanzen an Tausenden Tieren abzutesten. „Wir sind natürlich nicht grundsätzlich für Tierversuche“, erläutert Gerhard Pock, stellvertretender Geschäftsführer des WWF Österreich. „Trotzdem muss man voranstellen, dass wir uns der Artenerhaltung verschrieben haben, nicht dem Tierschutz. Daraus ergibt sich oft eine ideolo­gische Diskrepanz.“

Eine Diskrepanz, die Robben-Schützerin Brigitte Bardot 2003 zur offenen Attacke gegen den WWF bewegte, dessen kanadische Zweigstelle eine auf 1000 Stück begrenzte Robbenjagd offiziell billigte. Pock dazu heute: „Die Robbenpopulation hatte damals in Kanada einen Rekordstand.“ Dass der WWF immer wieder ins Kreuzfeuer der Kritik gerät und die Attacken dabei auch aus dem Lager der Natur- und Umweltschützer stammen, ist nachgerade charakteristisch. Gilt doch die Organisation, die über fünf Millionen Förderer weltweit verfügt, jährlich weit über100 Millionen Euro lukriert und in über hundert Ländern über 4000 Mitarbeiter beschäftigt, als Paradepartner für so genanntes „Greenwashing“. Greenwashing ist der polemische Terminus für das Phänomen, dass Konzerne mit untermittelmäßiger Öko­bilanz sich durch Spenden und einschlägige Projekte von ihren Sünden reinwaschen. 2007 ging der WWF mit Coca-Cola eine solche Allianz ein. Der multi­nationale Konzern verbraucht zur Erstellung seines Produkts Milliarden Liter von Trinkwasser, was in den wasserknappen Produktionsstätten der Entwicklungsländer einschneidende Konsequenzen für die Wasserversorgung der dortigen Bevölkerung zur Folge hat. Für eine Spendensumme von 20 Millionen Dollar posierte der WWF als „offizieller Partner“ mit dem Limonadengiganten, der die Aktion mit dem Slogan „This is our drop“ bewarb. „Ein wirkliches Schnäppchen angesichts der daraus resultierenden PR-Lawine“, kritisierte die britische Tageszeitung „The Guardian“, „und Coca-Cola verspricht jetzt, unter der Wachsamkeit des WWF ‚wasserneutral‘ zu werden. Was das jedoch genau bedeutet, scheint keiner noch zu wissen.“

Just am 11. September 2011 jährt sich zum 50. Mal die Gründung der als erzkonservativ geltenden Umweltorganisation, die mit dem Pandabären eines der weltweit bekanntesten Logos besitzt. Die „Panda-Cashmaschine“, so das Online-Medium „Counterpunch“, ist auch Gegenstand eines in Kürze erscheinenden Enthüllungsbuchs, das profil vorab exklusiv vorliegt. Autor von „WWF – Die Biografie“ (Collection Rolf Heyne) ist der renommierte Schweizer ­Historiker und Einstein-Biograf Alexis Schwarzenbach, der Zugang zu bisher unveröffentlichten internen Protokollen des WWF bekam und bei seinen Recherchen unter anderem auch vom langjährigen WWF-international-Präsidenten und britischen Prinzgemahl Philip unterstützt wurde. Das daraus entstandene Werk taugt alles andere als zur Festschrift, wurde vom WWF selbst aber weder be- noch verhindert. „Die Geschichte des WWF zeigt“, resümiert Schwarzenbach seine zweijährigen Recherchearbeiten, „dass sich finanzielle Abhängigkeiten, persönliche Verwicklungen und internationale Lobbyarbeit selten konfliktfrei vereinen lassen.“

Konservativ & elitär.
Im Gegensatz zu anderen Umwelt- und Naturschutzorganisationen, die häufig aus ökologischen Protestbewegungen entstanden waren, wie etwa die 1971 in Vancouver gegründete Organisation Greenpeace, ein Derivat des Widerstands gegen die US-Atomwaffentests, herrschte beim WWF seit jeher ein ganz anderes Klima. Weit entfernt von Anarchie, linker Ideologie und trotzigem Weltveränderungsromantizismus regierte in den Züricher Räumlichkeiten der Löwenstraße 1 (der ersten Adresse des WWF, inzwischen ist man nach Gland bei Genf übersiedelt) von Anbeginn an die arrogante Selbstherrlichkeit der „upper class“ in Kombination mit einem unbeirrbaren Konservativismus und einem Kapitalismusverständnis, das im Hinblick auf Spendenlukrierung durchaus die Berührung mit umweltsündigen Großkonzernen nicht scheute. „Ich glaube fest daran, dass es besser ist, die Industrie aufzuklären und mit ihr zusammenzuarbeiten, als gegen sie zu kämpfen“, definierte der Brite Guy Montfort, einer der Väter des WWF und gleichzeitig Direktor einer international renommierten Werbeagentur, gleich ­anfangs das Selbstverständnis der Gruppierung. Mit dieser Haltung verhalf Montfort dem WWF bereits in den Gründerjahren zu ideologisch zweifelhaften Schieflagen. Zwar spendete Monforts Werbeklient Shell noch 1961 eine Summe von damals beachtlichen 10.000 Pfund an den WWF, erwarb sich damit aber auch ein gewisses Entgegenkommen. So sollte Shell die Debatte über die Gefahren von Pestiziden, einer Hauptumsatzquelle des Konzerns, fortan aktiv mitgestalten – und durfte obendrein davon ausgehen, dass keine WWF-Zweigstelle sich mehr öffentlich gegen die Konzerninteressen stellen würde. Eine frühe Mesalliance mit der Ölindustrie, die darin gipfelte, dass der damalige Shell-Chef John Loudon 1977 vier Jahre lang als Präsident des WWF international firmierte.

Neben dem Werber und Hobby-Ornithologen Monfort gilt eine Reihe schillernder Persönlichkeiten als Geburtshelfer des WWF: der britische Biologe Julian Huxley; Max Nicholson, langjähriger Generaldirektor der britischen Naturschutzbehörde; ­Peter Markham Scott, Sohn des berühmten Arktisforschers Robert Falcon Scott, der ­nebenbei auch das Panda-Logo in nur ­zwanzig Minuten entwarf; Luc Hoffmann, Schweizer Zoologe und Enkel von Fritz Hoffmann-La Roche, Begründer des Pharmakonzerns. Die Schweiz erkor man trotz der Britenlastigkeit unter den Gründungsmitgliedern aus rein psychohygienischen Gründen als Hauptsitz – im Gegensatz zu Großbritannien hatte sie keine kolonialistischen Blutspuren in Indien und Afrika, den dringlichsten Naturschutz-Patienten, hinterlassen. Mit einer Schweizer Adresse ließ es sich mit den oft durch den britischen Kolonialismus schwer traumatisierten Regierungen leichter verhandeln. Auf das kreative Konto des 2003 verstorbenen Werbefachmanns Monfort ging auch die Wahl des Pandabären als Symboltier, da dieser sehr schnell erkannte, dass „die traurigen Augen von gefährdeten Tierarten“ die beste emotionale Sogwirkung für eine effiziente Spendenbeschaffung präsentierten. Der Pandabär war „knuddelig“, gefährdet und ein Mythos, da die wenigsten Menschen in Europa je einen zu Gesicht bekommen hatten. Erst der österreichische Wildhändler Heini Demmer exportierte die Pandadame Chi-Chi 1957 aus China, die europaweit Furore machte und schließlich im Londoner Zoo landete, wo sie 1972 verstarb. Dass der WWF sein vom Aussterben bedrohtes Wappentier – weltweit existieren gerade einmal 1000 ­Exemplare – dauerhaft vor einem Populationsschwund bewahren konnte, ist jedoch leider eine Illusion. Im berühmten Wolong-Wildreservat im nördlichen China ist die Zahl der dort lebenden Pandabären inzwischen von 145 auf unter 70 Exemplare geschrumpft. Größte Bedrohung ist dort der vom WWF nicht unterbundene Fotosafari-Tourismus, der den scheuen Pandabären, die nur an ganz wenigen Tagen paarungsbereit sind, schwer zu schaffen macht.

Das größte Paradoxon in der WWF-­Historie lieferte jedoch Prinz Philip, der dem elitären WWF-Zirkel 15 Jahre lang als Schirmherr, Tür- und Börselöffner diente. Der Herzog von Edinburgh hatte noch 1961 auf einem Staatsbesuch in Indien an der Seite seiner Frau, Königin Elizabeth II., die Einladung zur Tigerjagd angenommen und sich stolz vor dem erlegten Tier fotografieren lassen. Die Verhinderung der Ausrottung der Tiger galt von Anfang an als eines der wichtigsten WWF-Anliegen, zum Kampagnengegenstand avancierte sie in den siebziger Jahren. Auch als Philip 1961 die Präsidentschaft des britischen WWF antrat, dachte er nicht daran, von Übersee- und Großwildjagden abzulassen. „Ist der Prinz eine Bereicherung oder eine Belastung?“, stellte man sich – laut Sitzungsprotokollen – oftmals die Frage, denn Philip weigerte sich lange beharrlich, von seinen Usancen abzurücken. Ein interner Schriftverkehr dokumentiert, dass er unter keinen Umständen mit der „lächerlichen“ League Against Cruel Sports, einer britischen Tierschutzaktivistengruppe, die sich vor allem gegen die Fuchsjagd starkmacht, in Verbindung gebracht werden wollte. Und auch generell keine Anti-Jagdlinie des WWF zu unterstützen gedachte. Doch sanfte PR-Strategen, die den Eindruck, beim WWF handle es sich vor allem um eine Gruppe „reicher Jäger“, zum Verschwinden bringen wollten, zeigten den späteren Präsidenten des WWF international (von 1981 bis 1996) in Folge vor allem auf Fotosafari.

Prinzlicher Problemfall.
Dabei waren Philips Extravaganzen noch vergleichsweise harmlos. Einer seiner Vorgänger, Prinz Bernhard der Niederlande (Präsident des WWF international von 1962 bis 1976), hatte die Organisation Mitte der siebziger Jahre in eine mehr als missliche Lage manövriert. Der US-Senat hatte 1975 ans Licht gebracht, dass der US-Flugzeughersteller Lockheed durch Zahlung von Schmiergeldern an Aufträge gekommen war. Dabei wurde auch öffentlich, dass Prinz Bernhard von Lockheed eine Million Dollar für den WWF gefordert hatte – für das Versprechen, die niederländische Regierung werde Lockheed-Flugzeuge ordern. WWF-Gründungsmitglied Peter Scott hatte 1976 die undankbare Aufgabe, den Prinzgemahl als WWF-Präsidenten zu feuern. Doch auch nach seinem Amtsausstieg sollte Königin Julianas Mann dem WWF dramatischen Schaden zufügen. Mit dem Anliegen, die Wilderei gegen die vom Aussterben bedrohten Spitzmaulnashörner in Afrika zu unterbinden, beauftragte der Prinz Ende der achtziger Jahre die dubiose britische Security-Firma KAS. Bernhards Auftrag an das Unternehmen lautete, die oftmals von südafrikanischen Regierungsbeamten geleiteten Schmuggler der begehrten Nashorn-Trophäen aufzuspüren und auszuschalten. Wie sich später herausstellen sollte, nützte KAS Bernhards Gutgläubigkeit und spionierte im Zuge der Operation auch für das südafrikanische Apartheid-Regime, das zum damaligen Zeitpunkt in den letzten Zügen lag. So unterstützte Prinz Bernhard, wider sein Wissen, ein Terror­regime und manövrierte den WWF erneut in ein äußerst schiefes öffentliches Licht. Von unberechenbaren Royals in Führungspositionen scheint man inzwischen genug zu haben. Nach einem nigerianischen Diplomaten bekleidet das Amt des Präsidenten des WWF international seit 2010 die ehemalige Umweltministerin von Ecuador, Yolanda Kakabadse. Und auch was die Finanzallianzen mit umweltbedrohenden Konzernen betrifft, scheint der WWF im 50. Jahr dazuzulernen. „Mit einem Ölkonzern wäre eine Kooperation heute undenkbar“, so Gerhard Pock vom WWF Österreich. „Keine Kinderarbeit, Nachhaltigkeit und die betriebsinterne Senkung der CO2-Emissionen um mindestens 15 Prozent sind die Voraussetzung.“ Spät, aber doch ist beim WWF auch intern Grünwaschtag angesagt.

Mitarbeit: Tina Goebel