Stadtbad Mödling: Das Schreiben des Grauens

Stadtbad Mödling: Das Schreiben des Grauens

Die Debatte um Flüchtlinge, die in Schwimmbädern auffällig werden, ist um eine skurrile Episode reicher.

Der Mödlinger ÖVP-Stadtrat Robert Mayer, seinens Zeichens seit 1999 Leiter des Stadtbades, hat eine interne Anordnung herausgegeben, wonach „Menschen mit Migrationshintergründen“ nicht mehr unbegleitet ins Bad dürfen. Im Gespräch mit profil begründet er die Weisung so: „Diese Leute haben das Reinigungspersonal belästigt, sind in den Damenbereich gegangen, trugen teilweise keine Badehose und haben versucht, die Münzbox für das Solarium zu knacken.“ Mehrere Mitarbeiter könnten die Vorfälle bestätigen. Eine Verständigung mit „diesen Leuten“ sei wegen der fehlenden Deutschkenntnisse nicht möglich gewesen. So hätte man ihnen nicht sagen können, dass sie eine Badehose anstatt der Straßenkleidung tragen müssten.

Er meint unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge zum Teil aus Afghanistan. Der Brief klingt aber, als wäre das Bad nur für „reine“ Österreicher gedacht. Der Terminus „Migrationshintergründe“ sei „unglücklich“ gewählt. Er habe nichts gegen Flüchtlinge, die auch schon öfters in Begleitung gekommen wären. Sie müssten aber Deutsch verstehen, sonst könnte man ihnen nicht die Regeln erklären oder eben in Begleitung sein. Mayer vertraute wohl darauf, dass seine Mitarbeiter die interne Anordnung schon auf die richtigen Personen beziehen würden. Dass er mit seinem Wording rund ein Drittel der heimischen Bevölkerung zu Begleit-Fällen macht, wird ihm spätestens durch einen Shitstorm der Sonderklasse bewusst werden.