Das türkis-grüne Experiment
Profil 2/2020

Das türkis-grüne Experiment

Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Was die Meisten am Abend des 29. September 2019, unmittelbar nach der Nationalratswahl, zwar für möglich, aber eher unrealistisch hielten, ist tatsächlich eingetreten: Türkis und Grün bilden eine Regierung. Das ist ein historisches Novum und in seiner Signalwirkung – einerseits für Österreich, andererseits für ganz Europa – nicht hoch genug einzuschätzen. Entsprechend groß war die internationale Aufmerksamkeit, die der Koalitionsbildung in Wien in den vergangenen Tagen zuteil wurde. Sie bescherte der sonst für Verhaltensauffälligkeiten aller Art bekannten Republik endlich wieder einmal positive politische Schlagzeilen, was der nationalen Seelenhygiene nach den ganzen Ibiza-Turbulenzen sicher nicht schaden kann.

„Ein Aufatmen geht durch das Land“, schreiben EVA LINSINGER, EDITH MEINHART, CHRISTINA PAUSACKL und CHRISTA ZÖCHLING in der aktuellen Titelgeschichte. Die Erleichterung gilt jedoch vor allem der Tatsache, dass Türkis-Blau nun endgültig abgehakt ist. Abgesehen davon erscheint wohlwollende Skepsis angebracht, denn was in den zähen Koalitionsverhandlungen schon anklang, schlägt sich nun im offiziellen Regierungsprogramm nieder: Hier treffen zwei Welten aufeinander, die in entscheidenden Fragen immer noch wenig gemeinsam haben.

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