Privatpensionen: Österreichern bleibt nur Verlust und Ärger

Ärger und Verlust, das bleibt 5,2 Millionen Österreichern von den hochgelobten privaten Pensionen. Vor zehn Jahren gab es hochtrabende Versprechen. Nun zeigt sich: Die zugesagten Renditen sind überzogen, die Bürokratie ist überbordend. Für Gier, Rechenfehler und Dilettantismus will niemand die Verantwortung übernehmen.

Post von seiner Abfertigungskasse bedeutet für Christoph Huber verlässlich Ärger. Noch heute klingen dem 44-jährigen IT-Techniker die vollmundigen Versprechen im Ohr: Sechs Prozent Rendite sollte die „Abfertigung neu“ abwerfen. Seit Huber im Juli 2004 den Job wechselte, weiß er, dass die Abfertigung eher ein Zwangssparen ohne Rendite ist. Das Zwischenergebnis nach neun Jahren: Null Cent Rendite. Selbst mit einem simplen Eckszinssparbuch hätte er vergleichsweise üppige Gewinne eingefahren.

Als Sabine Zhang aus Shanghai zurückkehrte, wo sie sechs Jahre lang gearbeitet hatte, war sie in ihren Dreißigern – also im besten Alter, um eine „Grasser-Pension“ abzuschließen, die damals mit großem Tamtam unter das Volk gebracht wurde. 9,5 Prozent legte der Staat auf die Prämiendrauf. Nun, nach zehn Jahren, tendiert die Rendite der Polizze gegen Null. Zhang hätte die 70 Euro Monatsprämie genauso gut unter ihre Matratze schieben können.

Max Arbesser ging im Jahr 2004 in den Ruhestand – und erlebte einen Pensionsschock der besonderen Art: „Meine Firmenpension war um 25 Prozent niedriger als versprochen.“ Seither kann der Ex-Manager der ehemaligen CA-Bank Austria zusehen, wie das Geld in seiner Pensionskasse schrumpft. Der 71-Jährige kalkuliert seine Verluste mittlerweile mit „fast 50 Prozent“ und resümiert bitter: „Wir wurden über den Tisch gezogen.“

Zhang, Huber und Arbesser sind nicht allein. Sie gehören zum Millionenheer, das sich verschaukelt fühlt. 1,6 Millionen Österreicher haben den Slogans von Schwarz-Blau vertraut und eine staatlich geförderte Zukunftsvorsorge abgeschlossen. 2,8 Millionen zahlen in eine Abfertigungskasse ein. 820.109 sind in einer Pensionskasse, 76.000 davon schon im Ruhestand. In Summe erleben nun 5,2 Millionen Österreicher, was von den hochgelobten Privatpensionen bleibt: Verluste, Ärger und falsche Versprechen.

Die zweite und dritte Säule des Pensionssystems, wie sie im Fachsprech heißen, entpuppen sich als veritabler Schwindel. Eine Kombination aus Fehlkalkulationen und Vortäuschung falscher Tatsachen lässt die zugesagten Renditen im Nachhinein wie Hohn erscheinen. Bei der Abfertigung neu wird das versprochene Jahresgehalt nie auch nur ansatzweise erreicht werden. Und bei der staatlich geförderten Zukunftsvorsorge – vulgo Grasser-Rente – dümpeln die Erträge nach zehn Jahren weit unter der Inflationsrate dahin. Schon vor der Finanzkrise waren die Renditen dürftig, seither sind sie eingebrochen. Im August laufen die ersten Pensionsverträge ab, dann droht ein böses Erwachen ...

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