Achtelfinalist Island zelebrierte neuen Nationalfeiertag

Fast jeder Isländer ist vom Fußball angesteckt

Fast jeder Isländer ist vom Fußball angesteckt

Islands Heldenepen sind seit Mittwoch um ein Kapitel reicher. Nach dem 2:1 in St. Denis/Paris gegen Österreich und dem damit verbundenen Einzug ins EM-Achtelfinale versank ein ganzes Land im Freudentaumel - nicht nur der isländische TV-Kommentator, der beim entscheidenden Tor durch den künftigen Rapidler Arnor Ingvi Traustason sekundenlang in höchster Tonlage schrie.

Auch Heimir Hallgrimsson, mit Lars Lagerbäck gleichberechtigter Teamchef der 330.000-Einwohner-Nation, konnte sich der Euphorie nicht entziehen. "Wir werden unseren Nationalfeiertag auf den heutigen Tag verlegen", kündigte der 49-Jährige nach dem Schlusspfiff im Stade de France an.

Von der Leistung seiner Mannschaft zeigte sich Hallgrimsson begeistert. "Jeder hat gesehen, dass wir bereit waren, alles für den Sieg zu geben." Wie bei den Unentschieden in den vorangegangenen Partien gegen Portugal und Ungarn überzeugten die Isländer durch Kompaktheit und Defensivstärke und waren auch nicht gerade vom Pech verfolgt. "Wir haben alles in die Waagschale geworfen, hatten am Ende müde Beine, waren k.o. und hatten Glück. Doch am Ende zählt nur das Ergebnis", sagte der Coach.

Seiner Mannschaft kam möglicherweise auch die Systemumstellung des ÖFB-Teams auf eine Dreierkette zugute. "Wir haben nicht mit drei Innenverteidigern gerechnet, für uns war das eine große Überraschung. Eigentlich hätten wir Janko und Harnik von Beginn an erwartet", sagte Hallgrimsson und ergänzte, er glaube nicht, dass Österreichs Taktik ein Nachteil für sein Team gewesen sei.

Anstelle des ÖFB-Teams dürfen nun die Isländer - im übrigen das einzige Team, das in der EM-Geschichte noch ungeschlagen ist - am Montag im Achtelfinale in Nizza gegen England antreten. Hallgrimsson traut seiner Truppe auch gegen Wayne Rooney und Co. einiges zu. "Wir haben keine Angst vor den Engländern."

Auf Island ist die englische Premier League extrem populär, das bevorstehende Duell mit den hochbezahlten Stars aus der reichsten Liga der Welt fühlt sich für den EM-Neuling wie ein Traum an. "Wir sind verrückt nach dem englischen Fußball und wissen alles über ihn. Wir müssen die Engländer gar nicht analysieren", erklärte Hallgrimsson.

Ein Sieg der Isländer über den Weltmeister von 1966 würde den Erfolg gegen Österreich noch weit in den Schatten stellen. "Aber dazu brauchen wir einen perfekten Tag. Wir müssen unser bestes Spiel zeigen, und auch dann können wir noch jederzeit verlieren", vermutete Hallgrimsson.