Iran-Wahl - Keine Angst vor den Persern:
Warum sich niemand fürchten muss

Diesen Freitag wird ein neuer Präsident gewählt. Zehn Gründe, warum sich die Welt nicht von Teheran bedroht fühlen muss – ganz egal, wer am Ende das Rennen macht.

Von Georg Hoffmann-Ostenhof und Gunther Müller

Alle Augen sind auf den Iran gerichtet. Ist es eine Schicksalswahl, wenn sich am kommenden Sonntag entscheidet, ob Mahmud Ahmadinejad weitere vier Jahre Präsident bleibt oder der islamistische Eiferer von einem der moderateren Herausforderer besiegt und abgelöst wird? Würde eine Bestätigung Ahmadinejads das Ende des erst jüngst von der neuen Obama-Regierung eingeschlagenen Entspannungskurses gegenüber Teheran bedeuten? Oder aber: Bleibt der Iran auch unter einem eher reformerischen Präsidenten ein Schurkenstaat? Vor allem aber stellt sich die grundlegende Frage: Wie gefährlich ist der Iran? Muss die Welt Angst vor einer nuklear gerüsteten islamischen Republik haben, oder aber ist diese Angst das Produkt einer gezielten Dämonisierung, die von den Neokonservativen in Washington des George W. Bush in Gang gesetzt und von israelischen Rechtsregierungen dankbar aufgegriffen wurde?

Wieder wandelt jedenfalls Mahmud Ahmadinejad auf den Spuren von David Irving. Der iranische Präsident kann es nicht lassen. Mittwoch vergangener Woche – inmitten des Endspurts des Präsidentschaftswahlkampfs – attackierte er in einer Rede anlässlich des 20. Todestags von Ayatollah Khomeini, dem Gründer der Islamischen Republik, die westliche liberale Demokratie. Die entlarve sich dadurch, dass sie „das kriminellste Regime der Menschheitsgeschichte, das zionistische Regime, unterstützt, indem es den Holocaust-Schwindel verwendet“. Der präsidentielle Holocaust-Leugner hat bekanntlich auch gedroht, das ­„zionistische Besatzungsregime“ werde ausgelöscht werden (so wie einst das Schahregime und die Sowjetunion). Dass die Mentoren der radikal-islamischen Gruppierungen – Hisbollah im Libanon und Hamas in den Palästinensergebieten – in Teheran sitzen, ist bekannt. All das zusammen macht es allzu verständlich, dass man sich in Israel bedroht fühlt – nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund der Shoah-Erfahrung der Juden.

Der Großteil der westlichen Regierungen sieht gleichermaßen in der hartnäckigen nuklearen Ambition der Perser eine wesentliche Gefahr für den globalen Frieden. Die Frage bleibt freilich, ob sich die Region und die Welt wirklich vor dem Iran fürchten müssen.

profil führt zehn Gründe an, warum die internationale Gemeinschaft die persische Entwicklung trotz der aggressiven Rhetorik der iranischen Führung und trotz der Hartnäckigkeit, mit der Teheran an seinem Programm der Urananreicherung festhält, mit mehr Gelassenheit und ohne Hysterie verfolgen kann.