Hochbegabte Belgier gegen Irland schon unter Druck

Trainer Marc Wilmots musste sich Einiges anhören

Trainer Marc Wilmots musste sich Einiges anhören

Eine außergewöhnliche Generation von Fußballern steht nach der 0:2-Niederlage gegen Italien schon früh unter Druck - und der Trainer in der Kritik. Belgien braucht am Samstag (15.00 Uhr) in Bordeaux gegen Irland unbedingt drei Punkte, wenn man eine Zitterpartie vermeiden will. Im Lager der Iren herrscht großer Respekt. "Belgien ist ein wirklich starkes Team", sagte Trainer Martin O'Neill.

Marc Wilmots dirigiert ein Team von Hochbegabten, das zwischenzeitlich die Nummer eins der FIFA-Rangliste war. Sogar DFB-Trainer Joachim Löw bezeichnete Belgien als einen Favoriten und sparte sich den Zusatz "Geheim". Umso größer war die Enttäuschung nach der Italien-Niederlage, die taktische Schwächen offenlegte und Belgien auf den letzten Tabellenplatz schleuderte.

Wilmots wurde unter anderem vorgeworfen, er lasse "mit angezogener Handbremse" spielen und habe der Mannschaft in seiner Amtszeit keinen "Mehrwert" verschafft. Für Verwunderung sorgte auch das Zitat von Keeper Thibaut Courtois, dass Italien die Belgier "taktisch deklassiert" habe.

Kapitän Eden Hazard wies die Kritik am Coach zurück. "Das ist Unsinn. Wir stehen hinter dem Trainer", versicherte der Chelsea-Star: "Er versucht, uns guten Fußball spielen zu lassen. Manchmal gelingt uns das nicht. Aber er steht nicht auf dem Platz." Kritik gab es aber nicht nur an Wilmots, sondern auch an Kevin de Bruyne von Manchester City, der von der italienischen "Oldie-Abwehr" vor Torhüter Gianluigi Buffon neutralisiert wurde.

Gegen Irland braucht Wilmots nicht nur einen gut aufgelegten De Bruyne, sondern auch eine Steigerung fast aller anderen Spieler. Sie sollen spielen, "als ginge es um Leben und Tod", sagte der Trainer, den die Schalke-Fans früher voller Bewunderung "Kampfschwein" riefen. Hinter De Bruyne steht aufgrund einer Muskelverletzung im Oberschenkel allerdings noch ein kleines Fragezeichen.

Gegen Irland hat Belgien bei großen Turnieren eine positive Bilanz. In sieben Spielen bei Welt- und Europameisterschaften gab es zwei Siege und fünf Unentschieden. Den bis dato letzten Sieg erkämpften die Iren 1966 (3:2) in einem Freundschaftsmatch.

Irland holte im Auftaktspiel der Gruppe gegen Schweden ein 1:1-Unentschieden. Vor der Belgien-Partie in Bordeaux, das seit Tagen von irischen Anhängern belagert wird, warnte Teamchef O'Neill vor einer Trotzreaktion des Gegners. "Sie sind sowieso immer gefährlich, aber jetzt sind sie wie ein verwundetes Tier", sagte der 64-Jährige. "Sie haben die Spieler, mit denen sie uns wehtun können. Wenn die enttäuscht sind über ihre Leistung gegen Italien, werden sie sich rehabilitierten wollen."

Ein Rezept hat O'Neill aber auch in der Tasche. "Belgien hat vielleicht die Gruppe der talentiertesten Spieler bei dem Turnier, aber im Kollektiv und physisch können wir ihnen sehr wehtun", sagte der Chefcoach, der im Angriff den verletzten Jonathan Walter (Achillessehnenprobleme) ersetzen muss. Für ihn könnte der Rekord-Internationale Robbie Keane (144 Spiele) beginnen.

"Der Trainer weiß, dass er auf mich zählen kann. Wenn ich nominiert werde, bin ich bereit", sagte der 35-jährige Stürmer von Los Angeles Galaxy, der seine Wadenverletzung auskuriert hat. Auf dem Rasen könnte er es öfters mit einem Liga-Rivalen zu tun bekommen: Bei Belgien verteidigt Laurent Ciman, der bei Montreal Impact in der Major League Soccer kickt.