Kiraly könnte gegen Österreich Geschichte schreiben

Gabor Kiraly wird mit 40 Jahren zum ältesten EM-Spieler

Gabor Kiraly wird mit 40 Jahren zum ältesten EM-Spieler

Es ist die berühmteste Jogginghose der Fußball-Welt. Ungarns Torhüter Gabor Kiraly fällt aber nicht nur mit seiner extravaganten Bekleidungswahl auf dem Spielfeld auf. Der 40-Jährige könnte mit einem Einsatz am Dienstag in Bordeaux gegen Österreich auch EM-Geschichte schreiben. Er würde den Deutschen Lothar Matthäus als ältesten Spieler ablösen, der jemals ein EM-Spiel bestritten hat.

Wie man mit 40 Jahren noch so fit sein kann? "Das bleibt mein Geheimnis", erklärte Kiraly in Ungarns Teamcamp in Tourrettes der APA - Austria Presse Agentur. "Ich schaue darauf, jeden Tag zu arbeiten." Nach 18 Saisonen in Deutschland und England hat ihn seine Karriere im Vorjahr zurück in die Heimat geführt, zu seinem Stammclub Haladas Szombathely. Für Ungarn hat er bisher 103 Länderspiele bestritten - allesamt mit grauer Jogginghose.

Der Routinier trägt sie seit seinen Anfangsjahren bei Haladas. Damals hatte der Zeugwart vergessen, seine Tormannhose rechtzeitig zu waschen. Einzig saubere Alternative war ein "Jogger". Kiraly lief damit zur Hochform auf, sein Club hielt nach einer Serie von neun Spielen ohne Niederlage die Klasse. Der stets eine Nummer zu großen grauen Hose blieb der Keeper auch bei Hertha BSC Berlin, Crystal Palace oder 1860 München treu.

Kiraly wird sich damit aller Voraussicht nach auch Österreich in den Weg stellen. Der Routinier war in der erfolgreichen EM-Qualifikation gesetzt. Gegen das ÖFB-Team ist er in drei Duellen noch ohne Niederlage. Sein Debüt im Teamtrikot hatte Kiraly am 25. März 1998 ebenfalls gegen die Österreicher gegeben. Bei einem 3:2-Sieg in Wien hielt er sogar einen Elfmeter von Toni Polster. "Ich habe natürlich eine große Erinnerung daran", sagte Kiraly. "Das war ein super Erlebnis, aber es ist lange vorbei."

Mit 40 Jahren lebt der Kulttorhüter immer noch im Hier und Jetzt. Eine EM ist aber selbst für ihn etwas Neues. "Ich sehe Aufgaben, die jeder Spieler hat", sagte Kiraly. "Es ist sehr wichtig, Schritt für Schritt in der Gruppe weiterzukommen. Wir werden schauen, was wir erreichen können."

Die Ungarn gehen als Außenseiter in ihr erstes großes Turnier seit der WM 1986. "Jedes Spiel wird zu 100 Prozent schwer", meinte Kiraly. "Aber wir arbeiten gut und werden bereit sein." Auf die Qualitäten der Österreicher wollte er gar nicht näher eingehen. "Ich schaue immer nur auf unsere Arbeit und auf uns. Wir werden hoffentlich als Mannschaft auftreten. Jeder muss seine Leistung bringen."

Seine Bestmarke, mit der er den bei der EM 2000 39-jährigen späteren Ungarn-Teamchef Matthäus übertreffen wird, bedeutet ihm ebenfalls nicht sonderlich viel. "Nach dem Spiel oder nach der EM können wir darüber reden", sagte Kiraly. "Jetzt kann ich nichts sagen, weil ich kein Gefühl darüber habe. Ich schaue nur auf das nächste Spiel."

Dieses ist auch für einen seiner Ersatzleute "etwas ganz Besonderes". Leipzig-Keeper Peter Gulacsi war mit Salzburg 2014 und 2015 österreichischer Meister. Mit einem Einsatz rechnet der 26-Jährige aber nicht. "Wir wissen, dass Gabor Kiraly in der Qualifikation gespielt hat. Er ist derzeit die Nummer eins", erklärte Gulacsi. "Aber wir Torhüter versuchen im Training immer, ihn unter Druck zu setzen."

Der Dritte im Bunde ist Denes Dibusz von Meister Ferencvaros Budapest. Gulacsi zum Konkurrenzkampf: "Wichtig ist, dass die Mannschaft gewinnt." Und damit selbst Geschichte schreibt. Ungarn hat noch kein EM-Spiel in der regulären Spielzeit für sich entschieden. Den einzigen Sieg gab es 1964 im Spiel um Platz drei in der Verlängerung gegen Dänemark. Selbst Kiraly kam erst zwölf Jahre später zur Welt - am 1. April 1976.