Im Keller: Lycus, Bloodiest, Krallice, Dream Theater

Krallice: Hyperion EP

Krallice: Hyperion EP

Stehender Spagat, der Halbmond, oder lieber die Pyramide? Die neue EP von Krallice bietet sich für einen Metal-Yoga-Kurs an. Außerdem: Neues von Dream Theater, Lycus und Bloodiest. Die wichtigsten Metal-Alben des Monats.

Krallice: Hyperion EP (self released)

Ein Schlagzeug, das sich überschlägt, epische, fast schon euphorische Gitarren, meditativer Schreigesang. Krallice aus New York City, veröffentlicht in Eigenregie ein Meisterstück nach dem anderen. Auf ihrer aktuellen EP formen die vier Brooklyn-Musiker aus drei Songs ein 26-minütiges Schmerzens-Experiment. Auf „Hyperion“ trifft Extreme-Metal auf Einflüsse aus Black-, Progressive- und Math-Metal; ein atmosphärisches, dichtes Werk zwischen komplexen Songbausteinen und schierem Wahnsinn. Sollte es jemals so etwas wie Metal-Yoga geben, Krallice könnten den Soundtrack dazu spielen. (8.6/10)

Bloodiest: Bloodiest (Relapse)

Gut gemeint, nicht so gut gemacht. Wer so unverschämt bei Tool klaut, und das auch noch als progressiven Postmetal verkauft, braucht sich über gemischte Kritiken nicht zu wundern. Das soll nicht heißen, dass „Bloodiest“, das zweite Album des Sextetts aus Chicago, nicht mit einigen Höhepunkten verkopfter bis verspielter Gitarrenkunst verfügt, für ein richtiges Meisterstück verliert sich die Band aber nur zu gern zwischen Zitat und Anspruch. (5.6/10)

Bloodiest - Mesmerize

Lycus: Chasms (Relapse)

Man beachte den Beipackzettel: Lycus aus Oakland, Kalifornien, zelebrieren den Funeral Doom in seiner reinsten Form. Schleppender Mönchsgesang, wummernde Gitarren, reduzierte Schlagzeug-Rhythmik. Für alle, die wissen, dass in langsamen, orchestralen Metal-Elegien die schönsten Klagelieder stecken. (8.1/10)

Lycus - Solar Chamber (Official Track)

Dream Theater: The Astonishing (Roadrunner Records/Warner Music)

Die Rahmenhandlung von „The Astonishing“ ist schnell erzählt: Wir schreiben das Jahr 2285. Eine fiktive, post-apokalyptische Welt wird von einer mittelalterlich-feudalistischen Oberschicht beherrscht. Nur eine tapfere Bürgerwehr leistet Widerstand. Auf dem neuesten Konzeptalbum der 1985 in New York gegründeten Band werden die „Hunger Games“ zum Metal-Abenteuer. Musikalisch bleiben sich die Metalvirtuosen treu: Es gibt progressive Rockklänge für Perry-Rhodan-Fans, symphonische Soundscapes für sympathische Gitarren-Nerds und Gute-Nacht-Geschichten für Männer, die sich am Wochenende nicht zum Tennis-, sondern zum „Magic“-Turnier treffen. Metal als Luftgitarrenkino. (7.3/10)

Dream Theater – The Gift of Music

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