"Höchste Alarmbereitschaft" bei Spanien nach 0:1-Niederlage

Spaniens Fußball-Nationalteam hat bei der EM-Generalprobe enttäuscht. Der Titelverteidiger blamierte sich am Dienstag in Getafe gegen Georgien mit 0:1. "Höchste Alarmbereitschaft" titelte das Sportblatt "Marca". Teamchef Vicente del Bosque versuchte aber zu beruhigen. "Wir haben ein außergewöhnliches Ziel, die Europameisterschaft. Dieses Ergebnis sollte uns nicht belasten", sagte der 65-Jährige.

Selbstvertrauen konnten die Spanier jedenfalls nicht tanken, die Leistung gegen die Nummer 137 der FIFA-Weltrangliste ließ über weite Strecken zu wünschen übrig. "Uns haben Lösungen gefehlt, das ist das Beunruhigende. Sie haben uns keinen Platz gelassen", räumte Del Bosque ein. Zudem leistete sich die Defensive einen Schnitzer, so konnte Tornike Okrischwili mit seinem überraschenden Tor in der 40. Minute zum Matchwinner avancieren. "Georgien lässt Spanien verblassen", schrieb die Tageszeitung "El Pais".

Die zahlreichen Chancen auf den Ausgleich ließen die nach dem Seitenwechsel drückend überlegenen Iberer ungenützt, Bayern-Spieler Thiago hatte schon davor das Aluminiumgehäuse getroffen. Während Spaniens Trainer die Abschlussschwäche seiner Truppe kritisierte, fand er lobende Worte für Andres Iniesta. "Mit Iniesta haben wir eine Linie gefunden und das Spiel besser verstanden", sagte Del Bosque. Der Barcelona-Mittelfeldspieler war zur Pause eingewechselt worden.

Gegenüber dem 6:1-Erfolg gegen Südkorea in Salzburg, wo noch die Spieler aus Madrid gefehlt hatten, hatte Spaniens Teamchef acht Änderungen vorgenommen. Reals Offensivspieler Lucas Vazquez kam zu seinem A-Team-Debüt. Das Tor hütete diesmal Manchester-United-Tormann David de Gea, der damit gegenüber Routinier Iker Casillas im Kampf um den Stammplatz die Nase vorne haben könnte.

Del Bosque ließ sich diesbezüglich aber weiter nicht in die Karten blicken. "Um zu sehen, wer in der ersten Partie gegen Tschechien spielt, müssen wir bis zum 13. warten. Ich muss die Entscheidung über die Torhüter nicht jetzt treffen", sagt der 65-Jährige. Für den 25-jährigen De Gea spricht aber, dass Del Bosque noch nie im letzten Testspiel vor einem Turnier einen anderen Schlussmann aufgeboten hat als im Ernstfall.

"San Iker", wie der Weltmeister, zweifache Europameister, Rekordnationalspieler und Kapitän, genannt wird, droht damit bei seiner fünften EM-Teilnahme die Ersatzbank. Grund zur Freude hat er aktuell aber auf jeden Fall, kam doch erst kürzlich sein zweiter Sohn Lucas zur Welt.

Für die Spanier war es die erste Niederlage seit einem Test-0:2 gegen die Niederlande im März 2015 und ein Rückschlag nach den jüngsten klaren Siegen gegen Bosnien-Herzegowina (3:1) und Südkorea (6:1). Am Mittwoch brach der Europameister in Richtung Frankreich auf, wo in Sainte-Marie-de-Re Quartier bezogen wird.

Am Montag wartet in Toulouse Tschechien als erster Gruppe-D-Gegner. Da sollte auch der angeschlagene und gegen Georgien geschonte Alvaro Morata eine Rolle spielen. "Wir haben uns dazu entschlossen, dass er nicht spielt, damit er zum EM-Start gegen Tschechien in Topform ist", betonte Del Bosque. Danach folgen die Duelle mit der Türkei (17. Juni) und Kroatien (21. Juni).