Streitschrift für die Wissenschaft
Profil 31/2018

Streitschrift für die Wissenschaft

Neulich im Elfenbeinturm. Große Aufregung. „Scheinwelten.“ „Dunkle Geschäfte“. „Lügenmacher.“ „Gefälschte Studien.“ Und das alles, man glaubt es kaum, „gegen Bezahlung“! Vorvergangene Woche ging ein internationales Recherchekollektiv aus TV-Sendern und Zeitungen, in Österreich prominent vertreten durch den ORF und die Wiener Stadtzeitung „Falter“, mit alarmistischen „Enthüllungen“ an die Öffentlichkeit, wonach in der Wissenschaftswelt ein gemeingefährlicher Schlendrian wüte. Sie sei durch und durch korrupt, von finanziellen Interessen gesteuert und deshalb zu allen nur denkbaren Halbwahrheiten, Lügen und Fälschungen bereit. Das breite, nicht einschlägig vorgebildete Publikum konnte sich des (durchaus beabsichtigten) Eindrucks nicht erwehren, dass offenbar auch das hehre Feld der Forschung vom allgegenwärtigen Fake-Virus verseucht sei. „Was für ein Blödsinn!“, schreiben ALWIN SCHÖNBERGER und JOCHEN STADLER in der aktuellen Titelgeschichte und setzen der groß angelegten Diskreditierungskampagne ein glühendes Plädoyer für die Wissenschaft entgegen, „weil die erhobenen Vorwürfe schlicht falsch oder grob verzerrt sind und weil es unverantwortlich ist, in Zeiten von Klimawandelleugnung, Impfskepsis und Gentechnikpanik den Volkssport, der Wissenschaft grundsätzlich zu misstrauen, mutwillig zu fördern“.

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