Frauen-Netzwerk Sorority: "Wir sind kein Suder-Verein"

Obfrauen Katharina Brandl und Therese Kaiser: "Es geht um Empowerment"

Obfrauen Katharina Brandl und Therese Kaiser: "Es geht um Empowerment"

Mit ihrem Karriere-Netzwerk für Frauen wollen Katharina Brandl und Therese Kaiser vor allem eines: wirklich etwas verändern. Und dabei auch ein bisschen Spaß haben.

profil: Warum habt ihr das Sorority-Netzwerk gegründet?
Katharina Brandl: Aus purem Idealismus! Wir haben einfach gemerkt, dass es kein branchenübergreifendes Karriere-Netzwerk für Frauen, insbesondere nicht für ein jüngeres Publikum, gibt. Unser Fokus ist Arbeitsmarkt, aber der Verein ist nicht auf einen sofortigen Nutzen ausgerichtet. Wir wollen Werte wie Solidarität in den Vordergrund stellen. So kann man auch viele Frauen abholen, die wahrscheinlich nicht zu feministischen Basisgruppen gehen würden.

profil: Warum der Karriere-Fokus?
Brandl: Das Wort Karriere steht schon in unseren Statuten, aber wir wollen für niemanden definieren, was Karriere ist. Die Autonomie unserer Teilnehmerinnen ist uns wichtig. Wir wollen ein angenehmes Umfeld schaffen. Die Synergien ergeben sich dann meist von selbst. Egal, ob unsere Teilnehmerinnen eine Firma gründen wollen, einen Verein, oder ob sie eine Karriere in einem größeren Unternehmen machen wollen.
Therese Kaiser: Trotzdem muss man sagen: Je mehr man verdient, desto autonomer ist man auch. Besonders in unserer Zielgruppe, Anfang zwanzig bist Mitte/Ende dreißig, ist es schon wichtig, auf eigenen Beinen zu stehen. Sonst rutscht man sehr leicht in eine Abhängigkeit, vielleicht auch von einem Partner.


Das nagt schon an vielen Frauen, die zu uns kommen

profil: Unterstützen sich Frauen im Beruf zu wenig?
Kaiser: Ich glaube, man kann das nicht verallgemeinern. In vielen Bereichen gibt es einfach keine Kultur der Unterstützung zwischen Frauen. Ich glaube aber nicht, dass sich Frauen grundsätzlich weniger unterstützen als Männer.
Brandl: Aber natürlich gibt es historisch gewachsene Männerseilschaften, von denen wissen wir alle. Es gibt sicher weit mehr Männernetzwerke als Frauennetzwerke, so wie unseres.

profil: Gab es in eurem eigenen beruflichen Umfeld Situationen, in denen ihr euch als Frau benachteiligt gefühlt habt?
Brandl: Ich denke, es ist kein Zufall, dass sehr viele Frauen in den ersten erwerbsbiografischen Jahren zu uns kommen und dass viele sagen: „Dinge, die man vorher nur an der Uni gehört hat, werden plötzlich real.“ Das müssen keine schlimmen Belästigungsfälle sein. Es ist einfach die grundsätzliche Erfahrung der Ungleichbehandlung, mit der man eine neue Dimension zu seiner Identität, zu seinem Frausein dazubekommt. Das nagt schon an vielen Frauen, die zu uns kommen.
Kaiser: Ich glaube, man hat immer noch schlechtere Chancen, wenn man eine Frau ist, schüchtern ist, und sich nicht gut verkaufen kann, als ein Mann, auf den dasselbe zutrifft. Außerdem habe ich oft das Gefühl, dass in vielen Firmen Frauen dazu tendieren mehr zu arbeiten, als ihre männlichen Kollegen. Sie denken: „Je mehr ich arbeite desto eher werde ich aufsteigen.“ Und dann merken sie halt irgendwann, dass trotzdem nichts passiert. Natürlich kommt das immer auf die Branche und die Firma an, auch nicht jede Frau ist gleich. Aber unterm Strich bleibt dann immer noch eine Varianz, die sich durch nichts außer dem Geschlecht erklären lässt.

Beim von der Sorority organisierten Frauen-Karriere-Festival Business Riot 2015.

profil: Sind das Benachteiligungen, die der Großteil eurer Mitglieder erlebt hat?
Beide: Ja.
Kaiser: Wir wollen aber weniger darüber sprechen, dass das schlecht ist. Denn darin sind wir uns ohnehin einig, dass wir nicht in einer gleichberechtigten Welt leben. Wir sprechen eher über die Möglichkeiten, die wir durch solche Plattformen wie Sorority und andere Netzwerke haben.
Brandl: Natürlich ist es zwischendurch auch lustig, sich das eine oder andere absurde Erlebnis zu erzählen. Aber unser Ziel ist es, mit einem positiven Schwung hinauszugehen. Wir sind kein Suder-Verein, es geht um Empowerment.

profil: Wie politisch ist die Sorority?
Brandl: Natürlich verstehen wir uns als politisches Projekt. Neulich sind wir gefragt worden, ob wir uns als Feministinnen sehen. Natürlich sehen wir uns als Feministinnen. Wir führen nur manche Diskussionen nicht.
Kaiser: Wir reden jetzt nicht über unterschiedliche Strömungen des Feminismus, das ist für uns irrelevant. Differenzen im Feminismus herauszupicken, ist meiner Meinung nach eine ganz schlechte Strategie, um gemeinsam etwas zu erreichen. Unser Ziel ist einfach so groß und so laut wie möglich zu werden.
Brandl: Wir wollen nicht spalten, wir wollen so viele wie möglich sein und diese Kraft nutzen. Wir respektieren und bewundern natürlich auch, was die feministischen Generationen vor uns erreicht haben – aber unser Weg muss natürlicher anders verlaufen. Das Vorurteil, dass unsere Generation in der falschen Illusion lebt, dass wir schon alle gleichberechtigt sind, können wir jedenfalls nicht bestätigen.
Kaiser: Deshalb werden wir noch lauter darauf pochen, dass sich im Bereich Arbeitsmarkt etwas ändern muss. In den letzten zwanzig Jahren hat sich in Österreich sehr wenig getan, was Teilzeit, die Einkommensschere oder Frauengesundheit betrifft. Ich glaube die Frauenlobby in Österreich ist sehr versprenkelt und nicht funktional.


Da fehlt es einfach am Willen, den Schwerpunkt darauf zu legen

profil: Was muss sich arbeitsmarktpolitisch ändern?
Kaiser: Es braucht eine Quote, nicht nur in öffentlichen Unternehmen. Zusätzlich sollte die Kinderbetreuung ausgebaut werden. Männer müssen mehr Betreuungsarbeit leisten und das muss auch möglich sein. Wir wollen mehr Zertifizierungen für Unternehmen, die sich auf dieses Thema stürzen. Wir finden außerdem Initiativen für Frauen in der Technik sollten weit früher ansetzen, nicht erst Anfang 20.
Brandl: Ich hoffe, dass es spätestens bei unseren Kindern jedem peinlich ist, wenn man beim Meeting, wenn eine Frau am Tisch sitzt, nur über ihr Aussehen spricht.
Kaiser: Wie soll sich in 50 Jahren nachhaltig etwas geändert haben, wenn man jetzt nicht die Maßnahmen setzt? Da fehlt es einfach am Willen, den Schwerpunkt darauf zu legen. Aber wir wollen jetzt nicht zehn Jahre darüber reden, wir wollen wirklich etwas verändern.

Beim Business Riot 2015.

Beim Business Riot 2015.

profil: Gibt es auch Männer, die eurer „Schwesternschaft“ beitreten wollen?
Kaiser: Ja, viele. Ohne die Männer, die bei uns mitarbeiten, moderieren, backen und Videos drehen, würde es auch nicht gehen.
Brandl: Wir haben viele Männer, die uns unterstützen, die substanzielle Beiträge leisten. Wir haben auch schon überlegt außerordentliche Mitgliedschaften einzuführen, das wäre ein netter Dank.

profil: Können diese Männer eure negativen Erfahrungen in der Berufswelt nachvollziehen?
Brandl: Die Männer in unserem Umfeld haben sicher einen anderen Blick auf die Dinge. Aber natürlich gibt es Menschen, die das, was wir machen überhaupt nicht verstehen.
Kaiser: Wir umgeben uns aber wenig mit solchen Menschen. Keiner von uns ist Best Friends mit Felix Baumgartner. Wenn jemand daherkommt mit „Gender-Wahn“, dann lohnt sich die Diskussion meistens auch nicht.
Brandl: Allerdings fragen wir uns bei öffentlichen Veranstaltung schon immer wieder: „Wann kommen die Männerrechtler?“

Katharina Brandl und Therese Kaiser sind Obfrauen des Vereins Sorority, einer Plattform zur Vernetzung und Karriereförderung von Frauen in Österreich.