Google im Wahlkampf: Unseriöse Treffer

Unseriöse Quellen zur Wahl

Unseriöse Quellen zur Wahl

Dubiose Inhalte, aber prominent sichtbar im Google-Ranking: Wie die Webseite bundespraesidentschaftswahl.at Stimmungsmache betreibt und online reüssiert. In den USA wird das Problem der Fake-News bereits heftig diskutiert.

Schockiert registrierte eine Steirerin, was ihr Google diese Woche als Lektüre anbot: Sie wollte sich zur Bundespräsidentenwahl 2016 erkundigen und suchte nach „wahlablauf 2016“. Auf Platz 1 ihrer Google-Suche erschien die Seite bundespraesidentschaftswahl.at. Auf den ersten Blick sieht die Adresse seriös aus – erinnert optisch an spröde amtliche Wahlinformationsseiten. Doch im Text ist zu lesen: „Ein Sieg von Norbert Hofer wäre eine Sieg der schweigenden Masse.“ Auch ist von „Lügen in der ‚Lügenpresse’“ die Rede. Und ferner: „Wahlmanipulationen sind in Österreich sehr leicht möglich.“

Die Site Bundespraesidentschaftswahl.at taucht bei der Suchanfrage auf Google sehr weit oben auf

Die Site Bundespraesidentschaftswahl.at taucht bei der Suchanfrage auf Google sehr weit oben auf

Google präsentierte der Wählerin eine äußerst unseriöse Quelle – kein Einzelfall. Auch bei anderen Suchanfragen und auf anderen Computern wird diese Webseite prominent verlinkt. Als profil nach „Bundespräsidentenwahl 2016“ googelte, landete diese auf Platz 2 – sie liegt zwischen offizieller Wahlinformation der Stadt Wien und der Webseite des Innenministeriums. Wieso landet eine dubiose Seite so weit vorne bei Google? Und wer steckt dahinter?


Viele Wähler landen dieser Tage über Google auf Marschalls Webseite und erhalten dort vermeintliche „Wahlinformation“.

Bundespraesidentschaftswahl.at betreibt Robert Marschall – er ist Vorsitzender der EU-Austrittspartei und verantwortet auch die umstrittene Seite wien-konkret.at (die zum Beispiel den „Ausländeranteil“ von Wiener Bädern ausweist). Er hat etliche Websites gestartet, die in seinem Sinne über Wahlen „aufklären“ sollen – darunter wahlinformation.at. „Großartig“, nennt Marschall die Zugriffe, die derzeit seine Bundespräsidentschafts-Seite verzeichne. Zu profil sagt er: „Es freut mich, dass Google diese Seite so hoch bewertet.“

Viele Wähler landen dieser Tage über Google auf Marschalls Webseite und erhalten dort vermeintliche „Wahlinformation“, die aber eher wie das Pamphlet eines Wutbürgers klingt. So ist zu lesen, dass Alexander Van der Bellen angeblich ein „Anhänger der unbeschränkten – meist islamischen – Zuwanderung“ sei und ein „gestörtes Verhältnis zu Putin und Trump“ habe.

„Diese Seite nutzt geschickt Suchmaschinenoptimierung. Sie ist gekonnt auf Google ausgerichtet, lädt schnell, liefert auf den ersten Blick nützlich wirkende Information. Mit einer Reihe von Tricks kann man die Anzeige in der Suchmaschine beeinflussen – das scheint hier gut geklappt zu haben“, erklärt der Blogger und Technologieunternehmer Helge Fahrnberger. Google gab kein Statement gegenüber profil.at ab. Der Suchalgorithmus von Google soll an sich möglichst verlässliche Seiten anzeigen. Doch dieser Tage wird sichtbar, dass dies oft nicht klappt.


Nach der US-Präsidentschaftswahl wurde auch die Frage aufgeworfen, ob Falschmeldungen mit ein Grund für die Niederlage von Hillary Clinton waren.

In den USA ist eine Debatte über „Fake News“ entbrannt. Dabei wird kritisiert, dass Google oder Facebook auch Seiten mit Falschmeldungen prominent anzeigen. Erst neulich landete eine gefälschte Meldung über den Tod des Milliardärs George Soros auf Google. Nach der US-Präsidentschaftswahl wurde auch die Frage aufgeworfen, ob Falschmeldungen mit ein Grund für die Niederlage von Hillary Clinton waren. Die Webseite bundespraesidentschaftswahl.at verbreitet nicht unbedingt Falschmeldungen – sehr wohl aber fragwürdige Behauptungen, die dank der Suchmaschine ein enormes Publikum erreichen.

Übrigens gibt es eine Möglichkeit, als User auf bedenkliche Suchergebnisse hinzuweisen: Bei der Google-Suche gibt es ganz unten im Bild die Funktion „Feedback geben“. Wer darauf klickt, kann nicht vertrauenswürdige Links an Google melden.

Für einen Akteur wie Robert Marschall geht die vermeintliche „Aufklärung“ wohl nach der Bundespräsidentenwahl weiter. Er hat sich auch schon die Adresse nationalratswahl.at gesichert. Sollte Österreich nächstes Jahr erneut wählen, will er auch dort seine „Wahlinformation“ verbreiten.