Nächtlicher Angriff auf Asylwerberheim in den Tiroler Bergen

Nächtlicher Angriff auf Asylwerberheim in den Tiroler Bergen

Ein Augenzeuge gegenüber profil: Männer mit schwarzen Kapuzen brüllten ausländerfeindliche Parolen und schossen fünf Mal in die Luft.

Es waren albtraumartige Szenen: Gegen Mitternacht von Dienstag auf Mittwoch schreckten die Flüchtlinge, die am Tiroler Bürgelkopf auf 1600 Metern leben, aus den Betten. „Draußen sind vier oder fünf Männer in schwarzen Kapuzenjacken gestanden. Sie haben geschrien: ‚Ausländer raus!‘ Und: ‚Wir bringen euch um! Ihr Schweine!‘“, sagt ein immer noch aufgewühlter Augenzeuge, der ungenannt bleiben will, gegenüber profil. Die rund 120 Bewohner des Heimes, das zweieinhalb Stunden Fußmarsch von Fieberbrunn, der nächsten Ortschaft, entfernt liegt, hätten schreckliche Angst ausgestanden: „Einer der Männer hat eine Waffe gehabt und hat damit fünf Mal in die Luft geschossen.“ Die Schüsse seien „auf dem Berg sehr, sehr laut“ gewesen. Außerdem hätten die Männer Feuerwerkskörper auf die Fenster geschossen. Ihr Auto hätten sie etwas weiter unten mit abgedrehtem Licht stehen lassen: Die Gesichter der Angreifer seien nicht zu erkennen gewesen, „es war zu dunkel“. Laut dem Augenzeugen wurde niemand verletzt.

Die Flüchtlinge – die meisten von ihnen Männer – seien seit dem Vorfall „mit den Nerven kaputt“. Es habe sehr lange gedauert, bis die Polizei gekommen sei: „Sicher eine Stunde, es waren zwei Beamte in einem Auto.“ Sie hätten die Gegend mit Taschenlampen abgesucht, einige der Asylwerber hätten ihnen geholfen. Von den Männern mit den Kapuzen und ihrer Waffe sei nichts mehr zu sehen gewesen. Nur die abgebrannten Feuerwerkskörper blieben im Schnee zurück. „Am nächsten Tag ist die Polizei wieder gekommen und hat bei der Garage eine Waffe gefunden.“ Laut Angaben der Beamten handelt es sich um eine Softgun. Der profil-Informant, der aus einem Kriegsgebiet stammt, bezweifelt, dass es sich um die Waffe handelt, mit der geschossen worden war: „Für mich hat das wie eine echte Pumpgun ausgesehen.“

Der Bezirkskommandant von Kitzbühel, Martin Reisenzein, bestätigt den Vorfall am Bürglkopf gegenüber profil. Von den Männern fehle bisher jede Spur, man habe auch kein Autokennzeichen. Ob es sich bei der gefundenen Softgun um die Waffe handelt, ist noch nicht klar: „Wir beginnen mit den Befragungen. Danach werden wir die weitere Vorgangsweise mit der Staatsanwaltschaft abklären.“ Sprich: Ob es zu einer Anzeige kommt, ist noch nicht klar. Laut Bezirkskommandant ist das der erste derartige Vorfall in dem Heim, das bis zum Vorjahr dem Land Tirol unterstand, aber aufgelassen werden sollte. Wegen seiner völlig abgeschiedenen Lage steht es seit Langem in der Kritik: Es gibt dort weder Handyempfang noch Internet, die Bewohner, zum Großteil alleinstehende Männer, werden alle paar Tage mit einem Minibus nach Fieberbrunn gebracht, wo sie Telefonate und Einkäufe erledigen können. Inzwischen hat jedoch der Bund die Unterkunft übernommen. Es wird von dem Unternehmen ORS geführt, das auch für das Flüchtlingslager Traiskirchen zuständig ist.