Löw ließ Bedenken abprallen: "Bin absolut entspannt"

Der DFB-Teamchef gab sich entspannt

Der DFB-Teamchef gab sich entspannt

Freizeit statt Training und demonstrative Gelassenheit als Beruhigungsmittel für die öffentliche Aufgeregtheit: Der deutsche Bundestrainer Joachim Löw hat oberhalb des Genfersees am arbeitsfreien Tag für seine 23-EM-Spieler die von der tristen "Nullnummer" gegen Polen aufgeschreckte deutsche Fußball-Nation zu besänftigen versucht.

Löw hält bei der EM in Frankreich an seiner Marschroute fest. Für radikale taktische und personelle Umbaumaßnahmen sieht er beim finalen Gruppenspiel gegen die kampfstarken Nordiren keinerlei Notwendigkeit. "Ich bin absolut entspannt", verkündete Löw am Samstag im Teamhotel in Evian-les-Bains.

Die außerhalb des Teams aufgekommene Nervosität nach einer nicht gewonnenen Partie überraschte den Weltmeister-Trainer nicht. "Jetzt spielen wir einmal 0:0 bei einem Turnier - und die Diskussionen kommen wieder", sagte Löw etwa zu der neu entflammten Führungsspielerfrage im DFB-Team.

Löw ist weiterhin davon überzeugt, dass der Champion am Dienstag (18.00 Uhr) in Paris als Erster der Gruppe C ins Achtelfinale einziehen wird. "Wir wollen gegen Nordirland gewinnen, wir werden gewinnen, wir werden die Gruppe gewinnen", verkündete er.

Der Chef hält konsequent Kurs. Auch vom geplanten ersten freien Tag für seine Spieler in Evian rückte Löw darum nicht ab. "Es ist wichtig, während eines Turniers manchmal auch ein bisschen runterzufahren", begründete der Coach. Er öffnete das Teamhotel auch für die Spielerfrauen. Das Trainerteam tüftelte aber bereits an der Taktik für die nächste Partie.

Große Umbesetzungen wird es bei Deutschland nicht geben. Für Bastian Schweinsteiger und Mario Gomez zeichnet sich eine dritte Partie als Ersatzkräfte ab. Es sei "erfreulich", wie sich Kapitän Schweinsteiger "herangearbeitet" habe, sagte Löw, während er wenig später Toni Kroos und Sami Khedira als derzeitige Ideallösung im defensiven Mittelfeld anpries.

Trotz der bisher fehlenden Durchschlagskraft sprach Löw in der Offensive Mesut Özil, Thomas Müller und Mario Götze sein Vertrauen aus. "Ich glaube an ihre Fähigkeiten." Müller und Özil würden schon noch kommen im Turnier, beruhigte Löw. Und Götze besitze die Fähigkeit, mit einem Pass fünf, sechs Gegner zu überspielen.

Ausdrücklich gut hieß der Chefcoach das Verhalten von Abwehrchef Jerome Boateng, der das mangelhafte offensive Durchsetzungsvermögen im Polen-Spiel öffentlich beklagt hatte. "Ich fand es gut, dass er nach dem Spiel die Dinge so klar angesprochen hat", erklärte der Ex-Trainer der Wiener Austria und des FC Tirol.

Boateng hatte auch während des Spiels unter anderem Andre Schürrle und seinen Bayern-Kollegen Müller auf dem Platz gerüffelt. "Ich glaube, ich habe das Recht, als Führungsspieler etwas zu sagen", meinte Boateng. Löw zerstreute am Samstag zugleich Zweifel, dass der Abwehrchef wegen einer Hüftprellung gegen Nordirland ausfallen könnte. "Er ist für den Dienstag absolut eingeplant", sagte Löw.