Griezmann lässt Frankreich weiter vom Titel träumen

Griezmann drehte die Partie

Griezmann drehte die Partie

Gastgeber Frankreich darf weiter vom dritten Titel bei einer Fußball-Europameisterschaft träumen. Die "Equipe Tricolore" steht nach dem 2:1 gegen Irland im Viertelfinale, wo sie kommenden Sonntag im Stade de France in St. Denis auf den Sieger des letzten Achtelfinales zwischen Island und England (am Montagabend ab 21.00 Uhr) trifft.

Maßgeblichen Anteil am Erfolg hatte Antoine Griezmann. Der Stürmer von Atletico Madrid drehte mit seinem Doppelpack das Spiel innerhalb von 225 Sekunden zugunsten der Gastgeber (58.,61.) und provozierte zur Krönung noch den Ausschluss von Irlands Shane Duffy nur wenige Minuten später (66./Notbremse). Mit seinen drei Treffern, davon zwei per Kopf, führt der 1,76 Meter große Griezmann nun die Schützenliste gleichauf mit Wales-Topstar Gareth Bale und Spaniens Alvaro Morata an.

Als alleiniger Held wollte sich "Grizou" aber nicht verstanden wissen. "Wir spielen für Frankreich und haben alles gegeben. Die Fans haben uns geholfen, dieses Achtelfinale zu gewinnen", sagte der 25-jährige Angreifer. "Der Retter, das war die Mannschaft."

Dabei sah es für "Les Bleus" zunächst alles andere als gut aus, bereits in der zweiten Minute ging Irland durch einen Foulelfmeter von Robbie Brady in Führung. Frankreich hatte mit der robusten Spielweise der Iren Probleme, fand lange keine Möglichkeit, gefährlich vor das Tor zu kommen. Erst nach der Pause und mit dem eingewechselten Bayern-Youngster Kingsley Coman kam die Equipe von Didier Deschamps auf Touren.

"Kingsley hat mit seiner Schnelligkeit den Unterschied ausgemacht", urteilte sein Teamkollege Blaise Matuidi über den 20-Jährigen. "Das war die beste Halbzeit, die wir bei diesem Turnier gespielt haben", betonte der Mittelfeldakteur von Frankreichs Serienmeister Paris Saint-Germain.

Allerdings ist nicht alles eitel Wonne im Team von Deschamps. Die Ergebnisse stimmen zwar, doch noch ist man zu abhängig von Genieblitzen einzelner Spieler. Der Druck, der auf den Spielern lastet, ist groß. Der Frage, ob das 2:1 gegen die Iren nun der Befreiungsschlag war, entgegnete Deschamps: "Ich hoffe es." Der Sieg gegen Irland könnte jedenfalls ein gutes Omen sein. Seit man 2000 gegen Italien Europameister wurde, gewann Frankreich bei drei EM-Endrunden kein einziges K.o.-Spiel, sofern man die Gruppenphase überstand. 2004 (0:1 gegen Griechenland) und 2012 (0:2 gegen Spanien) war übrigens jeweils gegen den späteren Europameister Schluss.

In die Runde der letzten acht wollen die Franzosen mit einer gesunden Mischung aus Optimismus und Respekt gehen. "Wir sind jetzt im Viertelfinale, und egal, welcher Gegner kommt, man kann sich keine Ausrutscher mehr erlauben, da muss man alles geben", betonte Deschamps.

Für Irland ist das Turnier hingegen beendet. Teamchef Martin O'Neill beklagte sich nach dem Aus über die kurze Regenerationszeit. "Drei Tage weniger als der Gegner zu haben ist eine unglaublich lange Zeit bei so einem Turnier. Wir wussten das schon vorher, aber es war definitiv ein Faktor." Vor allem in der zweiten Spielhälfte konnten die Iren das Tempo der Franzosen nicht länger halten. "Frankreich hat eine wirklich ausgezeichnete Mannschaft, ich wünsche ihnen jetzt alles Gute für das Turnier", respektierte O'Neill aber den Klasseunterschied, der nach der Pause nicht zu übersehen war.

Vor allem die irischen Fans werden der EM abgehen. Mit ihrer positiven Stimmung und ihren Gesangseinlagen in und außerhalb der Stadien bereicherten sie die Endrunde. "Ich könnte nicht stolzer auf sie sein. Sie haben uns immer unterstützt und sich vorbildlich benommen. Sie haben Irland würdig vertreten", lobte O'Neill die Anhänger.