60 Jahre Fernsehen in Österreich: „Eine Art Milchglasscheibe“

60 Jahre Fernsehen in Österreich: „Eine Art Milchglasscheibe“

Vor 60 Jahren nahm das Fernsehen in Österreich seinen Betrieb auf. Es hat unser Alltagsleben nachhaltig verändert und schlägt immer noch Millionen in seinen Bann. In Zeiten des Internet verliert es jetzt erstmals an Boden.

Der Reporter war fasziniert: „Es ist nichts als eine Art Milchglasscheibe, ein größerer Radioapparat mit einem silbermattem Fenster. Und jetzt: die Ansagerin. Sie spricht. Sie ist nicht nervös, nicht aufgeregt, verhaspelt sich nicht. Bild und Ton stimmen überein. Nun weiß man, spürt man, dass man einen ganz großen Augenblick miterlebt.“

Der Berichterstatter der „Arbeiter-Zeitung“ hatte in diesem August 1955 eben in einem Meidlinger Schulhaus die Präsentation der ersten Fernsehbilder mitverfolgt. Mag seine Schilderung 60 Jahre später naiv wirken – die Schussfolgerung stimmt: Er erlebte tatsächlich einen historischen Moment.

Fast kein anderes Ereignis sollte das Land und seine Leute nach 1945 so prägen wie die Einführung des Fernsehens. Kein Lebensbereich blieb unberührt: Tagesablauf und Freizeitnutzung, Nationalbewusstsein, Kaufverhalten, Politik, Sport, Unterhaltung – nichts war nach der Einführung des Fernsehens in Österreich so wie vorher.

Es sollte 40 Jahre dauern, bis sich ein neues Medium, das Internet, anschickte, noch nachhaltigere Umwälzungen auszulösen und damit die Vormacht des Fernsehens zu brechen.


Schon am ersten Tag des Versuchsprogramms diskutierten die Chefredakteure der vier damals führenden Tageszeitungen über die möglichen Auswirkungen des neuen Konkurrenten auf Politik und Gesellschaft

Es zählt zum österreichischen Mythenschatz, die Politik habe den neuen Kommunikationsapparat zu Beginn unterschätzt, wofür ein angebliches Zitat von Bundeskanzler Julius Raab (ÖVP) herhalten muss: „Aus dem Büldlradio wird nix. In des Kastl schaut kaner eini.“

So war es nicht. Schon am ersten Tag des Versuchsprogramms diskutierten die Chefredakteure der vier damals führenden Tageszeitungen über die möglichen Auswirkungen des neuen Konkurrenten auf Politik und Gesellschaft. Dabei ging es auch um Schmonzes. Oscar Pollak, legendärer Chef der „Arbeiter-Zeitung“, äußerte die Hoffnung „im Fernsehen von Käsepropaganda und Haarwasser-Reklame verschont zu bleiben“.

Auch das Personal der Frühzeit war keineswegs unpolitisch. Chef des Österreichischen Rundfunks war Rudolf Henz (1897–1987), eine der zentralen Gestalten des austrofaschistischen Ständestaats. Er hatte unter anderem 1933 den Katholikentag am Wiener Trabrennplatz organisiert, auf dem Kanzler Engelbert Dollfuß die Beseitigung von Demokratie und Parlamentarismus propagierte.

Der Henz untergebene Fernsehdirektor Gerhard Freund, ein Schauspieler aus Baden, wurde der SPÖ zugerechnet. Die SPÖ näherte sich dem geheimnisvollen Medium vorerst strikt antikapitalistisch an. Nach drei Monaten Versuchsprogramm wurde im November 1955 auf dem Parteitag in einer sprachlich etwas holprigen Resolution beschlossen: „Rundfunk, Fernsehen und Film müssen mehr für die Volksbildung herangezogen werden und dürfen nicht nur der Information und Unterhaltung überlassen bleiben, die sie zumeist als einträgliches Geschäft benützen.“


Vor den Radiogeschäften, in deren Auslagen klobige Fernsehapparate mit Testbild standen, bildeten sich Trauben von Neugierigen

Allzu reißerisch war das Programm ohnehin nicht. Beispiel: Sonntag, 15. Jänner 1956: 17 Uhr: Internationale Kinderwochenschau. 17.25 Uhr: Schuhmacher – Hutmacher. Danach: Sendeschluss. Am Montag gab es eine der ersten „Zeit im Bild“-Sendungen und eine „Astronomische Plauderei über Aktuelles am Sternenhimmel“.

Alle ZiB-Intros (1957 bis 2015)

Dem Interesse des Publikums tat das dröge Gebotene keinen Abbruch: Vor den Radiogeschäften, in deren Auslagen klobige Fernsehapparate mit Testbild standen, bildeten sich Trauben von Neugierigen. Als im Oktober 1955 die Eröffnung der Wiener Staatsoper übertragen wurde, gaben Salzburger Gasthäuser Hunderte Platzkarten aus. „Sie waren in kürzester Zeit vergriffen“, berichteten die „Salzburger Nachrichten“ verblüfft.

Politische Correctness war dem frühen Fernsehen fremd. Bei der ersten selbst produzierten Sitcom, der Vorabendserie „Familie Leitner“, gab Friedl Czepa ab 1958 neben den Publikumslieblingen Gertraud Jesserer, Alfred Böhm, Peter Weck und Senta Wengraf die liebe Mama. In der Nazizeit hatte Czepa mit ihrem Lebensgefährten eine arisierte Villa neben dem Prater bewohnt. Die Serie wurde 1967 eingestellt, weil sich die ehedem glühende Nationalsozialistin mit einer anderen Darstellerin „aus weltanschaulichen Gründen“ in die Haare geriet, wie kolportiert wurde.


Die rasche Verbreitung des Mediums trug freilich durchaus zum Entstehen eines österreichischen Nationalbewusstseins bei

Der Besitz eines Fernsehapparats – ein Gerät kostete vier durchschnittliche Monatsgehälter – wurde rasch zum Statussymbol. Als der Sozialwissenschafter Ernst Gehmacher 1980 den Aufstieg des Mediums untersuchte, kam er zum Schluss: „Die Qualität des Fernsehprogramms hatte keinen Einfluss auf die starke Zunahme des Gerätebesitzes.“

Die rasche Verbreitung des Mediums trug freilich durchaus zum Entstehen eines österreichischen Nationalbewusstseins bei. Noch in den späten 1950er-Jahren hatte nur knapp mehr als ein Drittel der Österreicher in Umfragen bekundet, es gebe so etwas wie eine „österreichische Nation“, die Bewohner des Staates Österreich seien in Wahrheit Deutsche. „Da hat das Fernsehen dann viel Identitätsstiftung geschafft, nicht zuletzt durch die Sportberichterstattung“, glaubt ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz.

Tatsächlich war gleich die erste Sportübertragung eine Weihestunde: Toni Sailer gewann bei Olympia 1956 alle Medaillen. Auch kulturell fand Österreich durch das neue Medium langsam zu sich selbst. Schlüsseljahr war 1961, als Merz/Qualtingers „Der Herr Karl“ und Ödön von Horváths „Geschichten aus dem Wiener Wald“ in der denkwürdigen Inszenierung Erich Neubergs mit Hans Moser und Johanna Matz in den Hauptrollen ausgestrahlt wurden – beides schmerzhafte, wenngleich heilsame Einblicke in die österreichische Seele. Damals wohnte rund ein Zehntel der Einwohner in Haushalten mit TV-Apparat. Dreimal so viele saßen vor den Fernsehgeräten in Gast- und Vereinshäusern; und noch mehr diskutierten danach darüber.

Die wunderbare Seite Österreichs zeigten dann die Übertragungen der Skirennen und die Heimatschnulzen am Samstagnachmittag. 1970 bekundete erstmals eine klare Mehrheit der Befragten (66 Prozent), es gebe eine „österreichische Nation.“ Heute liegt dieser Wert bei rund 95 Prozent – der Rest entfällt auf freiheitliche Burschenschafter samt Anhang.

Die Kehrseite dieses hochgeflammten „Nationalbewusstseins“ zeigte sich 1972, als der schnöde von Olympia ausgeschlossene Karl Schranz, damals populärster Sportler des Landes, in einer von Gerd Bachers ORF inszenierten Heimholung für nationale Hysterie sorgte, die selbst die Beteiligten verstörte: Kanzler Bruno Kreisky zog es vor, nicht auf dem Balkon des Kanzleramts zu erscheinen, als Schranz dort den aufgebrachten Massen winkte. Rund 100.000 Menschen hatten den Weg des Skihelden auf den Ballhausplatz gesäumt.


Die heimische Fernsehprominenz hatte gegenüber den bisher aus dem Kino bekannten Stars den Vorteil, dass man sie auch auf der Straße treffen konnte

Der Schranz-Hype zeigte in überspitzter Form, wozu das Fernsehen fähig war: zum Schaffen eines neuen Star-Typs, des „Fernsehstars“. Schauspieler, die zuvor in Antel-Filmen geglänzt hatten, mauserten sich nun in eigenen TV-Shows zu Ikonen. Heinz Conrads moderierte von 1957 bis zu seinem Tod 1986 seine kuschelige Samstags-Show „Was gibt es Neues?“, deren Begrüßungsfloskel „Guten Abend meine Damen, guten Abend meine Herrn, servas die Madln, servas die Buam“ ebenfalls in die heimische Mythenkiste einging.

Heinz Conrads - Silvester 1969

Peter Alexander, im Kinofilm meist ein singender Klamaukdarsteller, wurde durch das Fernsehen zur absoluten Showgröße: Bis zu vier Millionen Zuseher versammelten sich bis in die 1990er-Jahre in Österreich zu seinen Samstag-Hauptabendshows vor den Schirmen – heute unerreichbare Werte.

Bei den allergrößten Größen vermischten sich oft Schein und Sein. ORF-Urgestein Podgorski erinnert sich an einen Heurigenabend mit dem deutschen Quiz-Granden Hans-Joachim Kulenkampff in Wien: „Da ist eine Dame zum Tisch gekommen, hat ihn um ein Autogramm gebeten und erfreut festgestellt: ,Herr Kuli, Sie schauen privat genau so aus wie in Wirklichkeit.‘“

Die heimische Fernsehprominenz hatte gegenüber den bisher aus dem Kino bekannten Stars den Vorteil, dass man sie auch auf der Straße treffen konnte. Die aus Wien stammende Schauspielerin Senta Berger erzählte vorvergangene Woche im profil-Interview, ihre aus einfachen Verhältnissen stammenden Eltern seien von ihrer Karriere erst beeindruckt gewesen, als sie in der Heinz-Conrads-Sendung auftrat: „Da hielten sie sich vor dem Fernseher an den Händen und waren glücklich.“ Dass ihre Senta in Hollywood gerade mit Kirk Douglas, Charlton Heston und Walter Matthau gedreht hatte, zählte weit weniger.


Mit solchen Tricks ließ sich das gute alte Kino freilich nicht retten: 25 Jahre nach Beginn des Fernsehens war es praktisch kaputt

Heute ist der TV-Starkult mitunter selbstreferenziell: Das Fernsehen macht Moderatoren und Schauspieler zu Stars, die dann in hauseigenen Dancing-Shows oder auswärtigen Moderationen auftreten und so ihren Starstatus festigen.

Nichts freilich übertraf den Hype um frühe Krimiserien, die eine weitere Stärke des Fernsehen demonstrierten: das mediale Kollektiverlebnis. Der Sechsteiler „Das Halstuch“ nach einem Roman des britischen Autors Francis Durbridge legte im Jänner 1962 Deutschland und Österreich tagelang lahm. Bei der ARD maß man eine Reichweite von 89 Prozent. Nachtschichten fielen aus, die Straßen waren leer, worauf Zeitungen den Begriff „Straßenfeger“ prägten. Landauf, landab wurde über den Fall diskutiert. Die „Kronen Zeitung“ lobte vor der letzten Folge 5000 Schilling Preisgeld für jenen Leser aus, der den streng geheimgehaltenen Täter errät.

Francis Durbridge: Das Halstuch

Der Kabarettist Wolfgang Neuss war dann der Spielverderber. Er gab in einer Berliner Zeitung ein Inserat mit dem Text auf: „Nicht zu Hause bleiben. Der Halstuchmörder ist Dieter Borsche. Gehen Sie ins Kino.“
Mit solchen Tricks ließ sich das gute alte Kino freilich nicht retten: 25 Jahre nach Beginn des Fernsehens war es praktisch kaputt. Waren die Österreicher 1958 im Jahresschnitt noch 20 Mal ins Kino gegangen, schlugen 1992 durchschnittlich nur 1,4 Kinobesuche pro Person und Jahr zu Buche. Bloß noch 247 Kinos gab es im Land, 1958 waren es noch 600 gewesen. Seither hat sich die Zahl der Kinos abermals halbiert, wegen der größeren Zahl von Sälen gibt es aber mehr Plätze – und im Schnitt immerhin 2,1 jährliche Kinobesuche.

Nirgendwo spielte das Fernsehen allerdings so nachhaltig seine Macht aus wie beim Vermitteln einer neuen Tagesstruktur: Das Alltagsleben in Österreich hat sich den wichtigsten Sendeterminen angepasst. Um 19 Uhr sind 80 Prozent der Erwachsenen zu Hause und wach. Rund zwei Millionen von Ihnen haben das TV-Gerät laufen, etwa 850.000 sehen um 19.30 Uhr die „ZIB 1“. Um 20.15 Uhr – da beginnt auf den meisten Sendern das Hauptabendprogramm – schaltet sich eine weitere halbe Million zu. Zwischen 21 und 22 Uhr gehen rund 15 Prozent der Erwachsenen schlafen, aber noch immer sitzen mehr als zwei Millionen vor der Glotze, 500.000 davon vor der „ZIB 2“. Danach ziehen sich die meisten die Decke hoch. Um Mitternacht haben gerade noch 15 Prozent der Österreicher die Augen offen. Ganz ohne Fernsehen ist das Land nie: Die ganze Nacht hindurch haben etwa zwei Prozent den Apparat laufen, bevor um neun Uhr früh schon wieder eine Viertelmillion in die Kiste starrt.

Anders gerechnet: Rund 56 Prozent der verfügbaren Freizeit verbringt man in Österreich laut Statistik Austria vor dem Fernsehapparat. Dabei sinkt die Zahl der Fernseher, aber wer fernsieht, bleibt länger sitzen als früher – im Schnitt 267 Minuten pro Tag. Tendenz: weiter leicht steigend.


Dabei wussten die Politiker in dieser Frühzeit des Fernsehens noch gar nicht, was sie mit dem neuen Medium anfangen sollten

Die Macht des Fernsehens über die Massen weckte naturgemäß rasch das Interesse der Politik. Schon im Februar 1956 forderte der für das Fernsehen zuständige Verkehrsminister Karl Waldbrunner fixe Sendezeiten für die Parteien, obwohl doch seine SPÖ gerade noch auf dem Parteitag beschlossen hatte, das TV müsse sich der Volksbildung widmen. Die Koalitionsverhandlungen 1962 dauerten mehr als fünf Monate, weil über die Macht in Radio und Fernsehen gestritten wurde. Am Ende wurden alle wichtigen Posten doppelt besetzt.

Der bizarre Proporz führte zu dem von den unabhängigen Zeitungen getragenen Rundfunkvolksbegehren 1964 und in weiterer Folge 1967 zur Gründung des modernen ORF unter Gerd Bacher.

Dabei wussten die Politiker in dieser Frühzeit des Fernsehens noch gar nicht, was sie mit dem neuen Medium anfangen sollten. Sie waren zum Teil schon in der Ersten Republik aktiv gewesen und hatten den lauten, pathetischen und gestenreichen Rednerstil angenommen, der auf Marktplätzen ohne Mikros geboten war. Im Fernsehen wirkte das nur noch lächerlich. Einer der Ersten, die sich perfekt auf das neue Medium einstellten, war Bruno Kreisky, der schon 1970 in der ersten TV-Konfrontation der österreichischen Geschichte Bundeskanzler Josef Klaus (ÖVP) schlecht aussehen ließ. 1975 verwies er den schwarzen Gegenkandidaten Josef Taus auch mit Mätzchen in die Schranken: Immer wenn Taus sachkundig argumentierte, begann Kreisky brummend in seinen dicken Mappen zu kramen und erweckte den Eindruck, gar nicht zuzuhören, um dann umso angriffslustiger zurückzuschlagen.

Kreisky - Taus Fernsehdebatte Ausschnitt 1975

Inzwischen sind die TV-Konfrontationen ein Fixtermin im Wahlkampfkalender. In Umfragen geben rund 30 Prozent der Wechselwähler an, die TV-Debatten hätten ihre Wahlentscheidung „stark“ beeinflusst.
Wobei der Trend Richtung Spektakel und Krawall geht: Die All-Time-Top-3 bei den ORF-„Sommergesprächen“ waren die Interviews mit Heinz-Christian Strache 2015, Franz Stronach 2015 und Jörg Haider 1994.


Längst hat das Internet das herkömmliche Fernsehen in puncto Reichweite überholt

Im Wahlkampf 2013 mussten die Spitzenkandidaten kochen, wandern und in fahrender Limousine Antworten geben. Auf Puls 4 wurden sie von zwei Moderatoren und aufmunitioniertem Publikum gegrillt. 15 Mal war jede der Parteispitzen in der letzten Phase des Nationalratswahlkampfs in solchen Sendungen zu Gast, im Schnitt jeden zweiten Tag.

Der Wahlkampf 2013 lief noch hauptsächlich im Fernsehen ab – ob das so bleibt, ist fraglich. Denn ebenso wie die Tageszeitungen verliert auch das Fernsehen langsam, aber stetig an Reichweite. Hatten am Höhepunkt der TV-Hypes Ende der 1970er-Jahre im Schnitt noch 74 Prozent der Erwachsenen mindestens einmal am Tag in den Schirm geschaut, waren es im ersten Halbjahr 2015 nur noch 63 Prozent.

Vor allem die Jungen lassen aus: Nur jeder fünfte junge Mensch in Österreich setzt sich heute ab 19 Uhr an das Lagerfeuer der Nation, bei der Generation 50+ tun dies 55 Prozent. Das Durchschnittsalter der regelmäßigen Fernseher ist seit der Jahrtausendwende denn auch um drei Jahre auf 50,7 gestiegen.

Wo die Jungen sind, ist kein großes Geheimnis: 87 Prozent aller 14- bis 40-Jährigen surfen mindestens ein Mal täglich im Netz und holen sich – wenn ihnen danach ist – dort die Informationen, die man sonst in der braven „ZIB“ bekommt. Längst hat das Internet das herkömmliche Fernsehen in puncto Reichweite überholt, obwohl dieses inzwischen bereits mehr als 100 Sender zur Auswahl stellt.

Das Fernsehen werde künftig vielleicht nicht mehr so viele Zuseher zum Lagerfeuer um 19.30 Uhr locken, aber dafür umso erfolgreicher bei den „ganz großen Dingern“ sein, glaubt ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz: „Bei der Champions League, dem Song Contest oder dem Neujahrskonzert kommt das Internet nicht mit. Und Vizekanzler Mitterlehner hätte im Netz auch nicht die 787.000 Zuseher gehabt, die er bei uns im ,Sommergespräch‘ hatte.“

Die großen Zeiten, als die Straßen leergefegt waren und es am nächsten Tag kein anderes Gesprächsthema gab als eine TV-Sendung vom Vortag – die sind aber vorbei.

Franz Klammer - Innsbruck 1976

An ein Ende der Mattscheibe mag Fernsehpionier Teddy Podgorski dennoch nicht glauben: „Wenn man weltweit auch nur einen Tag lang das Fernsehen abschalten würde, gäbe es ein Chaos. Irgendwie sind wir ja doch alle abhängig geworden.“

INFOBOX

Fernsehen – die Geburt eines Mediums

September 1950: Vorarbeiten für die Einführung des Fernsehens.

Dezember 1952: Im Labor des Österreichischen Rundfunks wird eine Fernseh-Versuchsanlage fertiggestellt.

September 1954: Jubiläumsausstellung „30 Jahre Rundfunk“. Aus einem Fernsehstudio wird in danebenliegende Kabinen übertragen.

Mai 1955: In einer Schule in Wien-Meidling wird ein Fernsehstudio für einen Versuchsbetrieb eingerichtet.

August 1955: Versuchs-Fernsehprogramm über die Sender Wien-Kahlenberg, Linz-Freinberg und Graz-Schöckl. Im gesamten August wird zwölf Stunden lang gesendet.

14. Oktober 1955: Das Fernsehen überträgt die Eröffnung des wiederaufgebauten Burgtheaters.

1. Jänner 1957: Beginn des regelmäßigen Fernsehbetriebs an sechs Wochentagen.

1. Jänner 1959: Beginn der Werbung im Fernsehen. Es gibt jetzt 50.000 Fernsehteilnehmer.