„Europa anders”: Martin Ehrenhauser im Interview

„Europa anders”: Martin Ehrenhauser im Interview

Martin Ehrenhauser, Ex-Mitstreiter von Hans-Peter Martin, kandidiert bei EU-Wahlen für Wahlbündnis „Europa anders“.

Interview: Ulla Kramar-Schmid

2009 hatte Martin Ehrenhauser (35) mit der Liste Hans-Peter Martin den Sprung nach Brüssel geschafft. 2012 zeigte er Martin bei der Staatsanwaltschaft an, weil dieser Parteigelder regelwidrig verwendet haben soll (was Martin bestreitet). Seitdem ist Ehrenhauser unabhängiger EU-Parlamentarier.

Im profil-Gespräch kündigt er nun seine Wiederkandidatur an – für ein Wahlbündnis von KPÖ, Piraten und „Der Wandel“, das unter dem Namen „Europa anders“ bei den EU-Wahlen antreten wird.

profil: Werden Sie Spitzenkandidat?
Martin Ehrenhauser: Ich bewerbe mich als parteiunabhängiger Kandidat für „Europa anders“. Die Entscheidung fiel vor wenigen Tagen. Ob ich Spitzenkandidat werde, wird am 1. März beim Gründungskonvent in Wien entschieden.

profil:
Bei den Nationalratswahlen erreichten die drei Parteien in Summe 1,9 Prozent. Ist ein Einzug realistisch?
Ehrenhauser: Absolut. Zusammen haben die drei Parteien rund 3000 Mitglieder und erzielten bei den Nationalratswahlen 90.000 Stimmen. Für den Einzug benötigen wir 150.000 Stimmen. Das lässt sich mit einem guten Wahlkampf schaffen.

profil: Das Bündnis steht prononciert links. Dort waren Sie bisher nicht zu verorten. Was verbindet Sie mit „Europa anders“?
Ehrenhauser: Der Wunsch nach einer gerechten Verteilung von Chancen, Ressourcen, Vermögen und Informationen. Eine Politik, die Banken auf Kosten der Steuerzahler rettet, die Vermögenssteuern verspricht, jedoch nicht einführt, die Menschen vor Lampedusa ertrinken lässt und gleichzeitig die Unionsbürgerschaft an Reiche verkauft – das lehne ich ab. Um aus der Krise herauszukommen, brauchen wir fundamentale Veränderungen: transparente Entscheidungen, aktive Friedenspolitik. Ich wünsche mir ein Europa, das Menschen nicht permanent überwacht, sondern eine gerechte und vertrauensvolle Beziehung zu den Bürgern pflegt. Ich bringe sieben Jahre Erfahrung im EU-Parlament mit und somit inhaltliche Expertise in diesen Themen.

profil: Auch Hans-Peter Martin überlegt wieder eine Kandidatur. Ein Konkurrent?
Ehrenhauser: Nein. Wir treten konsequent gegen Korruption auf. Gegen Hans-Peter Martin ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Verdacht auf Korruption.

profil:
Der FPÖ werden gute Chancen eingeräumt, als Erste bei der EU-Wahl durchs Ziel zu gehen. Ist für das Bündnis da überhaupt etwas zu holen?
Ehrenhauser: Ja. Im Gegensatz zur FPÖ haben wir mit rechten Ideen und Ewiggestrigen nichts am Hut. Ich möchte jede Kfz-Mechanikerin und jeden Koch davon überzeugen, dass „Europa anders“ für sie arbeitet, während das High-Society-Mitglied H. C. Strache sich mit seiner Rolex-Uhr im Luxusurlaub bräunt. Ich möchte, dass der berechtigte Unmut gegen die Politik sich wieder in Zuversicht wandelt.

Foto: Michael Rausch-Schott