Eder Vertrauen zu schenken machte sich für Conte bezahlt

Eder schoss Italien ins Achtelfinale

Eder schoss Italien ins Achtelfinale

Das Vertrauen von Teamchef Antonio Conte in Eder hat sich bezahlt gemacht. Der in Brasilien geborene Stürmer schoss die italienische Nationalmannschaft mit seinem Tor beim 1:0-Zittersieg gegen Schweden am Freitag im Alleingang ins Achtelfinale. Die Debatte um in Ausland geborene Profis in der "Squadra Azzurra" konnte der 29-Jährige damit zumindest kurzfristig einmal vergessen machen.

"Ich denke, das war eine unnütze Polemik, die ein bisschen aufgeblasen wurde. Wenn wir zehn Leute fragen, sind fünf dafür, fünf dagegen", musste sich Eder auch über diese Thematik äußern. Die Debatte wird in Italien schon lange geführt, doch im vergangenen Jahr sorgte Eders Club-Trainer bei Inter Mailand, Roberto Mancini, mit besonders drastischen Aussagen für Aufsehen. "Ich denke, dass es ein italienischer Spieler verdient, in der Nationalelf zu spielen, während derjenige, der nicht in Italien geboren ist, auch wenn er italienische Verwandte hat, es nicht verdient", sagte er.

Conte hielt trotzdem unbeirrt am in Lauro Müller geborenen Eder, der es in der Serie A vergangene Saison nur auf 13 Tore brachte, fest. "Ich suche die Spieler aus, die der Mannschaft helfen können. Eder war in der Qualifikation entscheidend und wir haben gehofft, dass er bei der EM so weitermachen kann. Er hat Technik und Schnelligkeit", erklärte der nach der EM zu Chelsea wechselnde Italien-Teamchef.

Während der Inter-Stürmer beim 2:0-Auftakterfolg gegen Belgien bei seinem 75-minütigen Einsatz noch leer ausgegangen war, avancierte er nun zum Matchwinner, schloss in der 88. Minute ein schönes Solo mustergültig ab. "Ich bin sehr glücklich für meine Teamkollegen und die Mannschaft", jubelte Eder. Das Vertrauen seines Trainers habe ihn stark gemacht.

"Eder hat allen bewiesen, dass er nicht zufällig hier ist. Ich freue mich sehr für ihn und über unseren Sieg", sagte Teamkollege Giorgio Chiellini. Zur Debatte über die im Ausland geborenen Profis im Team meinte er: "Innerhalb der Mannschaft gibt es diese Unterscheidung nicht. Das sind Spieler, die viel für Italien gegeben haben und immer noch viel geben. Sie sind zu 100 Prozent Teil der Gruppe."

Und auch in der Heimat war es den meisten Fans zumindest für einen Tag egal, woher der Angreifer stammt. "Ibra k.o.. Eders Magie, Italien ist weiter", titelte der "Corriere dello Sport" mit Blick auf den wirkungslosen schwedischen Superstar Zlatan Ibrahimovic. Und "Tuttosport" meinte: "Bruder Italiens. Ein Tor von Eder zerlegt die schwedischen Schränke. Wir sind schon im Achtelfinale."

Eder steht beispielhaft für viele Profis in dieser italienischen Mannschaft, die schon nach zwei Spielen in der K.o.-Runde steht. Erst mit 28 Jahren lief er erstmals für das Nationalteam auf, nun erzielte er in seinem zwölften Einsatz sein drittes Tor. Viele Profis im Kader von Conte wurden lange nicht berücksichtigt oder debütierten erst spät in der Nationalelf. Doch bei dieser EM überzeugen sie bisher alle.

Die letzte Aufgabe in der Gruppenphase wartet am Mittwoch im Duell mit Irland, da konnte es für die bisher makellosen Italiener eventuell noch darum gehen, den Gruppensieg zu fixieren. Mittelfeldspieler Antonio Candreva wird dabei ziemlich sicher nicht zum Einsatz kommen, er ließ am Samstag das Training wegen Adduktorenproblemen aus und dürfte auch für den Fall, dass er rechtzeitig fit wird, geschont werden. Conte hat ja bereits angekündigt gegen die Iren rotieren zu wollen.