Die vergessene Katastrophe

Der Klimawandel nimmt immer bedrohlichere Ausmaße an. Während sich die Verhandlungen über eine Reduktion der Treibhaus-gase ergebnislos dahinschleppen, heizt sich der Planet ungebremst weiter auf. Auch die UN-Klimakonferenz Ende November wird daran nichts ändern.

Von Bernhard Pötter

ie einsame Meeresbucht ist kilometerweit mit Packeis bedeckt, in der Ferne glänzen schroffe Berge goldbraun in der Sommersonne. Hier, am Fjord des gewaltigen Petermann-Gletschers in Grönland, wollen die beiden Klimaforscher Jason Box vom Byrd Polar Research Center in den USA und Alan Hubbard von der britischen Aberystwyth University den Status des Gletschers im Film festhalten.

Es ist der 24. Juli 2009.
Auf den Tag genau zwei Jahre später kehren sie zurück und richten die Kamera auf die gleiche Stelle: Die Bilder zeigen nur noch blaues Meer bis zum Horizont – und versprengte Eisschollen. 2010, im Jahr zwischen den Aufnahmen, war ein Stück des Gletschers abgebrochen, das „viermal die Größe Manhattans hatte und den Gletscher um 13 Kilometer verkürzte“, so das Wissenschaftsmagazin „New Scientist“.

Der Klimawandel verändert den Planeten, vor allem seine Polgebiete – und das im Zeitraffer. Im vergangenen September meldeten Wissenschafter der Universität Bremen einen neuen Negativrekord: Das Eis am Nordpol habe in diesem Jahr nur noch 4,24 Millionen Quadratkilometer bedeckt, so wenig wie noch nie seit dem Beginn der Aufzeichnungen vor 32 Jahren. Das Meereis habe sich um etwa 30.000 Quadratkilometer weiter zurückgezogen als noch im Rekordjahr 2007, eine Fläche so groß wie Niederösterreich und Kärnten zusammen. Den Forschern ist klar: Das Eis in der Arktis schmilzt immer schneller. Statt zum Ende des Jahrhunderts, wie es der UN-Klimarat IPCC noch im Jahr 2007 angenommen hatte, könnte die Arktis in den Sommermonaten schon etwa ab dem Jahr 2030 eisfrei sein.

Eine neue Eiszeit hingegen herrscht nur wenige Wochen später am anderen Ende der Welt: Ende Oktober konnten sich die UN-Staaten bei einem Treffen im südafrikanischen Kapstadt nicht darauf einigen, wie der „Grüne Klimafonds“ die Zahlung von Hilfsgeldern aus den Industrieländern an die armen Staaten regeln soll. Eigentlich sollte die Entscheidung vor der am 28. November im südafrikanischen Küstenort Durban beginnenden UN-Klimakonferenz fallen, aber sie wird erneut aufgeschoben.

Weder die Rekordschmelze im Norden noch die Verhandlungsblockade im Süden schaffen es auf die Titelseiten der Zeitungen. Zu sehr sind Medien und Politik mit der eskalierenden Eurokrise beschäftigt. Während sich die vom Menschen erzeugte Veränderung der Erdatmosphäre beschleunigt, nimmt die Geschwindigkeit ab, mit der die Staatengemeinschaft auf diese größte Bedrohung „für unsere Sicherheit“ (UN) und „für die wirtschaftliche Erholung“ (OECD) reagiert. Mitten in einer weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise stolpert die Weltgemeinschaft wieder einmal mit Ansage in eine Katastrophe. Und wieder sind die Gegenmaßnahmen zu gering und zu lasch, und wieder wird kein Rettungsschirm groß genug sein, um das Desaster abzuwenden. Gleichzeitig ist das Interesse der einzelnen Länder an der Klimathematik sehr ungleich verteilt. Während die Thais schon vor den sintflutartigen Regenfällen in Bangkok reges Interesse an Klimafragen zeigten, ist weniger als die Hälfte der US-Amerikaner an dem Thema interessiert; die jahrelange aggressive Lobbyarbeit der „Klimaskeptiker“ vor allem in der republikanischen Partei trägt Früchte.

Von der Klimakonferenz in Durban erwarten inzwischen nicht einmal mehr die Emissäre selbst einen Durchbruch oder entscheidende Schritte zur Rettung der Welt. Ausgestattet mit so viel wissenschaftlichen Daten wie nie zuvor und mit einer klaren Vorstellung von der kommenden Katastrophe, treiben die Staaten genau auf das Szenario zu, das sie 1992 in der UN-Klimarahmenkonvention zu vermeiden geschworen haben: eine Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre, die zu einer „gefährlichen menschengemachten Störung des Klimasystems“ führen kann. Beobachter und Unterhändler sind durch den zähen jahrzehntelangen Verhandlungsprozess abgestumpft. Sie haben sich längst an den Gedanken gewöhnt, dass in der Klimafrage noch die schlimmsten Prognosen von der Realität überholt werden.

Das lässt sich an vielen Daten ablesen: Der Ausstoß von Treibhausgasen ist im Jahr 2010 um sechs Prozent und damit so stark gestiegen wie noch nie zuvor, melden US-Forscher und die Internationale Energieagentur (IEA). Zwar zeigt sich dar­in auch ein Aufholen nach dem Krisenjahr 2009, doch es ist vor allem das großteils mit Kohle befeuerte Wirtschaftswachstum in China und Indien, das weltweit so viel Treibhausgase in die Luft bläst wie nie zuvor. Mit etwa 37 Milliarden Tonnen CO2 lädt der Mensch jedes Jahr die Atmosphäre auf – eine Realität, die schlimmer ist als die pessimistischsten Szenarien des IPCC von 2007.

Kurz vor Bekanntwerden der neuen Daten wiesen Forscher am Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (PIK) zum ersten Mal eine Verbindung zwischen dem Klimawandel und veränderten Wettermustern nach. So sei die Hitzewelle in Russland im Sommer 2010 mit ihren verheerenden Waldbränden mit großer Wahrscheinlichkeit auf den „langfristigen Trend der Klimaerwärmung zurückzuführen“. Auch global steigt durch den Klimawandel die Anzahl extremer Wetterereignisse wie große Hitze, Starkregen und Überflutungen. In einem Sondergutachten, das am 18. November veröffentlicht wird und das profil vorab vorliegt, sagen die Wissenschafter voraus, dass die wirtschaftlichen Verluste steigen und vor allem arme Länder besonders verwundbar seien. Menschen in den Industrieländern verlören durch Hitze und Wasser ihr Eigentum, Menschen in den armen Staaten dagegen ihr Leben: Im Zeitraum 1979 bis 2004 waren 95 Prozent aller in den Entwicklungsländern registrierten Todesfälle auf Naturkatastrophen zurückzuführen.

Die realen Auswirkungen der Erderwärmung in den Ozeanen, Regenwäldern und an den Küsten der Kontinente sind eine völlig andere Welt als die virtuelle Klimapolitik, zu der sich alle paar Monate der Wanderzirkus von Tausenden Beamten, Politikern, Wissenschaftern und Journalisten trifft. Naturwissenschaftlich ist der Klimawandel eine relativ klare Sache, die kaum noch ein ernst zu nehmender Wissenschafter leugnet. Die Verhandlungen, zu denen sich Vertreter von 194 Staaten der Klimarahmenkonvention UNFCCC alle drei Monate treffen, sind extrem kompliziert und vielschichtig. Selbst Delegierte geben zu, dass niemand mehr den Überblick über alle Themen hat, die gleichzeitig verhandelt werden. Kein Wunder: Klimaverhandlungen betreffen nur dem Namen nach Ökothemen. Deshalb entsenden viele Länder nicht ihre Umweltminister, sondern Delegationen aus Wirtschafts- und Außenpolitikern.

Denn ob in Kopenhagen, Cancún oder jetzt in Durban – es geht um sehr viel mehr als um ein paar Milliarden für den Regenwald oder ein paar Dutzend weniger Kohlekraftwerke. Die Klimaverhandlungen sind die Bühne, auf denen ein globales Powerplay stattfindet: zwischen den alten Industrieländern und den aufstrebenden Schwellenländern; zwischen den USA und China, die auf militärischem, politischem und wirtschaftlichem Terrain um den Status der Supermacht kämpfen; zwischen hilflosen Europäern und den noch hilfloseren Inselstaaten oder afrikanischen Ländern, die ihre Bevölkerung bereits jetzt bedroht sehen und wissen, dass ein ungebremster Klimawandel etwa die Ernährungslage im Afrika südlich der Sahara extrem zuspitzen wird.

Die Bewohner der Malediven wiederum planen ihre Evakuierung aufs Festland. Denn die Inselgruppe ragt nur einen Meter aus dem Wasser, und der Meeresspiegel steigt weltweit schneller an als angenommen: Bisher ging der UN-Klimarat IPCC von einem Anstieg um maximal 60 Zentimeter bis zum Jahr 2100 aus – heute rechnen Experten mit mindestens einem Meter. Wieder einmal zeigt sich, dass der Vorwurf an die IPCC-Wissenschafter, sie schlügen falschen Alarm, unberechtigt ist. Ihre bisherigen Annahmen haben sich im Gegenteil eher als zu vorsichtig erwiesen.

Genau diese Entwicklung sollte ein Abkommen von 1997 verhindern, das bis heute der größte Erfolg und die grundlegende Rechtfertigung der Klimadiplomatie ist: das Kioto-Protokoll. In dem Ab­kommen verpflichteten sich die Indus­triestaaten erstmals rechtlich verbindlich, ihren Ausstoß an Treibhausgasen bis 2012 um etwa fünf Prozent gegenüber 1990 zu drosseln. Anders als allgemein behauptet, war Kioto bei den Emissionsreduzierungen keineswegs ein Flop. So errechnete etwa die staatliche niederländische Umweltagentur PBL, dass der Ausstoß von Treibhausgasen der Kioto-Staaten im Jahr 2011 um elf Prozent unter dem Wert von 1990 liegen werde. Auch die EU wird ihr Klimaziel von minus acht Prozent erreichen, schreibt die Europäische Umweltagentur EEA – auch wenn einzelne Mitgliedsstaaten wie Österreich weit davon entfernt sind.

Doch diese Erfolge sind nur vordergründig. Denn die Emissionen wurden nicht durch eine zukunftsgerichtete Energiepolitik verringert – sondern zum größten Teil schlicht durch den Zusammenbruch der sozialistischen Systeme Osteuropas und ihrer extrem schmutzigen Industrien: Im Vergleich zum Kioto-Jahr sind durch den Niedergang von Russland und seinen ehemaligen Satelliten allein 40 Prozent der Emissionen weggefallen. Außerdem hat sich auch die Welt der Klimasünder seitdem radikal verändert. Die USA, die das Protokoll noch unterzeichnet hatten, ratifizierten es nicht, stiegen unter Präsident George W. Bush aus dem Prozess aus und sind auch unter Barack ­Obama nicht mehr an den Verhandlungstisch zurückgekehrt. China ist zum weltgrößten Kohlendioxid-Verschmutzer geworden.

Im Zuge ihrer wirtschaftlichen Aufholjagd schleudern mittlerweile Indien, Brasilien, Südafrika oder Indonesien etwa genauso viel CO2 in die Atmosphäre wie die Industriestaaten. Weil aber diese Entwicklungs- und Schwellenländer unter dem Kioto-Protokoll von allen Verpflichtungen freigestellt sind, zählen ihre Emissionen nicht in den offiziellen Statistiken. Trotz Erreichen der Kioto-Ziele stieg global der Ausstoß von Treibhausgasen zwischen 1990 und 2008 um fast 40 Prozent. Die EU ist allerdings inzwischen nur noch für elf Prozent dieser globalen Emissionen verantwortlich, sagt die Brüsseler Klimakommissarin Connie Heedegard. Das verringert beim Klimapoker natürlich das Gewicht der Europäer, die bereits im Jahr 2009 beim gescheiterten Klimagipfel in Kopenhagen (den Heedegard als damalige Umweltministerin eine Zeit lang geleitet hatte) schmerzhaft zu spüren bekamen, dass sie in entscheidenden Situationen in die zweite Reihe gedrängt werden.

Doch Europas Weste ist nicht so weiß, wie es die Zahlen nahelegen. Denn neben dem Zusammenbruch der CO2-Schleudern im Osten des Kontinents schönt noch eine zweite Entwicklung die Bilanz aller Industriestaaten: Wenn sie im Zuge der Globalisierung Standorte von Industrien verlagern, wandern die Emissionen mit aus – und landen auf den nationalen Konten der Schwellenländer. „Durch ihren Konsum haben die meisten Industrieländer zu mehr Emissionswachstum in Entwicklungsländern beigetragen, als sie durch Klimaschutz zu Hause eingespart haben“, sagt Jan Christoph Minx vom Forschungsbereich Klimaökonomie der TU Berlin – und zwar fünfmal so viel. Nur durch diese „grauen Emissionen“ seien die Indus­triestaaten in der Lage gewesen, ihre Klimaziele „mit vergleichsweise geringen Anstrengungen und trotz wachsendem Konsums zu erreichen“.

Das zeigt, wie verworren die Lage bei den Klimaverhandlungen ist. Nach wie vor belauern sich die Supermächte China und die USA, wer als Erstes international verpflichtend erklärt, die Emissionen zu drosseln. Die Europäer wären gern Vorreiter, werden aber in Durban von Polen vertreten, einem Land, das in der EU bisher jeden Klimaschutz blockierte; niemand weiß, welchen Kurs die Länder der „Arabellion“, wie Ägypten oder das Ölland Libyen, fahren werden. Die Lateinamerikaner sind unter Führung des antikapitalistischen Bolivianers Evo Morales immer für eine Blockade gut, wie es in Cancún versucht wurde. Wie deutlich sich die internationalen Gewichte verschoben haben, ließ sich erst vor zwei Wochen beim G20-Gipfel in Cannes beobachten: Da mussten Europäer und Amerikaner die Chinesen, Inder, Brasilianer und Koreaner bitten, mit ihrem Geld die Finanzen der Industriestaaten vor der Kernschmelze zu bewahren.
Der echte GAU im japanischen Atomkraftwerk Fukushima hat die Lage noch weiter verkompliziert. Staaten wie Japan, die ihre Klimaziele mit dem Ausbau der Nukleartechnik geplant hatten, denken nun über die Alternative Kohle, Öl oder Gas nach – was höhere Emissionen nach sich zöge. Vor einem Rückschritt warnt denn auch das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP), weil dieser eine wirtschaftliche Katastrophe für die Entwicklungsländer bedeute. Der „ökonomische Fortschritt könnte bis 2050 ins Stocken geraten oder sogar zurückgehen, wenn keine drastischen Maßnahmen ergriffen werden, um die Länder auf die Auswirkungen des Klimawandels vorzubereiten“.

Vor allem die armen Gegenden des südlichen Afrika seien von Überschwemmungen, Wassermangel und einem Rückgang der Lebensmittelproduktion bedroht. Denn wenn sich der derzeitige Emissionstrend fortsetzt, ist die Welt auf dem Weg zu einer globalen Erwärmung von etwa vier Grad Celsius bis zum Jahr 2100, ­errechneten Wissenschafter im Auftrag des UN-Umweltprogramms UNEP. Das ist das Doppelte dessen, was die Staaten in Cancún als Obergrenze toleriert hatten – und der Weg in eine andere Welt. So spricht etwa der US-Journalist und Klimaaktivist Bill McKibben von der „Eerde“, weil der Klimawandel inzwischen unseren Planeten unwiderruflich in einen anderen Ort verwandelt hat.

Und auch der „Stern-Report“, den der Weltbank-Ökonom Sir Richard Stern im Auftrag der britischen Regierung erstellt hatte, malt ein düsteres Bild von einer im Mittel um vier Grad wärmeren Erde: Bis zu 300 Millionen Menschen jährlich werden zusätzlich von Überschwemmungen an Meeresküsten betroffen sein, im südlichen Afrika und am Mittelmeer wird Wasser knapp, viele Tier- und Pflanzenarten sterben aus. Dazu kommt: Niemand weiß, wann der Klimawandel „Kipppunkte“ überschreitet, an denen er sich selbstständig verstärkt. Das Auftauen der Permafrostböden in Russland setzt große Mengen des Treibhausgases Methan frei, die das Klima weiter aufheizen; der Amazonas-Regenwald könnte zur Steppe werden, der Golfstrom abreißen oder der indische Monsun ausfallen. Manche Forscher sehen in der eisfreien Arktis bereits einen ersten solchen „Kipppunkt“ überschritten.

Diesen Szenarien nähern wir uns mit Riesenschritten, weil die Anstrengungen nicht reichen, schreibt die UNEP. Es gebe eine „Gigatonnen-Lücke“ zwischen den unverbindlichen Zusagen an Emissionsreduktionen, welche die Länder 2009 in Kopenhagen gemacht hatten, und dem wissenschaftlich nachgewiesenen Bedarf: Das angestrebte Ziel einer mit zwei Grad wärmeren Erde bis 2100 wird demnach um fünf Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr verfehlt. Bisher täten die Staaten „nur 60 Prozent“ des Nötigen, sagen die UN-Umweltschützer.

Fünf Milliarden Tonnen entsprechen etwa dem jährlichen CO2-Ausstoß der USA. Aber wer tut am meisten, um Emissionen zu reduzieren? Deutschland etwa baut massiv die erneuerbaren Energien aus, China beschloss, seine Energieeffizienz zu steigern, einen Emissionshandel zu testen und verbietet den Gebrauch von Glühbirnen. Das Stockholm Environment Insti­tute (SEI) fand heraus: Die Schwellenländer strengen sich beim Klimaschutz mehr an als die Industriestaaten. „Die Vorschläge der Schwellenländer vom Kopenhagen-Gipfel ergeben zusammen Emissionsreduktionen, die über den Zusagen der Industrieländer liegen“, heißt es in einer breit angelegten Untersuchung.

Diese Lücke wird auch Durban nicht schließen. Das große Thema in Südafrika wird die Zukunft des Kioto-Protokolls sein. Immerhin verhandelt die Konferenz seit Jahren auf zwei Gleisen: rund um Kioto, wo etwa die USA nur Zuschauer sind – und „unter der Konvention“, wo alle mitreden. Diesen Spagat wird auch Durban nicht schaffen: Denn die USA reagieren allergisch auf Kioto, die Entwicklungsländer unter der Führung Chinas wollen den Vertrag, der nur die anderen bindet und ihnen alle Freiheiten lässt, auf jeden Fall behalten. Ende 2012 allerdings laufen die Verpflichtungen aus dem Protokoll aus, die Zukunft des globalen Klimaschutzes hängt damit in der Luft.

Einen Erfolg sähen viele Unterhändler allein schon in der Vereinbarung, dass die Industrieländer mit dem Klimaschutz weitermachen und die Schwellenländer damit anfangen. Ein „Klimafonds“, mit dem arme Länder beim Kampf gegen den Klimawandel unterstützt werden sollen, könnte ebenso verabschiedet werden wie Regeln über Know-how-Transfer von Nord nach Süd. Und ein Durchbruch sähe so aus: Die Staaten beschließen, bis 2015 das zu verhandeln, was alle eigentlich für dringend nötig halten: ein umfassendes, verbindliches Abkommen, um die größte Gefahr für das Leben und das Überleben auf der Erde zu bannen. Aber darf man so viel Vernunft er­warten?