Sepp Schellhorn: "Unser System begünstigt die Nicht-Arbeit"

Neos-Abgeordneter Sepp Schellhorn während der Aktuellen Stunde des Nationalrates zum Thema "Rauchverbot" im April 2015.

Neos-Abgeordneter Sepp Schellhorn während der Aktuellen Stunde des Nationalrates zum Thema "Rauchverbot" im April 2015.

Der Hotelier und Nationalratsabgeordnete Sepp Schellhorn (NEOS) über ungarische Hilfskräfte, Arbeiten am Wochenende und die Verlockungen der Mindestsicherung.

profil: Sie betreiben im Winter drei Schihütten. Was würden Sie mir zahlen, wenn ich bei Ihnen als saisonale Hilfskraft ohne Ausbildung anfangen wollte?
Schellhorn: Als Küchenhilfe würden Sie bei mir aktuell 1460 Euro netto bekommen.

profil: Und, finden Sie genug Leute für den Job?
Schellhorn: Sagen wir so: Es gibt mehr Bewerbungen aus Ungarn als aus Österreich. Niedrige Hilfsdienste, etwa Tellerwäscher, macht ja kaum mehr ein Österreicher. In unserer Dienstleistungsgesellschaft ist das so: Zu arbeiten, wenn andere frei haben, ist nicht mehr schick. Ich tue mir schwer, die Leute für Wochenendarbeit zu motivieren.

profil: Vielleicht wären höhere Löhne ein Motivationsanreiz?
Schellhorn: Das Kernproblem ist eigentlich, dass die Mitarbeiter zu viel kosten und dafür zu wenig verdienen. In meinem Betrieb in Salzburg erlebe ich es immer öfter, wenn mir Leute vom AMS vermittelt werden: Die sagen mir dann, sie kriegen ohnehin über 800 Euro Mindestsicherung. Da arbeiten sie lieber ein paar Tage schwarz und kommen so auf die gleiche Summe, die ich ihnen zahlen würde.


So leid es mir tut: Die Teller müssen gewaschen werden.

profil: Würden Sie also eine Kürzung der Mindestsicherung begrüßen?
Schellhorn: Ich erzähle Ihnen eine Geschichte: Ich habe eine syrische Flüchtlingsfamilie aufgenommen. Die haben von mir eine gratis Wohnung bekommen, und der Familienvater hat ab November 2015 bei mir gearbeitet, als Haushälter und als Küchenhilfe auf einer Schihütte. Vor ein paar Tagen sind sie nach Wien gezogen. Warum? Weil der Familie von einer Flüchtlingsorganisation ausgerechnet wurde, dass sie mit der Mindestsicherung inklusive Familienzuschuss auf ein höheres Einkommen kommen als durch das Arbeitseinkommen des Vaters. Das heißt: Wir müssen über das System der Mindestsicherung sehr wohl nachdenken.

profil: Was schlagen Sie vor?
Schellhorn: Der Staat muss Leistungsanreize schaffen, damit die Leute wieder eher eine Arbeit annehmen. Unser System begünstigt die Nichtarbeit. Bei der derzeitigen Gesetzeslage darf man niemandem einen Vorwurf machen, der sich nicht um Arbeit bemüht.

profil: Wenn die ÖVP im Nationalrat einen Antrag zur Deckelung der Mindestsicherung für Familien mit mehreren Kindern auf 1500 Euro einbrächte: Würden Sie dem zustimmen?
Schellhorn: Ja, da bin ich derzeit sehr geneigt, zuzustimmen.

profil: Sie beschäftigen mehrere Flüchtlinge in Ihren Betrieben. Im Niedriglohnsektor befürchtet die Gewerkschaft einen Verdrängungswettbewerb.
Schellhorn: Das kann ich schon nicht mehr hören, die Gewerkschaft hat keine Ahnung. Alleine im Bezirk Pongau gibt es 300 offene Lehrstellen, aber nur 30 suchende Lehrlinge. Gleichzeitig sitzen fast 700 Asylwerber in Salzburg, die zwischen 16 und 22 Jahre alt sind. Die Zukunft dieser Jugendlichen wird verhindert. So leid es mir tut: Die Teller müssen gewaschen werden. Ich würde mich ja selbst in die Küche stellen, aber dann hätte ich keine Zeit für das Management.

profil: Unbestritten ist, dass junge Arbeitskräfte billiger sind als alte. Würden Sie einen 67-jährigen Koch bezahlen wollen?
Schellhorn: In jedem meiner Betriebe beschäftige ich einen knapp 60-Jährigen. Ich würde gerne mehr solcher Menschen anstellen, weil sie sehr viel Erfahrung mitbringen. Allerdings ist die steile Lohnkurve ein gewaltiges Problem.