Justiz entsorgte Gerichtsakten zum Fall eines Ex-US-Diplomaten im Müll

Justiz entsorgte Gerichtsakten zum Fall eines Ex-US-Diplomaten im Müll

Die US-Behörden ermitteln gegen einen früheren Top-Diplomaten der Bush-Administration. Österreichs Justiz lässt die Wiener Bankkonten seiner Ehefrau, der Autorin Cheryl Benard, wegen Geldwäscheverdachts einfrieren – und entsorgt brisante Akten anschließend im Müll.

Österreichs Justiz entsorgte unter anderem auch heikle Gerichtssakten zum Fall eines ehemaligen US-Diplomaten im Altpapier. Laut profil vorliegenden Dokumenten ermitteln US-Behörden gegen Zalmay Khalilzad, den früheren US-Botschafter in Afghanistan und im Irak, unter anderem wegen des Verdachts der Geldwäsche. Dies in Zusammenhang mit Geschäftsbeziehungen zu Unternehmen aus dem Irak und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Laut einem US-Rechtshilfeersuchen vom Mai 2013 soll Khalilzad 1,15 Millionen Euro auf ein Wiener Bankkonto seiner US-österreichischen Ehefrau, der Sozialwissenschafterin und Buchautorin Cheryl Benard überwiesen haben. Im Februar dieses Jahres ließ Österreichs Justiz mehrere Wiener Bankkonten Benards einfrieren, die Beschlagnahme wurde bis heute nicht aufgehoben.

Benards Anwalt Holger Bielesz von Wolf Theiss Rechtsanwälte gegenüber profil: „Hier wurden schützenwerte Interessen meiner Mandantin offenbar im Altpapier entsorgt. Aus Sicht der Rechtspflege ist das sehr problematisch.“ Zum Fall selbst betont Bielesz, die US-Behörden hätten „bis heute keine konkreten Verdachtsmomente formuliert. Die Haltung der Staatsanwaltschaft Wien ist nicht leicht nachzuvollziehen. Letztlich wurde nur aufgrund des Ehebandes eine Verdachtslage herbeigeführt.“ Das Oberlandesgericht Wien muss demnächst über einen Einspruch Benards gegen die Kontensperre entscheiden.

(Red.)