Burschenschaften: Aufmarsch in der Wiener City geplant

Burschenschaften: Aufmarsch in der Wiener City geplant

Klammheimlich planen die Burschenschaften einen Aufmarsch in der Wiener Innenstadt. Der Verweis auf 1848 soll ihr rechtsextremes Image wegpolieren. Das Spektakel steht unter der Leitung der berüchtigten „Olympia“.

Im Grunde sind sie nicht von dieser Welt und doch unter uns: als Politiker, Richter, Ärzte, Staatsanwälte und Vertreter anderer ehrenwerter Berufe; Männer, die sich erst dann als Männer fühlen, wenn das Blut spritzt und sie dem Gegenüber mit einem scharfen Säbel das Gesicht ritzen, die noch ein Haar in die Wunde legen, damit es einen ordentlichen Schmiss ergibt; die schwarzrotgoldene Farben tragen als Zeichen deutschen Sehnens; die das, was in diesem Rassenwahn geschah, kleinreden und unter „Missbrauch“ von Idealen verbuchen.

Im gerade angelaufenen Supergedenkjahr rund um den Ausbruch des Ersten Weltkriegs haben sich deutschnationale Burschenschaften vorsorglich auf die Debatte um die deutsche Kriegsschuld gestürzt, die auch den Zweiten Weltkrieg in neuem Licht erscheinen lassen könnte. Von dieser Hoffnung zumindest liest man in ihren Blättern.

Aufmarsch in der Wiener City geplant
Ein eigenes Großereignis ist für kommenden Mai geplant. In weiten Teilen der Wiener Innenstadt soll ein „Fest der Freiheit“ über die Bühne gehen und der bürgerlichen Revolution von 1848 gedacht werden. Veranstalter ist ein Geschichtsverein namens „Forschungsgesellschaft Revolutionsjahr 1848“, dem ein Mitglied der als rechtsextrem geltenden Burschenschaft „Olympia“ vorsteht: Gerhard Schlüsselberger (siehe Interview).

Das Jahr 1848 war schon immer ihr Feigenblatt gewesen. Jene Sekunden der Geschichte, als Burschenschafter für Presse- und Meinungsfreiheit auf Barrikaden gestiegen und sich gegen den repressiven Metternich-Staat empört hatten. Doch im großdeutschen Rausch hatte schon eine Studentengeneration vor ihnen auf der Wartburg 1817 „undeutsche“ Literatur, Bücher von Juden und den „Code Napoleon“ verbrannt.

„Vom Kölner Dome zum Stephansturm wird brausen die Rache, die Rache“ sangen die Burschen nach der gescheiterten Revolution, damals noch gemeinsam, unter ihnen progressive Studenten, aus denen die späteren Führer der Sozialdemokratie hervorgingen.

Doch aus jenen Bünden, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden, auf deren Gründerväter sich die „Olympia“, die „Teutonia“, die „Libertas“ und die anderen schlagenden Verbindungen im Wiener Korporationsring (WKR) berufen, waren bald schon aggressive nationalistische und wüst antisemitische geworden.

Hass auf das multikulturelle Habsburgerreich
Nach dem verlorenen Krieg gegen die Preußen und der Geburt der Donaumonarchie 1867 zielte ihr Hass auf das multikulturelle und in ihren Augen „verjudete“ Habsburgerreich. Georg Ritter von Schönerer wurde ihr geistiger Anführer.

Die „Deutschen“, das heißt die Deutschsprechenden in den Erblanden der Habsburger, waren besonders radikal. Das ist bis heute so. Aus dem Dachverband der Deutschen Burschenschaften sind in den vergangenen Jahren dutzende Verbindungen wegen der rechtsextremen Umtriebe der Österreicher ausgetreten. Die Nichtzugehörigkeit förderte eine Grenzlandmentalität, in der die nationale Mission umso exzessiver behauptet wurde, je mehr sie sich als Illusion herausstellte ...

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