Das Last-Minute-Geschenk

profil enthüllt die Hintergründe der Telekom-Aktienaffäre aus dem Jahr 2004. Wie ein Vorstandsassistent einen Börsenmakler dazu anstiftete, den Kurs der Telekom – Papiere zu manipulieren – und eine Gruppe Telekom-Manager damit um neun Millionen Euro reicher machte.

Johann Wanovits kann, darf oder will nicht reden. Nicht jetzt. Nicht darüber. Und schon gar nicht mit diesem Magazin. Mittwoch vergangener Woche ersuchte profil den Gründer und langjährigen Vorstandsvorsitzenden des kleinen Wiener Wertpapierhandelshauses Euro Invest Bank AG kurzfristig um einen Termin, Stichwort: Telekom Austria. Wanovits sagte zunächst spontan für den nächsten Tag zu, um wenig später wieder abzusagen: „Ich habe in dieser Angelegenheit wirklich nichts zu sagen, sorry.“
Gernot Schieszler, einst Manager der Telekom Austria, hätte womöglich noch sehr viel mehr zu erzählen. Aber auch er zieht es vor zu schweigen. „Mein Mandant will sich dazu vorerst nicht äußern“, erklärt Schieszlers Rechtsanwalt Stefan Prochaska.

Johann Wanovits und Gernot Schieszler: Das ist die Geschichte einer sehr kurzen, wenn auch sehr engen Geschäftsbeziehung. Einer Geschäftsbeziehung aus konspirativen Wertpapierspekulationen, diskreten Geldübergaben in Kuverts, absolutem Stillschweigen. Einer Geschäftsbeziehung, die ein Grüppchen leitender Telekom-Angestellter um zusammen neun Millionen Euro reicher machen sollte. Einer Geschäftsbeziehung schließlich, für die sich nunmehr die Staatsanwaltschaft Wien interessiert – es geht um mutmaßliche Untreue, möglicherweise auch um Betrug und einen wachsenden Kreis teils sehr prominenter Verdächtiger, für welche selbstredend die Unschuldsvermutung gilt.

Der Anlassfall liegt Jahre zurück. Am 26. Februar 2004, einem Donnerstag, sorgte eine seltsame Transaktion an der Wiener Börse für Aufmerksamkeit und Rätselraten zugleich. Nur Augenblicke vor Handelsschluss orderte ein zunächst unbekannter Marktteilnehmer massenhaft Aktien der Telekom Austria und sicherte so eine kleine, finale Kursbewegung nach oben. Mit entscheidenden Konsequenzen. Denn just an diesem 26. Februar lief ein im Jahr 2000 aufgesetzter „Aktienoptionsplan“ der Telekom Austria aus, an dem sich vom damaligen Konzernvorstand abwärts rund 100 Führungskräfte beteiligt hatten. Nur dank dieses Last-Minute-Geschäfts wurde jener Aktienkurs erreicht, den es brauchte, um den begünstigten Managern einen Anspruch auf Sonderprämien in der Höhe von insgesamt fast neun Millionen Euro zu sichern.

Der Urheber der Kauforder war bereits wenige Tage später ausgeforscht: das von Johann Wanovits und dessen Bruder Franz, Urgesteine der Wiener Börsenszene, betriebene Wertpapierhandelshaus Euro Invest. Johann Wanovits verteidigte sich ab da stets mit dem Hinweis, er habe aus eigenem Antrieb, auf eigene Rechnung und natürlich auf eigenes Risiko gehandelt – und verneinte entschieden jedweden Kontakt in die Telekom Austria (profil berichtete ausführlich in den Ausgaben 11/2004 und 27/2004).

Wanovits sollte an dieser seiner Version siebeneinhalb Jahre unbeirrbar festhalten.

Bis jetzt.

Wie profil-Recherchen ergaben, waren die Büros der Euro Invest Bank in der Wiener Grüngasse Nummer 16 vorvergangene Woche Schauplatz einer von der Staatsanwaltschaft Wien angeordneten Hausdurchsuchung. Zeugen berichten, Wanovits sei – wohl unter dem Eindruck der Amtshandlung – unvermittelt „eingeknickt“. Und hätte noch vor Ort eine Art Geständnis ¬abgelegt. Womit er früheren und möglicherweise noch amtierenden Telekom-Managern ziemlichen Ärger bereiten dürfte. Wanovits gab gegenüber den Ermittlern erstmals zu, dass der Auftrag, die Aktien zu kaufen und den Kurs so nach oben zu manipulieren, seinerzeit direkt aus der Telekom Austria gekommen war, konkret: von Gernot Schieszler, dazumal rechte Hand des Finanzvorstands Stefano Colombo. Wanovits an die Adresse der anwesenden Beamten: „Schieszler war involviert.“

Warum die Staatsanwaltschaft Wien fast acht Jahre brauchte, um sich endlich des Falles anzunehmen, ist nicht zu klären, passt aber bedauerlicherweise nur zu gut in das Bild einer trägen Anklagebehörde. Die Justiz (wie auch jeder geneigte Medienkonsument) weiß schließlich seit Langem von den Ungereimtheiten. Anscheinend bedurfte es erst einer im Februar dieses Jahres eingebrachten Sachverhaltsdarstellung der grünen Abgeordneten Gabriela Moser, um den Apparat endlich in Bewegung zu setzen.

profil übermittelte Johann Wanovits nach dessen Terminabsage vergangene Woche eine Anfrage via E-Mail. Wanovits‘ knappe Antwort: „No comment.“ Eine entsprechende Anfrage erging auch an Schieszlers Anwalt Stefan Prochaska. Dieser verwies nur auf „laufende Ermittlungen der Behörden“ – und verkniff sich jeden weiteren Kommentar.

Um die Tragweite der Affäre zu verstehen, muss man fast elf Jahre in die Vergangenheit gehen.

Am 4. Oktober 2000, wenige Tage vor dem Börsengang der teils verstaatlichten Telekom Austria AG in Wien und New York – Finanzminister und damit Eigentümervertreter ist damals ein gewisser Karl-Heinz Grasser –, billigt eine außerordentliche Hauptversammlung einen so genannten Aktienoptionsplan. Im damaligen Kapitalmarktprospekt heißt es wörtlich: „Unsere Aktionäre haben einen Aktienoptionsplan für unsere Vorstandsmitglieder und ausgewählte nicht beamtete leitende Mitarbeiter der Telekom Austria, Mobilkom, Datakom, Jet2Web Internet, Telekom Austria Personalmanagement GmbH und Czech On Line genehmigt.“

Den Führungskräften werden für die Zukunft Erfolgsprämien in Form von Aktien oder Cash in Aussicht gestellt, wenn auch nur unter sehr bestimmten Voraussetzungen: Die Telekom-Aktie muss an einem von vier Stichtagen – 31. Mai 2002, 28. Februar 2003, 2. Juni 2003 oder 27. Februar 2004 – um zumindest 30 Prozent über dem damals noch nicht endgültig fixierten Aktienausgabepreis notieren. Der Ausgabepreis ist jener Betrag, zu dem Anleger Papiere im Rahmen eines Börsengangs zeichnen können. Grundlage der Optionsberechnung: der Durchschnittskurs der jeweils fünf vorangegangen Handelstage.

In weiterer Folge werden sich rund 100 leitende Angestellte – Vorstandsmitglieder, Bereichsleiter, Prokuristen – an dem Programm beteiligen, unter ihnen die gesamte Nomenklatura des Konzerns: Heinz Sundt (Telekom-Vorstandsvorsitzender von April 2000 bis Mai 2006), dessen Nachfolger Boris Nemsic (Mai 2006 bis März 2009, zuvor Mobilkom-Chef), der seit April 2009 amtierende Vorstandsvorsitzende Hannes Ametsreiter (damals Mobilkom-Vorstand), der frühere Festnetz-Chef Rudolf Fischer, der einstige Finanzvorstand Stefano Colombo oder eben dessen Assistent Gernot Schieszler.

Am 21. November 2000 geht die Telekom-Austria-Aktie an den Start. Zum Ausgabepreis von neun Euro. Für die Begünstigten des Optionsplans heißt das: Zu jedenfalls einem der Stichtage in der Zukunft wird die Aktie einen Durchschnittswert von zumindest 11,70 Euro – dies entspräche einem Plus von 30 Prozent – erreichen müssen, sonst sind die Prämien perdu.
In den ersten drei Jahren nach dem Börsengang wird die Telekom-Aktie den Erwartungen des Managements und der Anleger nur bedingt gerecht. Sowohl am 31. Mai 2002 als auch am 28. Februar 2003 und am 2. Juni 2003 schafft das Papier nicht annähernd 11,70 Euro. Bleibt der letzte Stichtag, der 27. Februar 2004.

Weil bei der Konzeption des Optionsprogramms eine Beobachtungsfrist von besagten fünf Börsentagen vereinbart worden ist, beginnt die Uhr am Freitag, den 20. Februar zu ticken – sie wird bis Donnerstag, den 26. Februar laufen (an Wochenenden ist die Wiener Börse stets geschlossen).
Am ersten Handelstag der Fünftagesfrist, also am 20. Februar, schließt die Telekom-Aktie bei 11,65 Euro. Am darauf folgenden zweiten Handelstag sind es 11,75 Euro, am 24. Februar und 25. Februar jeweils 11,69 Euro. Der Rest ist damals wie heute einfache Arithmetik: Nach vier Handelstagen hat das Papier einen Durchschnittswert von 11,695 Euro erzielt, ein Wimpernschlag unter dem Ziel von 11,70 Euro. Um doch noch auf den erforderlichen Mittelwert zu kommen, müsste das Telekom-Papier am letzten Tag der Beobachtungsfrist zumindest bei 11,72 Euro aus dem Markt gehen.

In den ersten Stunden des alles entscheidenden 26. Februar verzeichnet die Aktie keine auffälligen Bewegungen, die Schwankungen liegen weiterhin nur im Cent-Bereich. Für die ahnungslose Anlegeröffentlichkeit ein vergleichsweise geruhsamer Tag. Der Kurs bewegt sich seitwärts, wie es im Fachjargon heißt. Schlag 12 Uhr hält die Telekom bei 11,65 Euro, kurz nach 14 Uhr sind es 11,64 Euro. Bis in den späten Nachmittag hinein werden rund 700.000 Titel gehandelt, auch das keine Besonderheit.
Und dann passiert, was als Gaunerstück der Extraklasse in die Annalen der Wiener Börse eingehen wird.

In die so genannte Schlussauktion, nur zweieinhalb Minuten, ehe die Börse dichtmacht, platzt die Kauforder der Euro Invest Bank. Das kleine Brokerhaus krallt sich innerhalb weniger Augenblicke nicht weniger als 900.000 Telekom-Aktien. Die plötzliche, enorme Nachfrage lässt den Kurs auf einen Schlusswert von 11,73 Euro steigen. Um 20.41 Uhr meldet die Austria Presse Agentur: „Heute ist die TA-Aktie erst in der Schlussauktion bei hohen Umsätzen auf 11,73 Euro gestiegen.“

Die Konsequenz: Nur dank dieser Transaktion steigt der Fünftagesschnitt auf rettende 11,702 Euro – oder 30,022 Prozent über den Aktienausgabepreis aus dem Jahr 2000. Erforderlich waren bekanntlich „mindestens 30 Prozent“.

Vertrag ist Vertrag. So knapp die Entscheidung auch gewesen sein mag: Die Telekom Austria musste den rund 100 Begünstigten in den Monaten darauf in Summe fast neun Millionen Euro an Prämien ausbezahlen.

Heute scheint klar: zu Unrecht.

profil ist es nun gelungen, die entscheidenden Abläufe zu rekonstruieren. Demnach soll ein Grüppchen von Begünstigten des Optionsplans – Namen nennt dieses Magazin aus medienrechtlichen Erwägungen vorerst nicht – ab Ende 2003 die Entwicklung des Telekom-Kurses mit wachsender Nervosität verfolgt haben. Drei der vier Stichtage waren verstrichen, und die Aktie machte weiterhin keinerlei Anstalten, den Zielwert zu knacken. Auf der Suche nach einem Ausweg soll um den Jahreswechsel 2003/2004 bei einer Sitzung hinter fest verschlossenen Türen erstmals der Name Johann Wanovits gefallen sein. Dieser stand damals in dem Ruf, Geschäften in den Graubereichen des Finanzmarkts durchaus nicht abgeneigt zu sein – solange der Preis passte.

Kurz darauf soll Wanovits über einen Mittelsmann – wie er ein Burgenländer – erstmals mit der Frage konfrontiert worden sein, „ob man denn da allenfalls etwas machen könnte“. Der Broker konnte, soll dafür allerdings eine „Risikoprämie“ in der Höhe von immerhin einer Million Euro verlangt haben. Im Gegenzug bot er an, die Aktien auf seine eigene Verantwortung und sein Risiko hin zu erwerben – und niemals ein Wort über die Auftraggeber zu verlieren.

Nach hektischen internen Debatten soll Wanovits schließlich von Gernot Schieszler, damals noch Assistent von Telekom-Finanzchef Stefano Colombo, das Mandat erhalten haben, dem Kurs der Aktie – gegebenenfalls auf die Beine zu helfen – und zwar offensichtlich per Handschlag. Sollte ein Vertrag dazu existieren, so konnte dieser bis heute nicht gefunden werden.

Wanovits tat in weiterer Folge das, was Broker gemeinhin tun. Er begann, den Telekom-Kurs ab Februar 2004 zu studieren und diverse Szenarien zu berechnen. Parallel dazu beschaffte er sich – wie im Geldgewerbe üblich – vorsorglich eine Kreditlinie bei einer Bank. Wohlweislich bei keiner österreichischen, sondern bei der kleinen Frankfurter Maple Bank, Dependance des gleichnamigen kanadischen Finanzhauses. In Summe dürfte die Euro Invest ebendort vorübergehend einen so genannten Lombardkredit von knapp weniger als elf Millionen Euro aufgenommen haben, um die Transaktion zu stemmen. Bei dieser Art der Finanzierung werden auf Pump erworbene Wertpapiere durch den Kreditgeber „lombardiert“, also als Sicherheit entgegengenommen. Für Wanovits, dessen Euro Invest und die Maple Bank ein Geschäft mit überschaubaren Risiken. Denn der Telekom-Kurs machte seinerzeit, wie gesagt, keine großen Sprünge. Wanovits, dessen Kurskorridor ohnehin nur einige wenige Cent pro Aktie betrug, konnte also davon ausgehen, dass er die Aktien ohne nennenswerte Komplikationen und Verluste wieder in den Markt drücken könnte. Was auch geschah.

Aus Wanovits‘ Sicht lief dennoch nichts wie geplant. Womit der heute 52-jährige leidenschaftliche Blasmusikant nicht gerechnet haben dürfte: Das Last-Minute-Geschäft vom 26. Februar 2004 erregte sofort die Aufmerksamkeit der Finanzmarktaufsicht (FMA), die bereits tags darauf Untersuchungen wegen vermuteter Manipulation des Markts einleitete. Gegenüber der FMA gab der Broker zunächst an, die Aktien ausschließlich im Rahmen des so genannten Eigenhandels erworben zu haben. Dem widersprachen freilich die später sichergestellten Anrufprotokolle der Maple Bank. Die Aufzeichnung von Telefonaten ist bei Finanzgeschäften dieser Art Usance, um späteren Missverständnissen vorzubeugen. Gegenüber der Maple Bank hatte Wanovits nämlich erklärt, er benötige den Lombardkredit, um ein „Kundengeschäft“ abzuwickeln. Dem Vernehmen nach soll er, von Ahnungen geplagt, in einem der mitgeschnittenen Telefonate mit Frankfurt gemeint haben: „Wenn die Aufsicht sich meldet, dann sagt bitte, es war nur Eigenhandel.“

Die Untersuchungen der FMA endeten dennoch im Nichts. Denn nach damaliger Rechtslage (der Begriff der Marktmanipulation war damals sehr eng definiert) konnte der Euro Invest Bank trotz der Indizienlage keine Verfehlung angelastet werden. Heute wären derartige Transaktionen dagegen klar illegal.

Und doch standen Wanovits und die Hintermänner in der Telekom Austria plötzlich vor einem Problem. Wie sollte die im Vorfeld vereinbarte „Risikoprämie“ in der Höhe von einer Million Euro von der Telekom zur Euro Invest wandern, ohne Spuren zu hinterlassen? Und das mitten in den von heftigem medialem Getöse begleiteten Ermittlungen der FMA?
Die vermeintliche Lösung des Dilemmas: Bargeld. Nach vorliegenden Informationen soll Wanovits in den Monaten und Jahren darauf wiederholt Telekom-Geldboten mit prall gefüllten Kuverts ¬empfangen haben. In zumindest einem Fall soll eine größere Summe sogar in ¬einem Plastiksackerl übergeben worden sein.

Und dann kam auch noch Peter Hochegger ins Spiel. Über ihn dürfte der größte Batzen Geld von der Telekom in Richtung Euro Invest gelaufen sein. Wie profil zu Jahresbeginn enthüllte, stand die Unternehmensgruppe des früheren Lobbyisten und PR-Beraters zwischen Ende der neunziger Jahre und 2009 auf der Payroll der Telekom und kassierte insgesamt rund 25 Millionen Euro an Honoraren – für Leistungen, die nicht immer klar erkennbar waren. Nach derzeitigem Kenntnisstand konnten einem Betrag von immerhin neun Millionen Euro keine plausiblen Belege zugeordnet werden.

Hocheggers hohe Zeit fällt – Zufall oder nicht – mit dem Aufstieg von Gernot Schieszler ins Top-Management zusammen. Im Juli 2006 avancierte Schieszler zum Finanzvorstand der (zwischenzeitlich wieder aufgelösten) Telekom-Festnetzgesellschaft und damit zum Stellvertreter von Rudolf Fischer, seinerseits ein enger Freund Hocheggers. Spätestens ab da sprudelten die Millionen. Mit teils absurden Auswüchsen.
Im Zuge der Aufarbeitung des Buwog-Skandals fiel der Justiz eine an Hochegger gestellte Rechnung der Euro Invest Bank vom 14. November 2008 in die Hände – über nicht weniger als 175.000 Euro. Für eine angeblich von Wanovits verfasste Studie zu „Investitionsmöglichkeiten in erneuerbare Energien“. Ein Wertpapierhandelshaus kassiert 175.000 Euro für eine Ökoenergie-Expertise?

Bei einer Einvernahme vor der Staatsanwaltschaft Wien gab Hochegger am 3. November 2009 allen Ernstes zu Protokoll: „Befragt zur Rechnung der Euro Invest Bank AG vom 14.11.2008 über € 175.000 betreffend einer Studie zum Thema Investitionsmöglichkeiten in erneuerbare Energien und alternative Investments gebe ich an, dass eine Studie erstellt wurde und auch entsprechend bezahlt wurde. Mir wird vorgehalten, dass es sich bei der Euro Invest Bank um einen Broker handelt: Ich gebe an, dass Herr Wanovits ein umtriebiger, vielseitiger Unternehmer ist, der auch entsprechende Leistungen erbringen kann. Diese Studie müsste irgendwo bei mir in der Firma liegen … An das Ergebnis der Studie kann ich mich nicht mehr erinnern.“

Es liegen derzeit keine gesicherten Erkenntnisse vor, wie viel Geld Wanovits tatsächlich bekommen hat. Die in Aussicht gestellte Million dürfte es jedenfalls nicht gewesen sein. Nach profil-Recherchen soll der Broker schlussendlich nicht ganz 600.000 Euro kassiert haben, wobei völlig unklar ist, wie dieser Betrag in den Telekom-Büchern überhaupt abgebildet wurde. Und von wem.

Tatsache bleibt, dass die mutmaßlich involvierten Personen aufseiten der Telekom nach und nach den Konzern verließen – was das Eintreiben der offenen Forderung nicht eben leichter machte. „Die haben Wanovits ins Feuer geschickt und ihn dann dort stehen lassen“, sagt eine mit dem Fall vertraute Person.

Wanovits‘ jüngste Aussage könnte den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Wien indes einen entscheidenden Drall geben. Denn selbst wenn er nach damaliger Rechtslage nicht gegen die Bestimmungen des Börsengesetzes verstoßen haben mag: In strafrechtlicher Hinsicht wiegt die Affäre ungleich schwerer. Ranghohe Telekom-Repräsentanten haben einem Broker seinerzeit Geld aus dem Vermögen der Telekom Austria bezahlt, damit dieser Kurse manipuliert, um wiederum die Auftraggeber in den Genuss eines Prämienprogramms kommen zu lassen. Dies könnte, wenn es denn je bewiesen würde, den Tatbestand der Untreue erfüllen.

An einem Umstand scheinen die Ermittler indes keinen Zweifel zu haben: Der von Johann Wanovits ins Spiel gebrachte Gernot Schieszler hat mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht aus ureigenstem Antrieb gehandelt. Als das Wertpapiergeschäft 2004 angebahnt wurde, war der heute 41-Jährige Vorstandsassistent – und hatte als solcher weder das Pouvoir noch die Mittel, eine Konspiration wie diese zu orchestrieren. Und wohl auch kein plausibles Motiv. Schieszler kassierte aus dem Optionsplan gerade einmal 10.000 Euro.